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Hinweisschreiben vom 12. 02. 2009 zur Veranstaltung der ESV am 26. 03. 2009
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 26. März 2009, um 15 Uhr, findet in der Martinskirche der Evangelischen Stiftung Volmarstein (ESV)
in 58300 Wetter (Ruhr) eine besondere Veranstaltung statt. Die Politikwissenschaftlerin Dr. Ulrike Winkler (Berlin) und Professor Hans-Walter Schmuhl (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und
Theologie der Universität Bielefeld sowie freiberuflicher Historiker (Agentur Zeitpsrung)) geben ihren Abschlussbericht ab. Anfang 2007 wurden sie von der Ev. Stiftung Volmarstein beauftragt, die 50er und 60er Jahre
im Kinderheim Johanna-Helenen-Heim zu durchleuchten. Grund des Auftrags: Es sollen „Lieblosigkeiten“ und vereinzelt auch Gewalttätigkeiten geschehen sein.
Wie kam es zu diesem Auftrag? Ein ehemaliges
Schulkind, der Unterzeichner dieses Briefes, erhielt einen Anruf von dem Pastor, bei dem er vor 40 Jahren in der Berufsschule das Fach Religion belegte: Der Spiegeljournalist Peter Wensierski habe ein Buch über
Ereignisse in Heimen kirchlicher Einrichtungen in der Bundesrepublik geschrieben. Das Evangelische Wochenblatt „Unsere Kirche“ würde gerade darüber berichten und Vertreter der Diakonie auf die Vorwürfe in dem Buch
„Schläge im Namen des Herren“ reagieren. In unserem Johanna-Helenen-Heim wäre doch Ähnliches passiert.
Unter der Überschrift „Archive sind die Seelen der geschundenen Kinder“ machte ich in einem Leserbrief an
„Unsere Kirche“ öffentlich, dass es Verbrechen auch im Johanna-Helenen-Heim gab. Es folgten weitere Leserbriefe in „Unsere Kirche“. Immer mehr Ehemalige meldeten sich und berichteten ihre Kindheitserlebnisse.
Diese schickten sie dem ESV-Sprecher zu. Nun fühlte dieser sich genötigt, ein viertel Jahr später in einer sogenannten „Volmarsteiner Erklärung“ selbst diesen „weißen Fleck auf der Landkarte unserer Anstalts- bzw.
Stiftungsgeschichte, der gegenüber den anderen Heim- und Lehrwerkstätten unserer Stiftung offensichtlich ein schwarzer war“ aufzuarbeiten.
Mit dieser Aufarbeitung stieß er erneut auf erhebliche Kritik. So
fand sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus fünf ehemaligen Schüler/innen, zwei ehemaligen Diakonenschülern, einer Diakonischen Helferin und dem genannten Pastor, mit dem Ziel zusammen, nun selbst dieses dunkle
Kapitel der Ev. Stiftung Volmarstein (damals Orthopädischen Anstalten Volmarstein) aufzuarbeiten und eines Tages zu dokumentieren.
Die Dokumentation steht. Seit einem Jahr existiert die Homepage www.gewalt-im-jhh.de. Seit November 2008 existiert eine Zusammenfassung
dieser Homepage und eine erste Auswertung der Erkenntnisse der Arbeitsgruppe. Danach haben nicht nur Lieblosigkeiten und Grausamkeiten, sondern auch zahlreiche Verbrechen an körperlich und/oder geistig behinderten
Kleinkindern und Kindern stattgefunden.
Unter der Rubrik „Zusammenfassung der Aufarbeitung der Grausamkeiten und Verbrechen 1947 – 1969“ auf der genannten Homepage sind diese Verbrechen aufgelistet. Sie
reichen von brutalsten Krückstockhieben auf Finger, Kopf, gegen den Rücken, über Faustschläge ins Gesicht und auf die Ohren, über das Schleudern kleiner Körper gegen Heizungsrohre, Aufschlagen des Kopfes auf die
Pultplatten, Knüppelschläge auf zusammengebrochene Eckensteher, über Isolationsfolter, permanente psychische Bedrohung, psychische Folter, Beleidigungen bis hin zu sexuellem Missbrauch und sexuell motivierten
Misshandlungen. Daneben hat man etlichen Schülern/innen die Schulausbildung verweigert, medizinische Versorgung fand nur unzureichend statt. Drei ehemalige Schüler haben eine Sprachbehinderung davon getragen,
wenigstens zweien wurde ein Trommelfell zertrümmert. Vielen ist gemein, dass sie schwere Traumata davongetragen und nur wenige sich in den letzten drei Jahren zu ihrer Kindheit geäußert haben.
Dieses alles
finden sie auf der Homepage. Trotz der zahlreichen Verbrechen geht die Arbeitsgruppe FAG JHH 2006 nicht mit Groll an die Aufarbeitung. Sie bot mehrfach der heutigen Stiftungsleitung an, ihre Sicht der damaligen
Verhältnisse auf der Homepage darzustellen. Davon machte sie keinen Gebrauch.
Auf diese Veranstaltung weisen wir Sie ganz besonders hin. Dies auch darum, weil wir die Anregung der Ev. Stiftung Volmarstein
übernommen haben, einen Beitrag zur Fort- und Weiterbildung und zur Forschung zu leisten. Ferner wollen wir Opfer anderer Einrichtungen ermutigen, ihrerseits ihre Kindheit oder Jugend aufzuarbeiten. Die
Veranstaltung ist öffentlich. Wir wissen nicht, ob Sie auch seitens der Evangelischen Stiftung Volmarstein eine Einladung erhalten. Bitte überprüfen Sie, ob es Ihre Zeit zulässt, daran teilzunehmen. Im Anschluß
steht Ihnen unser Pressesprecher, Herr Klaus Dickneite, für weitere Fragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen (Helmut Jacob) Sprecher
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