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Kindesmisshandlungen hinterlassen Narben in Gehirn
Misshandelte und vernachlĂ€ssigte Kinder leiden hĂ€ufig ein Leben lang unter den psychischen Folgen. Hinzu kommt, dass sich viele in einen ungesunden Lebensstil flĂŒchten, rauchen, Drogen konsumieren und Alkohol trinken, um den permanenten Stress durch „Flashbacks“ und „Triggern“ zu kompensieren. Die Kompensation kann zu einem insgesamt erhöhten Risiko fĂŒr körperliche Krankheiten oder Infektionen fĂŒhren, wie Professor Johannes Kruse wĂ€hrend einer Veranstaltung auf dem diesjĂ€hrigen Deutschen Kongress fĂŒr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Essen im MĂ€rz diesen Jahres berichtete.
http://
www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/kindesmisshandlungen-hinterlassen-narben-in-gehirn-5030623.php

Ich nehme die Entschuldigung nicht an
Helmut Jacob - privates Schreiben an:
Evangelische Stiftung Volmarstein
Kuratorium - Aufsichtsrat - Vorstand

Entschuldigung verfehlt, erneute DemĂŒtigung der Heimkinder!
Horst Moretto
... Moretto möchte mit der Veröffentlichung seines Schreibens vom 21. 06. 2011 auf dieser Seite seine ZurĂŒckweisung der Entschuldigung der Evangelische Stiftung Volmarstein zum Ausdruck bringen.

Ich nehme die Entschuldigung nicht an

Helmut Jacob * Am Leiloh 1 * 58300 Wetter - privates Schreiben an:

 

Evangelische Stiftung Volmarstein
Kuratorium - Aufsichtsrat - Vorstand
Hartmannstraße
58300 Wetter

Ihr Schreiben vom 12. Mai 2011

 

VergangenheitsbewĂ€ltigung ist nur dann glaubhaft, wenn man bereit ist, fĂŒr die Opfer auch Opfer zu bringen.
Dipl.-Theologe/Dipl.-Psychologe Dierk SchÀfer
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2010/07/25/ein-neues-stuttgarter-schuldbekenntnis/

Die dritte DemĂŒtigung
Missbrauchte Heimkinder haben Respekt verdient. Und Geld.
Was kostet ein verpfuschtes Leben? Wie viel Geld braucht es, um das Unrecht, das zahllosen Heimkindern im Deutschland der fĂŒnfziger und sechziger Jahre zugefĂŒgt wurde, zu sĂŒhnen? Und ist SĂŒhne ĂŒberhaupt möglich? Es ist das selbe Dilemma, das sich auch im Streit um die EntschĂ€digung von NS-Zwangsarbeitern gestellt hat: Was geschehen ist, lĂ€sst sich nicht mit Geld aus der Welt schaffen. Und doch können finanzielle Hilfen fĂŒr die Opfer auch noch nach Jahrzehnten ein Weg sein, die Vergangenheit ertrĂ€glicher zu machen. Im Fall der Heimkinder sind solche Zahlungen sogar unumgĂ€nglich. ...
Gibt es am Ende gar kein Geld fĂŒr die Heimkinder? Das wĂ€re nach dem Missbrauch und dem jahrzehntelangen Schweigen darĂŒber die dritte DemĂŒtigung fĂŒr die Opfer.
http://
www.zeit.de/2010/50/P-Missbrauch-Kinder

Viele ehemalige Heimkinder leiden bis heute unter den traumatischen Erlebnissen ihrer Schulzeit. Sie brauchen Geld, fĂŒr Therapien oder weil sie, so die bittere Ironie der Geschichte, nicht selten in Ă€hnlich prekĂ€ren VerhĂ€ltnissen leben, derentwegen sie die JugendĂ€mter seinerzeit in Heime abgeschoben haben. Es werden erhebliche Summen sein mĂŒssen, wenn sie die FolgeschĂ€den der Heimunterbringung dieser Menschen wirksam lindern sollen – in EinzelfĂ€llen auch mehr als hunderttausend Euro.
http://
www.zeit.de/2010/50/P-Missbrauch-Kinder?page=2

