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Statements Prof. Manfred Kappeler, Dierk SchĂ€fer und andere FĂŒrsprecher von Heimopfern

Die nachfolgenden beiden BeitrĂ€ge sind bereits auf der ersten Homepage zu finden. Die dort gemachten Aussagen sind richtungsweisend fĂŒr die Arbeit der FAG JHH 2006. Darum sind sie hier, auf der neuen Homepage, noch einmal wiederholt.

Dipl.-PÀdagoge und Dipl.-Theologe Dierk SchÀfer
VerfahrensvorschlÀge zum Umgang mit den derzeit diskutierten
Vorkommnissen in Kinderheimen in der Nachkriegszeit in Deutschland

Der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages hat aufgrund einer Vielzahl von Vorkommnissen der Kindesmißhandlung und des Kindesmißbrauchs in den deutschen Kinderheimen der Nachkriegszeit die Einrichtung eines Runden Tisches empfohlen, der diesen Vorkommissen auf den Grund gehen und ĂŒberlegen soll, wie mit den Forderungen der betroffenen Personen zu verfahren werden ist. Da die Bundesrepublik Deutschland Rechtsnachfolger sowohl des Dritten Reichs, wie auch der DDR ist, liegen auch die dort zu verortenden Vorkommnisse in ihrer rechtlichen Verantwortung, auch wenn es zur Zeit um die Probleme aus der bundesrepublikanischen Vergangenheit geht.
Das Aufgabenspektrum ist umfassend und kann wie folgt und ohne Anspruch auf VollstÀndigkeit dargestellt werden.
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Prof. Dr. Manfred Kappeler
Zwischen den Zeilen gelesen – Kritik des „Zwischenberichts“ des Runden Tisches Heimerziehung
Am 22. Januar wurde der Zwischenbericht des Runden Tisches Heimerziehung (RTH) von Antje Vollmer, der Leiterin des Gremiums, unter Beteiligung einiger weiterer Mitglieder in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die endgĂŒltige gedruckte Fassung des Berichts wurde den VertreterInnen der Ehemaligen Heimkinder am RTH erst wenige Stunden vorher zugestellt, so dass eine genaue kritische Durchsicht des Textes nicht möglich war.

Die strukturelle Asymmetrie dieses Gremiums wird beharrlich geleugnet, indem so getan wird, als seien die von Regierungen, Verwaltungen und VerbĂ€nden delegierten VertreterInnen gar keine Delegierten mit dem Mandat ihrer entsendenden Organisation, sondern ausschließlich persönlich an der Sache engagierte Fachleute der Politik und der Jugendhilfe. Das trifft aber allenfalls auf die beiden Wissenschaftler/Professoren zu, die mit ihrer grundgesetzlich garantierten Freiheit von Forschung und Lehre keinem Auftraggeber verpflichtet sein mĂŒssen.

Im ZB werden „gegenseitiges Vertrauen, Aufrichtigkeit, Offenheit“, als Grundvoraussetzungen fĂŒr einen gelingenden Arbeitsprozess am RTH beschrieben und als Praxis unterstellt. Die Erfahrungen der Ehemaligen-VertreterInnen am RTH haben deren Vertrauen in diese Tugenden fast auf den Nullpunkt gebracht. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass die Institutionen-VertreterInnen fĂŒr Vorbereitung und Wahrnehmung ihrer Funktionen infrastrukturelle Ressourcen haben, die den Ehemaligen Heimkindern ganz fehlen.

Dieses verleugnete und deshalb auch nicht wenigstens zu mildernde Ungleichgewicht erinnert Ehemalig Heimkinder an die MachtverhĂ€ltnisse, denen sie als Kinder und Jugendliche in der Jugendhilfe ausgesetzt waren.   
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Dierk SchĂ€fer: Seligsprechung fĂŒr Mixa!
Veröffentlicht in Kirche von dierkschaefer am 12. Juni 2010

»Mixa erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen die Kirche«, so zu lesen bei:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article8011687/Mixa-erhebt-schwere-Vorwuerfe-gegen-die-Kirche.html

Recht hat er. Eigentlich sollte lĂ€ngst ein Seligsprechungsverfahren laufen. Immerhin hat er ein Wunder vollbracht, ebenbĂŒrtig dem Weinwunder unseres HErrn bei der Hochzeit zu Kana.
Er hat Waisengelder in Wein verwandelt, so der Sonderermittler.
Man sollte Herrn Mixa also zur Ehre der AltÀre erheben.
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2010/06/12/seligsprechnung-fur-mixa/

Dierk SchÀfer:
Ein neues Stuttgarter Schuldbekenntnis
Veröffentlicht in Kirche, Theologie, heimkinder von dierkschaefer am 25. Juli 2010
Es muß eine schaurig-schöne Feier gewesen sein.
Beim Treffen des Lutherischen Weltbundes (LBW) hat dieser „in einer bewegenden Zeremonie“ am vergangenen Donnerstagabend in Stuttgart „Abbitte bei den Mennoniten fĂŒr grausame Verfolgung der TĂ€uferbewegung durch Lutheraner geleistet.“ „Auf Knien und unter Gebet“, wie die FAZ am Sonnabend berichtet. Die Zitate sind der FAZ-Meldung entnommen.
Schaurig, weil der Anlaß zwar 500 Jahre zurĂŒckliegt, aber an fĂŒrchterliche Greueltaten erinnert. Die FAZ druckt als (nicht direkt treffendes) Beispiel ein Photo der KĂ€fige an der MĂŒnsteraner Lambertikirche ab, in denen die Leichen der grausam gefolterten und hingerichteten WiedertĂ€ufer zur Abschreckung aufgezogen waren. Doch das ist eine Geschichte fĂŒr sich, fĂŒr die nicht die Lutheraner verantwortlich waren. Aber die Grundtendenz ist richtig, den WiedertĂ€ufern erging es in lutherischen Gefilden nicht besser.
Schön, weil dieser kirchliche Schlußstrich unter eine ĂŒble Vergangenheit in kirchlich-wĂŒrdiger Weise gezogen wurde, wenn auch sĂ€kularisierte Zeitgenossen dieser Symbolik kaum noch etwas abgewinnen dĂŒrften.
Das erste Stuttgarter Schuldbekenntnis handelte vom kirchlichen Versagen in der Zeit der Naziverbrechen. Die Kirche hatte ja nicht einmal ihre Pfarrer jĂŒdischer Herkunft geschĂŒtzt.
Wenn man dieses Schuldbekenntnis liest, können einem auch schaurig-schöne Schauer ĂŒber den RĂŒcken laufen. Schön, weil man sich ergriffen fĂŒhlt von der Geste des SchuldeingestĂ€ndnisses, das um so mehr ergreift, wie die Schuld abgrund-tief ist. Schaurig, wenn man daran denkt, welche Verbrechen im deutschen Teil des christlichen Abendlandes möglich waren. Schaurig aber auch, wenn mein alter Kollege und Zeitzeuge Recht hat mit seiner Bemerkung: „Ohne das Schuldbekenntnis hĂ€tte es keine CARE-Pakete gegeben.“ Gewiß, dieser Kollege war ein Zyniker und andere Kollegen sehen diesen Zusammenhang nicht. Es mag also sein, daß das erste Stuttgarter Schuldbekenntnis durch und durch ehrlich war, ohne Hintergedanken. Tatsache ist jedoch, daß das Bekenntnis ertragreich war. Es ist wirklich nicht vorstellbar, daß die amerikanischen Kirchen so schnell zur Hilfe bereit gewesen wĂ€ren.
Das zweite Stuttgarter Schuldbekenntnis bringt jedenfalls nichts ein, kostet aber auch nichts, denn die ermordeten WiedertĂ€ufer sind schon lange tot und erheben keine EntschĂ€digungsansprĂŒche. Die ergreifende Geste reicht.
Eine Geste reicht bei der aktuellen Schuld von Kindesmißhandlungen an Heim- und an Schulkindern nicht.
Mein Bußaufruf an die Kirchen (Buß- und Bettag 2009: http://
www.petitiononline.com/heimkids/petition.html) forderte nicht nur die Geste, sondern auch EntschĂ€digung – und er verhallte. Bestenfalls verwies man auf den Runden Tisch, dessen Ergebnisse man abwarten wolle. Die von einigen KirchenfĂŒhrern bekundete Betroffenheit ging nicht so weit, daß man wenigstens den am Hartz-IV-Existenzminimum lebenden ehemaligen Heimkindern vorab eine Opferrente bewilligen wĂŒrde.
VergangenheitsbewĂ€ltigung ist nur dann glaubhaft, wenn man bereit ist, fĂŒr die Opfer auch Opfer zubringen.
http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/07/25/ein-neues-stuttgarter-schuld bekenntnis/

Auszug aus dem 1. Stuttgarter Schuldbekenntnis:
“Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekĂ€mpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.
Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. GegrĂŒndet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden EinflĂŒssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, daß er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkĂŒndigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.”
http://
de.wikipedia.org/wi ki/Stuttgarter_Schuldbek enntnis#Wortlaut

Klaus KlĂŒber (ex-heimkinder.de): Heuchelei
Die mit Anfang des Jahres bekannt gewordenen Missbrauchs- und MisshandlungsfĂ€lle in Deutschlands Eliteschulen sind schlicht ausgedrĂŒckt. . . : einfach nur schlimm zu nennen.
Doch statt ernsthaft darĂŒber nachzudenken wie man dieser gesellschaftlichen Geißel Herr werden kann, wird das Missbrauchsthema in einer öffentlichen Weise aufbereitet, die meiner Ansicht nach einer weiteren Vergewaltigung aller Betroffenen gleicht.
Zu durchsichtig ist die Heuchelei, mit der die unterschiedlichen Interessensgruppen um gesellschaftliche Einflussnahmen ringen. In dessen Gemenge den Betroffenen allenfalls eine nachgeordnete Statistenrolle zugewiesen wird.
Doch worum geht es eigentlich?
Klar, es geht zunĂ€chst mal „nur“ um exzessive Gewalt und sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, wie sie schon seit Jahrhunderten in allen Gesellschaften praktiziert wurden, ohne dass groß ein Hahn danach krĂ€hte.
Wer es arg zu doll trieb und erwischt wurde, sah sich dann zwar irgend wann aufgrund angepasster Gesetzesvorlagen vor dem Kadi wieder. Aber ein real gesellschaftsĂŒbergreifendes Problembewusstsein wurde selbst bis heute nicht erreicht. . . . . , und eigentlich auch noch nie so richtig angestrebt.
Immerhin lĂ€sst sich mit der Leidensverwaltung vernachlĂ€ssigter, misshandelter und missbrauchter Kinder jede Menge Geld aus staatlichen Kassen abgreifen, wie unsere obersten Wohlfahrtinstitutionen im geschĂ€ftstĂŒchtigem Gewand unserer evangelischen und katholischen Kirchen nur zu gut wissen, in deren HĂ€nden nahezu jedes GeschĂ€ft zur GemeinnĂŒtzigkeit erhoben wird.
Immerhin haben sie sich im Umfeld von „Betreuungsaufgaben“ ein geradezu monopolistisches Alleinstellungsmerkmal verschafft. Innerhalb dessen die vor Ort BeschĂ€ftigten zwar nicht mehr nur mit Gotteslohn bezahlt werden, aber bekanntlich auf kirchlichen ArbeitsplĂ€tzen vergleichsweise gering bezahlt werden und erhebliche EinschrĂ€nkungen allgemeiner Arbeitnehmerrechte in Kauf nehmen mĂŒssen. Eben, weil es gilt, mit möglichst geringem Aufwand, möglichst hohe Profite zu erwirtschaften.
Aber das sei hier nur am Rande erwÀhnt.
Es gab zwar die 68er-Bewegung, der eine Umkehr allzu gewaltbetonter Erziehungsmethoden in Kinderheimen zu verdanken ist, aber seither hat es keine nennenswerte Gewaltthematisierung in der Öffentlichkeit mehr gegeben. Opfer von Gewalt und Missbrauch, blieben vor Scham weitgehend zum Stillschweigen verdammt, sich selbst ĂŒberlassen.
Dann 2003 begannen, durch einen irischen Filmbericht inspiriert, mehrere ehemalige Heimkinder, ihre Stimmen ĂŒber ihr erlittenes Leid besonders in kirchlich getragenen Einrichtungen zu erheben. Doch wurden ihre Forderungen um Entschuldigungen und EntschĂ€digungen sowohl von kirchlichen, als auch staatlichen VerantwortungstrĂ€gern mit ebenso herablassender GleichgĂŒltigkeit abgewiesen, wie sie einst behandelt wurden. ...

