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Blick über den Tellerrand 2 - über andere Heime und ehemalige Heimkinder

Das tiefe Bedauern der Kirchen lässt auf konstruktive und offene
Beratungen hoffen. Doch ist es nur ein erster kleiner Schritt in
Richtung eines fairen Ausgleichs mit den Opfern. Diese wollen nicht
nur, dass Unrecht benannt wird, sondern fordern völlig zu Recht auch
finanzielle Wiedergutmachung. Wer unbezahlte Zwangsarbeit leistete,
wer für sein ganzes Leben schwer traumatisiert worden ist und
darunter auch im Berufsleben gelitten hat, der darf nicht nur mit
einem warmen Händedruck und ein paar gefühlvollen Worten abgespeist werden.

VOLLMER DÜPIERT BETROFFENE -
EHEMALIGE HEIMKINDER SETZEN SICH ZUR WEHR
Nach der konstituierenden Sitzung des Runden Tisches zur Heimerziehung in den 50er- und 60er Jahren vom 17.02.09 ist für den 02./03.04.09 die erste inhaltliche Sitzung des Runden Tisches angesetzt. Bereits im Vorfeld dieser ersten Sitzung sieht sich der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH), der am Runden Tisch die Interessen der geschätzt 500.000 Betroffenen vertritt, von der Leitung des Runden Tisches schikaniert.

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Nachdem sich der Runde Tisch "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" am 17. Februar 2009 auf Beschluss des Deutschen Bundestages und unter Vorsitz von Frau Dr. Antje Vollmer, Bundestagsvizepräsidentin a.D., in Berlin konstitutierte, tritt er nun am 2./3. April 2009 zur zweiten Sitzung zusammen.
Unter anderem wird in dieser nichtöffentlichen Sitzung des Runden Tisches aus der Arbeit von Infostellen einzelner Bundesländer berichtet. Darüber hinaus wird es um Erfahrungsberichte Betroffener und ehemaliger Erzieher sowie um eine zeitgeschichtliche Einordnung der damaligen Heimerziehung durch Vertreter der Wissenschaft gehen.

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BERLIN. Um den Runden Tisch zur Aufarbeitung des Schicksals ehemaliger Heimkinder in der Bundesrepublik gibt es erneut Streit. Der Verein ehemaliger Heimkinder, der die Opfer am Runden Tisch vertritt, wirft der Koordinatorin des Gremiums, Antje Vollmer, vor, sich auf unzulässige Weise in seine Belange einzumischen.

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 Frage taz.de an Bischöfin Margot Käßmann:
Wird sich die Kirche nicht auch bei den Opfern entschuldigen müssen?
Ich kann das für meine Kirche tun. Ich bitte um Entschuldigung. Aber ich finde das Wort 'Entschuldigung' im Grunde zu banal. Die Verletzungen, die man den Kindern und Jugendlichen beigebracht hat, haben deren gesamtes Leben geprägt. Ich kann nicht begreifen, wie Menschen mit einem christlichen Ethos so mit Kindern umgehen konnten.

Zu den Forderungen des Vereins ehemaliger Heimkinder, die als Vertreter der Opfer am Runden Tisch sitzen:
“Die ehemaligen Heimkinder der 50er- und 60er-Jahre verrennen sich in ein grandioses Missverständnis. Sie glauben, ihr Schicksal gleiche dem der Zwangsarbeiter Nazideutschlands und müsse entsprechend entschädigt werden. Also gehen sie, von interessierten Anwälten schlecht beraten, genauso vor. Sie haben Dollarzeichen in den Augen.”

Link taz.de 01.04.09

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Der Runde Tisch zur Aufarbeitung des Schicksals der Heimkinder in der Bundesrepublik der 50er- und 60er-Jahre hat die vom Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) geforderte Teilnahme eines Rechtsbeistandes in dem Gremium zurückgewiesen. Der Runde Tisch, der Ende dieser Woche zu seiner zweiten Sitzung zusammengekommen war, habe beschlossen, keine Anwälte zuzulassen, erklärte die Koordinatorin des Gremiums, Antje Vollmer (Grüne) am Freitag in Berlin.

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Pfarrer Dierk Schäfer am 02. 04. 2009 vor dem Runden Tisch
“Nachdem immer mehr Heimkinderschicksale publik wurden und sich auch stellenweise Betroffenengruppen aus einem Heim zusammenfanden, war nicht mehr zu leugnen, daß einer nicht unerheblichen Anzahl ehemaliger Heimkinder Unrecht geschehen war durch Mißhandlungen, Ausbeutung und Mißbrauch. Nun gab es Betroffenheitsbekundungen vonseiten einzelner Kirchenvertreter und Heimträger. Doch diese „Entschuldigungen“ wiesen zumeist Schlupflöcher auf. Der Forderung nach Entschädigung wurde entgegengesetzt, vieles sei einfach zeitbedingt gewesen, Gewalt in der Erziehung normal, wie auch die Inanspruchnahme der Arbeitskraft zumindest auf dem Land üblich, und man habe eben in dieser Zeit auch mit kaum ausgebildeten Personal arbeiten müssen. Das erklärt manches, entschuldigt aber nichts. Die ehemaligen Heimkinder sehen darin nur Ausflüchte und werden/bleiben mißtrauisch. Die Verantwortung des Staates, der Heimträger und ihrer Rechtsnachfolger bleibt.”

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Ich wurde im Heim vom Pater missbraucht
Eines Abends trat eine Nonne an Trudis Bett, belästigte das Kind mit ihren harten Händen und hielt ihm dabei den Mund zu. „Auch Pater B. befriedigte sich mehrfach an uns.“ Ein einziges Mal vertraute sich Nummer 203 einer Nonne an: „Sie sagte: Das hat Dir der Teufel eingeredet, du Lügnerin!“ Und wieder kam der Stock.
Danach wagte sie keine Gegenwehr mehr. Selbst als erwachsene Frau schaffte es Gertrud T. nie, sich gegen sexuelle Übergriffe von Männern zu wehren: „Ich war zum perfekten Opfer erzogen worden.“

Sich der Geschichte stellen
Fachgespräch zur Heimerziehung in den 50er/60er Jahren
Aktive Öffentlichkeitsarbeit
Wie eine Einrichtung praktisch mit dem öffentlichen Interesse für die Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren umgehen kann, berichtete Rüdiger Scholz von der Diakonie Freistatt, einer Gesellschaft der v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel. Über Freistatt wurde in den letzten Monaten viel in den Medien berichtet, da hier die Verhältnisse besonders schlimm waren. Der Träger stellt sich dieser Geschichte und hat eine historische Untersuchung in Auftrag gegeben, die Anfang Mai veröffentlicht werden soll. Gleichzeitig bemüht sich die Öffentlichkeitsarbeit, den Medien auch ein Bild der modernen Jugendhilfe heute zu vermitteln. Ähnlich ging auch der Neukirchener Erziehungsverein vor, der eine Journalistin beauftragt hat Zeitzeugeninterviews durchzuführen.

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Es gab Gruppen und Einrichtungen der Fürsorgeerziehung, die in den Jahren zwischen 1950 und ca. 1970 systematisch eine menschenrechtswidrige Betreuung praktizierten – diese müssen konkret benannt und belegt werden.
Nach dem heutigen Stand der Erkenntnis sind in Gruppen und Einrichtungen, die diese
Funktion der „letzten Station“ erfüllt haben, systematisch - und nicht nur in Einzelfällen -
junge Menschen unter Missachtung grundlegender Verfassungsgebote zur Achtung der
Menschenwürde betreut worden: Körperliche Züchtigungen, Wegsperren in Isolierzellen,
pauschale Bestrafung, Zwangsarbeit, Verweigerung von Ausbildungsleistungen,
Kontaktsperren usw. gehörten häufig zu den angewendeten Praktiken in solche Gruppen
und Anstalten. Diese Erkenntnis ist hinreichend durch seriöse Forschungen, inzwischen
mehrfach auch durch selbstkritische Dokumentation solcher Einrichtungen, belegt und wird
aktuell in zahlreichen Forschungsprojekten vertiefend aufgearbeitet.

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Persilschein für die Heime?

Bedauern über pädagogische Entgleisungen
Dass es in den 50er und 60er Jahren auch in evangelischen Kinder- und Jugendheimen zu „pädagogischen Entgleisungen“ gekommen ist, bedauert der evangelische württembergische Landesbischof Frank Otfried July in seiner neuen Videobotschaft. Zu sehr habe man sich unreflektiert pädagogischen Zeitgeistvorstellungen angepasst, der Geist mancher Erziehungs- und Führungskonzepte sei in manchen Bereichen weit weg gewesen von dem, was christliches Miteinander ausmache: „dem Nächsten dienen“ und „im Nächsten Gottes Geschöpf sehen“.
Film: 19.02.2009 / Dauer: 4:50 / Autor: Redaktion Kirchenfernsehen

Stapf: Kleinkinder im Bett festgebunden
Sie sei in einem dunklen Keller gesperrt, geschlagen, an den Haaren gerissen und regelmäßig mit eiskaltem Wasser aus dem Duschschlauch ins Gesicht gespritzt worden. Kleinere Kinder seien regelmäßig mit Füßen und Händen in ihren Gitterbettchen festgebunden worden, das habe sie mit eigenen Augen gesehen.
...
Einer der Niederbronner Schwestern, die sie «als Liebling und als Objekt« von Quälereien benutzt habe, wirft Petra Stettner sexuellen Missbrauch vor. Die Erzieherin habe sie beim Waschen so heftig berührt, dass es zu ständigen Scheidenreizungen gekommen sei. Die 54-Jährige hat bisher noch nie über ihre Zeit im Kinderheim gesprochen. Sie sagt: «Ich habe mich so sehr geschämt.«

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dradio.de - Kommentar 17.02.2009
"Zu groß war die Scham der Betroffenen. Zu mächtig mag ihnen der Einfluss ihrer Peiniger erschienen sein. Denn das Leid, das am Runden Tisch nun öffentlich gemacht wird, wurde verübt von Erwachsenen, die sich im Dienste Gottes sahen und von den Kirchen oder kirchlichen Einrichtungen für die Erziehung Schutzbefohlender bezahlt wurden.
...
Sie raubten den Heimkindern Gott und Urvertrauen und den Glauben an die Menschlichkeit.”

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Schneckenbrot und Tatzensteckerl
Ruth Anders ist heute 62 Jahre alt und lebt nach wie vor in München. Zweimal im Jahr bekommt sie Post aus Feldkirchen: die Einladung zum Weihnachts- und zum Sommerfest. Hingegangen ist sie bis jetzt noch nie. Ins Heim kam sie mit acht, 1955 war das. Die Mutter sah sie von da an nur noch einmal im Monat. Das Heim war jetzt ihr Zuhause. Dort aber musste man sich schweigend waschen, musste schweigend essen. "Verboten war eigentlich alles, was Spaß machte." Und verboten war auch jede Form von Zärtlichkeit. Sie habe sich gesehnt nach Zuwendung und Liebe, sagt Anders. Doch sie kann sich nicht daran erinnern, von den Erzieherinnen in den Arm genommen worden zu sein. Im Schlafsaal wachte eine Aufpasserin darüber, dass die Mädchen ihre Hände über der Bettdecke hielten - wohl aus Sorge vor "unzüchtigem Treiben". "Wir haben das überhaupt nicht verstanden", klagt Anders. Unter größter Vorsicht schob sie ihre Hand ab und an zur Nachbarin hinüber. Dann kraulten sich die Mädchen an den Handgelenken und fühlten sich nicht ganz so einsam.

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11.04.2009
"Schwarze Pädagogik"
Jugendamt will Geschichte der Heime erforschen
Wie viele ehemalige Heimkinder in München nach Kriegsende bis in die 70er Jahre unter der "schwarzen Pädagogik" gelitten haben, ist unerforscht. ...
Das Jugendamt will nun einen Historiker beauftragen, der die verworrene Aktenlage klären und Zeitzeugengespräche führen soll. ... Beim Verein der ehemaligen Heimkinder haben sich bislang überwiegend Menschen aus Norddeutschland gemeldet. Eine Erklärung könnte sein, dass die Situation in Bayern nicht so dramatisch war wie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Hessen wo es, so Kurz-Adam, "extrem große Heime auf dem flachen Land gab". Und je größer und abgelegener die Heime, umso weniger Kontrolle gab es oft. In München sei die Jugendhilfe indes eng mit dem Bürgertum verwoben gewesen, es gab Spender, die die Heime besuchten und so Einblick bekamen. Davon zumindest geht man bei der Stadt bislang aus.

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SPD will bei Heimkindern „am Ball bleiben“
Von Uwe Westdörp
Hannover/Berlin.
Grundsätzlich sind sich alle Parteien im Landtag einig: Das Schicksal von Heimkindern in den 1950er- und 1960er-Jahren ist „eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Kinder- und Jugendhilfe“, so der SPD-Politiker Uwe Schwarz. Übereinstimmend haben Partei- und Regierungssprecher im Februar im Parlament Aufklärung verlangt. Doch seither ist es nicht recht vorangegangen, weshalb die SPD-Fraktion, die auf einen runden Tisch für Niedersachsen drängt, nun eine Anhörung für den 4. Mai anberaumt hat. Gestern sind die Einladungen verschickt worden: „Wir wollen bei dem Thema am Ball bleiben, es muss weitergehen“, heißt es in der SPD.

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Die Betreuer wurden mit den Kindern ausgestoßen
Von Susanne Kusicke, Ludwigsburg
Werner Hertler kam als Neunzehnjähriger auf die Karlshöhe. Er stand in der Ausbildung zum Diakon, das erste Jahr hatte er in einem Kinderheim in Hamburg gearbeitet. Jetzt also die Karlshöhe in Ludwigsburg bei Stuttgart. „Nun, Bruder Hertler“, sagte der Direktor, „Sie gehen zu Fräulein März, der Erzieherin im Oberen Haus, Sie haben ja schon Erfahrung mit der Erziehungsarbeit.“ Und so wurde Hertler zum Hilfserzieher für 18 Jungen zwischen neun und 15 Jahren, fast allein verantwortlich für ihren gesamten Tagesablauf, für Gesundheit und Erziehung, mit einer Freistunde am Tag und freien Sonntagen alle zwei Wochen. „Es war eine Aufgabe, der ich mich mit ganzer Kraft gestellt habe“, sagt der leicht ergraute Mann. ...
Hertler gehört zu den wenigen Erziehern und Verantwortlichen aus jener Zeit, die sich überhaupt öffentlich über ihre Rolle äußern und Vorverurteilungen nicht fürchten. Denn seit Erscheinen des Buchs „Schläge im Namen des Herrn“ von Peter Wensierski im Jahr 2006 fühlen sich viele frühere Erzieher pauschal verurteilt und zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Zeitumstände würden nicht berücksichtigt, lautet vielfach die Kritik, und es werde kaum gefragt, was in der Erziehung damals weithin für normal gehalten wurde.