„Wenn das bestehende Recht nicht ausreichen sollte, angemessene EntschĂ€digungen zu zahlen, stehen deshalb die TrĂ€ger der Heime in der moralischen Pflicht, ĂŒber eigene Modelle der Hilfe nachzudenken. Denn eines darf nicht sein: dass nach Jahrzehnten des Unter-den-Teppich-Kehrens die letzte Chance vertan wird, den immer Ă€lter werdenden Opfern Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen.“
http://
www.presseportal.de/pm/58964/1354765/neue_osnabruecker_zeitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

fĂŒnf Jahre hat es gebraucht, bis die Verbrechen an den Hilflosesten der Gesellschaft, nĂ€mlich an behinderten Klein- und Schulkindern, ansatzweise aufgearbeitet werden konnten. Viele Verbrechen bleiben in ihrer HĂ€ufigkeit im Dunkeln. So beispielsweise das Leid der Kleinkinder auf der Kleinkinderstation, die Gewalt gegen Kinder in anderen HĂ€usern und die sexuelle Gewalt. Zu wenig Opfer der OrthopĂ€dischen Anstalten Volmarstein (OAV) haben den Mut gefasst, ihr Leiden auszusprechen. Viele von ihnen haben auch gesagt: „Das bringt sowieso nichts“. Wir wissen von Ehemaligen, die unermessliche Gewalt ertragen mussten. Sie Ă€ußern sich nicht. In diesem Zusammenhang denke ich an „Jaschko“, dem die Sadistin Gertraude Steiniger ihren Gehstock, der ihre Behinderung ausgleichen sollte, so ins Kreuz schlug, dass dieser schwere Stock zerbrach.

Am 19. MĂ€rz 2006 begann durch einen Leserbrief der Aufarbeitungsprozess.
http://
gewalt-im-jhh.de/Wie_alles_begann_-_Presseberic/wie_alles_begann_-_presseberic.html

Erst dreieinviertel Jahre spÀter hat die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV) den Mut zu einer scheinbar aufrichtigeren Entschuldigung gefunden.
http://
gewalt-im-jhh.de/-_Entschuldigung_ESV/-_entschuldigung_esv.html

Die Entschuldingungsformulierungen des vorherigen Stiftungssprechers Ernst Springer in seiner „Volmarsteiner ErklĂ€rung“ konnten von niemandem ernst genommen werden und wurden auch von der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ (FAG) als UnverschĂ€mtheit betrachtet, hier unter anderem die Heranziehung von Zitaten aus dem Alten Testament zur teilweisen Rechtfertigung der Gewaltexzesse sadistischen Personals (siehe Anhang S. 10, 11).
http://
gewalt-im-jhh.de/Volmarsteiner_Erklarung_von_Er/volmarsteiner_erklarung_von_er.html

Die Frage, ob wir die neue Entschuldigung annehmen, hat die Arbeitsgruppe bewusst zurĂŒckgestellt. Sie war auch mit diesen Formulierungen nicht einverstanden, sah allerdings das Dilemma, in dem sich Pfarrer Dittrich befand. Die FAG meinte erkannt zu haben, dass Dittrich auch nur ausfĂŒhrende Person des Aufsichtsrates und Kuratoriums sein kann. Wir können uns auch heute nicht vorstellen, dass er kritische Worte zu den lĂ€cherlichen angeblichen AufarbeitungsbemĂŒhungen seines VorgĂ€ngers Springer formulieren darf, zumal der Kuratoriums- und Aufsichtsratsvorsitzender in Union Hans-Dieter Oelkers mit Springer befreundet war.

So haben wir die Frage offen gelassen, ob wir diese Entschuldigung annehmen und beschlossen, auf die Taten der Wiedergutmachung zu warten. An den Taten wollten wir uns orientieren und uns dann fĂŒr oder gegen die Annahme der Entschuldigung entscheiden. Nun liegen alle Fakten auf dem Tisch und ich schicke voraus:

Ich nehme die Entschuldigung nicht an.

Dabei spreche ich nicht fĂŒr die Arbeitsgruppe, auch, weil ich nicht mehr ihr Sprecher bin. Ich weiß auch nicht, ob und wie die FAG diese Absage der Opferrente beurteilt. Dennoch möchte ich als Privatperson und stark betroffenes Opfer von Gewalt und Terror begrĂŒnden, warum ich die Entschuldigung nicht akzeptieren darf:

Ich empfinde das Entschuldigungsschreiben der ESV vom 15. Juni 2009 als Beleidigung. Es war nicht nur die fehlende persönliche Ansprache, die mir den Eindruck einer Postwurfsendung aufdrĂ€ngte. Ich finde jeden Satz kritikwĂŒrdig und stellenweise skandalös.

