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Reflektion der FAG

Es war die “Hölle von Volmarstein” und es geschahen auch Verbrechen: an behinderten Kleinkindern und Schulkindern.

Nach der Vortragsveranstaltung in der Martinskirche der Ev. Stiftung Volmarstein traffen sich Mitglieder der Arbeitsgruppe und einige Freunde und Gäste in der Wohnung des Gruppensprechers zu einem Gedankenaustausch.

Zunächst begrüßte die Arbeitsgruppe einen besonderen Gast: Erika Bach, Frau des am 08.März 2009 verstorbenen ehemaligen Gruppenmitglieds Dr. Ulrich Bach. Die Gruppe bedauerte, “dass Ulrich nicht mehr die Früchte seiner Saat miterleben kann.” Schließlich hat Ulrich Bach den Anstoß dazu gegeben, dass die Gräueltaten im JHH in den 50er und 60er Jahren aufgearbeitet werden. “An diesem Prozess war Erika permanent mitbeteiligt. Sie hat ihm stets helfend zugearbeitet, insbesondere in den letzten zwei Jahren. Erika Bach hat sich außerdem persönlich sehr für die Arbeiten der FAG interessiert.”

Einsatz fĂĽr die Sache:

Hartmut Specht aus Herdecke fuhr zwischen dem 25. und 28.03.09 mehr als 3.000 km. Zunächst holte er einen ehemaligen Mitschüler aus Berlin ab und brachte ihn wenige Tage später wieder heim. Dann holte er auch unser Gruppenmitglied Wolfgang Möckel aus Holland ab und brachte auch ihn wieder zurück. Seine Frau Barbara beherbergte drei Ehemalige. Beiden an dieser Stelle: Dankeschön!

Freundschaftlicher Beistand:

Die längste Anfahrt, nämlich ca. 600 km mit dem Zug, hatte Ruth Tschabold aus Reinach in der Schweiz. Frau Tschabold ist 76. Vor 31 Jahren lernte sie MB im Rahmen einer Freizeit kennen.
Frage an Ruth: “Warum sind Sie extra zu dieser Veranstaltung angereist?”
Ruth: “Das Thema hat mich natürlich interessiert; - aber ich wollte auch bei Marianne sein.”
Frage: “Was verbindet Sie so mit Marianne?”
Ruth: “Sie gehört schon längst zu unserer Familie!”

Reflektion der Arbeitsgruppe:

HJ Gruppensprecher: „Es ist festzustellen, dass die Grausamkeiten auf der Kleinkinderstation und die sexuellen Übergriffe des Schulrektors F. in den Ausführungen der Historiker noch nicht eingeflossen sind.“

EF: “ Mich hat sehr die Stellungnahme zur Homepage von Herrn Schmuhl beeindruckt. Es ist gut, dass sie dadurch aus dieser Grauzone herauskam. Man hatte immer das Gefühl: Sie ist nicht anerkannt und man spricht ihr den Wahrheitsgehalt ab.”

CF: „Was für mich neu war, war die Tatsache, dass hinter Frau Steinigers Gewalt einfach ein System stand. Eine Philosophie kann man fast sagen.”

HJ: „Kann ich die Gewalttätigkeiten auch so verstehen, dass ein gewisses System dahinter stand, und zwar ein System in der Form, dass man uns längst abgeschrieben hat im Hinblick auf das neue Haus?“

Zustimmendes Gemurmel

KD: „Ja, ich würde es allerdings ergänzen und sagen, es gab ein System, das als Legitimation benutzt wurde, um sich unbegrenzt darauf auszuleben. Weil wichtig ist, eben immer noch diesen Unterschied zu machen. Ich wehre mich dagegen, dieses Hintergrundsystem als Entschuldigung und Erklärung zu benutzen. Es ist ja auch uns gegenüber verschiedentlich benutzt worden. Ich will sagen: “Ich verstehe, dass es so einen Hintergrund gegeben hat, der es aber ermöglicht hat, über diese Bedingungen hinaus zu gehen, und sich dann entsprechend nach eigener Empfindlichkeit auszuleben – in entsprechender Aggressivität und Grausamkeit. Das ist für mich immer wichtig: Auch das Gutachten bestätigt, dass es eben nicht nur der Hintergrund war, sondern dass es über diesen Hintergrund hinaus ging.“