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Die nächsten Sitzungen Runder Tisch Berlin finden statt:
3. Sitzung am 15.06.09
4. Sitzung am 08.09.09
5. Sitzung am 05.11.09
Info im Diakonieforum

„Einsam, isoliert, gedemütigt“
Von Uwe Westdörp
Osnabrück.
Es geht um harte Schicksale und die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Nachkriegsgeschichte: Antje Vollmer, ehemalige Bundestagsvizepräsidentin, berichtet über ihre Arbeit als Vorsitzende des „runden Tisches“ Heimkinder:
Frau Vollmer, der runde Tisch zu den Schicksalen der Heimkinder in den 1950er- und 1960er-Jahren hat jetzt zweimal getagt. Welches sind Ihre wichtigsten ersten Eindrücke?
Alle sind beeindruckt von den teilweise sehr erschütternden Berichten der Betroffenen. Zugleich ist es eine große Verantwortung, in einer so schwierigen Angelegenheit eine Lösung finden zu müssen. Immerhin hat dies ja auch der Petitionsausschuss des Bundestages drei Jahre lange versucht, die Aufgabe dann aber weitergegeben.
Inzwischen gab es bereits ersten Streit am runden Tisch. War es richtig, den Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) einzuladen?
                                                                                                                                     ... weiter siehe Link

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katholisch-kirchlicher Umgang mit ihrem Täter
aus Spiegel-online 20. 04. 09: "MISSBRAUCH - Unter Brüdern" von Peter Wensierski
Schon 1985 fiel Weiß im Bistum Würzburg erstmals auf, nachdem er im fränkischen Miltenberg mehrere Kinder geküsst und ihnen in die Hose gefasst hatte. Es kam zu einer ersten Verurteilung, dann zur Zahlung einer Geldbuße von 8000 Mark gegen Einstellung des Verfahrens. Dennoch wurde Weiß kurz darauf mit Hilfe des damaligen Limburger Generalvikars Raban Tilmann 170 Kilometer entfernt wieder Seelsorger.

Wenige Jahre später musste Pfarrer Weiß seine neue Gemeinde in Ransbach-Baumbach im Bistum Limburg verlassen, nachdem Messdiener erneut von sexuellen Übergriffen berichtet hatten. Weiß gab gegenüber der Kirche zu, dass er auch in seiner neuen Pfarrstelle "Kinder streichelt, weil er sie gernhat". Generalvikar Tilmann verzichtete jedoch auf ein Disziplinarverfahren und steckte ihn als Seelsorger in ein Frankfurter Krankenhaus, ungeachtet der Vorwürfe, dass er bei Krankenbesuchen Kinder unsittlich berührt haben soll. 1992 übergab Limburg den Seelsorger ins Bistum Bamberg - mit angeblich guten Referenzen
.

Link zum Bericht und Film

Von 1910 bis in die 1970er-Jahre gab es eine Kultur der Gewalt in Freistatt. Das geht aus den schriftlichen Berichten der Jugendhilfe-Einrichtung hervor. Für sein Buch "Endstation Freistatt", das im September dieses Jahres erscheint, kann sich Prof. Dr. Matthias Benad auf Tausende von Akten beziehen. Darüber hinaus hat der Leiter des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte der Kirchlichen Hochschule Bethel mit ehemaligen Zöglingen gesprochen und Nazareth-Diakone interviewt, die damals für die Heimerziehung der männlichen Kinder und Jugendlichen zuständig waren. "Wir müssen uns heute fragen, inwieweit die Schläge und Demütigungen mit dem christlichen Selbstverständnis zu vereinbaren sind", sagt Prof. Benad.

Die Zöglinge im Alter von 14 bis 21 Jahren wurden als unentlohnte "Zwangsarbeiter" in der Torfwirtschaft der Diakonie eingesetzt. In der Abgelegenheit des Wietingsmoors gab es niemanden, dem sie sich hätten anvertrauen können. Disziplinierungen und die Prügelstrafe waren an der Tagesordnung. Gewalt erfuhren die Zöglinge aber auch von anderen Zöglingen. "Das wurde nicht nur geduldet, sondern gefördert", so Prof. Benad.

Ältere Jungen wurden zu Hilfserziehern gemacht, vergleichbar den Kapos in ehemaligen Straf- und Gefangenenlagern. Und sie waren nicht zimperlich mit ihren Strafaktionen. "Das kann den Hausvätern nicht entgangen sein", ist Prof. Benad überzeugt.

ab 15. 5. 09 im Handel

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Grausamkeiten gegenüber Heimkindern in den 50er- und 60er-Jahren auch im Wittekindshof
Betroffene klagt an

"Immer wieder gab es Schläge mit dem Kleiderbügel auf den Rücken - selbst bei nichtigsten Anlässen. Es wurde uns der Kopf auf den Holztisch geschlagen, wenn in der Mittagspause geredet wurde. Oder wenn wir uns widersetzt haben, wurde uns ein Medikament gespritzt. Danach war man benommen und nicht mehr handlungsfähig", beschreibt sie das Erlittene.
...
"Die Schwester hat mich in das Besinnungsstübchen gesteckt", erzählt Hildegard Neumeyer, und die sonst so resolute Stimme wird leise. Das sei ein Raum unterm Dach gewesen, das Fenster dunkel übermalt. "Ich war elf Jahre alt und wollte einfach nur sterben." Ein Schluchzen unterbricht den Satz, Tränen kullern. Es dauert einige Zeit, dann hat sich die 63-Jährige wieder gefangen. Leise erzählt sie davon, dass sie deshalb das Essen verweigert habe. "Aber ich wurde festgehalten und alles zwangsweise in mich hineingeschaufelt. Selbst Erbrochenes."

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LVR stellt sich seiner Vergangenheit
So fand Prof. Jürgen Rolle, der Vorsitzende des LVR-Landesjugendhilfeausschusses, schon zu Beginn der Veranstaltung klare Worte: "Ich möchte für mich persönlich und auch stellvertretend für den LVR ausdrücken, dass ich tief betroffen über die Bedingungen bin, unter denen Kinder und Jugendliche in Heimen, auch in denen des LVR, leben mussten. Und ich bedaure, dass ich in einem ersten Schritt nicht mehr tun kann, als hier und jetzt öffentlich eine Entschuldigung dafür auszusprechen."
...
Michael Mertens, LVR-Dezernent für Schule und Jugend, richtete seinen Blick in die Zukunft: "Die Ergebnisse der Studie werden wir der Öffentlichkeit zugänglich machen und danach über die Frage eines Entschädigungsfonds beraten. Außerdem besteht die Idee, eine Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit Betroffenen oder ihren Interessenverbänden einzurichten."

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Anleitung zum Beantworten peinlicher Fragen
Fundstelle:http://dierkschaefer.wordpress.com/

komplett als doc-Datei

Kommentar zum privaten Blog
"a comment has been posted by Bernhard Leihe on your blog helmutjacob
Comment extract:
Sieht man von den Ausnahmen ab, waren Heime - insbesondere der konfessionellen Richtung - systematische Folteranstalten, inj denen Kinder auf unbeschreibliche Weise depraviert und für's Leben zerstört wurden. Ich war von Geburt an in katholischen Heimen und kann aus eigener Erfahrung berichten, das alle hier auf dieser Seite beschriebenen Foltermethoden tägliche Praxis war. Ganz besonders Ordensangehörige, wie Nonnen, erlebten in diesen Heimen eine Renaissance der mittelalterlichen Inquisition. Ich wurde in den 18 Jahren meiner Heimzeit (von 1951 bis 1969) mindestens 16 Jahre lang in einer totalen Angststarre versetzt, ausgelöst durch Jahre lange Isolation, täglicher körperlicher und seelischer Misshandlungen, Entwürdigung und Entmenschlichung. Mir wurde regelrecht die "Widerlichkeit" meiner kindlichen Existenz eingeprügelt. Und das alles in Gottes Namen.
gez.: Leihe"

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Einer der Erzieher des Heimes, dessen Träger der Landschaftsverband Rheinland (LVR) war, habe ihn an den Brustwarzen gepackt, hoch gehoben und dann geschüttelt. Bis heute habe er irreparable seelische und körperliche Schäden aus der Zeit im Heim zurückbehalten.

„Ich bin tief betroffen über die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche leben mussten und möchte hier und jetzt dafür öffentlich eine Entschuldigung aussprechen“, sagte der Vorsitzende des LVR-Landesjugendhilfeausschusses, Jürgen Rolle, ... siehe Link

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"Kein Mensch sollte so traurig sein, wie ich es war."
Die heute 66-Jährige kann eindringlich erzählen: "Ich wollte an einer Lungenentzündung sterben." Dann schildert sie, wie sie sich an einem Herbstabend, als alle schliefen, auf die kalte Toilette schlich. "Ich zog mein Nachthemd aus, legte mich auf den kalten steinernen Fußboden, wickelte mich regelrecht um das Klo und blieb ganz still liegen." Die ganze Nacht habe sie dort gelegen und geweint: "Mami, Mamilein, ich will zu dir. Bitte, bitte hol mich hier endlich heraus, ich kann es nicht mehr aushalten."

Anstalt Hephata Mönchengladbach
Was ist aus Rudi Rauschild geworden?
Dieses Bild wird der 69-Jährige nicht los: Im Tagesraum wird Fischsuppe serviert, ein Junge verschluckt sich an einer Gräte und ringt nach Luft. Eine Schwester vermutet offenbar, dass der Junge lediglich bockig ist, reißt seinen Kopf nach hinten und füttert ihn. Weiter und immer weiter - bis der Kopf des Jungen nach vorne fällt. Die Schwester hält inne und ruft Hilfe. Der leblose Körper des Jungen wird aus dem Speisesaal getragen.
...
Vergünstigung gegen Sex
Bei den Fahrten zu den Feldern ist es eng gewesen auf dem Unimog-Anhänger. Doch der Fahrer bot dem 15-Jährigen einen Platz im Führerhaus an. Die Bedingung sei gewesen: Der Junge musste am Vorabend jeder dieser Vergünstigungen auf das Zimmer des Fahrers kommen und ihn sexuell befriedigen. Bernd von Eicken erinnert sich: „Als junger Heranwachsender, der in einer Gruppe von Menschen mit schweren geistigen Behinderungen keine Möglichkeit hatte, eine eigene Sexualität zu entwickeln, wusste ich zunächst natürlich nicht, dass dieses Verhalten des Fahrers nicht richtig ist.“
Das sei ihm erst viel später bewusst geworden, es habe lange gedauert, bis er diese Erlebnisse einigermaßen verarbeitet habe. Im „Hephata“-System aus Befehl und Gehorsam sei Widerspruch nicht möglich gewesen. Bernd von Eicken: „Irgendwann fragt man nicht mehr, man widersetzt sich auch nicht mehr.“

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Prof. Dr. Manfred Kappeler
Vortrag in der 1. Arbeitssitzung des Runden Tisches
zur Aufarbeitung der Heimerziehung der vierziger bis siebziger Jahre
am 2./3. April 2009
Thema:
Zur zeitgeschichtlichen Einordnung der Heimerziehung
Auszug:
Aber auch ErzieherInnen haben in der Heimerziehung der vierziger bis siebziger
Jahre traumatisierende Erfahrungen machen müssen. Für sie ist es sehr schwer,
heute offen und selbstkritisch über ihre Sichtweisen und Handlungen im Berufsalltag
jener Jahre zu reden. Wie vielen ehemaligen Heimkindern schließt auch ihnen die
Scham den Mund und möglicherweise sogar die Erinnerung.
Aber die Scham der
Erziehenden ist eine andere als die der „Zöglinge“. Während die der „Zöglinge“ aus
verinnerlichten Schuldzuschreibungen und gesellschaftlichen Unwert-Urteilen
resultiert, hat die Scham der Erziehenden ihre Wurzeln im „pädagogischen
Gewissen“ und im Erschrecken vor dem Leiden, das sie den ihnen zur
Unterstützung, zu Hilfe und Geborgenheit anvertrauten Kindern und Jugendlichen
angetan haben. Dieses Versagen sich selbst, den ehemaligen Heimkindern und
möglicherweise in der gegenwärtigen Auseinandersetzung einer breiteren
Öffentlichkeit einzugestehen, erfordert große Selbst-Aufrichtigkeit und sehr großen
Mut. Ein solcher Schritt ist in jedem Fall ein Wagnis und wird nicht ohne seelische
Erschütterungen möglich sein. Man kann dieses Wagnis durchaus mit dem der
ehemaligen Heimkinder – wenn sie über ihre Erfahrungen zu reden beginnen –
vergleichen, wenn auch die Hintergründe und die Folgen sehr verschieden sind.
In den Kinderheimen und Fürsorgeerziehungsheimen der vierziger bis siebziger
Jahre wurden vor allem solche Erzieherinnen und Erzieher traumatisierenden
Erfahrungen ausgesetzt, die mit pädagogischem Eros oder gar mit dem Vorsatz,
diese Verhältnisse zu ändern, in diesen Totalen Institutionen ihren berufliche Weg
begannen. Am 22.1.2009 widmete der Deutschlandfunk die Sendung „Hintergrund
Politik“ (18.40 Uhr bis 19 Uhr) dem Schicksal der ehemaligen Heimkinder. In der
Sendung wurde auch auf die Situation der ErzieherInnen eingegangen:
„Dennoch ergriffen junge Erzieherinnen und Erzieher manchmal auch für jene Partei,
die ihnen anvertraut waren. Eine Chance hatten sie jedoch nicht. Das System
Heimerziehung funktionierte nur, indem auch Mitarbeiter, die andere Vorstellungen
von ‚Fürsorge’ hatten, gebrochen wurden. Dietmar Krone erzählt, wie junge,
freundliche Erzieher sehr schnell, von heute auf morgen, verschwanden. Und Hans
Bauer (der ehemalige Leiter des Evangelischen Erziehungsverbandes wurde von der
Niedersächsischen Landesbischofin Käßmann mit einer Untersuchung über die
Fürsorgeerziehung und Heimerziehung in kirchlichen Einrichtungen beauftragt, M.K)
hat in seinen Ermittlungen auch mit ehemaligen Mitarbeitern in Heimen gesprochen,
unter anderem mit einer heute Siebzigjährigen, die Anfang der sechziger Jahre in
einem Heim für Mädchen tätig war. Sie erzählt, dass sie morgens ‚Unruhe in der
Gruppe hatte und dann kam der Pastor, der der Leiter dieser Einrichtung war, und
hat das moniert und hat dann ihre Hand genommen und gesagt: Und diese Hand
kann hier keine Ruhe schaffen? Dann hat er dem Mädchen, das da ein bisschen laut
war, einen Pantoffel ausgezogen und es kräftig zusammengeschlagen, dass das
Mädchen wimmernd auf dem Boden lag, hat einem anderen Kind befohlen, einen
Eimer kaltes Wasser zu holen, hat das Wasser über das Kind gekippt und hat die
junge Erzieherin angeguckt und gesagt: Und das konnten Sie nicht’!?“