Wenn die ESV schreibt, daß erst durch die Wissenschaftler das Ergebnis vorliegt, ignoriert sie die  Ergebnisse der FAG, die bereits seit November 2008 nicht nur der ESV vorliegen, sondern gleichzeitig veröffentlicht wurden.

Die Formulierung „war es im wesentlichen eine schlimme Zeit“ ist eine Verharmlosung der Verbrechen, die in dieser Zeit stattgefunden haben. Hier verweise ich auf Kapitel 5 unserer Ausarbeitung und auf die Auflistung der Verbrechen
http://
gewalt-im-jhh.de/Zusammenfassung_der_Aufarbeitu/zusammenfassung_der_aufarbeitu.html

Hier noch einmal – fĂŒr Nicht-PC-Besitzer - eine Zusammenstellung:

Zu den einzelnen Misshandlungen und Straftaten

Eindeutig an erster Stelle, weil am hĂ€ufigsten genannt, sind SchlĂ€ge und sonstige körperliche Misshandlungen sowohl durch den grĂ¶ĂŸten Teil der Stationsschwestern als auch durch drei Lehrerinnen und den ersten Schulrektor. Zu dieser Kategorie zĂ€hlen:

 -        Hiebe mit dem KrĂŒckstock auf die Finger

-         Hiebe mit dem KrĂŒckstock auf den Kopf, gegen den RĂŒcken, in die Kniekehle

-         Unkontrollierte Hiebe mit dem KrĂŒckstock ohne Beachtung des Ziels

-         SchlĂ€ge mit den FĂ€usten auf den Kopf, ins Gesicht, auf die Ohren

-         SchlĂ€ge mit den flachen HĂ€nden ins Gesicht und auf die Ohren

-         Das Schleudern des kindlichen Körpers gegen Heizungsrohre

-         Aufschlagen des Kopfes auf die Pultplatte

-         Einquetschung des Kopfes in die FlĂŒgel der klappbaren Schultafel

-         Traktieren der „Eckensteher“ mit dem Stock - wenn sie gefallen sind - solange, bis sie wieder aufstanden

-         Werfen von GegenstĂ€nden nach Kindern

-         In einem Fall: Zusammentreten eines Kindes, dass zuvor unter dem Lehrerpult gefangen gehalten wurde

-         Kindern an den Haaren ziehen und dabei ĂŒber den Holzfußboden ziehen

-         Kinder ohne Vorwarnung schlagen

Weitere GewalttĂ€tigkeiten bestanden in der AusĂŒbung psychischer Gewalt:

 -        Kleinkinder mit dem „Bullemann“ oder der Leichenhalle drohen

-         Kleinkinder und andere Kinder in permanente AngstzustĂ€nde versetzen durch Drohungen, unangekĂŒndigte SchlĂ€ge, Schlafentzug, unkontrollierte GefĂŒhlsausbrĂŒche

-         Zerstörung jeder Regungen von MitgefĂŒhl fĂŒr die MitschĂŒler durch Aufstachelung zur Anzeige irgendwelcher Vergehen (hat ins Bett gemacht, hat wieder mit dem Kopf gewackelt) und Belohnung in Form wohlwollender Zuwendung (freundliche Worte)

-         Isolationsfolter, stundenlanges, tagelanges, wochenlanges Einsperren in Badezimmer, Abstellraum oder WĂ€schekammer - oder im Urlaub in einem leeren Zimmer.

-         Beleidigung: „Du bist nicht dumm, sonder asozial.“

-         Psychische Folter: Insekten ins Bett legen und Betroffene zwingen, sich nackt auf die teils lebenden Insekten zu legen.

-         Anstiftung zum Denunzieren.

-         Aufforderung einzelner Mitarbeiter an einzelne Kinder einzelne andere Kinder zu schlagen.