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6. September 2010 Dierk SchÀfer
Religiöse Untertöne
»Ich wĂ€re Ihnen sehr dankbar fĂŒr eine Ihrerseitige AufklĂ€rung Ihrer Position und der Position Ihrer Kirche, aber bitte ohne religiöse Untertöne.«
Das schreibt Herr Mitchell aus Australien in seinem Kommentar an den derzeitgen Vorsitzenden der EKD,
PrÀses Nikolaus Schneider. (siehe: http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/0 8/27/losungsvorschlage-von-dr-wiegand/#c omments )
Sicherlich werden ihm  viele (die meisten?) ehemaligen Heimkinder in diesem Punkt zustimmen.
Ich hingegen vermisse seit Bekanntwerden der Verbrechen an Kindern in kirchlichen Heimen eine theologische Stellungnahme zur damaligen Praxis samt einer ErklĂ€rung, wie trotz eines menschen- und speziell kinderfreundlichen GrĂŒndungsdokuments des Christentums („Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und dazu das Wort vom MĂŒhlstein fĂŒr diejenigen, die Kindern Leid zufĂŒgen), wie es trotz dieser Grundlage zu solchen inhumanen Gewaltexzessen kommen konnte, zu Gewaltexzessen, die religiös-ideologisch untermauert wurden und also zum System kirchlicher Heimerziehung gehörten. Doch die Theologie – wie auch die Kirchen – haben die Brisanz dieser Frage bisher nicht erkannt oder nicht erkennen wollen.
Was auch ich nicht will, doch wer meinen Blog kennt, wird mir das ohnehin nicht unterstellen, ist religiöses GesĂŒlze, das von EntschĂ€digungszahlungen dispensieren soll. Das gab es allerdings zur GenĂŒge, wie auch das Angebot, kirchliche Anlaufstellen und Therapiemöglichkeiten zu nutzen ohne hinzufĂŒgen, daß Therapiekosten generell von den kirchlichen Einrichtungen ĂŒbernommen werden, egal, welche Therapeuten aufgesucht werden.
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2010/0 9/06/religiose-untertone/

27. September 2009 Dierk SchÀfer
Die Amtskirche ging vorbei
Da war einer unter die RĂ€uber gefallen. Ein Priester und ein Levit gingen einfach vorbei. Sie stehen bei Lukas 10 (ab Vers 30) fĂŒr die damals etablierte Religion, modern gesprochen fĂŒr die Amtskirche. Erst der Samariter, in den Augen der anerkanntermaßen RechtglĂ€ubigen ein UnglĂ€ubiger, kĂŒmmerte sich um den halbtot-Geschlagenen.
In der Nachkriegszeit und teilweise bis weit in die 70er Jahre fand die Nazi-PĂ€dagogik in zahlreichen Kinderheimen ihre Fortsetzung im Gewand kirchlicher FĂŒrsorge: Wenn die Kinder, die unehelichen, die widersetzlichen, die verdorbenen, kurz, die Kinder der SĂŒnde in ihrem irdischen Leben schon leiden, bleibt ihnen vielleicht die ewige Verdammnis erspart (dies war eher die katholische Version, evangelische Heime kamen ohne Fegefeuer aus, doch das Ă€nderte weiter nichts).
Heute wissen wir, daß diese Kinder unter „die RĂ€uber“ geraten waren und sprechen von Mißhandlung, Mißbrauch, KörperbeschĂ€digung und Seelenmord.
Auch die Amtskirchen wissen es. Doch es hat den Anschein, daß sie vorbeigehen möchten. Allerdings nicht ohne ihre Betroffenheit kundzutun. Sie verweisen auf andere, die unter die RĂ€uber gefallen waren. Die Zwangsarbeiter des Nazireichs und ihre magere EntschĂ€digung sollen der Maßstab sein fĂŒr eine eventuelle EntschĂ€digung der ehemaligen Heimkinder, und das auch nur auf Nachweis.
Das ist politisch korrekt. Denn wo kĂ€men wir hin, wenn die Verbrechen in den Kinderheimen in bundesrepublikanischer Zeit, unter kirchlicher und staatlicher Verantwortung, ĂŒbler gewertet wĂŒrden, als die der Nazis? Die Opferhierarchie muß eingehalten werden. So schlimm wie die Nazis können ihre Nachfolger doch gar nicht gewesen sein.
MatthĂ€us 18,6: Wer aber Ärgernis gibt einem dieser Kleinen, die an mich glauben, dem wĂ€re es besser, daß ein MĂŒhlstein an seinen Hals gehĂ€ngt und er ersĂ€uft wĂŒrde im Meer, wo es am tiefsten ist.
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2009/09/27/23 6/

Dierk SchÀfer: Wenn die Ohrenzeugen der Augenzeugen verstummt sind, beginnt die Geschichtsschreibung.
Veröffentlicht in Kirche, PÀdagogik, heimkinder von dierkschaefer am 9. September 2010
Geschichtliche Distanz
Wenn die Ohrenzeugen der Augenzeugen verstummt sind, beginnt die Geschichtsschreibung. So war es bisher. Die Geschichtsschreibung sondierte und filterte das ihr ZugÀngliche, emotionslos und doch interesse(n)geleitet.
Heute ist es anders. Die Erlebenszeugen haben ein Publikum bekommen, grĂ¶ĂŸer als es sich die Augenzeugen frĂŒherer Zeiten vorstellen konnten. Dank der Publikationsmöglichkeiten im Internet werden wir, die anderen, zu Ohrenzeugen und wir sehen die Bilddokumente dieser „Geschichtsschreibung von unten“. Man mĂŒĂŸte sich Augen und Ohren verstopfen, wenn man nicht Zeitgenosse und Zeuge sein will.

So kommt es, daß auch kirchliche Medien ĂŒber die Schicksale von Kindern in kirchlichen Heimen berichten. Nach meinem Aufsatz im Deutschen Pfarrerblatt (http://
dierkschaefer.wordpress.com/2010/05/15/scham-und-schande-die-kirchen-und-die-heimki nderdebatte/ ) erscheint nun in der Evangelischen Sonntagszeitung ein Bericht ĂŒber SĂ€uglingsheime und der weiterfĂŒhrende Link zum SĂ€uglingsheimarchiv (http://ev-medienhaus.de/printmedien/esz/aktuell/aktuelle_ausgabe.php?rubrik=thema und
www.saeuglingsheim-archiv.de). Vielen Dank an Herrn Mitchell/Australien fĂŒr den Hinweis.

Wie fĂŒr manch andere Einrichtungen sieht sich ja der Runde Tisch in Berlin auch fĂŒr SĂ€uglingsheime nicht fĂŒr zustĂ€ndig. Dabei könnten seine Mitglieder gerade aus der BeschĂ€ftigung mit SĂ€uglingsheimen lernen, wie damals gegen damals schon bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse ĂŒber kindgerechte Erziehung verstoßen wurde. Von wegen zeitbedingt! Das was damals wohl ĂŒblich war, verstieß ebenso gegen das, was wir heute „good governance“ nennen, wie die Verbrechen des Nazireiches an sogenannten Ballast-Existenzen.

Warten wir also nicht darauf, daß die Historiker irgendwann sondieren und die Vergangenheit filtern. Bei solchem Verfahren spielt nicht nur die WĂŒrde der heute noch Lebenden keine Rolle mehr, sondern sie fĂŒhren auch noch zu falschen WĂŒrdigungen derer, die ihrer Verantwortung nicht sach- und kindgemĂ€ĂŸ nachgekommen sind. Denn die AktenfĂŒhrung war bisher stets Sache derer, die am Nachruhm interessiert waren. Die „AktenfĂŒhrung“ im Internet ist zwar auch interessengeleitet, doch dichter am Leben und Leiden der Betroffenen.

Und aus diesen Akten geht hervor, daß die fĂŒr die MißstĂ€nde in den Heimen Verantwortlichen und ihre Rechtsnachfolger einschließlich der Gesellschaft, die weggeschaut hat, die Schulden aus der Vergangenheit angemessen begleichen mĂŒssen.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/09/wenn-die-ohrenzeugen-der-augenzeugen-verstummt-sind-beginnt-die- geschichtsschreibung/
 

20. September 2010 Dierk SchÀfer
Mit einer Überraschung geht es in die Endrunde
Dem Runden Tisch werden von den ehemaligen Heimkindern LösungsvorschlÀge prÀsentiert.
Die Überraschung: Die VorschlĂ€ge werden von den Vertretern der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch und vom VeH gemeinsam getragen. Wenn ich es richtig sehe, war es Rechtsanwalt Nieporte, der diese Einigkeit bewirkt hat und ich appelliere an alle ehemaligen Heimkinder, von GrabenkĂ€mpfen untereinander abzusehen.
Es ist ohnehin offen, wie der Runde Tisch mit den LösungsvorschlĂ€gen umgeht. Ich persönlich bin da nicht sonderlich hoffnungsvoll. Sollte er die LösungsvorschlĂ€ge weitgehend ignorieren, denn hat er die Heimkinder „verkauft“, obwohl die einheitlich vernĂŒnftige VorschlĂ€ge gemacht haben.
Eins ist jedoch klar: Die Heimkindervertreter am Runden Tisch sollten ĂŒbereinkommen, wo ihre Schmerzgrenze ist. Wenn der Runde Tisch in seinem Schlußbericht die wesentlichen VorschlĂ€ge ĂŒbergeht, sollten sie nicht den Kakao trinken, durch den man sie zieht, dann gilt es, vernehmlich „nein“ zu sagen zu der Einvernehmlichkeit, die beim Zwischenbericht noch behauptet wurde.
Nun bitte ich aber alle, keine öffentliche Diskussion darĂŒber zu fĂŒhren, wo denn das Minimum liegen sollte, dem man noch zustimmen könnte. Denn dann wĂ€re es mit der Einigkeit vorbei und der Runde Tisch könnte die ehemaligen Heimkinder regelrecht vorfĂŒhren. So leicht sollte man es ihm nicht machen.
Nun ist der Runde Tisch am Zug.
http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/20/mit-einer-uberraschung-geht-es-in-die-endrunde/

Dierk SchÀfer
Der zweite Runde Tisch kam viel schneller in die Puschen 


 als der Runde Tisch fĂŒr die Heimkinder.
Woran liegt das?

Zum einen daran, daß sexueller Mißbrauch mehr „sexy“ ist, und das hatte Folgen.
Zum einen in der öffentlichen Wahrnehmung, was ich nicht weiter ausfĂŒhren muß. Doch in der Folge hat sich die Politik dieses öffentlich wahrgenommenen Themas angenommen, schließlich leben Politiker von öffentlicher Wahrnehmung. Wenn normalerweise eine Beteiligung mehrerer Ministerien an einem Thema fĂŒr die Sache nicht förderlich ist, so gab es in diesem Fall einen öffentlichen Wettstreit der Ministerien. Darum der schnelle Erfolg, soweit man die Forderung, die Frau Bergmann der Öffentlichkeit prĂ€sentiert hat, einen Erfolg nennen kann. In der Politik gibt es ohnehin nur Erfolge.

Der andere Grund fĂŒr den „Erfolg“ liegt bei den Jesuiten. Sie brachten nicht nur den Stein ins Rollen, sondern preschten auch mit einer Lösung vor. Der Eliteorden, die „SS des Papstes“ (Pater Leppich), handelte nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung, in diesem Falle: Augen zu und durch. Er nahm keine RĂŒcksicht auf die kirchliche Strategie des Vertröstens auf irgendwelche Ergebnisse eines Runden Tisch irgendwann, sondern legte ein gut kalkuliertes Angebot vor, das vom „eckigen Tisch“ dann auch zurĂŒckgewiesen wurde. Doch die Jesuiten hatten die Schlagzeilen. Nun hat Frau Bergmann die Bischöfe zur Zahlung aufgefordert. Mit dem Lob fĂŒr die Jesuiten hat sie zugleich die Meßlatte gesetzt: 5.000 € pro Fall, plus Therapiekosten, mehr gibt’s nicht.

Der dritte Grund schließlich ist die SchichtabhĂ€ngigkeit. Sind die ehemaligen Heimkinder doch eher die Schmuddelkinder, so kommen die Mißbrauchsopfer aus der Mitte der Gesellschaft, wie Prof. Kappeler richtig bemerkte. Hier war also Identifikation möglich. Der mißbrauchte Ministrant hĂ€tte auch ich sein können. Darum ging alles so schnell, wenn auch nicht unbedingt gut.

Daß vom Runden Tisch fĂŒr die Heimkinder allenfalls Brosamen abfallen werden, macht eine Meldung der OsnabrĂŒcker Zeitung deutlich: »Dass die Kirche Geld an Opfer zahlt, sollte klar sein. Dennoch sind die Bischöfe gut beraten, sich nach dem öffentlichen Druck nicht ĂŒberstĂŒrzt auf eine Summe festzulegen. Dazu ist das Thema zu heikel. Denn die Zahlungen mĂŒssen in der Höhe ungefĂ€hr denen an Zwangsarbeiter und misshandelte Heimkinder entsprechen und mit einer EntschĂ€digung anderer Institutionen kompatibel sein. Erschwerend kommt der Föderalismus in der Kirche hinzu, denn jedes Bistum kann selbst entscheiden, ebenso die Orden. Viel FingerspitzengefĂŒhl ist gefragt.«
Der ganze Artikel unter:
http://www.presseportal.de/pm/58964/1685862/neue_osnabruecker_zeitung

Oder hat die OsnabrĂŒcker Zeitung etwa die EntschĂ€digungssummen aus den USA oder Irland im Kopf gehabt?

Dem ersten Runden Tisch liegt jedenfalls eine Forderung der vereinigten Heimkinder vor. Ich hoffe, daß die Mitglieder, die dort die Interessen der ehemaligen Heimkinder vertreten sollen, bei der Sitzung am Anfang der Woche diese LösungsvorschlĂ€ge auch als Forderungen ganz offiziell eingebracht haben und daß sie notfalls auch bereit sind, den Schlußbericht nicht mitzutragen. Leisetreter am Runden Tisch können die ehemaligen Heimkinder nicht gebrauchen. Mit mir hoffen viele auf das Durchsetzungsvermögen und den Erfolg der Heimkindervertreter am Runden Tisch.
http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/22/der-zweite-runde-tisch-kam-viel-schneller-in-die-puschen-%E 2%80%A6/
 

Der Bußaufruf von Dierk SchĂ€fer – ein Interview

Herr Pastor SchÀfer, nennt man Sie Pastor oder Pfarrer? Worin liegen die Unterschiede?

Meine korrekte Amtsbezeichnung ist Pfarrer im Ruhestand. Ob Pfarrer oder Pastor ist vonLandeskirche zu Landeskirche verschieden, meint aber dasselbe.

Vor einem Jahr haben Sie zur Buße aufgerufen. Wen?

Mein Bußaufruf richtete sich an die beiden Großkirchen in Deutschland und die ihnenzugerechneten Einrichtungen in Diakonie und Caritas, dazu auch an dieOrdensgemeinschaften.

Hat Ihr Bußaufruf noch GĂŒltigkeit?

Ja, natĂŒrlich. Als Termin hatte ich den diesjĂ€hrigen Buß- und Bettag genannt, wahlweise denTag der unschuldigen Kindlein, das ist der GedĂ€chtnistag fĂŒr die angeblich von Herodes ermordeten SĂ€uglinge und Kleinkinder in Bethlehem, der 28. Dezember. Da es nicht danach aussieht, daß die Kirchen dem Bußaufruf Folge leisten, ist er zwar in seinem Kern ignoriert worden, aber damit nicht ungĂŒltig. Buße, also Umkehr von falschem, von sĂŒndhaftem Tun und ĂŒberzeugend tĂ€tige Reue sind immer nötig, in diesem Fall jedoch nach wie vor von besonderer Dringlichkeit, weil es Opfer gibt, die noch heute unter den Folgen ihres Aufenthalts in kirchlichen Einrichtungen leiden.

Wieviele Reaktionen haben Sie erhalten?

UnterstĂŒtzt haben den Bußaufruf als Petition an die Kirchen bis heute 240 Personen. Reaktionen vonseiten kirchlicher Stellen gab es nur wenige. Zumeist bedauerte man einerseits das Geschehene, verwies ansonsten aber auf die Beratungen am Runden Tisch. In kirchlicher Tradition gesprochen gab es, und das unabhĂ€ngig von meinem Bußaufruf, eine Artunausgereifter Reue inform von Betroffenheitsgesten, teilweise sogar Schuldbekenntnissen, doch zur ausgereiften Reue, der contritio, gehört mehr – und dazu hatte ich aufgerufen.

Welche Reaktionen haben Sie besonders berĂŒhrt?