Link

Fürsorgeerziehung der 1950er und 1960er Jahre
Stand und Perspektiven
der (fach-)historischen und politischen Bearbeitung

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Prof. Dr. Manfred Kappeler
Vortrag in der 1. Arbeitssitzung des Runden Tisches
zur Aufarbeitung der Heimerziehung der vierziger bis siebziger Jahre am 2./3. April 2009
Thema: Zur zeitgeschichtlichen Einordnung der Heimerziehung
Auszug: Resümee
Die Behauptungen, „Die Zeiten waren nun einmal so…“ und „Die Heimerziehung war
auch nicht anders als die in der Gesellschaft üblichen Verhältnisse“ und „Man kann
nicht mit Maßstäben von heute die Heimerziehungspraxis der vierziger bis siebziger
Jahre beurteilen“, werden durch eine zeithistorische Einordnung der Heimerziehung
widerlegt. Diese Behauptungen sind aber auch bezogen auf das gesetzlich
festgelegte Ziel der Heimerziehung und ihr formuliertes Selbstverständnis nicht
haltbar. Die Heimerziehung hatte den eindeutig definierten Auftrag, die Kinder und
Jugendlichen, die zum ganz großen Teil aus „unterpriviligierten Lebensverhältnissen“
kamen, nicht noch unter diese Verhältnisse zu drücken, sondern sie darüber hinaus
zu heben und ihnen eine Perspektive auf ein gelingendes Leben auf der Ebene des
durchschnittlichen Reproduktionsniveaus der bundesrepublikanischen Gesellschaft
zu eröffnen

kompl. Vortrag hier klicken

Vortrag von Prof. Dr. Manfred Kappeler/Berlin
„Ich konnte nicht länger schweigen – aber wer wird mir glauben?“ –
Über die Traumatisierungen ehemaliger Heimkinder
Während der Anhörung von Sachverständigen zur Heim- und Fürsorgeerziehung der
vierziger bis siebziger Jahre durch den Petitionsausschuss des Bundestags im
Januar 2008 sagte ein Abgeordneter sinngemäß: Er könne nicht verstehen, warum
die ehemaligen Heimkinder heute, dreißig, vierzig oder mehr Jahre nach ihrer Zeit im
Heim, mit solcher Dramatik über ihre Erfahrungen reden. Ob es denn überhaupt
möglich sei, nach so langer Zeit sich so bestimmt an einzelne Handlungen von
Erzieherinnen und Erziehern und an Einzelheiten des Heimalltags zu erinnern. Die
Antwort gab der Psychoanalytiker und Traumatologe Prof. Gerion Heuft, Leiter der
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster. Er
berichtete über Langzeitfolgen traumatischer Erfahrungen. Im Unterschied zu
anderen konflikthaften Erfahrungen würden solche realitätsnäher, das heißt ohne
sekundäre Bearbeitung, im Gedächtnis aufbewahrt und können offensichtlich auch
nach Jahrzehnten plötzlich wieder „vor Augen stehen“. Er belegte diese Mitteilung
mit Beispielen aus seiner Praxis.

kompl. Vortrag hier klicken

Aufstand der Heimkinder
Im schleswig-holsteinischen Glückstadt kam es vor 40 Jahren zu einer Rebellion gegen ein Heimerziehungssystem, das noch in der Tradition der Nazizeit stand
Seit dem 1. April 1951 nannte sich die Einrichtung Landesfürsorgeheim, in das Jugendliche und junge entmündigte Erwachsene beiderlei Geschlechts eingewiesen werden konnten. Aus Mangel an geeignetem Personal griff man in dieser Zeit auch auf „vorbelastete“ Beschäftigte aus der NS-Zeit zurück. Das haben Nachforschungen der Heiminsassen beim United States Holocaust Memorial Museum in Washington ergeben.
...
Die in Haus 1 und 2 untergebrachten 80 Heimzöglinge zündeten Matratzen und Kleidungsstücke an, rissen sanitäre Anlagen aus den Wänden, zertrümmerten Fenster wie Möbel und attackierten das Heimpersonal. Einer der Rebellierenden war der damals 17-jährige Peter-Jürgen Boock, der nach der Heimrevolte in das hessische Jugendhaus von Rengshausen verlegt wurde. Dort kam er unter anderem mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin in Kontakt, ...

13.05.2009
Heimkinder kaltblütig gequält
Einen Zehnjährigen habe man des Nachts im Zimmer eingeschlossen, einige Kinder mussten oftmals bis nach Mitternacht Hausaufgaben und Strafarbeiten machen, manche Teenager wurden zum Rauchen gezwungen, bis sie sich übergeben mussten. Und das, weil die Leiterin Angst vor dem Zündeln und dem heimlichen Rauchen der Jugendlichen hatte. Auch Schläge gegen einen Jungen wurden dem Heimleiter nachgewiesen.

Große Schüsseln mit Süßigkeiten mussten die Kinder runter würgen, weil sie angeblich zuvor im Keller geklaut haben sollen. Stundenlanges barfuß in einer Ecke ausharren, oder vor dem Spiegel stehen war eine andere Straflektion. Gegen den Willen filmte die Heimbetreiberin einen Jungen mit der Videokamera. Die Angst vor weiteren Bestrafungen ließ die Kinder schweigen und stillhalten. Wider die Bedürfnisse der Kinder habe die Heimleiterin ihnen immer wieder ihren Willen aufgezwängt, so die Staatsanwaltschaft.

Evangelische Bildungs- und Pflegeanstalt Hephata in Mönchengladbach
Bestätigung
Ich kann die Angaben nur bestätigen. Ich bin selber ehemaliges Heimkind, die letzte Anstalt von insgesamt 5 war die Evangelische Bildungs- und Pflegeanstalt Hephata in Mönchengladbach. Hier war ich von 1959 bis 1969. Auch hier war die Prügelstrafe mit dem Tröster, so nannten wir den Stock, an der Tagesordnung, wobei das weibliche Erziehungspersonal das mit Abstand schlimmere war. Das Besinnungsstübchen kenne ich ebenfalls: Ein kleiner Raum mit einem Bett und einem Putzeimer auf einer Gummiunterlage als Toilette. Als Sondervergünstigung konnte ein Buch mitgenommen werden. Sonst nichts.Auch kein Wasser. Wenn ich in Urlaub zu Hause war und wieder zurück musste, habe ich tagelang vorher geweint. Ich habe nach einem Selbstmordversuch und psychologischer REHA betreutes Wohnen (BeWo). Die Todessehnsucht bleibt. Zur Zeit schreibe ich eine Biographi, soweit ich mich erinnern kann, für meinen Psychotherapeuten. Es ist nicht einfach. Meine Therapeutin vom BeWo hat mir geraten, nur dann weiter zu schreiben, wenn kurz darauf die Betreuung zu mir kommt. Die Anstalt ist heute die evangelische Stiftung Hephata, sie gibt sich alle Mühe, den Makel der Anstalt loszuwerden. In einem Prospekt der letzten Zeit wird diese Stiftung hoch gelobt. Allerdings ist hier auch eine Doppelseite mit einem Bereicht eines Ehemaligen. Die damaligen Verhältnisse werden zumindest nicht ganz totgeschwiegen. Für mich hört die Anstalt Hephata allerdings nicht auf, eine Anstalt zu sein.

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Kottnik: "Ich bedauere zutiefst, was damals im Namen der Diakonie geschehen ist"
„Ich habe mir bis vor zwei Jahren nicht vorstellen können, dass wir so etwas in unserer Geschichte der Diakonie mitschleppen”, sagte Kottnik. Mehrere hunderttausend Kinder und Jugendliche waren in der frühen Bundesrepublik oft aus nichtigen Anlässen in vorwiegend kirchliche Heime eingewiesen worden. Viele von ihnen wurden geschlagen und zur Arbeit gezwungen, zudem gab es sexuelle Misshandlungen. Eine Schulausbildung erhielten die Kinder häufig nicht.

Er habe früher von Einzelschicksalen gesprochen, sagte der Präsident. Heute wisse er, dass dies eine unzulässige Bagatellisierung sei. „Ich will, dass es für die Betroffenen in irgendeiner Form eine Wiedergutmachung gibt”, betonte Kottnik. Der vom Bundestag eingerichtete Runde Tisch, an dem sich auch die Diakonie beteiligt, wolle Ende Juni erste Vorschläge unterbreiten. WR siehe Link

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Runder Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren
Ergebnisprotokoll der 2. Sitzung des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren am 02./ 03. April 2009

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Diakoniedirektor: Einzelschicksale von Heimkindern brauchen Würdigung
Hannover (epd). Jedes Einzelschicksal von ehemaligen Heimkindern verdient nach Ansicht des Direktors des Diakonischen Werks der hannoverschen Landeskirche, Christoph Künkel, eine besondere Aufmerksamkeit und Würdigung. "Wir müssen den Menschen Gehör schenken, denen Unrecht zugefügt wurde, und ihnen so weit wie möglich Hilfe anbieten", sagte Künkel am Freitag im epd-Gespräch am Rande eine Buchpräsentation über das Schicksal ehemaliger Heimkinder in der Diakonie Freistatt bei Bremen. Unrecht bleibe Unrecht, auch wenn die Tatbestände strafrechtlich verjährt sein sollten.

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Behindertes Kind ans Bett gefesselt
Pfleger soll Schützlinge misshandelt haben
Besonders schwer wiegt die Anklage bei einer Reihe von Übergriffen gegen einen behinderten Jungen, der sich wiederholt mit Kot beschmierte. Als dabei einmal ein Teppich beschmutzt wurde, soll der Pfleger den Jungen geohrfeigt haben. In einer Wanne habe er ihn dann bei offenem Fenster eiskalt abgeduscht. Die Staatsanwältin wertet diese Tat als "besonders gefühlskalt". Als sich der Junge wieder schmutzig machte, soll ihn der Pfleger mit einem Fixierband ans Bett gefesselt haben. Eine Mitarbeiterin fand den Jungen erst tags darauf und meldete den Vorfall.
Die Misshandlungen ereigneten sich bereits in den Jahren 2005 und 2006 in dem mit 800 Bewohnern und 1000 Mitarbeitern zu den größten Behinderteneinrichtungen Bayerns zählenden Franziskuswerk.

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Patrick Walsh war zwei Jahre alt, als er in eine katholische Erziehungsanstalt kam, 14 Jahre lang war er dort: "Der Missbrauch war emotional, psychologisch und, vor allem im fortgeschrittenen Kindesalter, sexuell. Wenn ich gefragt werde, was das schlimmste an allem war, denke ich immer wieder darüber nach und sage heute: der Verlust der Freiheit."
Albtraum ohne Ausweg: Tausende irische Kinder wurden im vergangenen Jahrhundert in Heimen missbraucht - seelisch, körperlich und auch sexuell. Jetzt hat die Regierung einen Untersuchungsbericht vorgelegt. Aber viele Opfer sind mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden.

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Diakonie Bayern: Dinkelsbühler Stephanus-Pflegeheim
 «Halt’s Maul« war keine Seltenheit

Und die beiden unterstreichen ihre Vorwürfe. So erklärt die 24-jährige Kathrin Haderlein, sie habe es während ihrer Ausbildung zur Altenpflegehelferin nicht mehr ausgehalten, dass alte Menschen regelrecht misshandelt werden. «Schon allein von der verbalen Gewalt gegenüber den Bewohnern bis hin zu dem Vorfall, wo eine Bewohnerin grob ans Bettgitter gestoßen wurde«, erinnert sie sich. Das schlimme für die junge Frau: Die Stationsleitung und ein bis zwei Pflegekräfte sollen die treibende Kraft für die Gewalt gewesen sein, «die andern sind superlieb und supernett.«

Statt Zuwendung zu bekommen wurden ältere Männer und Frauen angeschnauzt. «Da war ein ganz grober Umgangston üblich. Keine Seltenheit waren Worte wie «Halt‘s Maul«, wenn jemand nach Ansicht einer Pflegerin nicht schnell genug gegessen hatte.« Einmal habe sie erlebt, wie eine genervte Pflegerin einem älteren Heimbewohner aus Verärgerung brutal auf den Rücken schlug. «Man hat einfach gemerkt: Die Pfleger standen ständig unter Zeitdruck. Das war ein ganz großes Problem«, berichtete die 27-Jährige, die inzwischen in einem Altersheim in Wallerstein (Kreis Donau-Ries) arbeitet. Am meisten aber habe sie bedrückt, dass wiederholt leidenden älteren Menschen ärztliche Hilfe versagt wurde.

Kindesmißhandlungen in Irland – und in Deutschland?
Was bedeutet der irische Bericht für die deutschen Verhältnisse?
Einerseits nicht viel, Irland ist Irland. Das Untersuchungsergebnis ist ein irisches, kein deutsches.
Andererseits sind Parallelen deutlich. Hier wie dort wird und wurde geleugnet, wurde von bedauerlichen Einzelfällen gesprochen, wurde auf zeittypische Erziehungsmethoden verwiesen. Der irische Bericht macht klar, daß das Unvorstellbare Realität gewinnen kann. Nein, nicht für die ehemaligen Heimkinder, die haben nie daran zweifeln können, sie leiden noch heute unter dieser erlebten Realität.
Realität haben die unvorstellbaren Menschenrechtsverletzungen für die irische Öffentlichkeit gewonnen, für den Staat und für die Heimträger, doch manche leugnen immer noch.
Nach den vorliegenden Berichten der ehemaligen Heimkinder ist für Deutschland kein wesentlich anderes Ergebnis zu erwarten: Mißhandlungen, Mißbrauch, Zwangsarbeit und durchgängige Demütigungen.
Was bedeutet das?