Sexueller Missbrauch

Hier sind an erster Stelle die Verbrechen des Rektors F. zu nennen, der sich an mindestens 5 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler verging und zusah, wenn andere dies taten. In diese Kategorie sortieren wir aber auch ein:

-         Zur-Schau-Stellung der sekundĂ€ren Geschlechtsmerkmale

-         Stimulierung und Erregung von Jugendlichen unter Einsatz des Waschlappens und Seife, wobei die direkte BerĂŒhrung mit den HĂ€nden nicht ausgenommen war

-         FortfĂŒhrung dieser Stimulierungen bis zu den bekannten Ergebnissen

-         Hinzuziehung von jungem Personal zur Besichtigung der Geschlechtsregion unter Hinweis auf Pickel, die behandelt werden mĂŒssten

-         Anschließende Bestrafung dieser Opfer, weil sie angeblich „Schweine“ seien.

-         Auskleiden und neu Einkleiden von MĂ€dchen, bereits im Speisesaal vor allen anderen MĂ€dchen

-         Untersuchung der BrĂŒste und des Intimbereiches auf Weiterentwicklung, wobei vordergrĂŒndig BĂŒstenhalter angepasst werden sollten

-         Herunterziehen der Hose wenigstens eines mĂ€nnlichen SchĂŒlers durch die Lehrerin ST

Weitere BrutalitÀten:

-         Wegnahme des Spielzeugs

-         EinschrĂ€nkung der FlĂŒssigkeitszufuhr; In einigen FĂ€llen bis zur Reduzierung auf eine halbe Tasse Muckefuck pro Tag

-         Zertreten und Zerstören von Spielzeug

-         Schwere körperliche Arbeit, in einem Fall bereits ab 7 Jahren. Alle Ehemalige, die zu körperlicher Arbeit fĂ€hig schienen, wurden eingesetzt.

-         Verletzung des Briefgeheimnisses, Zensur der ausgehenden Briefe, Verhinderung von Briefsendungen, Vorenthaltung von BriefeingĂ€ngen.

Zur medizinischen Versorgung:

-         Fehlende Medikamente, da diese in die DDR verschickt wurden.

-         Fehlende Behandlung von MittelohrentzĂŒndungen, in deren Folge es zu Operationen und einseitigen Taubheiten kam.

-         Keine Behandlung zumindest einer Mittelohrvereiterung

-         Druckstellen wurden erst behandelt, wenn sie völlig vereitert waren (HD).

-         Abbruch der bis dahin medizinischen Behandlung nach Einweisung ins JHH (HO).

 

Selbst, wenn wir nur die bereits von Springer in der „Volmarsteiner ErklĂ€rung“ zugegebenen Verbrechen berĂŒcksichtigen, stellt obige Formulierung „war es im wesentlichen eine schlimme Zeit“ eine Verharmlosung dar.
http://
gewalt-im-jhh.de/ESV_will_Schreckenszeit_im_Int/ESV_7kurz.jpg

Die ersten SĂ€tze des zweiten Abschnitts des Entschuldigungsschreibens sind schlichtweg inakzeptabel! Zitat: „Die damaligen VerstĂ¶ĂŸe stellen nach heutiger Erkenntnis massives Fehlverhalten dar. Sie waren of­fensichtlich leider keine ,EinzelfĂ€lle‘, wie wir zunĂ€chst vermuteten, sondern weit mehr: Kinder und Jugendliche in diesem Haus waren Übergriffen von Mitarbeitenden ausgesetzt, die eigenmĂ€chtig einem falsch verstandenen pÀ­dagogischen VerstĂ€ndnis nacheiferten. Es sah Bestrafung in ĂŒbelster Weise vor und ließ die WĂŒrde und die Achtung vor dem Mitmenschen völlig außer acht.“

„Die damaligen VerstĂ¶ĂŸe“ waren Verbrechen! Sie stellten nicht erst „nach heutiger Erkenntnis“ und schon gar nicht „massives Fehlverhalten“ dar, sondern waren auch schon zu damaliger Zeit justiziable Verbrechen. Wir haben die ESV in unserer Dokumentation vom November 2006 sogar die entsprechenden Paragraphen herausgesucht. Diese schlichtweg zu ignorieren, empfinde ich persöhnlich als Verhöhnung unserer gesamten Arbeitsgruppe, zumal selbst in dem Buch der Historiker auf die Tatsache hingewiesen wurde, dass hier teils justiziable Taten stattfanden.