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Prof. Dr. Manfred Kappeler
Das also ist des Pudels Kern: Die Heimerziehung darf kein Unrechtsystem gewesen sein
Vom „Zwischenbericht“ des Runden Tisches Heimerziehung zum
Entwurf des „Endberichts“ – Zwischen den Zeilen gelesen II
Auszug:

Zur Halbzeit seines auf zwei Jahre begrenzten Arbeitsauftrags veröffentlichte der
RTH im Januar 2010 einen „Zwischenbericht“, der fĂŒr die Ehemaligen Heimkinder
insgesamt sehr enttÀuschend war. 1
Die Hauptkritikpunkte am „Zwischenbericht“ waren:
– fehlende Anerkennung des in der Heimerziehung erlittenen Unrechts als Verletzung
  der Grundrechte und der Menschenrechte
– insbesondere die Weigerung der Mehrheit der Institutionen-VertreterInnen am RTH,
  die unter Zwang, ohne Entlohnung und Sozialversicherung in den Heimen geleistete
  Arbeit als Zwangsarbeit nach Artikel 12 Grundgesetz und Artikel 4 der EuropĂ€ischen
  Menschenrechtskonvention anzuerkennen
– Ablehnung der Bewertung des „Systems Heimerziehung“ als Unrechtsystem. Statt-
  dessen die Bewertung, dass im „System Heimerziehung“ auch Unrecht geschehen
  sei.
– eine sich deutlich abzeichnende Tendenz, die LösungsvorschlĂ€ge auf sogenannte
  immaterielle Hilfen (die nichts oder wenig kosten!) und medizinisch-therapeutische
  Hilfen bei posttraumatischen Belastungsstörungen infolge von wĂ€hrend der
  Heimerziehung erlittenen Traumatisierungen zu konzentrieren, unter Ausklammerung
  der Forderungen der Ehemaligen Heimkinder nach einem individuell spĂŒrbaren
  finanziellen Ausgleich fĂŒr unbezahlte Arbeit, entgangene RentenansprĂŒche und
  vorenthaltene berufliche Chancen durch die Verweigerung von Bildung und
  Ausbildung wĂ€hrend der Erziehung im Heim.
Insgesamt fiel auf, dass der
ganze Bericht in einer „Sprache des Konjunktivs“ verfasst war, mit der jede
eindeutige Tatbestandsfeststellung, die das Unrechtsystem hÀtte belegen können,
vermieden wurde.

Jetzt liegt der zweite Entwurf zum „Endbericht“ vor. Im Folgenden wird untersucht, ob
in diesem Entwurf die oben genannten zentralen Kritikpunkte am „Zwischenbericht“
berĂŒcksichtigt werden beziehungsweise ob die Debatten am RTH im zweiten und
letzten Jahr seiner TÀtigkeit zu VerÀnderungen der Positionen der Mehrheit der
InstitutionenvertreterInnen gefĂŒhrt haben.

Im „Entwurf“ wird ab Seite 45 eine „Zusammenfassende Bewertung“ der Ergebnisse
der „Aufarbeitung“ der Heimerziehung der vierziger bis siebziger Jahre in der alten
Bundesrepublik formuliert. Dieser Text zeigt, dass die Kritik am „Zwischenbericht“
aufgenommen wurde. Wesentlich dazu beigetragen haben zwei vom RTH in Auftrag
gegebene Expertisen:
– Erziehungsvorstellungen in der Heimerziehung der fĂŒnfziger und sechziger Jahre –
  MaßstĂ€be fĂŒr angemessenes Erziehungsverhalten und fĂŒr Grenzen ausgeĂŒbter
  Erziehungs- und Anstaltsgewalt – von Prof. Dr. Carola Kuhlmann, Evangelische
  Hochschule fĂŒr Soziale Arbeit Bochum
– Expertise zu Rechtsfragen der Heimerziehung der fĂŒnfziger und sechziger Jahre –
  von Dr. Friederike Wapler, Lehrstuhl fĂŒr Rechts- und Sozialphilosophie an der
  UniversitĂ€t Göttingen.
Im „Entwurf“ heißt es: „Elementare GrundsĂ€tze der Verfassung, wie das Rechts-
staatsprinzip, die Unantastbarkeit der MenschenwĂŒrde und das Recht auf persönliche
Freiheit und körperliche IntegritĂ€t, fanden keine Beachtung und Anwendung“ (S. 45).
Diese weitreichende Anerkennung der Grundrechts- und Menschenrechts-
verletzungen in der Heimerziehung wird folgendermaßen begrĂŒndet:
„Ein zentrales Problem, das aus den Berichten Ehemaliger Heimkinder und der
Aufarbeitung immer wieder hervorsticht, ist die faktische Rechtlosigkeit und das
Ausgeliefertsein der Kinder. Kinder und Jugendliche, die in Heimerziehung kamen,
hatten faktisch kaum eine Möglichkeit, sich (rechtlich) Gehör zu verschaffen: Die
Eltern konnten oder wollten sich nicht fĂŒr sie einsetzen, die VormĂŒnder sahen sich
nicht in der Pflicht und kannten ihre MĂŒndel in der Regel auch nicht persönlich, die
Heimaufsicht gab es nicht oder sie kam ihren Aufgaben nicht nach, JugendÀmter und
LandesjugendÀmter bildeten mit den Heimen eine Interessengemeinschaft und
nahmen zudem ihre Kontrollfunktion kaum wahr. Die Heime hatten kaum ein
Interesse daran, sich kritisch mit den Beschwerden der Heimkinder auseinander zu
setzen. VerschÀrft wurde die Hilflosigkeit auch dadurch, dass die Kinder und
Jugendlichen in der Regel nicht ĂŒber ihre Rechte oder ĂŒber Möglichkeiten der
Beschwerde aufgeklÀrt wurden. Die weit verbreitete Briefzensur erschwerte einen
Hilfeschrei nach außen erheblich. Selbst wenn Beschwerden der Heimkinder, zum
Beispiel ĂŒber Misshandlungen, nach außen drangen, stand die Aussage der
vermeidlich ‚ehrbaren’ Erzieher oder der Heimleitung gegen die Aussage eines als
‚verwahrlost’ deklarierten Zöglings. Die GlaubwĂŒrdigkeit der Beschwerde wurde
damit von vornherein diskreditiert. Im Ergebnis waren die Kinder und Jugendlichen
dem Erziehungspersonal meist schutz- und hilflos ausgeliefert. Diese Position wurde
im Rahmen der gesellschaftlichen VerantwortungsĂŒbernahme von den beteiligten
öffentlichen und freien Stellen hingenommen, befördert und ĂŒber das Erziehungsrecht
und das ‚besondere GewaltverhĂ€ltnis’ legitimiert. Erst durch diese Situation des
Ausgeliefertseins, die die Betroffenen ohnmÀchtig und hilflos machte, konnten die
MissstÀnde in der Praxis der Heimerziehung erst zu ihrer vollen praktischen und
psychisch-traumatisierenden Entfaltung kommen. Allein schon durch diese öffentlich-
rechtlich verursachte und vertretene Entrechtung damaliger Heimkinder, ist eine
besondere Anerkennung und Rehabilitierung notwendig. (
).
Das System der Heimerziehung wurde damals wie heute von der damaligen
Rechtspraxis gerahmt und getragen und maßgeblich von ihr beeinflusst. Aus dieser
Rechtspraxis resultierte unter anderem das oben genannte Ausgeliefertsein. Diese
VerhÀltnisse hatten weder die Heimkinder selbst, noch ihre Eltern zu verschulden.
Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung des Staates und gesellschaftlicher
Instanzen wie den Kirchen und (kirchlichen) VerbÀnden, die dieses mangelhafte
RechtsverstÀndnis mitgetragen und mit beeinflusst haben. Die damaligen Heimkinder
hÀtten nach dem Ideal des Rechtsstaates niemals unter seiner eigenen UnzulÀng-
lichkeit leiden dĂŒrfen. (
)
Die Gesellschaft hat durch die öffentliche Ersatzerziehung die Verantwortung fĂŒr das
Wohlergehen und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen ĂŒbernommen. An
dieser VerantwortungsĂŒbernahme waren staatliche Instanzen, wie die LĂ€nder, die
Kommunen oder die Gerichte und freie gesellschaftliche Institutionen, wie die
Kirchen, beteiligt. Sie sind – wie die Aufarbeitung zeigt – ihrer Verantwortung allzu oft
nicht nachgekommen. Kindern und Jugendlichen wurde nicht nur keine förderliche
Erziehung an lohnenden Lebensorten geboten, vielfach wurden sie allein gelassen,
misshandelt, traumatisiert und ihrer Zukunftschancen beraubt. (
) Die Gesellschaft
muss sich den Folgen ihres institutionellen Handelns stellen und Verantwortung auch
und insbesondere ĂŒbernehmen, wo sie folgenreich versagt hat.“ (S. 48)
Das ist eine beeindruckende Beschreibung und Bewertung der Heimerziehung als
Unrechtsystem und gegenĂŒber den Formulierungen des „Zwischenberichts“ ein kaum
noch erwarteter Fortschritt. Umso befremdlicher ist es, dass diese dem Text implizite
Bewertung der Heimerziehung als Unrechtsystem explizit nicht vorgenommen und
darĂŒber hinaus, durch Fettdruck hervorgehoben, ausdrĂŒcklich abgelehnt wird. Zwar
sei das „System Heimerziehung“ im „Lichte des Grundgesetzes ein mangelhaftes
und demokratisch unreifes System“ gewesen, ein „Unrechtsystem“ sei es jedoch
nicht.
Diese ĂŒberraschende Schlussfolgerung wird folgendermaßen begrĂŒndet: „Es
grĂŒndete nicht auf gesetzlich intendiertem Unrecht, es hatte Unrecht nicht zum Ziel
und es zog auch nicht zwingend Unrecht nach sich. Das erfahrene Unrecht war
vermeidbar, war von Menschen gemacht“ (Unterstreichungen im Text, M.K.). Mit dem
anschließenden Hinweis, dass es auch „Berichte von positiven, angemessenen und
hilfreichen Erfahrungen in der Heimerziehung“ gibt, die belegen, dass eine „andere
Heimerziehung“ möglich gewesen sei, soll diese Bewertung untermauert werden. Ein
System ist aber eine praktische und keine theoretische Frage. Es kommt nicht darauf
an, ob das den Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung angetane Unrecht
„gesetzlich intendiert“ war oder nicht, und es kommt auch nicht darauf an, ob das
tatsĂ€chlich geschehene Unrecht als „Ziel“ der Heimerziehung formuliert war oder
nicht. Entscheidend ist allein die Tatsache, dass dieses Unrecht geschehen ist und
dass es, allen Erkenntnissen, die der RTH in seiner „Aufarbeitung“ selbst zutage
gefördert hat, systematisch verĂŒbt wurde. Das Unrecht hatte System und das
System, das es produzierte, war mithin ein Unrechtsystem. Weil das System so war
wie es im „Entwurf“ begrĂŒndet und dicht beschrieben wird, hat es zwangslĂ€ufig, also
zwingend, Unrecht hervorgebracht. Dass es fĂŒr dieses System verantwortliche
Institutionen und Personen gab, dass es letztlich „von Menschen gemacht“ war und
dass es, wie die wenigen Ausnahmen Gott sei Dank gezeigt haben, auch „vermeidbar“
gewesen wÀre, wenn die Institutionen und Personen ihrer Verantwortung gerecht
geworden wÀren, ist kein Beweis gegen das Unrechtsystem, sondern bestÀtigt es
und lĂ€sst ĂŒberhaupt erst die Frage nach Verantwortung und Schuld von Institutionen
und Personen zu, die aus der Perspektive von MenschenwĂŒrde und Menschenrechten
immer gestellt werden muss.
Nachdem auf diese listenreiche Weise das Unrechtsystem wieder zu einem bloßen
„System“ verharmlost wird, heißt es im nĂ€chsten Satz: „Die Aufarbeitung der letzten
zwei Jahre zeigt aber unabweisbar, dass im ‚System Heimerziehung’ Unrecht und
Leid vielfach zugefĂŒgt, begĂŒnstigt, zugelassen und nur unzureichend unterbunden
wurde“ (S. 49). Die ErklĂ€rung fĂŒr dieses „Herumeiern“ findet sich auf Seite 52.
Ehemalige Heimkinder, heißt es dort, forderten „eine pauschale EntschĂ€digung
beziehungsweise eine pauschale Opferrente“ fĂŒr das an ihnen begangene Unrecht.
Diese Forderung wird abgelehnt: „Eine solche pauschale Lösung wĂ€re aber nur dann
denkbar, wenn auch eine pauschale Bewertung der damaligen Heimerziehung
generell als Unrechtstatbestand vorliegen wĂŒrde. Die Heimerziehung an sich mĂŒsste
als grundsÀtzliches Unrecht verstanden werden. Der Runde Tisch kommt in seiner
Bewertung jedoch zu der EinschÀtzung, dass eine solche pauschale Qualifizierung
der Heimerziehung als generelles Unrecht nicht angemessen und möglich ist.“
Das also ist des Pudels Kern: Die Heimerziehung darf kein Unrechtsystem gewesen
sein, weil sonst die Ehemaligen Heimkinder mit gutem Grund die von ihnen in der
8. Sitzung des RTH und verstÀrkt und weiter differenziert in der 9. Sitzung schriftlich
eingebrachten Forderungen nach einer Opferrente von Euro 300 monatlich, alternativ
eine Einmalzahlung von ca. Euro 60.000 – nicht auf andere soziale Leistungen
anrechenbar und unpfĂ€ndbar – politisch durchsetzen könnten.