Samstag, 2. Mai 2009
Amtsrichter schickt geistig Behinderten ins Gefängnis
Ein geistig Behinderter muss wegen Diebstahls für acht Monate hinter Gitter. Das ist ein Skandal, sagt ein renommierter Justizexperte. ...
Als das Urteil fällt, zeigt Jörg P. kaum eine Regung. Sogar ein freundliches Lächeln bringt er noch über die Lippen. Sicher nicht, weil ihn das Urteil erfreut. Wie es scheint, sind ihm die Konsequenzen nicht bewusst. Denn Jörg P. ist geistig behindert, intellektuell auf dem Stand eines sechs Jahre alten Kindes, so die Aussage der Rechtsanwältin vor Gericht.

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Sehr geehrter Herr Minister Mackenroth,
wie der Heimkinderverband Deutschland festgestellt hat, ist ein geistig behinderter Mann für acht
Monate Haftstrafe vom Amtsgericht Pirna verurteilt worden. Dies empört die Öffentlichkeit. Es
handelt sich hier um einen schweren Fall von Menschenrechtsverletzung.
Leider finden wir auf den Seiten des Justizministeriums keine Stellungnahme/Pressemitteilung. Wir
gedenken uns für den behinderten Mann einzusetzen und uns an den Menschenrechtsgerichtshof zu
wenden. Gleichzeitig beantragen wir die sofortige Haftentlassung und die Überstellung in eine
geeignete Anstalt.

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Stigma der Heimvergangenheit
Die schwere Traumatisierung in Kindheit und Jugend hat Auswirkungen auf den Erwachsenen. Er kämpft um ein würdiges Leben und unterzieht sich mehreren Therapien. Seine erste Ehe scheitert, als die gemeinsame Tochter ein Jahr alt ist. Die Mutter erzählte dem Mädchen, der Vater sei gestorben. Das Jugendamt Hildesheim unterstützte diese Lüge. Walter wird das Besuchsrecht verwehrt mit der Begründung, die Mutter befinde sich in einer neuen Beziehung, das Kind habe einen neuen Vater und halte Walter für tot. Das Jugendamt unterstützt Walter nicht, fordert den „toten“ Vater aber später auf, den Aufenthalt seiner Tochter in einer Jugendwohngruppe mit zu finanzieren.
Walter gründet eine neue Familie, bekommt drei Töchter. Die Beziehung zerbricht. Er bekommt die Kinder zugesprochen. Im Jahr 2004 holt Walter die Vergangenheit ein. Mit dem Stigma der Heimvergangenheit gebrandmarkt werden ihm vom Jugendamt ohne ausreichende Begründung seine Kinder weggenommen. Sie sind zwei, drei und acht Jahre alt. Sein eigenes Schicksal wiederholt sich. Seine Töchter kommen in Pflegefamilien des Kinderdorfes Lipperland e.V. in Barntrup.

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Wenn es Abend wurde und Schlafenzeit war, hatte ich angs bekommen in dieses Zelt zugehen. Mehrmals fragte ich Pastor Harry A.,  ich nicht wo anders schlafen dürfte. Dieses ließ er aber nicht zu. Eigendlich wußte ich garnicht warum, er hätte nur mit einem Jungen tauschen brauchen. Die Nächte darauf waren fürchterlich, jedesmal, wachte ich mitten in der Nacht auf, weil er an mir herum spielte, er setzte sich dann so auf meine Beine, daß ich mich auch nicht weg drehen konnte, dann onanierte er voll auf meineen Unterleib drauf, manchmal nahm er auch meine Hand und dann sollte ich ihn befriedigen, dieses tat ich nicht, weil mir unglaublich ekelig war. In den darauf folgenden Nächten, nahm ich eine andere Schlafposition ein, ich versuchte nur noch auf dem Bauch zu schlafen, wieder mitten in der Nacht, merkte ich, daß mein Po fürchterlich weh tat, er war von Hinten in mir eingedrungen, da ich mich wohl im Schlaf auf die Seite gedreht haben mußte, Es tat mir fürchterlich weh und dieser Mann stöhnte nur, Jede Nacht ging ich dann zum Ufer hinunter un mußte mir alles abwaschen.

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„Endstation Freistatt“ oder „Papier ist geduldig, das Leben nicht“
Eine Rezension von Dr. C. Burschel

Wer aber meint, die Opfer dieses Skandals von einem „wissenschaftlichen Standpunkt“ aus „menschlich heraushalten“ zu können, dabei im Vorwort um Entschuldigung und Verzeihung bittet, muss sich heute den schlimmsten aller möglichen Vorwürfe gefallen lassen: Borniertheit gegenüber den Opfern.

Sowohl „Bethel“ als auch „seine Opfer“ haben keinen Bedarf an wenn auch stellenweise „geschickt geworfenen Nebelkerzen““, sondern an deutlichen Positionierungen, Bewertungen und Ansätzen zur Wiedergutmachung.

So hätte gerade dem heute Verantwortlichen in Bethel aber auch den Herausgebern ein persönliches Wort an die Betroffenen gut zu Gesicht gestanden. Deren Rolle wurde aber nur darauf beschränkt, zum zigsten Mal ihre belastenden Erlebnisse schildern zu müssen, ohne dass sie auf deren Darstellung im Text autonom und unzensiert Einfluss gehabt hätten.

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Unverständnis äussert Tschapek-Güntner insoweit gegenüber dem zögerlichen Verhalten, welches Staat und Kirche bei der Bewältigung der Folgen an den Tag legen: „Eine ergebnisoffene Arbeit des Runden Tisches, wie von Frau Dr. Vollmer in der konstituierenden Sitzung des Runden Tisches angekündigt ist fehl am Platze. Der Deutsche Bundestag hat in seinem Beschluss vom 04.12.08 das Unrecht nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt. Der Runde Tisch sollte sich daher verstärkt mit der Bewältigung des Unrechts befassen und weniger mit bereits seit langem bekannten Fakten“, so Tschapek-Güntner.

Verein ehemaliger Heimkinder e. V.
Der Vereinsvorstand seit dem 30.05.2009
1. Vorsitzende: Frau Monika Tschapek-Güntner
2. Vorsitzender: Herr Heinz-Jürgen Overfeld
Kassier: Herr Horst Otto
Schriftführerin: Frau Heidemarie Dettinger
1. Beisitzerin: Frau Brigitte Diederich
2. Beisitzer: Dirk Friedrich

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Heimkinder fordern 25 Milliarden Euro Entschädigung
Die Forderungen des Vereins ehemaliger Heimkinder setzen den „Runden Tisch“ des Bundestags unter Druck

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Die Subventionen des Staates an die Kirchen
Quelle: C. Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirchen, Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2002

Verzicht auf Einnahmen:
3,50 Mrd. Euro - Absetzbarkeit der Kirchensteuer
1,40 Mrd. Euro - Befreiung von Zinsabschlags- und Kapitalertragssteuer
1,20 Mrd. Euro - Befreiung von der Umsatzsteuer
0,15 Mrd. Euro - Sonstige Befreiungen
6,25 Mrd. Euro - Verzicht auf Einnahmen gesamt.

Direkte Subventionen (unvollständig)
2,45 Mrd. Euro - Kofession. Religionsunterricht
0,62 Mrd. Euro - Ausbildung der Theologen
1,00 Mrd. Euro - Ersparnis durch staatl. Einzug der Kirchensteuer
0,04 Mrd. Euro - Denkmalpflege
0,03 Mrd. Euro - Militärseelsorge
0,72 Mrd. Euro - Zahlungen der Bundesländer
2,50 Mrd. Euro - Zahlungen der Kommunen (geschätzt, v.a. Baubereich, Geschenke, Kultur)
0,05 Mrd. Euro - Baulast-Verpflichtungen
0,19 Mrd. Euro - Zuschüsse an Missionswerke u.a.
0,30 Mrd. Euro - Sonstiges, z.B. Orden, Medien, Kirchentage
7,90 Mrd. Euro - Direkte Subventionen (zirka)

Staatliche Subventionen an die Kirchen insgesamt:
14,15 Mrd. Euro

Quelle: C. Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirchen, Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2002

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Hoffnung für ehemalige Heimkinder
Von Jost Müller-Neuhof | © ZEIT ONLINE, Tagesspiegel 5.6.2009 - 10:14 Uhr
DDR-Heimkinder haben ein Recht auf Entschädigung, entscheidet das Verfassungsgericht. Hat das Folgen auch für ehemalige Leidensgenossen im Westen?
...
Ein Heimkind? Der sachsen-anhaltinischen Justiz schlugen die Verfassungsrichter jetzt deren Verdikte mit einer Vehemenz um die Ohren, die an die Zuchtmittel von damals erinnert. Es gehe nicht um Taten der Kinder, sondern um die Zustände in den Heimen. Das Gericht habe den gesetzgeberischen Willen der Opferentschädigung „in unvertretbarer Weise verengt“. Eine „krasse Missdeutung“, „sachfremd“ und „willkürlich“

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Streit über Milliardenforderung
Die Forderung des Verbandes ehemaliger Heimkinder (VEH), einen Entschädigungsfonds in Höhe von mindestens 25 Milliarden Euro einzurichten, stößt bei Betroffenen auf Kritik. „Ich halte eine derartige Forderung beim jetzigen Stand der Gespräche am Runden Tisch für kontraproduktiv," sagte Stefan Beuerle dem Tagesspiegel.

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Jetzt Webseite
Runder Tisch
Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren

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"Angelegenheit der örtlichen Kirche"
Papst ließ sich über Kindesmisshandlungen in Irlands kirchlichen Heimen informieren
Unter dem Druck der öffentlichen Meinung müssen 18 katholische
Ordensgemeinschaften in Irland nun erstmals ihre Finanzverhältnisse offenlegen.
Diese beispiel_lose Offenbarung ist eine der Folgen der Enthüllungen über den
jahrzehntelangen systematischen Missbrauch zehntausender von Kindern in
katholischen Institutionen auf der grünen Insel: Die Kinder waren
Vergewaltigungen und Misshandlungen ausgesetzt gewesen und hatten
Akkordarbeit leisten müssen.

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Dierk Schäfer
Die Heimkinder können auch selber forschen!
Die derzeit laufenden Forschungsansätze untersuchen die Zustände in einigen Fürsorgerziehungsheimen im fraglichen Zeitraum. Sie sind also heim-orientierte Sondierungen, die fachwissenschaftlich von großem Interesse sind, jedoch den Anforderungen der ehemaligen Heimkinder nur begrenzt gerecht werden können. Zudem würde es wohl einen jahrzehntelangen Aufwand bedeuten, wenn man bundesweit flächendeckend auf diese Weise die Heimhintergründe aller ehemaligen Heimkinder, die sich mit ihren Heimerfahrungen gemeldet haben, untersuchen wollte.
Darum schlage ich einen ergänzenden Forschungsansatz vor, der zu schnelleren, aber dennoch objektiven Ergebnissen führen soll und der geeignet ist, allen betroffenen Heimkindern noch zu ihren Lebzeiten Anerkennung und materielle Kompensation eröffnen kann, soweit dies die jeweilige Datenlage hergibt.
Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist die Tatsache, daß viele ehemalige Heimkinder sich mit ihren Heimerfahrungen bereits bei unterschiedlichen Personen und Anlaufstellen (Vertrauenspersonen) gemeldet haben. Diese Vertrauenspersonen haben eine wichtige Vorarbeit geleistet: Sie haben zugehört, oft über Stunden und mit ungeheurem Einfühlungsvermögen, und, das soll auch erwähnt werden, unter teilweise erheblicher eigener seelischer Belastung, denn es ist nicht einfach, weinenden Menschen über lange Zeit zuzuhören und auf sie einzugehen, wenn man durch die Berichte an seine eigene Zeit im Heim erinnert wird.

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Nun ist wissenschaftlich belegt, dass in deutschen Kinderheimen in den 50er- und 60er-Jahren Prügel, brachiale Erziehungsmethoden und Zwangsarbeit systematisch vorherrschten. Auch sexuelle Übergriffe waren nicht selten.
„Ich sitze im Vorraum der Toilette, ich bin geschlagen worden, vor mir steht ein Teller mit meinem Erbrochenen, da schwimmt Essen drin und die Diakonisse zwingt mich, das zu essen. Ich weine, würge daran herum, erbreche unmittelbar darauf wieder, da packt sie mich am Arm und prügelt mich mit einem Teppichklopfer windelweich. Dieses Szenario hat sich Tag für Tag, Woche für Woche, wiederholt. Mittags und abends. Ich konnte das Essen nicht bei mir behalten. Es wurde darauf bestanden, dass ich das Erbrochene wieder auf aß, was ich natürlich wieder erbrochen habe, dann wurde ich verprügelt, solange bis die Diakonisse – Schwester Marianne hieß sie – erschöpft war. Dann erst hörte sie auf.“

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"Sie ist nicht in der Lage, diesen Runden Tisch zu führen"
Verein ehemaliger Heimkinder kritisiert Antje Vollmer
Heinz-Jürgen Overfeld im Gespräch mit Andreas Müller
Heinz-Jürgen Overfeld hat die Zusammensetzung des Runden Tisches Heimkinder kritisiert. Antje Vollmer, die Leiterin des Gremiums, sei "nicht unvoreingenommen", sagte der Vizevorsitzende des "Vereins ehemaliger Heimkinder".

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Qualen eines Heimkindes: „Das frisst mein Leben”
Demütigungen haben sich tief in sein Gedächtnis eingegraben. „Um sechs Uhr war Wecken”, schildert er aus einem Kölner Heim. „Dann mussten wir mit unseren Bettlaken auf dem Flur antreten.” 40 bis 50 Kinder schliefen in einem Raum. „In der Mitte ein Kabüffchen, da war die Nonne drin.” Auf dem Flur standen sie in Reih und Glied, hielten ihr Laken ausgebreitet vor sich. „Die meisten waren Bettnässer.”

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18. 06. 09
Ehemalige Heimkinder streiten - anstatt den Dialog zu suchen
Prof. Dr. Manfred Kappeler, Professor für Sozialpädagogik
Seit der Einrichtung des Runden Tisches hat sich unter den Ehemaligen Heimkindern ein eskalierender Streit über seinen Auftrag, die Arbeitsweise und Art und Umfang der dort zu vertretenden Forderungen entwickelt. Im VeH haben sich diejenigen durchgesetzt, die eine umfassend aufklärende, wissenschaftlich gestützte Untersuchung unter maßgeblicher Beteiligung Ehemaliger Heimkinder für eine Verzögerungs- und Verhinderungstaktik halten. Sie wollen sofort rechtlich verbindliche Verhandlungen über die in der Presse zitierten Forderungen.
...
Die Einrichtung des Runden Tisches halte ich für einen großen Erfolg. Wenn es ihm gelingt, durch eindeutige Bekundungen des ernsthaften Willens zu Rehabilitation und Entschädigung und durch weitestgehende Transparenz das Vertrauen vieler Ehemaliger zu gewinnen, sehe ich gute Chancen, daß der mitlerweile verbalen Anerkennung ... auch Taten folgen werden. Aber dafür braucht der Runde Tisch seine Zeit und eine kritisch unterstützende Begleitung durch Ehemalige Heimkinder, Fachöffentlichkeit und Medien. Meine Sorge ist groß, dass die Auseinandersetzungen im Feld der Ehemaligen Heimkinder auf die eingeleitete positive Entwicklung negative Auswirkungen haben könnte.