Wenn im Folgenden von „eigenmĂ€chtig“ handelnden Mitarbeitern gesprochen wird, so werden die Eingaben des damaligen DiakonenschĂŒlers Jochen Twer bei Anstaltsleiter Ernst Kalle, der Diakonischen Helferin Christel Reuter bei der Hausleiterin Schwester Elfriede, die Eingaben des MitschĂŒlers Wolfgang Möckel ebenfalls bei Kalle, Proteste einiger Eltern bei Kalle und Elfriede, völlig ignoriert und damit elegant vertuscht, daß diese EigenmĂ€chtigkeiten von oben gedeckt wurden. Niemand, außer ansatzweise Steiniger, hat „einem falsch verstandenen pĂ€dagogischen VerstĂ€ndnis“ nachgeeifert. Weil es keine pĂ€dagogischen Konzepte gab oder zumindest nicht nach ihnen vorgegangen wurde.

Wir wĂ€ren ja schon froh gewesen, wenn es nur „Bestrafung in ĂŒbelster Weise“ gewesen wĂ€re. Dann könnte man diese Bestrafung im Kontext der Zeit betrachten. Diese Gewaltorgien fanden allerdings oft völlig ohne Grund und völlig ohne Bezug statt. Sie waren unkontrolliert, geschahen ĂŒberwiegend unangekĂŒndigt, willkĂŒrlich und hatten oft stark ausgeprĂ€gte sadistische ZĂŒge.

„Die WĂŒrde und die Achtung vor den Mitmenschen“ wurde nicht erst im Zuge der „Bestrafung in ĂŒbelster Weise“ mit FĂŒĂŸen getreten, sondern beispielsweise bereits im Hinblick auf die UnterkĂŒnfte. Oder können Sie in den MassenunterkĂŒnften, ohne persöhnliche RĂŒckzugsmöglichkeiten, „WĂŒrde und Achtung vor dem Mitmenschen“ erkennen?
http://
gewalt-im-jhh.de/Das_Johanna-Helenen-Heim_1955-/das_johanna-helenen-heim_1955-.html

„Auch die Leitung hat nicht angemessen reagiert“, schreiben Sie in Ihrer Entschuldigung. Wie bitte ? Sie hat ĂŒberhaupt nicht reagiert. Sie ist ihrer Aufsichtspflicht strĂ€flichst nicht ansatzweise nachgekommen; mehr noch: sie hat Beschwerden abgewimmelt. Sie selbst wurde TĂ€ter.

„Daneben hat es auch damals Mitarbeitende gegeben, die Ihnen zur Seite gestanden und Ihnen so auch vielleicht manche Hilfestellung gegeben haben.“, heißt es weiter. Es fehlt der Hinweis, daß diese Mitarbeiter Repressalien ausgesetzt waren und z. B. DiakonenschĂŒler Twer massiv unter Druck gesetzt wurde, seinen Praktikumsbericht
http://
gewalt-im-jhh.de/Auszug_aus_einem_Praktikumsber/auszug_aus_einem_praktikumsber.html
zurĂŒckzunehmen, was er nicht tat.

Zitat aus dem Entschuldigungsschreiben: „Dass damals die Leitung der Stiftung in finanziell angespannter Zeit auf die Zuweisung von öffentlichen Mitteln wartete, um durch einen Neubau die schlechten rĂ€umlichen VerhĂ€ltnisse zu verbessern und zu ĂŒberwinden, er­klĂ€rt vielleicht manches. Aber dies entschuldigt nicht die bedrĂŒckende Situ­ation, wie sie in Einzelschilderungen beschrieben wird.“

Obwohl es die ESV lĂ€ngst anders weiß, arbeitet sie immer wieder mit dem Totschlagargument geringer Geldmittel und betont auch hier die „finanziell angespannte Zeit“. Dabei haben wir mehrmals aufgezeigt, daß es trotz „finanziell angespannter Zeit“ in anderen HĂ€usern besser war, es menschenwĂŒrdiges Essen gab und keine Gewaltorgien stattfanden. Die Hausenge war auch gar nicht das Urproblem der Kinder. Die Gewalt, das Eingesperrtsein, die wenigen FreigĂ€nge auf dem winzigen Hof, die permanente Angst, haben die „bedrĂŒckende Situation“, wie die ESV diesen Zustand umschreibt, ausgemacht.
http://
gewalt-im-jhh.de/Das_Johanna-Helenen-Heim_1955-/Hof.jpg