Noch einmal zurĂŒck zur „Systemfrage“. Mein Vorschlag, die Heime als den
Kristallisationspunkt des „Systems Heimerziehung“ (auch die „Wege ins Heim“
gehören dazu) mit den von Goffman entwickelten Merkmalen der „Totalen Institution“
zu analysieren, ist vom RTH und auch von der ihn begleitenden wissenschaftlichen
Forschung begrifflich aufgenommen, auf der beschreibenden Ebene angewendet
und auf der analytischen Ebene zurĂŒckgewiesen worden. In ihrem Gutachten zu
einer von uns gemeinsam betreuten Dissertation ĂŒber die Heimerziehung der vierziger
bis siebziger Jahre schreibt meine Kollegin Silvia Staub-Bernasconi, dass zur
Totalen Institution Heimerziehung gehörte, „dass die Jugendlichen mit ihrer Arbeit die
wirtschaftliche Existenz des Heimes zu sichern hatten. Dazu kam eine geografische
und/oder bauliche, quasi-natĂŒrliche BeschrĂ€nkung des sozialen Kontakts mit der
Umwelt, verstÀrkt durch soziale Abschottung. Der Eintritt war mit erniedrigenden,
entpersonalisierenden Ritualen bis zur Löschung des Eigennamens, der Abgabe
aller persönlichen GegenstÀnde verbunden. Dazu gehörten auch unvoraussehbare
Inspektionen, Zensur und Einsichtnahme in persönliche Post, Entzeitlichung des
Aufenthalts, Isolationszelle bei Wasser und Brot, Drohung der Überweisung an noch
strengere Institutionen usw. Ein solches Herrschaftssystem muss auch Sozial-
beziehungen und Freundschaften – reziproke Interaktionsbeziehungen – unterbinden,
da die durch mögliche Kollektivierung der allen gemeinsamen Probleme ĂŒber soziale
Interaktionen in einem ĂŒbersichtlichen Sozialraum (
) zu einer Gefahr fĂŒr die
MachttrĂ€ger des Systems werden kann.“
Die Erziehungsmethoden in den Heimen beschreibt Staub-Bernasconi als
„methodisierte Gewalt, das heißt als körperliche, insbesondere sexuelle, medizinische,
ferner psycho-physische, psychische und soziale Gewalt, begleitet von irrationalem,
unberechenbarem Verhalten (GewaltausbrĂŒche, unvermittelte Eskalation usw.).“ Und
weiter: „Die hier geschilderten Praxen können keineswegs als sporadische,
bedauerliche Handlungen von EinzeltĂ€tern bezeichnet werden, sondern ‚sie haben
System’, das heißt sie beschreiben die Normen und Regeln der institutionalisierten
Heimordnung und deren Umsetzung durch die Inhaber hierarchischer Positionen in
einer Sozialstruktur mit unterschiedlich formalisierter, negativer Befehls- und
Sanktionsgewalt im Alltag. Und diese Heimordnung war nur auf bedingungslose
Unterwerfung, PflichterfĂŒllung und absolutem Gehorsam ohne irgendein Recht auf
Irgendetwas aufgebaut.“ Fast alle Heime des „Systems Heimerziehung“ – vom
SĂ€uglingsheim bis zum FĂŒrsorgeerziehungsheim – hatten Ă€hnliche Organisations-
strukturen und Organisationskulturen „im Sinne von institutionalisierten horizontalen
und vertikalen Positionen und festgelegten Pflichten (
) nach sozialen Innen- und
Außenbeziehungen und den sich daraus ergebenden Verhaltensregeln und Strategien
im Alltagsgeschehen (z.B. gezielt eingesetzte Bloßstellungen, Stigmatisierung,
Essensentzug usw.).“ 2 Staub-Bernasconi plĂ€diert dafĂŒr, die Erziehungspraxis in
Totalen Institutionen und ihrer Folgen fĂŒr die Menschen, die ihnen unterworfen
waren, mit den Persönlichkeitsrechten (Recht auf Unversehrtheit, Freiheit etc.) und
den Sozialrechten, wie finanzielle EntschĂ€digung fĂŒr Zwangsarbeit und soziale
Sicherung im Alter, um deren aktuelle Einlösung es in den „Empfehlungen“ des RTH
gehen muss, zu interpretieren.

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Dierk Schaefers Blog

„was ihr getan habt â€Šâ€œ

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, Theologie von dierkschaefer am 26. November 2010

MatthÀus 25, ab Vers 31

angepaßt an HEUTE Originaltext:Mt. 25, 31

 

Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 


Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir das vorgesetzt, was Euch zu schlecht war. Und wenn ich’s erbrach, habt ihr mir das Erbrochene reingezwĂ€ngt.

Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich in euren Heimen zur Arbeit gezwungen, ohne Lohn und ohne Bildungsmöglichkeiten.

Ich bin gefangen gewesen in euren Klabausen und Kellerlöchern und ihr habt mir nicht geholfen.

Ich bin ein hilfloses Kind gewesen, und ihr habt mir Gewalt angetan.

Ihr habt mir mein Leben zerstört, und als ich im Alter mein Recht bekommen wollte, habt ihr Zerknirschung geheuchelt und auf einen Runden Tisch verwiesen anstatt mir wenigstens jetzt zu helfen.

Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hilflos gesehen, als Kind, hungrig oder durstig oder als Gast oder gefangen und haben dir nicht geholfen?

Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan oder auch nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir angetan.

Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.

 

Eine schaurig-schöne Geschichte, doch sie schreckt nur die, die an das JĂŒngste Gericht glauben. 

skydaddy: Mobiles Einlullkommando: Die „Task Force“ und das „FAQ Kirchenfinanzierung“ der Deutschen Bischofskonferenz

Unter Hinweis auf Carsten Frerks Violettbuch Kirchenfinanzen war letzte Woche bei der FAZ zu lesen, die deutschen Bischöfe hĂ€tten eine „Task Force“ eingerichtet, um an einer „Kommunikationsstrategie“ zum selbigen Thema „zu feilen“. Das Ergebnis findet sich auf der Website der deutschen Bischofskonferenz: Antworten auf „hĂ€ufig gestellte Fragen“ zur Kirchenfinanzierung.

In Anbetracht der dortigen AusfĂŒhrungen scheint allerdings „Mobiles Einlullkommando“ der treffendere Begriff fĂŒr die bischöfliche „Task Force“ zu sein: Nicht nur in den Antworten, sondern bereits bei den Fragen legen die Autoren nĂ€mlich eine bemerkenswerte intellektuelle MobilitĂ€t an den Tag, wenn es darum geht, Kritik auszuweichen oder Zahlen zu nennen. Wie die Kollegen vom MEK bedient sich auch der apologetische Sturmtrupp aus der Kaiserstraße eines ganzen Arsenals an argumentativen Blendgranaten und rhethorischen Nebelkerzen. Der Leser wird fĂŒr dumm verkauft, das ethische Niveau der bischöflichen „Task Force“ scheint auf dem einer Söldnertruppe zu liegen.

Kritik wird komplett ausgeblendet

Es fehlt nĂ€mlich nicht bloß der Hinweis auf das Violettbuch (das wĂ€re zumindest verstĂ€ndlich) – es findet sich nicht die leiseste ErwĂ€hnung irgendwie gearteter Kritik am gegenwĂ€rtigen System der Kirchenfinanzierung. Sie lĂ€sst sich allenfalls erahnen anhand von Fragen wie „Subventioniert der Staat die Kirche?“ oder „Haben die BistĂŒmer Privilegien im finanziellen Bereich?“

Leser, die mit der Thematik nicht vertraut sind, wĂŒrden z. B. bei der LektĂŒre der bischöflichen AusfĂŒhrungen niemals darauf kommen,

  • dass die Angabe der Religionszugehörigkeit auf der Lohnsteuerkarte verfassungsrechtlich Ă€ußerst problematisch ist – gelinde ausgedrĂŒckt.
  • dass unter bestimmten UmstĂ€nden durchaus auch Nichtmitglieder und Ausgetretene Kirchensteuer bezahlen mĂŒssen.
  • dass den Kirchen fĂŒr ihre ganz ĂŒberwiegend aus öffentlichen Geldern finanzierten Einrichtungen ein eigenes Arbeitsrecht (sog. „Dritter Weg“) zugestanden wird, der z. B. keine Gewerkschaften zulĂ€sst.

Extrem einseitige, selektive Darstellung

Das völlige Ausblenden jeglicher Kritik bildet aber nur die Grundlage fĂŒr das weitere Vorgehen: NĂ€mlich eine völlig einseitige, höchst selektive Darstellung der Sachverhalte.

weiter: http://gewalt-im-jhh.over-blog.de/article-skydaddy-mobiles-einlullkommando-die-task-force-un d-das-faq-kirchenfinanzierung-der-deutschen-bischofskonferenz-62015964.html

 

Dierk Schaefers Blog

Flach auf den Boden gelegt

Veröffentlicht in Kirche, Psychologie, Theologie von dierkschaefer am 4. Dezember 2010

Flach auf den Boden gelegt

»Vor dem Altar des OsnabrĂŒcker Doms hat sich Bischof Franz-Josef Bode gestern flach auf den Boden gelegt. Als erster katholischer Bischof in Deutschland legte Bode in einem Bußgottesdienst teils mit bewegter Stimme ein Schuldbekenntnis fĂŒr MissbrauchsfĂ€lle in der Kirche ab«.

http://www.noz.de/lokales/49444157/osnabruecker-bischof-bode-legt-im-dom-schuldbekenntnis- fuer-missbrauchsfaelle-ab

Helmut Jacob befragte mich zu dem Vorgang und zitiert mich in seinem Blog.

http://helmutjacob.over-blog.de/article-osnabrucker-bischof-bode-legt-im-dom-schuldbekenntnis- fur-missbrauchsfalle-ab-62010175.html mit den Worten:

„wenn ich das richtig sehe, lieber herr jacob, ist die demutsgeste an gott gerichtet. bode hĂ€tte sich glaubwĂŒrdiger in einer veranstaltung mit opfern den opfern zu fĂŒĂŸen legen sollen, dann hĂ€tte wenigstens die symbolhandlung gestimmt. es ist ein jammer, allerdings nur zweiten grades, daß menschen mit liturgischer bildung mit symbolen nicht richtig umgehen können. der grĂ¶ĂŸere jammer ist allerdings, was menschen mit biblischer bildung ihren mitmenschen angetan haben.“

FĂŒr den unwahrscheinlichen Fall, daß Theologen oder gar Bischöfe, vielleicht sogar Bischof Bode eine BegrĂŒndung fĂŒr meine Aussage suchen und das – noch unwahrscheinlicher – in meinem Blog, so sei diese hier nachgereicht:

In der Bergpredigt lesen wir bei MatthĂ€us (5,24): »Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe.«

Hier wird von der damals ĂŒblichen Form des Gottesdienstes ausgegangen, einem Opfer, das man Gott darbringt. Es geht um das VerhĂ€ltnis des Einzelnen zu Gott. FĂ€llt dem Menschen jedoch ein, daß „sein Bruder“, will sagen „jemand“ etwas gegen ihn hat, das VerhĂ€ltnis zu einem Mitmenschen also gestört ist, dann hat der Gottesdienst zurĂŒckzutreten. Erst soll der GlĂ€ubige also das VerhĂ€ltnis zu seinem Mitmenschen in Ordnung bringen, bevor er vor Gott treten darf.

In der Meldung des OsnabrĂŒcker Zeitung heißt es: »Bode trĂ€gt einen Chormantel in Violett, der liturgischen Farbe der Buße. Bewusst hat er als Termin fĂŒr den Bußgottesdienst den ersten Adventssonntag gewĂ€hlt, den Beginn des neuen Kirchenjahres. „Wir können uns nicht auf dem Weg zum Weihnachtsfest machen, ohne all das mitzunehmen, was uns in den vergangenen Monaten bewusst geworden ist“, sagt der Bischof. Damit meint er das Leid der Opfer von Missbrauch und Gewalt und die Schuld der TĂ€ter.«  »„Was hier an Menschen, an jungen und jĂŒngsten Menschen durch Personen der Kirche getan worden ist, muss vor Gott ausgesprochen werden“, sagte Bode und bat die Opfer erneut um Vergebung.«

Ich will und mag Bischof Bode nicht die Ehrlichkeit seiner Bußhandlung absprechen. Die Bitte um Vergebung ist wichtig und kann helfen, die Wunden in der Seele, in der Psyche der Opfer vernarben zu lassen. Doch viele der Opfer leben in miserablen finanziellen VerhĂ€ltnissen. Wieder „gut“ machen kann man in diesen FĂ€llen nichts, aber den Opfern in dieser Lage finanziell helfen. Schließlich war die Situation in den Kinderheimen eine wesentliche Ursache fĂŒr die miserable Lage. Erst wenn diese Lage verbessert wird, erhalten Symbolhandlungen ihre GlaubwĂŒrdigkeit und können die Wunden vernarben.

»Darum, wenn du mir die Ehre geben willst, vergiß nicht, daß dein Bruder, an dem du dich versĂŒndigt hast, in Not lebt. Lindere zunĂ€chst die Not deines Bruders, erst dann komm zu mir.«

Beschlagwortet mit:Buße, EntschĂ€digung, Kirche, vergebung  

Dierk Schaefers Blog

Sagt NEIN!!!

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, Politik von dierkschaefer am 7. Dezember 2010

Sagt NEIN!!!

Heute bekomme ich von vielen Seiten den Text „Entwurf fĂŒr den Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung – Zwischen den Zeilen gelesen III“ von Prof. Dr. Manfred Kappeler.

Kritik_Endbericht_RTH_Zwischen-den-Zeilen-III

Es handelt sich um den auch mir vorliegenden 3. Entwurf des Schlußberichts.

Herzlichen Dank, Herr Prof. Kappeler, fĂŒr die grĂŒndliche Arbeit und die nachvollziehbaren Schlußfolgerungen! Sie haben das Unternehmen Runder Tisch nicht nur entlarvt, sondern auch fachlich begrĂŒndet, warum der Runden Tisch eine Farce ist.

Man muß die Aussage von Frau Dr. Vollmer in die Bewertung mit aufnehmen http://www.youtube.com/watch?v=BuCz22X0Lxk (Herrn Mitchell/Australien vielen Dank fĂŒr den Hinweis!).

Wenn Frau Vollmer meint, man dĂŒrfe nicht sagen, es habe sich nichts verĂ€ndert, auch fĂŒr die Betroffenen, und sie dann nicht mehr nennen kann, als daß diese nun ĂŒber ihre Vergangenheit sprechen können, dann hat sie selbst offenbart, daß sie als Moderatorin des Runden Tisches völlig versagt hat. Denn der Mut der Betroffenen, ĂŒber ihre Geschichte offen zu reden, hat ja ĂŒberhaupt erst die Petition und damit den Runden Tisch ingang gebracht. Immerhin spricht sie auch von „vollkommener Rechtlosigkeit“ der Betroffenen, ist aber nicht in der Lage, den Rechtlosen zur auch finanziellen Gerechtigkeit zu verhelfen. Sie kann sich also nicht behelfen mit der klassischen Ausrede, was damals recht gewesen sei, könne heute nicht unrecht sein. Sondern es gilt: Was damals unrecht war, wird auch heute weder sanktioniert noch in seinen Folgen gemildert.