Allein in Niedersachsen wurden zwischen 1945 und 1972 mehrere zehntausend Mädchen und Jungen gedemütigt, missbraucht und zu schwerster, körperlicher Arbeit gezwungen.
Und das vor allem in kirchlichen Heimen wie in Freistatt im Kreis Diepholz.
Bis heute leiden die Opfer unter den Folgen der Gewalt
.

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„Wir kannten keine Liebe“ ...
„Ganz schlimm waren die Kinder dran, die nachts ihre Betten einnässten“,
erzählt Alfred K. „Morgen für Morgen wurden sie nach dem Aufstehen mit dem Stock geschlagen, immer auf den nackten Po.“ Einmal habe er sich ein Herz gefasst und der Nonne den Stock aus den Fingern gerissen. „Dafür habe ich aber bitter büßen müssen.“ ...
Warum sie erst heute, 50 Jahre später, der Öffentlichkeit von ihrem Schicksal erzählen? „Zum einen war das Thema lange Zeit Tabu. Zum anderen fällt es vielen von uns heute noch immer schwer, überhaupt darüber zu sprechen“, ...

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Aufruf aus Österreich
Hier gibt es keinerlei nennenswerte Aufarbeitung, daher informiere ich mich auf den bundesdeutschen und anderen Seiten und freue mich über die dortigen Bewegungen.
Ich selbst war von 1963 bis 1967 Zögling in der Caritas Erziehungsanstalt Steyr/Gleink in Oberösterreich, ich würde mich freuen,wenn sich Menschen bei mir melden würden die sich ebenfalls hinter diesen Klostermauern befanden, auch Zöglinge der Erziehungsanstalt "Landesjugendheim" Korneuburg wo ich die Jahre 1968 bis 1970 eingewiesen war.
In diesen Anstalten wurde schwerste körperliche und seelische Gewalt ausgeübt deren seelische Folgen mich bis heute nicht ganz losgelassen haben. Von sexuellen Übergriffen kann ich nicht berichten, das heißt aber noch lange nicht, dass es keine solchen gegeben hat.
Militärischer Drill und Prügel, Nahrungsentzug und endlose Herabwürdigungen des Menschen gaben eine Richtlinie vor, Kinder waren Masse in der Gruppe, der einzelne zählte nichts.
Ich war elf Jahre als ich meine Zeit in den Erziehungsanstalten begann, mit achtzehneinhalb wurde ich als "unerziehbar geltend" auf die Straße gestellt, die übliche Karriere wie Vorstrafen, Haft, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Drogen-Alkohol-und Medikamentesucht waren nur "logisch".
Heute will niemand die Schuld haben, sie liegt immer wieder zu 100% bei den Kindern und Jugendlichen, Politik und Gesellschaft putzen sich ab, machen Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern.
So kann, so darf es nicht weiter gehen! Ich bitte, dass sich ehemalige Zöglinge aus diesen oben erwähnten Anstalten melden und mit mir
Franz Josef Stangl - Autor des Buches - Der Bastard - Der Fürsorgezögling Kontakt aufnehmen: Email: franz-josef.stangl@chello.at

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Dierk Schaefers Blog
“Verletzungen der Menschenwürde während der Zeit Ihres Heimaufenthaltes bedauern wir zutiefst.”
„Begangenes Unrecht und Verletzungen der Menschenwürde während der Zeit Ihres Heimaufenthaltes bedauern wir zutiefst.“ So heißt es in einem mir in Kopie vorliegenden Schreiben des Stephansstiftes/Hannover vom April dieses Jahres. Dieses Bedauern ist nicht nur als solches zu begrüßen. Es eröffnet zudem endlich die Ebene, auf der das Unrecht an den ehemaligen Heimkindern zu verorten ist. Verletzungen der Menschenwürde sind Menschenrechtsverletzungen, die, soweit ich weiß, nicht verjähren.

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Langfristige Folgeschäden von Kindesmisshandlungen
Michael Jackson: Schon als Kind auf die Bühne gepeitscht
Mit fünf Jahren beginnt die Karriere des jungen Michael Jackson – und seine Kindheit endet. Vater Joe fügt ihm Schäden zu, von denen er sich auch als Erwachsener nie wieder erholt. Teil 1 der AZ-Serie
Nein, geschlagen habe er seinen Sohn Michael „niemals“, gibt Joe Jackson 2003 in einem Interview zu Protokoll. Schlagen tue man ja bekanntlich mit einem Stock. Er habe ihn lediglich ausgepeitscht. Mit einem Kabel oder einem Gürtel.
Noch als erwachsener Mann muss sich Michael Jackson übergeben, wenn er seinem Vater begegnet. Zu tief sitzt das Trauma der Kindheit, die er eigentlich nie hatte.

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Buch “Endstation Freistatt”
Historiker für Anerkennung von Rentenansprüchen von früheren Heimkindern
Bielefeld (epd). Die bundesweit erste wissenschaftliche Untersuchung über das Schicksal von Heimkindern in diakonischen Einrichtungen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik stößt bei ehemaligen Heimkindern auf große Resonanz.
...
Durch vier politische Systeme hindurch habe ein sehr hartes Erziehungssystem in den Einrichtungen geherrscht, das sich eng an das Militär angelehnt habe, erläuterte Schmuhl. Körperliche Züchtigungen wie Schlagen und Treten seien besonders in den 50er und 60er Jahren "gang und gäbe" gewesen. Neue Erkenntnisse der Untersuchung seien das "hohe Maß an Gewalt unter den Zöglingen" gewesen, berichtete der Wissenschaftler. Diese Übergriffe seien durch ein System von Kollektivstrafen begünstigt worden.
...
Mehrere hunderttausend Kinder und Jugendliche waren in der frühen Bundesrepublik oft aus nichtigen Anlässen in vorwiegend kirchliche Heime eingewiesen worden. Viele von ihnen wurden geschlagen und zur Arbeit gezwungen, zudem gab es sexuelle Misshandlungen. Eine Schulausbildung erhielten die Kinder häufig nicht.
 

Kritik an Äußerungen im Diakonieforum:
Die
bundesweit erste wissenschaftliche Untersuchung über das Schicksal von
Heimkindern in diakonischen Einrichtungen in den Anfangsjahren der
Bundesrepublik
was hier als "selbstbespiegelung" gemeint ist, ist ein "schuss in den ofen", denn: es ist kein ruhmesblatt wie diese studie überhaupt VON AUßEN quasi erzwungen wurde und warum Bethel da nicht sehr viel FRÜHER von selbst drauf gekommen ist

stößt bei ehemaligen Heimkindern auf große Resonanz.
ja wirklich?
Es
gebe viele Rückmeldungen und Anfragen von den Opfern, sagte der
Bielefelder Historiker und Mitautor des Buches, Hans-Walter Schmuhl, am
Dienstag in Bielefeld. Dass dieses Thema öffentlich gemacht werde,
bedeute ihnen sehr viel. Schmuhl sprach sich dafür aus, dass der
Aufenthalt in den Heimen auf die Rentenansprüche angerechnet werde.
Gute Idee, vor allem weil das Bethel keinen Cent kostet.
Den
Opfern gehe es weniger um Geld als um öffentliche Anerkennung,
Sagt wer? Das sollten die "Opfer" schon selbst formulieren dürfen. Die Borniertheit nimmt kein Ende.
unterstrich Schmuhl.Durch vier politische Systeme hindurch habe ein
sehr hartes Erziehungssystem in den Einrichtungen geherrscht, das sich
eng an das Militär angelehnt habe
wie naiv ist das denn`? Prof. Kappeler hat schon vor vielen Jahren den Nachweis postfaschistischer Strukturen geführt.

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Nach einem letzten Besuch am Grab ihrer Mutter wurde das zwölfjährige Mädchen Resi, die eigentlich Maria Theresia heißt, abgeschoben in ein Heim nach Düsseldorf. «Rasch verschloss die Nonne, die aussah wie ein gefährliches Insekt, die Tür und drehte den Schlüssel mehrmals um. Ich fühlte mich wie in einem Käfig gefangen, denn zu meinem Entsetzen merkte ich schnell, dass keine Klinken und Fenstergriffe vorhanden waren. Ich kam mir vor wie in der Hölle.»
...
Die bewegte Lebensgeschichte eines Eifeler Dorfmädchens in den Jahren von 1944 bis 1958 zeigt, wie verletzlich eine Kinderseele ist. Der Bericht ist aber auch ein eindringlicher Appell, für bedrängte und bedrohte Kinder einzutreten, sich für sie stark zu machen, er ist eine Mahnung, den oft lautlosen Schrei der Kinder in ihrer Not nicht zu überhören.

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Wer vertritt die ehemaligen Heimkinder?
Der Runde Tisch in Berlin betreibt Aufarbeitung der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren
Gewalt und Einschüchterung waren in Kinderheimen der Nachkriegszeit ein durchaus übliches Erziehungsmittel. Darüber tagt ein »Runder Tisch Heimerziehung« beim Deutschen Bundestag. Doch nun stellt der Verein ehemaliger Heimkinder die Vertreter der Opfer, die am Tisch sitzen, in Frage.

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Sieglinde Alexander
Werden die Nachkriegsgequälten Menschlichkeit erfahren?
Seit Monaten verdrehen sich alle Verantwortlichen der kirchlichen Trägerorganisationen die Zungen, dreschen in den Medien leere Phrasen von Bedauern, entschuldigen sich bei den ehemaligen Heimkindern, versprechen Ungenaues für die Zukunft, doch faktisch geschieht nichts.
Noch immer arbeitet der Runde Tisch mit den Fragmenten einer barbarischen Vergangenheit. Hierbei werden die verantwortlichen Kirchen um Aufklärung gebeten, die diese im Endeffekt selbst nicht zu leisten vermögen. Die Kirchen profitieren von ihrer Anwesenheit am Runden Tisch, da sie Informationen erhalten, die sie als Basis für eine Abwehrstrategie nutzen können, um eine Schadensminderung für Diakonie und Caritas zu erarbeiten.
Es stellen sich folgende grundsätzlichen Fragen:
Ist in der Zusammenstellung des Runden Tisches eine Fehlbesetzung zu erkennen?
Wie sind Menschenrechtsverletzungen zu erkennen, wenn die Menschenrechtskommission keinen permanenten Sitz am Runden Tisch hat?
Welche Rechtswissenschaftler untersuchen, ob die erlebten Misshandlungen der Heimkinder in die Kategorie der Menschenrechtsverletzungen gehören?
Welche Psychologen analysieren die traumatischen Erinnerungen und Erlebnisse der Heimkinder?
Wird am Runden Tisch dieser wichtigste Punkte überhaupt angeschnitten?

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Kinderheim Scherfelde im niederländischen TV
Actualiteiten. -Als slaven behandeld in een Duits kindertehuis. Decennia lang zwegen ze, maar nu komen de toenmalige Heimkinder massaal met de verhalen naar buiten die niemand wilde geloven. Ze waren een jaar of tien toen ze als 'bastaard' in een Duits kindertehuis terechtkwamen, waar nonnen ze behandelden als slaven en onderwierpen aan een streng regime. Deze dagen schuiven slachtoffers en

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Vermummt, gefangen, gefesselt: Eckhardt Kowalke und seine Heimkinder-Plastiken.
Foto: Rohde

Skulpturen gegen das Vergessen
Eckernförde - Die Namen Gückstadt in Schleswig-Holstein und Freistatt in Niedersachsen stehen für tragische Schicksale von Fürsorgezöglingen. In dortigen Heimen herrschten in den 60er/70er Jahren Zwänge und Gewalt. „Ein rechtsfreier Raum“, sagt Eckhardt Kowalke, der selbst drei Monate in Freistatt untergebracht war. Der Eckernförder Künstler verarbeitet das erlebte Grauen jetzt in einer Ausstellung.
Das Leid, das viele Heimkinder erlitten haben, soll in die Öffentlichkeit transportiert werden. „Die Sache darf nicht vergessen werden, und die Politik muss Stellung beziehen“, fordert Kowalke. Auch in Schleswig-Holstein müsse es dazu einen Runden Tisch geben. An den Kindern seien damals Verbrechen verübt worden, die viele Ehemalige noch heute traumatisierten, so der Künstler.

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Heimkind – die Hölle auf Erden
Das Bremer Amt für Soziale Dienste hat seit einigen Monaten ein Telefon eingericht, das ehemaligen Heimkindern die Möglichkeit bietet, ihre Erfahrung zu erzählen, wie es in den 50er, 60er und 70er Jahren war. Bis heute haben sich 25 Bremer gemeldet, die unter teilweise grausamen Bedingungen in Heimen groß werden mussten. Welche menschlichen Dramen sich abspielten, bleibt nicht immer ein Geheimnis, so wie es viele Heimerzieher von damals gerne hätten.
Sein Vorname Thomas existierte nicht im Heim. Der damals 5-jährige wurde, genau wie alle anderen 90 Kinder, stets mit Nachnamen angebrüllt. Es gab keine Persönlichkeit, keine Intimsphäre, keine Rechte. Die einzige Art der persönlichen Aufmerksamkeit waren Prügel, erzählt Thomas Hasper: "Die Prügelstrafe war an der Tagesordnung. Es lagen überall Rohrstöcke. Mit den Rohrstöcken wurde in der Schule auf die Tafel gezeigt. Wenn in den Reihen jemand redete, wurde einfach dreingeschlagen, egal wo es hintraf. Das konnte auch schon mal das Gesicht sein. Das war üblich."
Nach dem Schulunterricht kam der Befehl zum Mittagschlaf. Damit die Kinder zur Ruhe kamen, wurde ein starkes Medikament verabreicht, das für Kinder gar nicht zugelassen war.
Nach dem Mittagschlaf hieß es oft: raus auf's Feld, arbeiten. Thomas Hasper, damals elf Jahre alt, ging wie viele andere Kinder auch für das Heim schuften.