„Dass damals die Leitung der Stiftung in finanziell angespannter Zeit“ allerdings Geld fĂŒr eine noch heute völlig ĂŒberflĂŒssige neue Kirche sammelte - obwohl eine kaum gefĂŒllte Holzkapelle vorhanden war –
http://
gewalt-im-jhh.de/Fakten_zur_Volmarsteiner_Erkla/fakten_zur_volmarsteiner_erkla.html und: http://gewalt-im-jhh.de/Fakten_zur_Volmarsteiner_Erkla/Martinskirche.JPG
anstatt schimmeliges Brot mit RĂŒbenkraut gegen Brötchen mit Schinken und gekochte Speckschwarten mit Borsten gegen Schnitzel auszutauschen, ist ein Skandal an sich. Selbst in die Holzkapelle wurden nach Berichten ehemaliger Bewohner beispielsweise der Frauenstation des JHH die Behinderten nachdrĂŒcklich „eingeladen“ und gegebenenfalls von dem Pfarrer zur Teilnahme am Gottesdienst abgeholt.

Weiter heißt es: „Dass Mitte der 90er Jahre Hinweisen auf diese MissstĂ€nde im Johanna-Helenen-Heim nur sehr zurĂŒckhaltend nachgegangen wurde, kann ich mir nur so erklĂ€ren, dass die Zeit fĂŒr die Aufarbeitung - wie sie jetzt geschehen ist und geschieht - noch nicht reif war.“

ZwangslÀufig stellen sich mir folgende Fragen:

1. Will Pfarrer Dittrich seinen VorgĂ€nger Springer aus der Schußlinie halten? Springer wurde ja 1996 nachweislich von Bach informiert und hat noch im Jahre 2006 versucht, Bach zu diskreditieren.
http://
gewalt-im-jhh.de/Grobe_Unwahrheit_-_ESV-Leiter_/Unwahrheit_2klein.jpg

FĂŒr Nicht-PC-Besitzer hier aus dem Zeitungsartikel: „®Wie vor den Kopf geschlagen` sei die Abschiedsgesellschaft 1996 angesichts dieser ÂŽabsolut nebulösen` Eröffnungen gewesen. Es sei das Problem von Ulrich Bach, ÂŽdass er ein absolut verschlĂŒsselter Mensch ist`, erklĂ€rt Springer, warum diese Schilderungen damals keine Nachforschungen nach sich gezogen hĂ€tten.“

2. Wann bitteschön darf denn nach Empfinden der ESV der richtige Zeitpunkt fĂŒr die Aufarbeitung sein?

3. Ist dies denn nach Empfinden der ESV jetzt ĂŒberhaupt der richtige Zeitpunkt?

4. Wer legt den richtigen Zeitpunkt fest?

5. Ist 40 Jahre spĂ€ter nicht der richtige Zeitpunkt (so z.B. der juristische) schon verpaßt?

 

Im letzten Abschnitt endschuldigt sich die ESV dafĂŒr, daß wir „in der genannten Zeit Repressalien ausgesetzt waren, wie sie in der Dokumentation nachzulesen sind.“

Mein Duden sagt dazu:

Re|pres|sa|lie * [...©Ă™] <lat.-mlat.>die; -, -n (meist Plural): Druckmittel, Vergeltungsmaßnahme.

(c) Dudenverlag

Wie also soll ich diesen Begriff verstehen? Waren es nur Druckmittel? Kann man von Vergeltungsmaßnahmen sprechen, wenn ohne Sinn und Konzept misshandelt wurde und der Strafcharakter oft gar nicht im Vordergrund stand?

Warum diese scheinbare Kleinkarriertheit beim Verstehen dieses Endschuldigungsbriefes? Weil diese Formulierungen genau diesen Sprachstil, der flĂ€chenĂŒbergreifend bei der Abarbeitung der Heimskandale angewandt wird, kopiert. Es ist eine interne Sprachregelung, an die man sich mehr oder weniger hĂ€lt; zuvor ĂŒbrigens auch Springer. Es hat eigentlich noch ein Satz gefehlt, um diese Sprachregelung komplett zu dokumentieren: „Heute machen wir alles besser“ oder Ă€hnliches Geschwafel. Das Vorwort der ESV im Buch Ă€hnelt denn auch dem des Vorwortes des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Pohl der Bethelschen Anstalten und dem bald erscheinenden Vorwort der Leitung der Stiftung Wittekindshof.