Vollmer im O-Ton: »Ich glaube, man darf nicht sagen, daß sich nichts verĂ€ndert hat, auch fĂŒr die Betroffenen – und viele von denen sind doch aus dieser Mauer des Schweigens herausgekommen und reden ĂŒber ihre Geschichte und das war, glaube ich, das Allerschlimmste, diese Mischung aus vollkommener Rechtlosigkeit und Ohnmacht und vollkommenem gesellschaftlichen Desinteresse, ja, geradezu Zustimmung der Gesellschaft zu dem, was in den Heimen passiert ist. Und das ist vorbei.«

Was tun? Kappeler schreibt: »Der ganze Komplex „II Finanzielle Maßnahmen zu Gunsten einzelner Betroffener“ wird, wenn in der Abschluss-Sitzung nicht noch entscheidende VerĂ€nderungen erreicht werden, aus der Sicht der Interessen und Forderungen der Ehemaligen Heimkinder nicht zustimmungsfĂ€hig sein. (S.15).«

Also wenn in diesem Punkt nicht noch entscheidende VerĂ€nderungen erreicht werden, kann es nur heißen: Sagt NEIN!

Diese Aufforderung er geht an die Heimkindervertreter am Runden Tisch: Sagt NEIN! Gebt nicht auch noch eure Zustimmung dazu, daß ihr ĂŒber den Tisch gezogen wurdet. Sagt dem Petitionsausschuß öffentlich, wie sein guter Auftrag durch eine inkompetente Moderatorin und durch die finanziellen Interessen von Staat (LĂ€ndern) und Kirchen (und ihren Einrichtungen) pervertiert wurde.

Sagt NEIN!

Beschlagwortet mit:bundeslĂ€nder, dr. antje vollmer, EntschĂ€digung, heimkinder, Kirchen, Runder Tisch, Schlußbericht  

Prof. Dr. Manfred Kappeler
Vom 2. Entwurf zum 3. Entwurf fĂŒr den Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung – Zwischen den Zeilen gelesen III
Auf Seite 6 des Entwurfs heißt es: „Auch der Mitwirkung der Ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch kommt eine besondere Bedeutung zu. Sie haben den Forderungen der Betroffenen eine unĂŒberhörbare Stimme gegeben. Ihnen ist es besonders zu verdanken, dass der Runde Tisch das erfahrene Leid und das geschehene Unrecht klar benannt hat und konkrete VorschlĂ€ge fĂŒr die Anerkennung des Schicksals der Betroffenen unterbreitet.
Der Berichterstattung der Ehemaligen Heimkinder und den darin enthaltenen Unrechtserfahrungen wird geglaubt.“
Diese Aussage, mit der die Ehemaligen Heimkinder am RTH als Experten fĂŒr die AufklĂ€rung der Heimerziehung der vierziger bis siebziger Jahre anerkannt werden, weckt zu Beginn der LektĂŒre dieses Textes die Hoffnung, dass die „Forderungen der Betroffenen“ sich zuletzt, nach einem zweijĂ€hrigen konfliktreichen Arbeitsprozess, doch noch in die „Empfehlungen“ an den Bundestag, die LĂ€nderparlamente und die Regierungen aufgenommen werden. Leider wird diese Hoffnung beim Weiterlesen von Seite zu Seite immer mehr frustriert und verliert sich am Ende in eine große EnttĂ€uschung. ...
                                                                                                                          
Analyse komplett: hier klicken

Geraubte Kindheit
Misshandelte Heimkinder ringen um EntschÀdigung
Mitte Dezember 2010 wird der Runde Tisch Heimerziehung zum letzten Mal tagen. Seit 2008 dreht sich dort alles um die Frage, wie die ehemaligen Heimkinder fĂŒr das Unrecht entschĂ€digt werden können, das ihnen in Heimen der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren angetan wurde. Staat und Kirche sind sich ihrer moralischen Verantwortung bewusst und haben sich entschuldigt. Mit den finanziellen Folgen tun sie sich jedoch schwer.
Geschlagen, missbraucht, eingesperrt - hunderttausende Heimkinder durchlebten in den 1950er und 1960 Jahren der Bundesrepublik ein unvorstellbares Martyrium in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen. Durch ZĂŒchtigung und harte Arbeit sollten die "verstockten" Kinder und Jugendlichen erzogen werden. Es sind Schicksale, die lange Zeit verdeckt blieben. "Das als Kind zu erleben, das war hart. Zu wissen: Es hilft dir keiner. Es ist nie einer da, der dich auch mal belohnt, dich in die Arme nimmt. Dieses Wechselspiel, das auch zu Hause lĂ€uft", sagt Monika Tschapek-GĂŒntner, die Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder. "Es gab immer nur Bedrohung, immer nur Angst. Wenn gesagt wurde: 'Ich schlage dich tot' - und das wurde gesagt -, dann haben wir das geglaubt. Weil dort bewusstlose Kinder lagen, denen man einen Eimer Wasser ĂŒbergegossen und sie weiter geschlagen hat."

Fixierung und sexueller Missbrauch
Monika Tschapek-GĂŒntner war ein nichteheliches Kind und kam als SĂ€ugling in ein katholisches Heim. Was sie dort erlebt hat, ist heute unvorstellbar: Als Kind wurde sie stundenlang im Bett fixiert. Sie wurde sexuell missbraucht und musste ab dem sechsten Lebensjahr schwere körperliche Arbeit verrichten. "Es gab Arbeiten in den Heimen, die die Kinder verrichten mussten, die waren wichtiger als Schularbeiten und Förderung", sagt Tschapek-GĂŒntner. "Die Kinder mussten das ganze Haus reinigen, putzen, waschen, kochen, die kleineren Kinder mitversorgen. Sonst hĂ€tte das System Heim gar nicht funktioniert."

GesprĂ€che ĂŒber EntschĂ€digungen
2008 wurde beim Bundestag der Runde Tisch Heimerziehung eingerichtet. Betroffene und Vertreter der Heimbetreiber - Kirche, LĂ€nder und WohlfahrtsverbĂ€nde - berieten, wie ehemaligen Heimkindern zu helfen ist. Entschuldigungen wurden ausgesprochen, eine Telefon-Hotline eingerichtet. Doch der fĂŒr die Betroffenen wichtigste Punkt, eine finanzielle EntschĂ€digung in Form einer monatlichen Rente von 300 Euro oder einer Einmalzahlung von 54.000 Euro, wird von den Heimvertretern abgelehnt. "Außerhalb des Runden Tisches wurden als EntschĂ€digungszahlungen sehr hohe Summen genannt", sagt Mario Junglas vom Caritas-Verband, "und diese hohen Summen sind meines Erachtens nicht realistisch."

Dabei wĂ€re eine realistische Summe fĂŒr EntschĂ€digungszahlungen sehr leicht festzustellen gewesen. Betriebswirtschaftler hĂ€tten ausrechnen können, welche Summe dem Steuerzahler ĂŒber Jahrzehnte durch die Arbeit der Kinder und Jugendlichen erspart geblieben ist. Sie mussten auf Feldern und in Mooren, in KĂŒchen und WĂ€schereien schuften, ohne dafĂŒr Lohn oder Rentenpunkte zu erhalten. "Der allergrĂ¶ĂŸte Teil des innerbetrieblichen Wirtschaftens in diesen Heimen ist durch Kinderarbeit abgedeckt worden", sagt Erziehungswissenschaftler Manfred Kappeler. "Das bedeutete, dass in großem Umfang Personalkosten eingespart wurden - WirtschaftskrĂ€fte, ReinigungskrĂ€fte, alles Mögliche. Die BetrĂ€ge, wenn man das mal auf 30 Jahre bezieht und die Hunderttausende betrachtet, die in den Heimen gewesen sind, mĂŒssen in die Milliarden gehen.

Vergleiche mit NS-Zwangsarbeitern
Diese Rechnung wurde von den Institutionen, die seinerzeit die Heime unterhielten, lieber nicht aufgemacht. Stattdessen wird den ehemaligen Heimzöglingen vorgehalten, dass andere noch viel mehr gelitten und viel weniger bekommen hĂ€tten. "Die sehr hohen Summen mĂŒssen im Vergleich gesehen werden zu anderen EntschĂ€digungszahlungen, die in Deutschland geleistet wurden, etwa fĂŒr NS-Zwangsarbeiter", sagt Mario Junglas.

Eine unselige Opfer-Arithmetik. Etwa 2000 Euro haben ehemalige Zwangsarbeiter als Einmalzahlung erhalten. Mit einer Àhnlichen Summe sollen sich auch Heimkinder bescheiden.
Viel wichtiger sei doch die gesellschaftliche Debatte, heißt es. "Ich glaube, man darf nicht sagen, dass sich nichts verĂ€ndert hat", so Antje Vollmer, die Moderatorin des Runden Tisches. "Auch fĂŒr die Betroffenen. Viele sind aus der Mauer des Schweigens herausgetreten und reden ĂŒber ihre Geschichte." Das Allerschlimmste sei diese Mischung aus vollkommener Rechtlosigkeit und Ohnmacht gewesen. Und das vollkommene gesellschaftliche Desinteresse, geradezu die Zustimmung der Gesellschaft zu dem, was in den Heimen passiert ist. Das sei vorbei.

"Jetzt stellen sie sich vor die Kameras und machen den Strahlemann, was sie alles Gutes tun", sagt Monika Tschapek-GĂŒntner. "Das ist scheinheilig. FĂŒr die Betroffenen ist es so, dass sie weinen und immer wieder Redebedarf haben, weil sie sich von denen nicht ernst genommen fĂŒhlen." Die ehemaligen Heimkinder befĂŒrchten, dass man sie nur mit billigen Entschuldigungen abspeisen will. Allenfalls individuelle Lösungen sind im GesprĂ€ch, bei denen die Betroffenen nachweisen mĂŒssten, dass sie hilfebedĂŒrftig sind. Die Opfer von damals befĂŒrchten eine erneute DemĂŒtigung: Nachdem die Gesellschaft ihre Leidensgeschichten zur Kenntnis genommen hat, könnten sie mit Almosen abgespeist und erneut vergessen werden. Wie schon damals - im Heim.
http://
www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/150204/index.html

Dierk Schaefers Blog
Wenn es um Wiedergutmachung geht 

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 10. Dezember 2010

Rechtsanwalt Dr. Christian Sailer hat den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn er schreibt:

»Der Fall zeigt in exemplarischer Form, wie verlogen die kirchlichen Entschuldigungen und Beteuerungen sind, fĂŒr die Opfer der Sexualverbrechen ihrer Priester zu sorgen. Wenn es um Wiedergutmachung geht, entzieht sich die Kirche ihrer Verantwortung und verlegt sich unbarmherzig auf den juristischen Trick der Einrede der VerjĂ€hrung. Sie ĂŒberlĂ€sst es dem Staat, die grĂ¶ĂŸte Not der Opfer kirchlicher Verbrechen zu lindern, dem selben Staat, von dem sie aufgrund uralter VertrĂ€ge Milliarden kassiert – mit dem Hinweis, der Staat könne sich nicht auf VerjĂ€hrung berufen.«

Das dĂŒrfte nicht nur fĂŒr die Mißbrauchsopfer gelten, sondern auch fĂŒr die ehemaligen Heimkinder, wenn sie sich nach dem vermutlich ergebnislosen Ausgang des Runden Tisches auf den mĂŒhevollen Klageweg begeben.
Volltext unter:
www.top-medien-berlin.de/content/view/944/1/ Freitag, 10. Dezember 2010
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2010/12/10/wenn-es-um-wiedergutmachung-geht-%E2%80%A6/

Dierk Schaefers Blog

Nichts Genaues weiß man nicht, kommt aber wohl noch.

Veröffentlicht in heimkinder von dierkschaefer am 10. Dezember 2010

Nichts Genaues weiß man nicht, kommt aber wohl noch.

Unten die Links fĂŒr die Nachrichten ĂŒber die letzte Sitzung des Runden Tisches.

 Es sieht nach Einhelligkeit aus. Doch was genau und wie, wird der Schlußbericht wohl auch nur ankĂŒndigen können.

Aber vielleicht beantwortet der Bericht doch folgende Fragen:

  • Wie steht es mit dem Rentenausgleich fĂŒr Zwangsarbeit? Wer bekommt ihn? Wer zahlt ihn? In voller Höhe?
  • Wie steht es mit den Therapiekosten? Unter welchen Bedingungen werden sie erstattet? Wer zahlt?
  • Und schließlich das Schmerzensgeld: Wie sind die Bedingungen? Einzelnachweis mit Retraumatisierungsrisiko? Pauschalregelung nach PlausibilitĂ€tsnachweis? Werden auch die vorenthaltenen Bildungsmöglichkeiten berĂŒcksichtigt?
  • Was ist, wenn einer der Partner (Bund, LĂ€nder, Kirchen und ihre Einrichtungen) sich doch noch querlegt, wohl nicht generell, aber bei der DurchfĂŒhrung? Wer gibt eine Ausfallgarantie?
  • Welche Gruppen sollen „entschĂ€digt“ werden? Es gab, wie bekannt, nicht nur Erziehungsheime, sondern auch Behindertenheime, SĂ€uglingsheime u.a.? Es gab auch Heimopfer ĂŒber den am Runden Tisch behandelten Zeitraum hinaus – davor und danach!
  • Werden die Heimopfer aus den DDR-Heimen vergleichbar „entschĂ€digt“?
  • Und last, but not least: Gibt es AbsichtserklĂ€rungen oder gar PlĂ€ne, wie das Retraumatisierungsrisikoder ehemaligen Heimkinder vermindert wird, wenn wieder ein Heimaufenthalt bevorsteht – im Alten- und Pflegeheim?

Wer so lange getagt hat wie der Runde Tisch und dabei von außen so viele Anregungen erhalten hat, welche Probleme wie angegangen werden könnten/sollten, der wird doch auch Antworten auf meine Fragen vorweisen können.