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Meinen Bruder habe ich das letztemal im St. Josefskinderheim, in Lippstadt, Hospitalstr. 15 gesehen, als er von einer Nonne blutig mit dem Kopf mehrmals an die Wand geschlagen wurde, weil er auf der Topfreihe zu lange für sein großes Geschäft brauchte. Ich hatte mich vor Angst im Flur hinter einem Schrank versteckt, zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass Karlchen mein Bruder ist. Er wurde Karlchen gerufen und war nicht anders in seiner Art als alle anderen Kinder. Er gehörte damals zu den Kindern in seiner Krabbelgruppe, die viel weinten. Weil sie viel weinten, wurden sie von den Nonnen Bastarde, Störenfriede, Aufsässige und Querulanten genannt und fürs weinen gab es sehr viel Prügel. Eine andere Möglichkeit gab es nicht für die Kleinen, sich so für ihr tägliches Leid bemerkbar zu machen. Noch mehr Prügel gab es fürs bettnässen, dazu gehörte auch mein Bruder Karlchen.

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Luzerner Katholiken gedenken der Verdingkinder
Erstes "Denk-Mal" wird eingeweiht 
Luzern, 17.8.09 (Kipa) Im November vergangenen Jahres hat die Synode der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern die "Erklärung zu Lebensschicksalen von Verding- und Heimkindern" verabschiedet. Jetzt wird in Rathausen LU das erste "Denk-Mal" enthüllt, wie die Landeskirche am Montag, 17. August, mitteilte.

Die Landeskirche bittet in ihrer Erklärung "alle um Verzeihung, denen als Verding- und Heimkinder Unrecht geschah" und kündigte die Errichtung eines "Denk-Mals" an, das die "Erinnerung für den Vorrang der Menschenwürde der Schwachen und Benachteiligten vor allen anderen Interessen" im Bewusstsein halten soll. Ein erstes solches "Denk-Mal" – ein Apfelbaum und eine Gedenktafel – wird im Rahmen des Dörfli-Fests der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL am Sonntag, 23. August, der Öffentlichk …

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Michael Witti, Rechtsbeistand des VeH in einem Leserbrief:
“Wir werden weiter dafür kämpfen, dass es keinen rechtsfreien Raum in
dieser Republik gibt und uns gerade diesem skandalösen Argument der
Ministerien, Kirchen, Abgeordneten, weiter mit allen rechtlichen
Mitteln widersetzen. Es kann nicht ernsthaft sein, dass Opferansprüche
im rechtsfreien Raum entschieden, verordnet werden. Dass forderte und
argumentierte zum Entsetzen gestern die Vertreter des Staates.
Wegen
dieser weitreichenden, komplexen Rechtslage und Rechtsauffassung der
Gegenseite- Bundesministerien, Abgeordnete, ist der Rechtsweg wohl
nicht nicht zu Ende, sondern allenfalls noch kniffliger und im Ergebnis
reicher an Konsequenzen.
München , 14. August 2009-08-14
Michael Witti”

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"Kriege den Hass nicht aus dem Kopf"
Von Joachim F. Tornau
Wolfgang Schnickmann kann nicht vergessen. Auch das Schild nicht: "Hier", stand darauf zu lesen, "werden Löwen und Tiger gebändigt - auch du gehörst dazu."
Von Prügel, Demütigungen und Vergewaltigungen erzählt Schnickmann. Von Erbrochenem, das aufgegessen werden musste. Von stundenlangem Strammstehen und Marschieren. Von schwerer Feldarbeit, ohne Bezahlung natürlich und anstatt des Schulbesuchs. "Wir waren manchmal auch so grün und blau geschlagen, dass wir gar nicht mehr zur Schule hätten gehen können." Denn sonst wären die Misshandlungen ja vielleicht jemandem aufgefallen.

Interview mit Psychotherapeut Kappeler
"Die Opfer hat man damals vergessen"
Der Psychotherapeut Manfred Kappeler über brutale Heimerziehung.

Ab welchem Alter wurden Kinder misshandelt?
Schon die Säuglingsheime waren berüchtigt dafür, dass die Kinder dort hospitalistisch wurden. Sie wurden an ihre Betten gebunden oder mussten stundenlang auf langen Balken über ihren Töpfchen sitzen. Zuwendung gab es nicht. Die Heimträger stellten sich auf den Standpunkt, es reiche völlig aus, die Kinder sauber zu halten. Als Ältere wurden sie dann in immer neue Einrichtungen gesteckt. Schlusspunkt des Systems waren Erziehungsanstalten für Jugendliche mit Zwangsarbeit und Arrestzellen - das war die Hölle.

Sollten der Aufklärung über all das Zahlungen an die Heimkinder folgen?
Finanzielle Unterstützung sollte auf jeden Fall angestrebt werden. Schon weil den Opfern die Jahre der Zwangsarbeit in den Heimen nicht für die Rentenversicherung angerechnet wird. Viele von ihnen leben in prekären Verhältnissen. Für sie zählt jeder Euro. Aber die Klärung braucht Zeit.

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Kottnik gegen Pauschallösung bei Entschädigung von Heimkindern
15. 6. 09
Präsident des Diakonischen Werkes fordert differenzierte Betrachtung
Dieter Kottnik im Gespräch mit Katrin Heise
Rund 800.000 Kinder sind in den 50er und 60er Jahren in meist kirchlichen Heimen regelmäßig misshandelt worden. Doch eine pauschale Entschädigungslösung lehnt der Präsident des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche, Dieter Kottnik, ab. Es habe auch viele Jugendliche gegeben, die positive Erfahrungen in den Heimen gemacht hätten. Eine Pauschallösung sei daher ungerecht.

Ein «Denk-Mal» für Verding- und Heimkinder in Rathausen enthüllt
24.08.2009 Luzern.
Ein Apfelbaum, von dessen Früchten alle ungestraft pflücken dürfen, wurzelt seit wenigen Tagen mitten auf dem Areal der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL in Rathausen. Das «Denk-Mal» der katholischen Landeskirche erinnert an das Schicksal von Heim- und Verdingkindern.

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 «Der Katholizismus ist nicht von Natur aus schlecht, aber im Verhältnis zwischen dem Katholizismus und der irischen Republik gibt es einen bösartigen Grundton.» Mit dieser Behauptung drückte der irische Senator Eoghan Harris – ein ernanntes Mitglied der oberen Parlamentskammer – letzte Woche in gewohnt provokativer Weise einen weitverbreiteten Zweifel aus. Ist die Ausprägung der katholischen Kirche und ihrer Orden in der Republik Irland grundsätzlich anders als anderswo? Das Grauen, das der Abschlussbericht einer Expertenkommission über den Missbrauch von Kindern in katholisch geführten Anstalten und Heimen ausgelöst hat, wirft zwangsläufig grundsätzliche Fragen auf.

Irland erschrickt über sich selbst
Systematischer Kindsmissbrauch unterspült alle Gewissheiten

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Thomas Quasthoff über seine Zeit im Internat des evangelischen Rehabilitationszentrums ‚Annastift’ Hannover:
Die Müller ist eine ausgemachte Sadistin. Und wie alle Sadisten hasst sie Menschen, die widersprechen, die vor ihr nicht gleich zu Kreuze kriechen. Frau Mahlzahn hat mich gefressen. Vom ersten Tag an...
   ‚Ich mache noch ganz andere Sachen’ sagt Frau Mahlzahn und sperrt mich in die Besenkammer. Sie nimmt mir mein Tonband weg, weil es zu laut ist, konfisziert Süßigkeiten, weil sie angeblich ungesund sind, sie verbietet mir, mit Mama zu telefonieren. Sie sagt, du brauchst nicht zu petzen, deine Mutter ist weit weg, ich werde dir die Renitenz schon austreiben...
   Ihr Disziplinierungskatalog besteht aus purer Gemeinheit. An der Tagesordnung sind vierundzwanzig Stunden ohne Essen und das Gurgeln mit Salzwasser.... bis einem die Lake vollständig in den Magen gelaufen ist.... Wen sie richtig auf dem Kieker hat, den lässt sie abends im Bett festschnallen. Anschließend wird der Delinquent aus dem Zimmer gerollt und die ganze Nacht auf dem hell erleuchteten Flur abgestellt.“ (S. 77f.)

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Es waren Gottes verlassene Kinder
„Das begann manchmal von einem Tag auf den anderen”, sagt Professor Traugott Jähnichen von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum. Er untersucht mit seinem katholischen Theologie-Kollegen, Professor Wilhelm Damberg, im Auftrag beider Kirchen, wie es aussah in den damaligen Heimen;
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Und dann die Strafen. „Bettnässer wurden windelweich geprügelt. Das hat zu psychischen Störungen geführt, unter denen sie noch heute als Erwachsene leiden.” Oftmals hätten Kinder mit ihrem Laken an anderen Kindern vorbei laufen müssen, damit es alle sehen. Dabei, sagt Jähnichen, hätten viele Kinder mit dem Bettnässen doch auf die Heim-Unterbringung reagiert.
Brutalität der Erzieher habe es ohne Zweifel gegeben, so Jähnichen und Damberg, häufiger jedoch seien Auslöser für Übergriffe Überforderung der Erzieher und eine Pädagogik gewesen, „die vom Schlagen nicht lassen wollte”. Die, sagen die Forscher, habe es allerdings in dieser Zeit auch in Familien gegeben.
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Bisher hat das Bochumer Team einige dunkle Ecken im Vorhof zur Hölle, in dem Gottes verlassene Kinder lebten, ausgeleuchtet. Vieles jedoch liegt noch im Dunklen. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen.

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Teufel in Nonnentracht
Das Schicksal des Paul Brune und die Anstaltspsychiatrie nach 1945
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Das Personal in seiner Abteilung besteht aus einer Nonne, einer Pflegerin und einem Hausburschen, der zum stumpfsinnigen Befehlsempfänger gedrillt worden ist. Über die Pflegerin weiß Paul Brune zu berichten, dass sie "absolute Herrscherin" ist und mit sadistischer Grausamkeit Kinder quält, die gegen ihre Regeln verstoßen. Sie hat "die ganze Naziideologie in ihrem Untermenschenvokabular verinnerlicht" und beschimpft die Kinder ständig als "Abschaum der Menschheit", "Minderwertige", "unnütze Esser", "Drohnen" und "Schmarotzer". Hatte sie es besonders auf ein Kind abgesehen, so krallte sie ihre Hand in das kindliche Bauchfleisch ihres Opfers und drehte ihre Hand bzw. das Fleisch.

Ein Jahr später kommt Paul Brune von der "tiefstehenden Station" auf die "Schuljungenstation". Er besucht jetzt die "Idiotenschule" der Anstalt. Die so genannten Schulschwestern haben weder eine pädagogische Ausbildung noch ein Studium für ihre Tätigkeit abgelegt. Stattdessen stehen die Vinzentinerinnen mit ihrem Mutterhaus in Paderborn ganz unter dem Einfluss des dortigen Moraltheologen Joseph Mayer. Er tritt unter der Nazi-Herrschaft als Befürworter der Euthanasie für "Geisteskranke" auf. Bereits 1927 begründet er, mit dem "Imprimatur" der katholischen Kirche ausgestattet, die Zwangssterilisation in seiner Dissertation über die Gesetzliche Unfruchtbarmachung Geisteskranker.

Den Ordensschwestern predigt Mayer eine unbarmherzige Einstellung gegenüber "minderwertigen" und "geistesschwachen" Kindern. Die Hälfte von ihnen, heißt es in seiner Schrift, "trägt den Keim der Entartung von der Stunde der Zeugung an in sich, und selbst die beste soziale Fürsorge, die vorzüglichste Hilfsschule, die modernste Heil- und Pflegebehandlung kann diese Gruppe von Unglücklichen nie im Leben wirklich heilen". Erblich belastete Geisteskranke befänden sich in ihrem Triebleben "auf der Stufe der unvernünftigen Tiere". Ihre zuweilen "untermenschlichen und untertierischen Zustände" legitimierten "die Asylierung, die Unfruchtbarmachung".
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Eine Nonne lebt unter diesen Vorgaben ihren Sadismus besonders intensiv aus. "Diese kam 1950 in die Anstalt und auf unsere Station. Es war der leibhaftige Satan in Nonnentracht. Leiseste Ansätze von Solidarität unter den Kindern wurden im Keime erstickt. So setzte diese Nonne ihren Ehrgeiz darein, aus den Kindern reißende Hyänen zu machen. So war es jedem Kind erlaubt, einem andern eine Ohrfeige zu versetzen, wenn es dieses beim Schwatzen ertappt hatte. Unentwegt feuerte sie die Kinder zur Gruppenkeile an.
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Noch 1987 wird der Landschaftsverband seine unrühmliche Geschichte in der WDR-Fernsehsendung Mittwochs in Marsberg leugnen. Die Verbandsvertreter widersprechen Paul Brunes Darstellung der damaligen Verhältnisse. Durch die Sendung aufmerksam allerdings wird der Sonderschullehrer Gerhard Kroh, der sich bei Paul Brune meldet und ihm berichtet, dass die Kinder und Jugendlichen im St. Johannesstift noch bis in die siebziger Jahre hinein rechtlos der Willkür von Ordensschwestern, Pflegern und Ärzten ausgesetzt waren.

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Aufarbeitung a la Staat vor 35 Jahren
Gerhard Kroh und seiner Frau lassen die Anschuldigungen der Kinder keine Ruhe. Im Januar 1974 wendet sich Frau Kroh mit einer Eingabe, in der sie die Vorwürfe der Kinder darstellt, an Ministerpräsident Heinz Kühn. Sie bittet ihn, eine unabhängige Untersuchungskommission zur Überprüfung einzusetzen, um den langwierigen Dienstweg, auf dem Gerhard Kroh das Anliegen als Beamter hätte weitergeben müssen, zu vermeiden. Der Ministerpräsident reagiert umgehend. Er übergibt die Angelegenheit dem zuständigen Justizminister. Die Staatsanwaltschaft in Arnsberg nimmt ein "Ermittlungsverfahren gegen Bedienstete des St. Johannesstifts in Marsberg wegen Verdachts von Misshandlungen an Schutzbefohlenen" auf. Gerhard Kroh wird vernommen.

In der Zeit der Untersuchung bekommt Gerhard Kroh, der inzwischen als Sonderschullehrer in Winterberg im Hochsauerland arbeitet, Anrufe von Jungen, die ihm mitteilen, dass sie vom Personal unter Druck gesetzt werden, damit sie nicht aussagen beziehungsweise ihre Aussage zurücknehmen. Dennoch weiß Kroh aufgrund einer Mitteilung des Oberstaatsanwalts, dass sich einige dem Druck nicht gebeugt haben: "Das waren so etwa sechs bis acht Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren. Ihre Pfleger machten ihnen klar, dass ihre Personalakte, wenn sie nicht zurücknehmen, was sie ausgesagt haben, mächtig anwachsen würde".