Zum Schluß Anmerkungen des Dipl. Theologen / Dipl. Psychologen Dierk SchĂ€fer, Pfarrer i.R.: (mit freundlicher Genehmigung) zu dem Entschuldigungsschreiben, das ich ihm seinerzeit mit der Bitte um eine Stellungnahme zugeschickt habe:

”sie haben die volle anerkennung bekommen. aber mehr (ich hoffe, nur vorlĂ€ufig) nicht.
unschön ist der vorsichtige versuch, gut gegen böse abzuwÀgen, doch auch hier: "die negativen Ergebnisse waren prÀgender."
was nicht im schreiben steht, sind die seelischen schĂ€den, die sie erlitten haben, schĂ€den, die sich nachhaltig auf die lebenslĂ€ufe ausgewirkt haben und fĂŒr die es eine finanzielle kompensation geben muß.

Einige Stunden spÀter in einer zweiten Email:
“ich kam spĂ€t heim, habe nun zu abend gegessen, und muß noch etwas nachlegen:
das schreiben von herrn dittrich finde ich eher empörend. hÀtte es sein vorstandskollege, der diplom-betriebswirt neumann geschrieben, wÀre ich nachsichtiger.
ich verstehe nicht, warum solche leute pfarrer geworden sind, wenn sie kein herz oder wenigstens verstĂ€ndnis fĂŒr menschen in schwierigen lagen haben, in diesem fall, fĂŒr menschen, denen folgenschweres unrecht getan wurde -- und das noch von der institution, die sie vertreten.
natĂŒrlich kann man nicht erwarten, daß sich volmarstein fĂŒr die ehemaligen heimkinder so verschuldet, daß es nicht mehr arbeiten kann, obwohl der wirtschaftliche bankerott nach dem moralischen durchaus folgerichtig wĂ€re.
aber hĂ€tte herr dittrich sich in seinem schreiben wenigstens verpflichtet gezeigt, als sachwalter fĂŒr die ehemaligen heimkinder aus "seinem" heim zu fungieren, hĂ€tte er zugesichert, daß er eine schadenskompensation organisieren werde und dazu auch heimmittel, wenn auch nur im bescheidenen rahmen, einsetzen will, dann, aber auch nur dann wĂ€re er glaubwĂŒrdig.
doch fĂŒr diese dinge scheint er blind zu sein. ...
doch eines kann man schon öffentlich herausstellen: ethik wird erst dann richtig glaubwĂŒrdig, wenn sie auf dem prĂŒfstand steht und etwas kostet. sonst bleibt sie sonntagsgeschwĂ€tz oder -- schlimmer noch -- heuchelei.

Ich teile alle Ansichten des Schreibers. Er hat meine GefĂŒhle zu diesem Entschuldigungsbrief wiedergegeben.

 

Welche Taten sind nun aus dem Entschuldigungsschreiben erwachsen?

Historiker wurden beschĂ€ftigt und ein Buch geschrieben, mit Sicherheit nicht mit dem ĂŒberzeugten Willen der ESV. FĂŒr Springer reichte die vorschnelle Volmarsteiner ErklĂ€rung bereits nach einem viertel Jahr.

Ein neues Kinderheim wird nach einem Opfer benannt. Dazu schreibt Dierk SchÀfer:

„Die Absicht der Evangelischen Stiftung Volmarstein, ein neues Heim in der NĂ€he des Johanna-Helenen-Heims nach einem mißhandelten Heimkind zu benennen, ist nach meiner Ansicht die höchste Anerkennung, die auf der symbolischen Ebene möglich ist. NatĂŒrlich darf es nicht bei der Symbolik bleiben. Aber wer ein so hohes Symbol setzt, wird sich der Erwartung nicht widersetzen wollen/können, auch die finanzielle Seite der Rehabilitation angemessen zu regeln.“

Von Symbolen allein kann man nicht leben. Insbesondere nicht Behinderte, deren Biografie durch die OAV in Schutt und Asche gelegt wurde, die heute arm sind und mit einer geforderten lĂ€cherlichen Opferrente von 300 Euro monatlich fĂŒr absehbare zehn Jahre nach verlorenen Kindheitsjahren wenigstens ein bisschen mehr WĂŒrde im Alter erleben wollen. Die Verweigerung dieser Rente und AbwĂ€lzung des Problems auf den „Runden Tisch Heimerziehung“ (Vollmer) stellt eine erneute Misshandlung der Opfer der OAV dar. Eine derartige Entsorgung des Problems ist unmoralisch.