Links unter: http://gewalt-im-jhh.over-blog.de/article-bruchlandung-des-runden-tisches-heimerziehung-aktuell-6 2743726.html 

Die KrĂŒmel vom Runden Tisch Heimkinder
Kommentar von Sieglinde Alexander
Nach zwei Jahren hat der RTH nun SEIN Ziel erreicht: Den Opfern eines unmenschlichen Systems erneut ihre Wertlosigkeit vor Augen zu fĂŒhren.
Von Anfang an ging es lediglich um finanzielle Schadensminderung. Die Betroffenen selbst bekamen keine ausreichende Möglichkeit zur Aufarbeitung des Erlittenen, und rechtliche Wiedergutmachung stand nie auf der Tagesordnung.
Der RTH hat zwar anerkannt, dass Unrecht geschah, nennt aber keine Schuldigen.
Ebenso wenig wurde die juristisch wichtige Aussage gemacht, dass es ein Rechtsstaat war, in dem Unrecht geschah. Immerhin ging es dabei um 700 000 bis 800 000 Kinder und Jugendliche!
Die verantwortlichen TrĂ€gerinstitutionen und die LĂ€nder wurden geschont und dadurch die Opfer noch einmal erniedrigt und gedemĂŒtigt.
Dem RTH wurden wichtige Informationen und VorschlĂ€ge vorgelegt, die aber, wenn ĂŒberhaupt, nur am Rande beachtet wurden. So fehlt zum Beispiel das nötige Wissen um die bis heute noch fortdauernden psychischen und physischen FolgeschĂ€den jener Misshandlungen, unter denen viele Opfer noch heute massiv leiden.
Die Opfer der Heimerziehung werden als „BedĂŒrftige“ angesehen ohne anzuerkennen, dass es systematisches Unrecht und das Versagen der staatlichen Aufsichtspflicht waren, die dazu beitrugen, Kinder und Jugendliche fĂŒr den Rest ihres Lebens physisch, psychisch und sozial zu zerstören. Der "Armentopf" mit nur 120 Millionen ist keine Wiedergutmachung, sondern der Versuch, die Opfer ruhigzustellen.
Grundgesetze wurden seitens der Institutionen und vom Staat selbst gebrochen. Dies geht aus den Berichten der Opfer der Heimerziehung hervor sowie aus den Forschungsergebnissen von Frau Dr. Wapler (nachzulesen in der Expertise Recht). Es wird im Abschlussbericht nur auf diese Verletzung des Grundgesetzes hingewiesen.
Diese Fakten wurden aber weder ausreichend wahrgenommen noch im Detail berĂŒcksichtigt.
Warum wurde – was naheliegend gewesen wĂ€re - kein Menschenrechtsexperte zum RTH geladen? Der Beweis liegt vor, dass das Thema Menschenrechtsverletzung vermieden werden sollte. Wie viel der Artikel 1 des Grundgesetzes - „Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar“ - tatsĂ€chlich wert ist, zeigt sich im Abschlussbericht, der einer finanziellen Schadensminderung gleichkommt.
Der Sozialstaat Deutschland hat sich an seinen ehemaligen Heimkindern noch einmal schuldig gemacht.
Um Gerechtigkeit zu finden sind nun neue Schritte nötig.
http://
www.emak.org/news/news_index.htm

Klaus KlĂŒber:
EntschĂ€digungsempfehlung runder Tisch = Mogelpackung fĂŒr alle ex-Heimkinder

http://www.ex-heimkinder.de/Entschaedigungsloesung.htm

Das vorgestellt EntschĂ€digungsmodell des runden Tisches kann nur als selten plumper Affront gegenĂŒber ehemaligen Heimkindern bezeichnet werden, mit dem sich nach jahrelanger Kungelei hinter verschlossenen TĂŒren, Kirchen und Staat darauf verstĂ€ndigt haben, der Öffentlichkeit ein gelĂ€utertes Gewissen von moralischen Anstand zu demonstrieren, den sie in den AnfĂ€ngen der Heimkinderklagen noch unverhohlen missen ließen. Etwa indem sie die Klagen und Begehren der ehemaligen Heimkinder zunĂ€chst entrĂŒstet abzuwimmeln versuchten, um spĂ€ter auf Druck öffentlicher Medien scheibchenweise einen der schauderlichsten Skandale dieser Bundesrepublik einrĂ€umen zu mĂŒssen.

NiedertrĂ€chtig auch die Versuche der Kirchen den ehemaligen Heimkindern fĂŒr ihren konstruktiven Vorschlag einer einmaligen EntschĂ€digungspauschale fĂŒr alle gelittenen Heimkinder von etwa 50000 Euro, oder einer monatlichen Rente von etwa 300 Euro Habgier zu unterstellen. Etwa durch Kardinal Lehmann, dessen ehrverletztenden Äußerungen auf wundersame Weise nicht mehr im Internet abzurufen sind.

Geradeso als wĂŒssten sie nicht, dass solch ein Betrag fĂŒr gravierende Menschenrechtsverletzungen, wie sie in den vergangenen Jahren an gewissenlosen Heimbehandlungen bekannt wurden, im internationalen Vergleich sogar noch ausgesprochen gĂŒnstig ausfĂ€llt.

Aber so sind unsere Kirchen nun mal.

Solange sie an Menschen und deren teils mitverursachtem Leid Geld verdienen können, sind sie sofort zur Stelle, aber wehe sie sind einmal gefordert fĂŒr ihre unchristlichen Verfehlungen gerade zu stehen. Nein, da zeigen sie ihr wahres Gesicht und ziehen alle Register um ihren Opfern in der Gewissheit ihrer gesellschaftlichen Unantastbarkeit die kalte Schulter zu zeigen.

So auch hier gegenĂŒber ihren einstigen Opfern der Heimerziehung.

Bis zur Veröffentlichung des Abschlussberichts des runden Tisches haben die Kirchen rein gar nichts dazu beigetragen, um ihren geschÀdigten Opfern von selbst eine eigenstÀndige EntschÀdigungslösung anzubieten.

Und sollen nun gemĂ€ĂŸ der runden Tisch-Vereinbarung sogar noch am gĂŒnstigsten aus der AffĂ€re kommen.

Unglaublich!!

weiter:
http://www.ex-heimkinder.de/Entschaedigungsloesung.htm           oder hier klicken

Dierk SchÀfer:
Verheizt

Veröffentlicht in heimkinder von dierkschaefer am 17. Dezember 2010

Verheizt wurden am Runden Tisch nicht nur die Interessen der ehemaligen Heimkinder, verheizt wurden auch ihre Vertreter am Runden Tisch, die bald keine Vertreter mehr waren, sondern Einzelpersonen mit Heimhintergrund.

  • Der Runde Tisch bzw. Frau Dr. Vollmer und ihr BĂŒro haben nichts getan, um die von Beginn an bestehenden Zweifel der ehemaligen Heimkinder durch Information und weitgehende Transparenz zu zerstreuen.
  • Der Runde Tisch hat die Vertreter der ehemaligen Heimkinder allein gelassen vor einer Überzahl von Fachleuten, die zumeist Interessenvertreter waren.
  • Der Runde Tisch hat es nicht gewagt, seine Startschwierigkeiten zu benennen, die ihm von der damaligen Familienministerin ins Nest gelegt wurden, angefangen von ihrer Äußerung, ein EntschĂ€digungsfonds werde nicht angestrebt, bis hin zu der Halbierung des Budgets fĂŒr den Runden Tisch. Frau von der Leyen hat sich als böse Fee der Heimkinder gebĂ€rdet und der Runde Tisch hatte nicht die Courage, dies – und sei es mit aller diplomatischen ZurĂŒckhaltung – zu benennen. Da war der Pressesprecher des Familienministeriums viel mutiger.
  • Der Runde Tisch hat versĂ€umt darĂŒber aufzuklĂ€ren, daß seine angestrebten Empfehlungen nur Empfehlungen mit Ă€ußerst geringem Verpflichtungsgrad sein können.
  • Der Runde Tisch hĂ€tte offensichtlich nicht einmal die Minimallösung zustande gebracht, die Frau Vollmer nun vortragen konnte, wenn nicht die Vertreter der ehemaligen Heimkinder in einer letzten (oder war es die erste?) Widerstandshandlung mit Auszug gedroht hĂ€tten.

Durch all diese VersĂ€umnisse standen die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch unter einem Dauerfeuer ihrer SchicksalsgefĂ€hrten, deren Mißtrauen wuchs und wuchs.

Der Fairneß halber sei hinzugefĂŒgt, daß auch der VeH am Verheizen beteiligt war. Er hat dem Runden Tisch AnwĂ€lte aufdrĂ€ngen wollen, die fĂŒr den Runden Tisch nicht akzeptabel waren, anstatt lediglich ein qualifiziertes AnwaltsbĂŒro zur Beratung der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch zu fordern. Das hĂ€tte es wahrscheinlich auch nicht gegeben, aber dann wĂ€re auch fĂŒr die Öffentlichkeit deutlich geworden, daß der Runde Tisch ĂŒberhaupt nicht darauf angelegt ist, die ehemaligen Heimkinder in die Lage zu versetzen, ihre Interessen zu vertreten. Durch diese Frontenbildung jedenfalls gerieten die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch in den Ruf „VerrĂ€ter“ zu sein und bekommen nun die Wut der anderen ab.

Wie gesagt: Sie wurden verheizt.

Aber Dr. Wiegand spricht vom Spatzen in der Hand und meint, erfolgreich gewesen zu sein. Er jedenfalls fĂŒhlt sich nicht verheizt.

Wie lange war Herr Wiegand im Heim und was sind seine FolgeschÀden, die ihn erst berechtigen, Anspruch auf einen Spatzen anzumelden?

 http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/12/17/verheizt/

Zustimmung zum Schlußbericht des RTH unter "Druck" - andere nennen diesen Druck Erpressung
Dazu Prof. Dr. Manfred Kappeer in seiner Analyse des Abschlußberichtes:
"Wie kam es trotz der Ablehnung ihrer zentralen Forderungen zur Zustimmung der ehemaligen Heimkinder am RTH zum Abschlußbericht? (FĂŒnf von Sechs haben zugestimmt.)
Am 7.und.8.12.2010 trafen sich die sechs Frauen und MĂ€nner zusammen mit drei UnterstĂŒtzerInnen zur Vorberteitung auf die letzte Sitzung des Gremiums am 9. und 10.2010. Die Grundlage der Beratungen war der 3. Entwurf der GeschĂ€ftsstelle des RTH zum Abschlußbericht, der fĂŒr die Abschlußverhandlungen am RTH die Ausgangslagelage bilden wĂŒrde. Sie erarbeiteten eine Stellungnahme, in der sie an den „LösungsvorschlĂ€gen“ in diesem Entwurf scharfe Kritik ĂŒbten und ihre Forderungen nocheinmal bekrĂ€ftigten. Da ihre Aufforderungen an die Vetreter des Bundes, der LĂ€nder, der Kirchen und ihrer WohlfahrtsverbĂ€nde, unmißverstĂ€ndlich und mit Zahlen zu sagen, zu welchen EntschĂ€dignungsleistungen sie bereit sind, von allen Gliedern der „Verantwortungskette“ immer zurĂŒckgewiesen wurden, sollten sie in der letzten Sitzung durch ein Verfahren wie den „Hammelsprung“ im Bundestag gezwungen werden, sich eindeutig zu erklĂ€ren. Die sechs ehemaligen Heimkinder am RTH setzten sich zu Beginn der Sitzung also nicht an den Verhandlungstisch sondern blieben im Vorraum stehen. Sie ĂŒberreichten ihre Stellungnahme und forderten die anderen Mitglieder des RTH auf, durch Herauskommen zu ihnen die UnterstĂŒtzung ihrer Forderungen zu manifestieren. Nur zwei folgten dieser Aufforderung. Norbert Struck, der ihr gefolgt wĂ€re, konnte, wie oben berichtet,  an der Sitzung nicht teilnehmen, hatte seine Haltung zu den Forderungen der Ehemaligen durch seine schriftliche Stellungnahme aber unmißverstĂ€ndlich geĂ€ußert. Nach ĂŒbereinstimmenden Berichten aller sechs Ehemaligen und eines weiteren Mitglieds des RTH geschah nun folgendes: Die Moderatorin und andere Mitglieder reagierten heftig mit der Drohung, eine Weigerung an der Schlußverhandlung teilzunehmen und dem Abschlußbericht zuzustimmen wĂŒrde zum Scheitern des RTH fĂŒhren. Einer der Ehemaligen schreibt am 15.12 in einem Brief:“Als wir sechs Heimkinder am Runden Tisch (alle waren stimmberechtigt) auszogen, um unseren Unmut ĂŒber den vorliegenden vorlĂ€ufigen Schlussbericht zu dokumentieren, wurden wir dringend aufgefordert den RT nicht platzen zu lassen. Man machte uns klar, dass ein Scheitern des RT bedeuten wĂŒrde, dass es ĂŒberhaupt keine EntschĂ€digung und keine Berichte an den Bundestag und die BundeslĂ€nder gĂ€be“. In dieser Situation wurden zum ersten Mal die 120 Millionen fĂŒr die Fonds in Aussicht gestellt, die bei einer Verweigerung der Zustimmung zu einem AB verloren gehen wĂŒrden. Ein Mitglied des RTH  - kein ehemaliges Heimkind – berichtete am Abend des ersten Verhandlungstages, es sei eine „moralisch-autoritĂ€re Drohkulisse“ gegen die ehemaligen Heimkinder hergestellt worden, der sie nicht standhalte konnten. Zwei der Ehemaligen am RTH sagten mir, sie seien mit der Drohung es gĂ€be weder Rehabilitation noch irgendeine EntschĂ€digung, an den Verhandlingstisch gezwungen worden."
http://
www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Abschlussbericht_RTH.doc
S.13ff