Die Personalakte entschied aber, so Kroh, über die Frage, ob bei Eintritt der Volljährigkeit eine Entmündigung mit anschließender Verbringung in eine geschlossene Anstalt erfolgte oder nicht. Er weiß von Fällen zu berichten, in denen Jugendliche entmündigt wurden: "Etliche von ihnen hätten auch in die Freiheit entlassen werden können. Und ich vermute, dass auch Leute, also Patienten, die sich einigermaßen im Leben hätten zurechtfinden können, gerne genommen wurden, um als Ersatzpflegekräfte kostenlos in den Erwachsenenanstalten tätig zu sein."

Zu einer Anklageerhebung und einem Gerichtsverfahren kommt es jedoch nicht. Die Staatsanwaltschaft begründet dies damit, es gebe keine glaubwürdigen, unabhängigen Zeugen. Frau Kroh wird vom Generalstaatsanwalt in Hamm und vom Justizminister gebeten, ihre Anzeige zurückzuziehen, weil die Anklage vor keinem Gericht Bestand habe. Unter dem Druck ziehen die Krohs ihre Anzeige zurück, was aus heutiger Sicht beide bedauern. So blieb der Öffentlichkeit bislang verborgen, dass selbst 30 Jahre nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft Kinder und Jugendliche in der Psychiatrie in Marsberg - aber sicher nicht nur dort - den menschenunwürdigen Verhältnissen rechtlos ausgeliefert waren.

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Ihre Erinnerungen an die Zeit im diakonischen Erholungsheim im westfälischen Nettelstedt sieht sie bis heute vor sich, vor allem immer wieder jener Moment: „Ich sitze im Vorraum der Toilette, ich bin geschlagen worden, vor mir steht ein Teller mit meinem Erbrochenen, da schwimmt Essen drin und die Diakonisse zwingt mich, das zu essen. Ich weine, würge daran herum, erbreche unmittelbar darauf wieder, da packt sie mich am Arm und prügelt mich mit einem Teppichklopfer windelweich. Dieses Szenario hat sich Tag für Tag, Woche für Woche, wiederholt. Mittags und abends. Ich konnte das Essen nicht bei mir behalten. Es wurde darauf bestanden, dass ich das Erbrochene wieder auf aß, was ich natürlich wieder erbrochen habe, dann wurde ich verprügelt, solange bis die Diakonisse – Schwester Marianne hieß sie – erschöpft war. Dann erst hörte sie auf.“

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Fundstelle im Internet
Gewalt in den Alsterdorfer Anstalten
Quelle DIE ZEIT, 08.06.1979 Nr. 24
Besserung in Sicht
Politiker reagieren auf die ZEIT-Reportagen über die Verhältnisse in den Alsterdorfer Anstalten Hamburg
Den Tip des Senators Ehlers an die Alsterdorfer, „Kritik tapfer zu ertragen", hatte die Anstaltsleitung, die nach der Veröffentlichung in der ZEIT von „Sensationsmache und Diffamierung" gesprochen hatte, nur langsam beherzigt. Immerhin gab Anstaltsleiter Pfarrer Schmidt auf einer Pressekonferenz am 20. Mai zu, daß Behinderte angeschnallt und auch geschlagen worden sind. Als Grund nannte der Pastor die schlechte Personalsituation und die mangelnde Ausbildung der Mitarbeiter. Von 549 im Pflegebereich Tätigen sind 248 ohne fachliche Vorbildung. Schmidt versicherte: JE den wenigen Einzelfällen, in denen geschlagen wurde, habe man „in allei? Schärfe durchgegriffen und die betroffenen. Mitarbeiter entlassen". Schmidt räumte aber ein, daß Beruhigungsmedikamente auch in Fällen ausgegeben würden, in denen vom rein ärztlichen Standpunkt keine Notwendigkeit vorläge, wenn die Unterbringungsmöglichkeiten in der Heilanstalt besser wären.

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Das Heim im Kopf
Einer der Erzieher ist nicht nur ein Sadist, er ist auch ein Päderast. Auf seinem Tisch steht gut sichtbar eine Dose mit Melkfett. "Auch mit mir hat er was vorgehabt", sagt Laxy, "aber ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt." Nur dem sexuellen Missbrauch ist er entkommen.
In Handschellen wird er an seinem ersten Tag im Heim abgeliefert. Wie ein Schwerverbrecher. Dabei hatte er gar nichts getan. Seine Mutter schickt ihn zur Tante, sie will den Sohn nicht. Sie meldet ihn bei der Polizei als vermisst und als Dieb, weil Laxy Geld für die Bahnfahrkarte genommen hat. Und die Polizei steckt ihn ins Heim, nach Fichtenhain.

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Im Kinderheim misshandelt

Sadismus und Gewalt, Erniedrigungen und Zwangsarbeit - das soll der Alltag in deutschen Kinderheimen bis in die siebziger Jahre gewesen sein. Davon berichten ehemalige Heimkinder wie Brigitte Diederich. [mehr]

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Thema “heimkinder” in youtube (wertungslose Auswahl)

Dr. Matejcek - Kinder ohne Liebe
Kinder ohne Liebe leiden in ihrem Leben unvorstellbar. Caritas und andere christliche Verbände haben hunderttausenden das Leben zur Hölle gemacht.

Die Heimkinder - Geschlagen und vergessen?
Sie werden geschlagen, gedemütigt, missbraucht und müssen hart arbeiten: Heimkinder in den 50er und 60er Jahren der Bundesrepublik. Sie kommen ins Heim, weil sie nicht den Vorstellungen ihrer Eltern nach Ordnung, Moral und Angepasstsein entsprechen.

Umstrittene Methoden einer Hilfeeinrichtung für Kinder und Jugendliche
Die Eltern erhofften sich Hilfe und Unterstützung bei der Entwicklung ihrer verhaltensauffälligen Kinder. Doch statt Zuwendung soll es drakonische Strafen und körperliche Übergriffe gegeben haben. ...

Ehem. Heim-"Insasse" Peter Urmersbach packt aus
Live Interview mit dem Autor des Buches "Liebe konnte ich mir nicht leisten!", Peter Urmersbach: Ein ehemaliger Kinderheim-"Insasse" packt aus: Hinter der sauberen Fassade des Heimes tun sich dem Leser die dunkelsten Abgründe menschlicher Bosheit auf. Zunächst Opfer, wird Peter Urmersbach später selbst zum Täter. Gibt es aus dieser Spirale der Verletzungen überhaupt einen Ausweg?

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"Wenn man dies nicht machte haben die Nonnen dich an die haaren genommen und dich solange unter das Wasser gehalten bis du keine Luft mehr bekommen hast und das wieder und wieder."
...
Mein Bruder Uwe wurde zu die Baby Station gebracht, mich haben sie in eine Duschraum
gebracht und mir die Kleider vom meinen leib geschnitten und gerissen, hier nach haben sie
mir mit einen harten bürste mein ganzen Körper geschrubbt, so das mein kleine Körper Feuer
rot war. Sie haben mich Läusemittel auf die Haaren angebracht was mir bis in die Äugen lief,
hier durch fing ich an zu weinen. Da drauf hat die Schwester mich geschlagen. Hiernach
kriegte ich ein Nachthemd angezogen und wurde mir ein Bett zugewiesen in einen großen
Schlafraum mit vielen anderen Kindern. Gleich die erste Nacht haben die Schwestern mich
wach gemacht mich mit genommen und mich auf einen Nachttopf hingesetzt. Wo ich da nicht
konnte, bin ich wieder zu bett gegangen. Da haben sie mich geschlagen und sagte mir du
bleibst solange sitzen wie ich das will.
Hier eine liste was ich so Grausamkeiten erlebt habe mit den Schwestern und denn Priest Hr.
Müller.
...
Was ich schnell lernte war das Kinder die bett nässten zusammen geschlagen wurden und so
nass wie sie waren auf einen kalte Flur gestellt wurden da die ganze Nacht stehen bleiben
mussten so nass wie sie auch waren. Am nächsten morgen wurden sie dann kalt ab geduscht,
wenn das nicht half und sie immer wieder im bett urinierten wurden sie eine ganze Nacht im
Schweinestall bei die Schweine eingeschlossen. Die anderen Kinder konnten die ganze Nacht
das schreien und die Hilfe rufen hören.
...
Eines Nachts kam ein Größeres Mädchen sie war eins der Kinder die bei Schwester Oberin
beliebt war und machte mich wach. Ich sollte mit ihr mit gehen zu ein Badezimmer, wo sie
auf einen Hocker platz nahm und ihr Nachthemd hoch tat und die Beine weit machte.

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 Erinnerungen an eine schlimme Zeit
Mit 12 Jahren abgeschoben ins Heim: Resi Röder erzählt die wahre Geschichte ihrer Kindheit. Der Alltag wird geprägt durch Arbeit, Schläge, Demütigung, Falschheit, Frömmelei und unsinnige Regeln oder Lieblosigkeit.
...
Eingesperrt, ausgebeutet, gedemütigt ist das Heimkind der Willkür und Vorlieben von Betreuern, Behörden oder Erzieherinnen ausgeliefert. Sie durchlebt eine Jugend voller Angst und Drangsal.
Doch Resi hält durch - mit dem festen Willen, eines Tages ein freier Mensch zu sein ...

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TV-Kritik: Prügelpädagogik von Gottes Gnaden
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Der Direktor, jeweils ein Priester, war gemäss ehemaligen Bewohnern ein «unwahrscheinlicher Sadist», ein «brutaler Sauhund» und dazu noch pädophil. Auch die Ordensschwestern, die die Kinder betreuten, waren laut deren Schilderungen alles andere als barmherzig. «Ich hatte mehr Angst vor den Schwestern als vor den Mäusen und Ratten», sagt ein ehemaliges Rathausen-Kind; die brutalen Prügelmethoden der Gottesfrauen werden im Detail ausgebreitet.
...
Die Vorwürfe wiegen schwer, sehr schwer. Reporter Beat Bieri zeichnet ein Bild einer Hölle, eines unmenschlichen Straf- und Arbeitslagers für Kinder, das die katholische Kirche gut versteckt hinter Klostermauern betrieb. Der Direktor habe sich während den Prügelstrafen sexuell befriedigt. Und bei der obligatorischen Beichte hätten die Schüler ausführlich über Verstösse gegen sechste Gebot (Keuschheitsgebot) berichten müssen, auch wenn es nichts zu berichten gab. Der Priester auf der anderen Seite habe dies obszön-lustvoll aufgenommen. «Wie Telefonsex» müsse das für ihn gewesen sein, so die Schilderung. Nachdem die Behörden 1949 einschritten, rechtfertigte der Direktor seine Straf-Methoden mit dem «göttlichen Recht».
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Waren für einige Kinder die Zustände gar nicht schlimm?
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Auch sonst bleibt einiges unklar. Als Mitte der 50er Jahre die Missstände publik wurden und die Behörden einschritten, sollen sich ehemalige Zöglinge für den Direktor eingesetzt haben. Weshalb? Und waren deren Briefe tatsächlich gefälscht, wie der Film suggeriert?

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Wenn du nicht hörst, kommst du ins Heim - Schläge gehörten zur Tagesordnung

Im Untertitel eines Artikels von Benjamin Lassiwe im Holsteinischen Courier hieß es: "Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis in die 70er-Jahre hinein wurden Heimkinder in Deutschland als Arbeitskräfte missbraucht. Schläge waren eher die Regel als die Ausnahme."
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Es gab damals aber auch Heime, die bewusst auf physische Gewalt verzichteten. Dies erlebte ich 1957, als ich Jugendleiter in einem großen Internat des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) wurde. Wir sahen in dieser Einrichtung eine Art Erziehungsheim für Söhne betuchter Eltern.
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Der Präsident des CJD, Pfarrer Arnold Dannemann, hatte die Parole ausgegeben: "Wer einen Jungen schlägt, schlägt mich." Sie einzuhalten, war angesichts mancher Provokation nicht einfach. Wenn einem von uns Jugendleitern doch einmal "die Hand ausrutschte", reiste Pfarrer Dannemann spätestens am nächsten Tag an, untersuchte persönlich, was geschehen war, und der betreffende Mitarbeiter konnte sich auf eine Abmahnung gefasst machen.

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Zollitsch: “Zahl der problematischen Fälle im unteren dreistelligen Bereich”
Wie viele damalige Heimkinder in katholischen Einrichtungen Misshandlungen ausgesetzt waren, lässt sich nach den Worten von Zollitsch noch nicht genau sagen. Bisherige Erkenntnisse eines Forschungsprojektes und auch die Zahl der bisherigen Beschwerden gegen katholische Einrichtungen der Kinder- und Jugendfürsorge deuteten darauf hin, dass sich die Zahl der problematischen Fälle im unteren dreistelligen Bereich befinde, schreibt er in der Zeitung.
Fundstelle bei: Märkische Oderzeitung, 14.06.2009

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Meine Wirbelsäule war verkrümmt, ich hatte ein Bein kürzer und meine Hüfte war nicht in
Ordnung, deshalb musste ich oft ins Krankenhaus. Ich trug Schienen und lag im Gipsbett,
weshalb sich meine Entwicklung auch verzögerte.
Da ich oft unbeaufsichtigt war, hatten Freunde meines Vaters im gleichen Haus leichtes
Spiel mit mir, da ich Ihnen vertraute und immer zu essen bekam. Im Gegenzug kam es
zwischen Herrn Mayer und Herrn Richter zu sexuellen Handlungen an mir. Sie drohten
mir, wenn ich etwas sage, käme ich ins Heim und überhaupt: wer würde einem Kind schon
glauben.
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Schwester Gundeberga hatte mich einmal erwischt, als ich abends die Krümel im Bett aß.
Sofort wurde ich von ihr mit dem Gebetbuch ins Gesicht geschlagen, sie beschimpfte mich
als Diebin. Sie riss mich an den Armen aus dem Bett und ich musste wieder einmal vor
dem Schlafsaal auf dem kalten Mamor stehen. Wie lange weiß ich nicht. Ich machte vor
Angst in die Hose und wimmerte vor Schmerzen. Ich hatte oft in die Hose gemacht vor
Angst. Da wir nur eine Unterhose für die ganze Woche hatten, hatte ich die Unterhose gewaschen
und unter die Matratze gelegt, damit sie am Morgen trocken war.