Die Renovierung einer Wohnung eines Betroffenen nach ĂŒber zwanzig Jahren mit einer Laufzeit von ĂŒber einem Jahr ist keine Opferhilfe. Die zugesagte Behindertenassistenz von ein bis zwei Stunden wöchentlich fĂŒr den selben Betroffenen findet seit Monaten nicht statt. Einem anderen Behinderten wurde eine schöne Wohnung mit großer Terrasse gestellt, allerdings nicht die tĂ€glich notwendige  Behindertenassistenz fĂŒr wenigstens zwei Stunden. So verbringt er mehr oder weniger einsam seine Tage.

Weil ich diese Kosmetik nicht als Wiedergutmachung verstehen kann, muss ich die Entschuldigung als unaufrichtig zurĂŒckweisen. Andernfalls wĂŒrde ich meinen geschundenen MitschĂŒlern ins Gesicht schlagen.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

 

H O R S T   MO R E T T O

Stalburgstr. 11

D- 60318 FRANKFURT

 

vorstand@esv.de

ESV z.Hdn.Herrn Dittrich, Vorstandssprecher und Ulrich Neumann

Dat.:21.06.2009

 

Entschuldigung verfehlt, erneute DemĂŒtigung der Heimkinder!

  

An die Herren Dittrich und Neumann.

 

Ihr Rundschreiben an Herrn Helmut Jacob vom 15.06.09 wurde mir zugeleitet.

 

Nach eingehender LektĂŒre stellen sich mir einige Fragen um deren Beantwortung ich Sie herzlich bitte.

 

Das Schreiben ist an Herrn Jacob gesandt und nicht an die FAG

Darf ich davon ausgehen, dass die vielen Betroffenen, deren Anschrift wir Ihnen gegeben

haben, und die Vermissten und Verstorben nicht angesprochen werden?

 

Die Anrede ist „Damen und Herren“.

Handelt es sich um einen Einzelbrief oder um ein Rundschreiben?

Ende des Briefes:

Eine Entschuldigung in der bisherigen Form bitte ich mir nicht zuteil werden zu lassen. Ich werde sie nicht akzeptieren! So kann man sich nicht entschuldigen.

Dieser Brief stellt weder die Meinung der FAG, noch die einzelner Gruppenmitglieder dar.

GetÀuscht und enttÀuscht verbleibe ich

Moretto

Kompletter Brief: hier klicken

 

Dierk Schaefers Blog

»Was kostet ein verpfuschtes 
Leben?«

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 17. Mai 2011

»Ich nehme die Entschuldigung nicht an«, schreibt Helmut Jacob an Kuratorium, Aufsichtsrat und Vorstand der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Er zĂ€hlt – vermutlich auf Durchzug gestellten Ohren – noch einmal die Verbrechen und Vergehen auf, die Volmarstein damals zu einem „Herzen der Finsternis“ gemacht haben, wie es die Autoren des vorzĂŒglich fundierten Berichts ĂŒber die HeimverhĂ€ltnisse genannt haben.

Im Unterschied zu Bethel hatte Volmarstein einen wirklich unabhÀngigen Bericht ermöglicht. Das ist dieser Stiftung hoch anzurechnen.

Doch wer so die Lippen spitzt, muß auch pfeifen, also bei den EntschĂ€digungsbemĂŒhungen vorne dran sein. Das heißt nicht, daß die Stiftung hĂ€tte Konkurs anmelden sollen. Aber sie hĂ€tte neben erheblichen Eigenmitteln und Organisationstalent auch den Mut und die Durchsetzungskraft aufwenden mĂŒssen, um das Diakonische Werk (das eigene, wie das der EKD) zu EntschĂ€digungen zu drĂ€ngen, die Leid und Schuld erkennbar ernstnehmen. Die Freie Arbeitsgruppe der Betroffenen hatte nachvollziehbare VorschlĂ€ge unterbreitet, wie angesichts der speziellen Lage und Zukunft der behinderten ehemaligen Heimbewohner geholfen werden könne.

Aber Volmarstein wollte oder konnte nicht pfeifen – und nun hat Helmut Jacob der Stiftung eins gepfiffen.