Opfer der Opfer und Co-Opfer- Lydia S.: Im Namen der Angehörigen
5.000 Euro? Als Anerkennung fĂŒr erlittenes Leid? Das will ich nicht gehört oder gelesen haben.
Beim ersten „Eckigen Tisch“ am 29. Mai 2010 zeigten sich die anwesenden Jesuiten erstaunt darĂŒber, dass neben und hinter jedem Betroffenen Eltern, Partner und Partnerinnen und Kinder stehen. Sie hatten uns vergessen. Das war echt. Sie hatten einfach nicht nachgedacht.
Teilweise leben die Eltern nicht mehr oder die Partner / Partnerinnen haben sich getrennt. Die meisten Kinder der Betroffenen sind erwachsen. Es wĂ€re interessant, sie ĂŒber die Erfahrungen mit ihren missbrauchten VĂ€tern zu befragen.
Hat einer sie angehört? Hat einer sich bei den Eltern und Partnern und Kindern entschuldigt? Ich nehme an, dass die Jesuiten uns alle in ihr Abendgebet einschließen. Aber vielleicht sollte ich sie daran erinnern, das zu tun?
Liebe Jesuiten, habt Ihr einmal durchgerechnet, wie viel ein Schulplatz an Euren Schulen die Eltern gekostet hat? Das Canisius-Kolleg war gĂŒnstig, aber am Aloisiuskolleg und in St. Blasien haben die Eltern mehrere 10.000 DM bezahlt im Laufe der Schulzeit ihrer Kinder, die dort missbraucht wurden.
Manche der SchĂŒler wurden der Schule verwiesen und zerbrachen daran, leben im Extremfall seit Jahren von Hartz IV. Manche wurden krank, drogenabhĂ€ngig oder nahmen sich das Leben.
Manche Eltern mussten jahrelang viel Geld in ihre missbrauchten Jungs investieren, damit sie mit Hilfe von Therapien von Drogen loskamen oder weiterleben konnten.
Jede Einzelrechnung ĂŒbersteigt die Zahl 5000.
NatĂŒrlich, diese Summe ist als Anerkennung gedacht.
Wenn ich mein Fahrrad zur Reparatur gebe und es dort geklaut wird oder beschĂ€digt, erhalte ich zumindest den Wert dessen ersetzt, was da als Auftrag vorlag. Und dann könnte man noch ĂŒber einen Blumenstrauß fĂŒr den Ärger und den Aufwand nachdenken oder eine Entschuldigung.
Das ist ein einfaches Bild, finde ich.
Nun zu mir. Ich lebe seit vielen Jahren mit einem schwer erkrankten Betroffenen. Ob seine Krankheit eine Folge der Missbrauchserfahrungen ist, werde ich nie wissen. Jedoch ist mein Partner einer dieser mutigen MÀnner gewesen, die die Welt verÀndert haben. ...
http://
gewalt-im-jhh.over-blog.de/article-opfer-der-opfer-lydia-s-im-namen-der-angehorigen-67047814.ht ml
http://
www.eckiger-tisch.de/wp-content/uploads/2011/02/Im-Namen-der-Angeh%C3%B6rigen_von-Lydia. pdf
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Dierk SchĂ€fer: Ich sage es kraß: Der Betrug an den ehemaligen Heimkindern findet gegenwĂ€rtig seine Fortsetzung.
Sehr geehrter Herr N.N.!
Vielen Dank fĂŒr Ihr Mail. Sie werfen eine schwierige Frage auf, vor der auch einige Ihrer Schicksalsgenossen stehen. Was wird mit denen, die irgendwie doch die Kurve gekriegt haben und vor der SozialhilfebedĂŒrftigkeit bewahrt blieben? Auch sie haben Recht auf eine wie auch immer gewichtete Anrechnung und EntschĂ€digung fĂŒr ihre Mißhandlungen und Ausbeutung.
Über einen Heimleiter hörte ich, daß er einem ehemaligen Heimkind vorgeworfen habe, dieser sei wohl doch selber schuld an seinem Schicksal, denn andere, also Leute wie Sie, wĂ€ren doch damit fertig geworden und hĂ€tten es zu was gebracht.
Wenn ich es richtig sehe, werden Sie nichts kriegen, obwohl Sie Recht haben. Ich könnte nun hinzufĂŒgen, daß Leute wie Sie am ehesten den langen Atem haben, sich ihr Recht zu holen, doch ich weiß selber, daß Recht haben und Recht bekommen zweierlei sind. Es wĂ€re eine faule Ausrede, Sie auf das JĂŒngste Gericht zu vertrösten.
Rein formal: Sie können sich mit Ihren AnsprĂŒchen an das noch existierende BĂŒro des Runden Tisches wenden. Ich habe von dort bisher noch keine Antwort bekommen. Sie können auch den Fortgang der Einrichtung von Anlaufstellen verfolgen, um dort „vorstellig“ zu werden. Doch Sie merken schon, daß ich mir dort fĂŒr Sie nichts erwarte, und fĂŒr die sozial bedĂŒrftigen ehemaligen Heimkinder nur erbĂ€rmlich wenig.
Ich sage es kraß: Der Betrug an den ehemaligen Heimkindern findet gegenwĂ€rtig seine Fortsetzung.
Es tut mir leid, Ihnen nichts anderes sagen zu können.
Mit freundlichem Gruß
dierk schÀfer
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2011/02/17/sehr-geehrter-herr-n-n/

Basisumfrage auf dem Blog Dierk SchĂ€fer – Das Abstimmungsergebnis

Veröffentlicht in heimkinder von dierkschaefer am 1. MÀrz 2011

FĂŒr heute nur kurz die Zahlen:

Knapp 92 % der ehemaligen Heimkinder akzeptieren das Ergebnis des Runden Tisches (Schlußbericht) nicht.

Im einzelnen:

Fragestellung:

Am Runden Tisch Heimkinder wurden viele Probleme behandelt, die fĂŒr mich wichtig sind.

Das Ergebnis im Einzelnen ist unterschiedlich zu bewerten. Wenn ich auf das blicke, was fĂŒr mich persönlich besonders wichtig ist, komme ich zu folgender Stellungnahme [bitte ankreuzen]:

o Ja, ich akzeptiere das Ergebnis des Runden Tisches.

o Nein, ich akzeptiere das Ergebnis des Runden Tisches nicht.

o Ich kann mich nicht entscheiden und enthalte mich der Stimme.

endgĂŒltiges Abstimmungsergebnis (Dienstag, 1. MĂ€rz 2011)

Zahl der abgegebenen Stimmzettel           52

davon ungĂŒltig                                                 4

 

Zahl der gĂŒltigen Stimmen                        48

davon

Ja-Stimmen                                               3    =   6,25 %

Nein-Stimmen                                         44    =   91,67 %

Enthaltungen                                             1    =   2,08 %

 http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/03/01/basisumfrage-das-abstimmungsergebnis/

 

Fragen dazu von Helmut Jacob

Herr SchÀfer, die Abstimmung auf Ihrem Blog ist beendet. Wie lautet das Ergebnis?

Es gingen 52 Stimmzettel ein, davon waren 48 gĂŒltig. Darunter waren 3 Ja-Stimmen fĂŒr die Akzeptanz der Ergebnisse des Runden Tisches, 44 Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Es gab auch zwei Doppelabstimmungen, die ich dann als jeweils eine Stimme gewertet habe.

Dann haben nur50 Personen an der Abstimmung teilgenommen. Macht Sie das zufrieden oder nachdenklich?

Wenn man Erfahrung mit Umfragen hat, in diesem Fall aber keine reprÀsentative Stichprobe ziehen konnte, dann ist man nur zufrieden, wenn sehr viele Stimmen eingehen. Ich hatte mit rund 500 gerechnet und frage mich, warum es nicht mehr waren. Das stimmt mich schon sehr nachdenklich.

Wie bewerten Sie die Stimmverteilung?

Schwierige Frage. Das Ergebnis ist zwar sehr eindeutig, allerdings angesichts der geringen Beteiligung wird, wer es will, dieses Ergebnis ohne Probleme ignorieren oder gar schlußfolgern, daß die meisten Heimkinder kein Interesse mehr haben. Wenn man denkt, daß in der Öffentlichkeit SchĂ€tzungen von 800.000 ehemaligen Heimkindern genannt wurden, darf man sich ĂŒber solche Interpretationen nicht wundern.

Nein, ich akzeptiere das Ergebnis des Runden Tisches [Heimerziehung] nicht. So haben die meisten Teilnehmer abgestimmt. Welche Signalwirkung hat dieses Ergebnis fĂŒr die ehemaligen Teilnehmer des Runden Tisches?

Ich glaube nicht, daß die dieses Signal nötig hatten. Wer in dieser Weise ein Problem versucht auszusitzen und die Ă€ußerst geschickte Taktiererei der Moderatorin erlebt hat, ich denke besonders an die ganz spezielle Einbindung eines Heimkindervertreters und an den Psychodruck in der letzten Sitzung, so jemand wird sich keinen Illusionen hingegeben haben, daß der Schlußbericht von der Basis akzeptiert werden könnte. Doch die Basis hat sich bei mir nicht gemeldet.

Welche Wirkung mĂŒĂŸte das Ergebnis auf die bevorstehende Debatte zur Einrichtung des vorgeschlagenen Fonds im Deutschen Bundestag haben?

Ich befĂŒrchte, daß dieses Ergebnis trotz seiner Eindeutigkeit eher dazu angetan ist, dem Bundestag zu signalisieren, daß das Mengenpotential der unzufriedenen ehemaligen Heimkinder so groß doch nicht ist, und daß man fortfahren kann, die ohnehin schlechten LösungsvorschlĂ€ge vom Runden Tisch fĂŒr die einzelnen Betroffenen weiter zu verschlechtern; der Gang der Gesetzgebung und die Verwaltung der AnsprĂŒche bieten dafĂŒr viele Möglichkeiten.

Kann man die geringe Teilnehmerzahl auch in Bezug zur geringen Zahl der bekannt gewordenen Opfer setzen?

Prof. Kappeler nennt zweieinhalbtausend, die sich an die verschiednen Anlaufstellen gewendet haben. Ich denke, das ist die einzig relevante BezugsgrĂ¶ĂŸe, auch wenn ich annehme, daß es immer noch viele gibt, die sich lieber verstecken; dafĂŒr dĂŒrften andererseits sich auch manche bei mehr als einer Anlaufstelle gemeldet haben. Da diese Personen jedenfalls etwas wollen, egal ob EntschĂ€digung, Rehabilitierung oder Entschuldigung, sollte man annehmen, daß sie sich an einer zu nichts verpflichtenden Umfrage beteiligen. Doch auch, wenn ich von den zweieinhalbtausend ausgehe, ist die Beteiligung von nur 50 Personen nicht geeignet fĂŒr eine plausible Darstellung der ablehnenden Haltung der ehemaligen Heimkinder.

Was soll mit dem Ergebnis Ihrer Abstimmung passieren? Wo geht sie hin?

Ich habe die Ergebnisse, so wie ich es zugesagt habe, bereits verbreitet, also an den BundestagsprĂ€sidenten, die Familienministerin, die Fraktionsvorsitzenden, den Petitionsausschuß, den Familienausschuß und den Rechtsausschuß. Dazu habe ich einige Pressedienste mit einer Presseinformation bedient. In allen FĂ€llen war es mir wichtig, nicht nur Prozentangaben zu machen, sondern auch die absoluten Zahlen zu nennen. Ich möchte mir keine unseriöse Arbeitsweise vorwerfen lassen. Doch insgesamt kam ich mir komisch vor. Wenn ich selber eine solche Umfrage bekĂ€me, wĂŒrde ich sie kaum beachten.

Inwiefern bestimmt das Abstimmungsergebnis Ihr weiteres Handeln?

Ich frage mich natĂŒrlich, was ich nach diesem Ergebnis noch fĂŒr die ehemaligen Heimkinder tun kann; das fragt mich mein Umfeld auch.


Zu einem anderen Thema, Ihrem Bußaufruf. Vor ĂŒber einem Jahr riefen Sie die Kirchen zur Buße auf. Jetzt kommt einiges in Bewegung. Bischof Bode hat sich im OsnabrĂŒcker Dom bĂŒĂŸend zum Altar gelegt. Wie bewerten Sie diese Geste?

Ja, da gab es auch noch die Fußwaschung. Es sind durchaus bewegende Gesten, die im kirchlichen Rahmen angemessen sind. Doch solange es nur Gesten bleiben, handelt es sich um bloße Inszenierungen, mit anderen Worten: Alles Theater.

Konservative Kritiker bedauern diese Geste. Was meinen Sie dazu?
(
http://www.noz.de/deutschland-und-welt/politik/niedersachsen/49571028/konservative-kritiker-bedauern -bischoefliche-bue-nach-missbrauchsfaellen)

Wenn jemand ernsthaft sagt: „Bischof Bode noch immer im Missbrauchs-Wahn.“, dann soll er das im JĂŒngsten Gericht verantworten, an das er doch hoffentlich glaubt.

Kardinal Meißner trug seine Bußworte gesanglich vor. Hat er damit ĂŒberzeugt?
(
http://www.youtube.com/watch?v=iWfdApi8trI)

Ich habe mir das soeben erst angehört und – Entschuldigung – ich mußte lachen. Man könnte noch mehr dazu sagen, doch das lohnt nicht. Eins aber doch: ehemaligen Heimkindern dĂŒrfte nicht zum Lachen zumute sein. Wenn ich Betroffener wĂ€re, kĂ€me eine unsĂ€gliche Wut in mir hoch ĂŒber die unglaublich umsichtige Empathiebezeugung dieses hochrangigen kirchlichen WĂŒrdentrĂ€gers.

Die Bischofskonferenz will im Rahmen ihrer nĂ€chsten Vollversammlung im MĂ€rz in Paderborn in einem Bußakt „die Opfer und Gott um Vergebung“ bitten. Kommt dieser Akt nach Ihrer Meinung im RĂŒckblick auf das bisherige Verhalten der katholischen Kirche bei den Opfern an?
(
http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article12668028/Kirche-sendet-Signal.html)

Das kann ich mir nicht vorstellen – es sei denn, es werden großzĂŒgige EntschĂ€digungen angekĂŒndigt. Doch es scheint ohnehin nur um MißbrauchsfĂ€lle zu gehen, diese Fixierung auf Sex ist schon interessant. Die ehemaligen Heimkinder bleiben wieder einmal als Schmuddelkinder außen vor.

Wie sieht Ihre weitere Arbeit in Sachen ehemalige Heimkinder aus?
Im jetzigen Stadium kann ich das noch nicht absehen.

Dirk SchÀfer zu den Regularien der Katholischen Kirche in Sachen OpferentschÀdigung:
”... allein die Schriftform dĂŒrfte fĂŒr viele eine Zumutung sein.“

(in einem privaten Beitrag des Webmasters fĂŒr diverse Internetzeitungen schrieb der Verfasser: “Wer die Opferberichte im Internet studiert hat, weiß, wieviel Kraft und Überwindung es Einzelne gekostet hat, ihr Schweigen zu brechen. Noch schwerer fiel es ihnen, ĂŒber Details der Taten zu berichten.” Er bat Dierk SchĂ€fer, Diplompsychologe, um um seine Meinung zu den Schwierigkeiten der Missbrauchsopfer, ihr Schweigen zu brechen.)

 â€žDieser Interessenkonflikt war absehbar. Einerseits will die Kirche nicht an „Trittbrettfahrer“ zahlen, dann nur an Menschen, die immer noch beeintrĂ€chtigt sind durch die Folgen sexueller Mißhandlungen in Kindheit und Jugend erlitten durch Kirchenpersonal, und dies nur dann, wenn noch keine Zahlungen von dritter Seite fĂŒr denselben Schadensverhalt geleistet wurden, und schließlich sollen vorrangig die Krankenkassen der Betroffenen in Anspruch genommen werden. Zudem werden die Zahlungen als freiwillige deklariert. Hierzu ließe sich manches sagen, doch da ich als Psychologe gefragt bin, will ich nur auf die andere Seite, auf den Aspekt der Belastung der Betroffenen eingehen.

Die grundlegende Frage lautet nach meiner Information: „FĂŒhlen Sie sich durch die Folgen des sexuellen Missbrauchs, den Sie minderjĂ€hrig erfahren mussten, in Ihrem Privatleben oder in Ihrer BerufsausĂŒbung beeintrĂ€chtigt?“

WĂ€re es „nur“ eine „BeeintrĂ€chtigung“, dann wĂ€re die MĂŒhe ihrer Beantwortung einschließlich der Schilderung der Mißhandlung zumutbar, auch wenn die Betroffenen schon mehrfach ihren „Fall“ anderswo geschildert haben, worauf man ja auch bei gutem Willen zurĂŒckgreifen könnte. Doch allein die Schriftform dĂŒrfte fĂŒr viele eine Zumutung sein.