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Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaften ehemaliger Heimkinder in Niedersachsen und NRW zum Symposium am 25.09.2009
Geschichte der Jugendhilfe muss aufgearbeitet werden
Auf einem Symposium mehrerer bundesweit bekannter Sozialerziehungswissenschaftler und mehreren Fachleuten aus Sozialpädagogik und Jugendamtsverwaltung sowie Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaften ehemaliger Heimkinder in Niedersachsen und NRW wurden Fragen zu politischer Bereitschaft, die "schwarze Pädagogik" der Nachkriegszeit aufzuarbeiten.
Hierzu erklärte der renommierte Erziehungswissenschaftler Professor Dr. M.Kappeler das Politiker, Kirchen und Verbände nicht mehr von Einzellfällen sprechen. Es bewegt sich etwas in die richtige Richtung; schließlich hatten alle Verantwortliche gewusst bzw. in Ansehung zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge wissen müssen, dass die bei Bildungsverweigerung, Zwangsarbeit uns seelischen Grausamkeiten Unrecht geschehen ließen.
Professor Kappeler verwies auf erfolgreiche Modellprojekte,die leider nie flächendeckend umgesetzt wurden. Den Verantwortlichen aus Politik und Kirchen waren diese Kinder und Jugendliche nicht viel wert.

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Hauptsache unter der Fünf-Prozent-Hürde
Peter Mühlbauer 01.10.2009

Vatikan: 1,5 bis 5 Prozent aller katholischen Geistlichen waren in den letzten 50 Jahren in Missbrauchsfälle verwickelt
Am 22. September beschuldigte Keith Porteous Wood, der Repräsentant der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU), die katholische Kirche vor der UN des Bruchs der Artikel 3, 19, 34 und 44 des 1990 auch vom Vatikan unterzeichneten internationalen Übereinkommens über die Rechte des Kindes (CRC). Unter anderem kritisierte er, dass sie vergangenen Kindsmissbrauch verschleiert und strukturelle Änderungen zur Verhinderung weiterer Fälle verweigert.
 Zwei Tage später versuchte Erzbischof Silvano Tomasi, der ständige Beobachter des Vatikan bei der UN, die seinen Arbeitgeber betreffenden Vorwürfe hinsichtlich des Umgangs mit Kindern durch eine Rede zu entkräften, in welcher er zuallererst meinte, es wäre bei 80 bis 90 Prozent der betroffenen Priester nicht "korrekt", von "Pädophilie" zu sprechen. Stattdessen müsse man den auf das "heranreifende" männliche Geschlecht eingrenzenden (und darüber hinaus weit weniger stigmatisierenden) Begriff "Ephebophilie" verwenden.
Anschließend klärte der Erzbischof auf, dass die "zur Verfügung stehenden Studien" zeigen würden, dass 1,5 bis 5 Prozent der Geistlichkeit in den letzten 50 Jahren in Kindsmissbrauchsfälle verwickelt gewesen sei.

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“Sex in a cold climate”:
Eine Dokumentation auf Englisch mit italienischen Untertiteln über Misshandlungen der katholischen Kirche in Irland.

Fund bei: http://www.emak.org/news/news_index.htm

Danke EmaK!
HP empfehlenswert

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6.10.2009
„Ihr seid Höllenkinder“
Bochumer Historiker legen Zwischenbericht zu Heimkindern vor
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Eine Arbeitsgruppe der Uni Bochum, die das Thema seit 2006 erforscht und seit 2008 dabei finanziell auch von Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche unterstützt wird, hat am Dienstag eine erste Zwischenbilanz präsentiert.
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Essensentzug, Isolierung, Züchtigung
Darüber hinaus verschweigen die Wissenschaftler aber nicht, dass sie auch eine in ihrem Ausmaß nur schwer feststellbare Menge von nicht erlaubten Bestrafungen und Demütigungen feststellen mussten: Trotz teilweise anderslautender Ordensregeln oder Heimordnungen hätten Kinder unter Essensentzug, Isolierung in sogenannten „Besinnungszimmern“, körperlicher Züchtigung und Misshandlungen - „Schläge 'auf die Erziehungsfläche', Ohrfeigen etc“ leiden müssen. Inwieweit die konfessionelle Prägung eines Heims strafbegünstigend oder -mildernd gewirkt hat, wollen die Wissenschaftler in „Tiefenbohrungen“ am Beispiel einzelner Heime weiter erforschen.

Unrecht an Heimkindern soll umfassend erforscht werden
Hannover (epd). In Niedersachsen soll das Unrecht an Heimkindern in den nächsten Jahren systematisch untersucht werden. Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) kündigte am Montag in Hannover nach einer Sitzung des Gesprächsarbeitskreises "Heimerziehung 1945-1975" ein großangelegtes Forschungsprojekt dazu an. Dabei sollen alle Träger und Einrichtungen, die Strukturen der Unterbringung und der Heimaufsicht sowie Beschwerden und besondere Vorkommnisse unter die Lupe genommen werden.

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Entschuldigung der Kirche
Ex-Heimkinder nehmen Reue an

Der Verein ehemaliger Heimkinder hat die Entschuldigung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche für begangene Misshandlungen angenommen. Zugleich forderte die Vereinsvorsitzende Monika Tschapek-Güntner am Donnerstag Entschädigungen in Milliardenhöhe. "Es ist gut, dass die Kirche sich mit den Betroffenen gemeinsam hinsetzt und sie auch zu Wort kommen lässt." Jetzt müssten aber Taten folgen. Der Verein fordert daher eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 25 Milliarden Euro für die noch lebenden 500.000 Betroffenen, die in den 1950er- und 60er-Jahren in den christlichen Heimen misshandelt worden waren

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Die Kindheit genommen
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Der Spruch am Eingang der Pforte zum Waisenhaus in Heiligenstadt hat sich ihm eingebrannt: "Wer sein Kind liebt, der züchtigt es." Von Mitte Februar 1952 bis 9. Januar 1959 lebte der Heiligenstädter in dem katholischen Waisenhaus in der Kreisstadt. Sein Vater hatte sich das Leben genommen, die Mutter war mit der Erziehung überfordert. "Als Halbwaisen waren wir in den Augen der Ordensschwestern nichts wert."
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Ihm stehen die Tränen in den Augen, und seine Geschichte klingt unglaublich. Als er als kleiner Junge ins Bett gemacht hat, sei ihm das nasse Betttuch ins Gesicht geschlagen worden. Abends gab´s dann nichts mehr zu trinken. "Als ich nachts vor lauter Durst zum Wasserhahn ging und dabei erwischt wurde, gab es Schläge." Gewalt war wohl ebenso Normalität wie das tägliche Beten. Mit dem Besen soll der Heiligenstädter geschlagen oder an Haaren die Treppe heruntergezogen worden sein. Prügel gab es, wenn die Arbeit im Waisenhaus nicht zur Zufriedenheit der Schwestern verrichtet wurde.

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Gemeinsame Erklärung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und des Diakonischen Werkes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers e.V. zu der Situation in Heimen der Jugendfürsorge in den 50er und 60er Jahren


Mit Trauer stellen wir fest, dass in unseren Einrichtungen der Jugendfürsorge in den 50er und 60er Jahren schlimmes Unrecht geschehen ist.

1. Uns beschämt, dass in den 50er und 60er Jahren unser christlicher Anspruch von der Wirklichkeit oft nicht gedeckt wurde. Insbesondere sehen wir, dass es häufig zu Gewaltanwendungen kam, ein oft massiver psychischer Druck herrschte und in den Heimen nicht individuell fördernd auf die Kinder und Jugendlichen eingegangen worden ist. Dadurch ist die Würde der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen oft nachhaltig verletzt und ihr Leben beschädigt worden.
Wir setzen uns dafür ein, dass in unseren Einrichtungen ohne Gewalt, in einer Atmosphäre des Respekts, einfühlsam und achtsam miteinander umgegangen wird. Wir wollen die Fähigkeiten und Entwicklungspotentiale des Einzelnen fördern.

2. Uns beschämt, dass die bedrückenden Einzelschicksale über lange Jahre verschwiegen und weder aufgearbeitet noch öffentlich gemacht wurden. Die ersten Veröffentlichungen in der Mitte der 60er Jahre wurden nur wenig beachtet. Sie trugen jedoch dazu bei, dass unsere Einrichtungen sich damals pädagogisch neu orientierten. Es sind aber fast vierzig Jahre verstrichen, bis die Betroffenen in einer breiten Öffentlichkeit Gehör gefunden haben.
Wir setzen uns zusammen mit unseren Einrichtungen dafür ein, dass die Betroffenen therapeutisch und seelsorgerlich begleitet werden. Außerdem lassen wir eine wissenschaftliche Dokumentation über die damalige Situation in den Heimen erstellen, auch um weitere Konsequenzen aus den Versäumnissen der Vergangenheit zu ziehen.

3. Uns beschämt, dass Mitarbeitende in den Einrichtungen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe oft unzureichend qualifiziert waren, ihre Einbindung in ein streng hierarchisches System oft demütigend und die personelle Besetzung unzureichend war. Wir achten die Mitarbeitenden, die unter schwierigen Bedingungen Gutes wollten und dies auch erreicht haben. Wir wissen, dass viele ehemalige Mitarbeitende bis heute unter Schuldgefühlen leiden.
Wir setzen uns gemeinsam mit unseren Einrichtungen dafür ein, dass unsere Mitarbeitenden qualifiziert ausgebildet sind und ständig entsprechend dem aktuellen Bedarf fortgebildet werden. Dazu brauchen die Teams und die Leitungen der Einrichtungen eine permanente Supervision und ein ständiges Beratungsangebot. Grundvoraussetzung ist, dass unsere Einrichtungen die Besetzung haben, die den berechtigten Ansprüchen der Jugendlichen und Kinder gerecht wird.

4. Uns beschämt, dass die Heime der Jugendfürsorge oft nicht auskömmlich finanziert waren. Deshalb erhielten die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen keine adäquate Ausbildung, sondern mussten für ihre tägliche Versorgung oft hart arbeiten.
Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Jugendhilfe eine qualifizierende Ausbildung erhalten und alle Kosten ihres Aufenthaltes durch die Solidargemeinschaft gedeckt sind.

5. Uns beschämt, dass die staatliche Einweisungspraxis oft leichtfertig war, dass es an einer kompetenten Heimaufsicht gefehlt hat und das Miteinander von Jugendämtern und Fürsorgeeinrichtungen meist unreflektiert und unkritisch gestaltet wurde.
Wir setzen uns gemeinsam mit dem Gesetzgeber dafür ein, dass die Lebenssituation der Betroffenen und die Arbeitssituation der Mitarbeitenden sowohl durch die staatliche Heimaufsicht als auch durch eine kritische Begleitung und Beratung ständig verbessert werden. ...
Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann
Diakonie-Direktor Dr. Christoph Künkel
Hannover, 7.Oktober 2009

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Diakonie
Kirche bittet misshandelte Heimkinder um Vergebung
7. Oktober 2009, 16:20 Uhr Auf einer Tagung sprechen Opfer aus den 50er Jahren von der Gewalt: „Prügel mit Lederriemen, Gummischläuchen oder Stöcken ins Gesicht".
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„Es ist schweres Unrecht passiert. Wir wollen gemeinsam mit den Betroffenen die Situation in den Heimen aufarbeiten“, sagte Diakonie-Direktor Christoph Künkel. Die evangelische Kirche räumte ein, dass es in den Kinderheimen häufig zu Gewaltanwendungen kam, oft massiver psychischer Druck herrschte und die Kinder nicht individuell gefördert wurden. „Dadurch ist die Würde der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen oft nachhaltig verletzt und ihr Leben beschädigt worden“, heißt es in der von Landesbischöfin Margot Käßmann und Künkel unterzeichneten Erklärung.

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"Es ist schweres Unrecht passiert"
 
 Mit einer Installation aus Babypuppen erinnert ein Künstlerduo an das Leid der misshandelten Kinder.Im Skandal um misshandelte Heimkinder in den 1950er- und 60er-Jahren haben die Evangelisch-lutherische Landeskirche und das Diakonische Werk am Mittwoch um Vergebung gebeten. Es sei beschämend, dass der christliche Anspruch von der Wirklichkeit nicht gedeckt wurde, hieß es am Rande einer Tagung in Hannover zur Aufarbeitung der Schicksale misshandelter Heimkinder. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtete, waren bei dem Treffen auch rund 100 Betroffene vor Ort.

Kirche räumt Gewalt ein
Die evangelische Kirche räumte am Mittwoch ein, dass es in den Kinderheimen häufig zu Gewaltanwendungen kam, oft massiver psychischer Druck herrschte und die Kinder nicht individuell gefördert wurden. "Dadurch ist die Würde der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen oft nachhaltig verletzt und ihr Leben beschädigt worden", heißt es in der von Landesbischöfin Margot Käßmann und Christoph Künkel unterzeichneten Erklärung.

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Entschuldigung der Kirche
Ex-Heimkinder nehmen Reue an

Der Verein ehemaliger Heimkinder hat die Entschuldigung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche für begangene Misshandlungen angenommen. Zugleich forderte die Vereinsvorsitzende Monika Tschapek-Güntner am Donnerstag Entschädigungen in Milliardenhöhe. "Es ist gut, dass die Kirche sich mit den Betroffenen gemeinsam hinsetzt und sie auch zu Wort kommen lässt." Jetzt müssten aber Taten folgen. Der Verein fordert daher eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 25 Milliarden Euro für die noch lebenden 500.000 Betroffenen, die in den 1950er- und 60er-Jahren in den christlichen Heimen misshandelt worden waren

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Wer beim Essen redete, habe «stundenlang strammstehen» müssen, wer nicht laut genug betete, wurde «minutenlang kalt abgeduscht». Kein Einzelfall: Wissenschaftler gehen davon aus, dass während der ersten drei Jahrzehnte in der noch jungen Bundesrepublik Tausende von Kindern unter der strengen Knute fehlgeleiteter Erzieher, Nonnen und Heimleiter gelitten haben.
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Der Marburger Erziehungswissenschaftler Wolfram Schäfer hält diese Forderungen [Entschädigung] für gerechtfertigt. Der Forscher, der sich mit den Erziehungsheimen in Hessen auseinandergesetzt hat, erinnert daran, dass auch Jugendliche in der DDR, die unter Repressalien zu leiden hatten, etwa im Jugendwerkhof Torgau, mittlerweile entschädigt werden.
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Die Situation im Westen war Schäfer zufolge zwar nicht politisch motiviert, doch auch das Menschenbild in den Jugendämtern der Bundesrepublik habe bis in die 60er Jahre unter dem Einfluss wissenschaftlicher Positionen gestanden, nach denen Heimkinder als «sozialbiologisch minderwertiges Menschenmaterial» galten. Viele Erzieher, die nach 1945 in verantwortlichen Positionen waren, seien von diesem in der NS-Zeit noch verschärften Denken beeinflusst gewesen und hätten es auch an ihre Nachfolger weitergegeben.

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