MB: „Also ich habe auch empfunden, dass dieser Tag fĂĽr uns alle sehr, sehr wichtig war. Ich habe jetzt das GefĂĽhl, dass man nicht mehr an uns vorbeikommt mit irgendwelchen Ausreden. Ich fand die Ausarbeitung von Herrn Professor Schmuhl sehr gut. Mich hat fasziniert, was er und Frau Dr. Winkler, was beide so zusammengetragen haben. Und es war fĂĽr mich heute ein sehr, sehr schwerer Tag; - das könnt Ihr sicher nachvollziehen. Aber ich bin froh, dass ich das durchgestanden habe. Und ja, mir hilft es fĂĽr die Zukunft. Ich denke, dass Volmarstein jetzt nicht mehr an dieser Geschichte vorbeikommt. Das ist so mein Empfinden.“ 

E:„Ich möchte gerne wissen, an wen die Forderungen gestellt werden? An die Diakonie, die das Unrecht geduldet hat, oder an Volmarstein?“

KD: „Es gibt mehrere Adressaten. Der erste und wichtigste Adressat wäre erst mal die Einrichtungsleitung. Also die Verantwortlichen der Einrichtung. Sie stehen stellvertretend für die Vorgänger. Und das zweite ist eben die Frage, welche Forderungen wo hingehören. Das hat ja Herr Schmuhl sehrklar dargestellt: Wie hält man das Geschehen innerhalb der Einrichtung am Leben und in Erinnerung? Weiterer Adressat ist möglicherweise die Kirche und sind natürlich auch Politiker im Rahmen der Frage von Wiedergutmachung, also von Schadensersatz, von Schmerzensgeldern oder Ähnlichem.“

HJ: „Kann es sein, dass wir jetzt schon den nächsten Punkt diskutieren, nämlich: „Was erwarten wir nun ab dieser Veranstaltung?“

Die Anwesenden diskutierten über die Aussage von Professor Schmuhl auf die Anfrage der epd-Journalistin nach der Glaubwürdigkeit der Homepage. Der Gruppensprecher fasste zusammen: „Die Arbeitsgruppe empfindet Genugtuung darüber, dass die Historiker die Aufarbeitungen der FAG in vollem Umfang als glaubwürdig betrachten.“

KD: „Ich möchte noch unterstreichen - weil das an den verschiedenen Stellen auch immer in den Zwischengesprächen zum Ausdruck gebracht worden ist und weil sich die Historiker in dieser Richtung bedankt haben - dass die beiden Historiker das Vertrauen, das wir ihnen entgegen gebracht haben, auch verdient haben.“

HJ: „Welche Konsequenzen hat denn der heutige Tag?“

JT: „Es sind von der ESV wichtige Leute heute da gewesen, und inzwischen ist dieses auch in der Einrichtung ein Thema. Ich denke, dass bei den Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Etagen jetzt sehr sorgfältig zugehört wird und nach der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft in Volmarstein offensichtlich ein Besinnungswandel stattgefunden hat. Die Welle vor der Tür ist so groß, jetzt geht die Tür nicht mehr zu! Denn es war heute große Öffentlichkeit da.“

HJ: “Klaus hat vor wenigen Minuten angedeutet, eigentlich können die Konsequenzen nur sein: Durchsetzung der Forderungen an drei verschiedenen Stellen. Die erste Stelle wäre die Ev. Stiftung Volmarstein, die zweite heißt ...?“

KD: „Also, wenn du da jetzt so dran gehst, wĂĽrde ich sagen, die erste Stelle ist Volmarstein, die zweite  ist der Runde Tisch.”

EB: „Wenn wir schon bei der Diakonie sind, dann müssen wir ja auch bei der Diakonie bleiben. Dann muss der Diakoniepräsident ...“

KD: „...also, Herr Kottnik müsste angeschrieben werden, weil wir von dem für die Veranstaltung auch eine Absage erhalten haben. Wir müssen ihm jetzt signalisieren: Mein guter Freund, da hast du was Wichtiges verpasst und hier musst du jetzt nacharbeiten, Schularbeiten machen.”

JT: „Gedankliche Hilfe: Er möge sich mit Pfarrer Dittrich in Verbindung setzen, damit er ihm den Vortrag geben kann.“

Die Arbeitsgruppe diskutiert über eine Pressemitteilung an die Westfälische Rundschau. Es ging unter anderem um unsere Erwartungen an den Runden Tisch.

KD: „Die Forderung an den Runden Tisch muss heißen, dass wir an ihm als Gruppe personell vertreten werden, und zwar mit einer Person unseres Vertrauens.”

HJ: „Vorschlag zum Gruppenbeschluss: Die Arbeitsgruppe fordert vom Runden Tisch, dass sie personell am Runden Tisch beteiligt wird mit einer Person ihres Vertrauens, welche die Interessen der zahlreichen anderen behinderten Opfer, die sicher in anderen Einrichtungen zu finden sind, mit vertreten soll.Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Diplomtheologen/Diplompsychologen Dierk Schäfer aus Bad Boll.”