 Schwererwiegend wird es jedoch, wenn die „BeeintrĂ€chtigung“ ĂŒber Auswirkungen in der BerufsausĂŒbung hinausgeht. Gefragt wird ausdrĂŒcklich nach Folgen im Privatleben. Wir kennen aus vielen Berichten solche Folgen: AggressivitĂ€t, Schwierigkeiten, Vertrauen zu entwickeln, Vertrauen zu anderen und zu sich selbst, Kontakt- und Bindungsschwierigkeiten, die dazu fĂŒhrten, daß Partnerschaften nicht aufgebaut werden konnten oder bald wieder zerbrachen, Probleme in der eigenen sexuellen Orientierung. Es handelt sich ĂŒbrigens um Bereiche, die der Kirche in VerkĂŒndigung und Bildung wichtig sind, am stĂ€rksten sichtbar in der Bedeutung von Familie, die hier gerade durch die Kirche und ihr Personal schwerwiegend gestört wurden. Doch das nur nebenbei.

 Wichtiger ist, daß mit der Kirche eine Organisation selber die Befragung (= Inquisition) fĂŒhrt, die doch Quelle des Unheils war. Die meisten Menschen differenzieren nicht zwischen dem Personal und der Organisation, egal, ob sie gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wer massiv schlechte gemacht hat, wird der Aussage der Kirchenleitung nicht glauben, sie nicht akzeptieren können, hier hĂ€tte nur das Personal versagt. FĂŒr sie ist „die Kirche“ schuld. Es handelt sich dabei nicht um eine Uneinsichtigkeit der Betroffenen oder um eine Marotte, auch um keinen Trick. Wir wissen, daß Traumatisierungen nachhaltig wirken und auch Gehirnstrukturen verĂ€ndern. Der Begriff der Traumatisierung wird mittlerweile zwar inflationĂ€r gebraucht und nicht alle Mißhandlungen haben posttraumatische Konsequenzen. Doch auch fĂŒr die FĂ€lle ohne posttraumatische Belastungsstörungen gilt als in erster Linie, daß diese Kirche als Urheberin des Unheils nicht die Verhandlungen fĂŒhren kann, bei denen schmerzhafte Fragen gestellt werden mĂŒssen. Viele ehemalige Heimkinder, unter denen auch eine Reihe von sexuell mißhandelten ist, lehnen solche Fragen rundweg ab. Um dies zu verstehen, muß man nicht Psychologe sein, Empathie reicht aus.

 Doch diese Position ist nicht haltbar. Schließlich kann nicht nur fĂŒr den bloßen Verdacht oder allgemein gehaltene Beschuldigungen gezahlt werden. Aber fĂŒr die Befragung brauchen die Betroffenen, um sich darauf einlassen zu können, ein Setting, dem sie vertrauen können. Und das kann die Kirche nicht bieten, auch wenn ihr Personal dafĂŒr fachlich geeignet ist.

Wenn die Kirche wirklich helfen will, geht das im Regelfall nur ĂŒber Personen und Einrichtungen, die von den Betroffenen in Abstimmung mit der Kirche benannt werden, die also kirchenunabhĂ€ngig sind. Die individuelle mĂŒndliche (!) Befragung wird zumeist immer noch schmerzhaft sein, in manchen FĂ€llen bis hin zur Retraumatisierung. Sie könnte aber neben dem EntschĂ€digungsantrag zugleich die Chance bieten, mit der bitteren Vergangenheit abzuschließen, eine Chance, die auch eine fĂŒr die Kirche sein könnte.

 Doch wenn es so lĂ€uft, wie zur Zeit anscheinend geplant, stellt sich bei vielen Betroffenen die bittere Erkenntnis ein: Die wollen doch nur billig davonkommen. Ein unguter Ausgang fĂŒr beide Seiten.“ 

http://www.readers-edition.de/2011/03/07/huerdenspringen-bis-zur-opferentschaedigung-durc h-die-katholische-kirche/

In der Klabause

Veröffentlicht in heimkinder von dierkschaefer am 11. MÀrz 2011

Heute erschien ein Interview mit Richard Oetker. Vor 30 Jahren wurde er entfĂŒhrt, in eine zu kleine Holzkiste gesteckt, StromstĂ¶ĂŸe fĂŒhrten zu KnochenbrĂŒchen.

Nachzulesen unter: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~ED0A6C0267CBF43CC BD4E6FEF77CD7F51~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Freitag, 11. MĂ€rz 2011]

Als ich das Interview las, standen mir sofort Heimkinderberichte vor Augen.

Manches ist vergleichbar, wenn es auch in den KabĂ€uschen oder wie die Strafzellen sonst noch hießen, nicht so eng war und anstelle der StromstĂ¶ĂŸe manchmal „nur“ SchlĂ€ge standen.

Was ist nicht vergleichbar? Oetker war ein Erwachsener und er wußte die ganze Zeit, daß ihn ein Verbrecher in der Hand hatte. Er wußte auch, daß jedermann eine solche Tat fĂŒr ein Verbrechen hĂ€lt. Ich will damit nicht zum Ausdruck bringen, es sei also nicht ganz so schlimm gewesen, im Gegenteil, es muß fĂŒrchterlich gewesen sein.

Doch ein Vergleich mit eingesperrten mißhandelten Heimkindern sei gestattet. Ihre Weltsicht war noch nicht gefestigt, denn sie waren Kinder. Man hatte ihnen vielfach eingebleut, daß sie nichts taugen und niemand sie haben will. Sie mußten sich in vielen FĂ€llen mit ihrem Unrechtsbewußtsein allein gefĂŒhlt haben, mutterseelenallein. Und das in einer Lebensphase, die nachhaltige Wirkungen hat, im Guten wie im Bösen.

Oetker konnte schließlich die Genugtuung haben, daß der TĂ€ter gefaßt und verurteilt wurde. Darauf warten die ehemaligen Heimkinder vergeblich. Oetker hat zwar keine EntschĂ€digung bekommen, sondern draufgezahlt. Das hat jedoch seine finanzielle Lage hergegeben. Noch einmal: Hier ist nichts zu verharmlosen. Doch an seinem Schicksal wird ein spezieller Aspekt der Heimkinderschicksale deutlich, – und die Unterschiede, nicht die im Erleiden, aber die, der weiteren Lebenswege.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/03/11/in-der-klabause/ 

Dierk SchĂ€fer: Die ehemaligen Heimkinder sollten nicht aufhören zu betonen, daß unter dem Deckmantel der VerjĂ€hrung ihre Entrechtung fortgesetzt wird.

Psychopathologisch oder „nur“ geschĂ€digt?

Veröffentlicht in heimkinder von dierkschaefer am 26. MÀrz 2011

Weil diese Frage immer wieder aufkommt:

Viele (nicht alle) ehemalige Heimkinder haben in ihrer Heimzeit unterschiedliche Belastungen und SchĂ€digungen erlitten – sie sind bekannt und ich muß sie hier nicht aufzĂ€hlen. Man kann aber drei Gruppen bilden:

1. Einige haben die Belastungen „weggesteckt“ im Sinne von: Sie fĂŒhlen sich nicht beeintrĂ€chtigt, weil sie es, wie man so sagt, zu etwas gebracht haben. Sie sind auch nicht der Meinung, daß ihr Privatleben nachhaltig von den Heimerlebnissen beeintrĂ€chtigt wurde. Bei einigen wurden Heim-Nachteile durch sogar Vorteile ausgeglichen, weil sie im Elternhaus weniger Förderung erhalten hĂ€tten oder von ihren Eltern mißhandelt wurden.

2. Von denen, die sich zu Wort melden, ist dies wohl die grĂ¶ĂŸte Gruppe: Sie wurden ausgebeutet, gedemĂŒtigt, mißhandelt, viele auch sexuell. Ihnen wurde Bildung vorenthalten.

Hier sind nun zwei Gruppen zu unterscheiden: Die einen sind dennoch beruflich erfolgreich geworden, aber privat nachhaltig belastet, nÀmlich unfÀhig, Partnerschaften aufrecht zu erhalten, haben Probleme in ihrer sexuellen Orientierung oder mit ihrem hohen AggressivitÀtspotential.

Bei der anderen Untergruppe kommt hinzu, daß sie beruflich nicht das erreicht haben, was sie bei normaler Förderung hĂ€tten erreichen können, was in vielen FĂ€llen klar erkennbar ist durch das intellektuell hohe Niveau ihrer Äußerungen. Dies gilt auch fĂŒr einen Teil derjenigen, deren Heimkarriere in eine kriminelle ĂŒberging.

Beiden Untergruppen ist gemeinsam, daß die erlittenen SchĂ€digungen keine dauerhaften posttraumatischen Belastungsstörungen erzeugt haben. Es handelt sich jedoch um SchĂ€digungen, die plausibel darstellbar sind, egal, ob es sich um einfacher zu taxierende wirtschaftliche Nachteile handelt oder aber um seelische Belastungen, die sich deutlich zum Nachteil in der privaten LebensfĂŒhrung ausgewirkt haben.

3. In der dritten Gruppe finden wir die ehemaligen Heimkinder mit heute noch anhaltenden posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie sind retraumatisierungsgefĂ€hrdet, können sich nur unter großen Ängsten mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und neigen dazu, alles, was daran erinnert, auszugrenzen. Sie sind anfĂ€llig fĂŒr Trigger, fĂŒr Reize, die sie unwillkĂŒrlich und unkontrolliert in die damalige Situation zurĂŒckversetzen, mit all den fĂŒrchterlichen Empfindungen von damals.

Ich möchte nicht mißverstanden werden: Die Differenzierung in verschiedene Gruppen bedeutet kein Werturteil, etwa in der Art eines heutigen Leiters einer Diakonie-Einrichtung: Andere sind doch auch damit klar gekommen. Warum Sie nicht. Das muß also wohl an Ihnen liegen. Eine solche Beurteilung ist unzulĂ€ssig, offenbart jedoch, daß in manchen Köpfen, die heute fĂŒr solche Einrichtung Verantwortung tragen, immer noch keine Einsicht herrscht.

Andere wollen nur BeeintrĂ€chtigungen anerkennen, die heute noch nachwirken. Das lĂ€uft darauf hinaus, daß es fĂŒr SozialhilfebedĂŒrftige die in Aussicht gestellte Einmalzahlung geben mag, die nur ein Almosen ist. Wer nicht almosenbedĂŒrftig ist, geht ganz leer aus. Es wird also jeder Anschein vermieden, daß es einen Rechtsanspruch fĂŒr erlittene Unbill gibt, es gibt nur Gnade, die nicht einmal fĂŒr das Gnadenbrot reicht. Das ist, wie wenn ein Verkehrsunfall-geschĂ€digter nur den Ersatz seiner Reparaturkosten fĂŒr Auto und Körper erhĂ€lt, aber kein Schmerzensgeld, weil er sozial nicht bedĂŒrftig ist. FĂŒr Prinzessin Caroline von Monaco galt das ĂŒbrigens nicht.

Und wer psychotherapiebedĂŒrftig ist? Der kriegt halt die Therapie gezahlt. Alles bingo?

Die ehemaligen Heimkinder sollten nicht aufhören zu betonen, daß unter dem Deckmantel der VerjĂ€hrung ihre Entrechtung fortgesetzt wird. Sie sollten weder sozial- noch therapiebedĂŒrftig sein, um die Verletzung ihrer grundlegenden Menschenrechte anerkannt und entschĂ€digt zu bekommen.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/03/26/psychopathologisch-oder-%E2%80%9Enur%E2 %80%9C-geschadigt/

»Die Heimerziehung der 40er- bis 70er-Jahre im Spiegel der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Kinder- und Jugendhilfe - AGJ« – MANFRED KAPPELER, Berlin 2011.

  Dazu Anmerkungen und AuszĂŒge aus der Studie von Martin Mitchell, Australien:

121-seitige Studie von Prof. Dr. Manfred Kappeler in Berlin: »Die Heimerziehung der 40er- bis 70er-Jahre im Spiegel der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Kinder- und Jugendhilfe - AGJ --- Diskussionen - Stellungnahmen - Ausblendungen« – »Eine Studie im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Kinder- und Jugendhilfe - AGJ«, herausgegeben am 25. MĂ€rz 2011 ( mit einem »Vorwort« von »Norbert Struck, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Kinder- und Jugendhilfe - AGJ« ).

 Eine Auswertung des gesamten zur VerfĂŒgung stehenden Archivmaterials der AGJ, vormalig AGJJ, ĂŒber den angegebenen Zeitraum, bezĂŒglich der »Bedeutung der Heimerziehung in der Arbeit der AGJ von ihrer GrĂŒndung bis 1979« ( ausschließlich von der „bundesrepublikanischen Heimerziehung“ ist hier die Rede )

 Â»Um den Leserinnen und Lesern einen Einblick in die verschlungenen Wege des Diskurses ĂŒber die Heimerziehung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft [ d.h. der AGJ, vormalig AGJJ] zu ermöglichen,“ hat Professor Kappeler „den Text streng chronologisch gegliedert und auf die Bildung von Schwerpunkten (z.B. SĂ€uglings- und Kleinkinderheime/ FE und FEH/ rechtliche Grundlagen etc.) verzichtet. Es gibt also keine inhaltlichen ZwischenĂŒberschriften. Die Kapitel sind durch die Jahreszahlen des Zeitraums von 1949 bis 1979 gekennzeichnet.«

 Das weitgehendeVersagen der »Heimerziehung« in der»Bundesrepublik Deutschland« »von 1949 bis 1979« von Professor Kappeler detailiert aufgefĂŒhrt und dem Leser vor Augen gefĂŒhrt: »Die Ausblendung der Nationalsozialistischen Zeit aus der Geschichte der Jugendhilfe zugunsten des Commonsense hat meines Erachtens« [ meint Professor Kappeler ] »dazu beigetragen, dass die AGJJ ihr „WĂ€chteramt“ bezogen auf die Heim- und FĂŒrsorgeerziehung im Ganzen nicht wahrgenommen hat. Dass die Praxis der Heimerziehung in krassem Widerspruch zu allen Formen demokratischen Zusammenlebens stand, wird den in der AGJJ versammelten Verantwortlichen der Jugendhilfe in der Bundesrepublik nicht unbekannt geblieben sein.« [ so die Meinung von Professor Kappeler in Bezug auf den Stand der Dinge bis zum Herbst 1959 ( Seite 54 der Studie ) ]

 Auf Seite 114 dieser seiner Studie, in Zusamenhang mit den Veröffentlichungen in Vorbereitung fĂŒr den „6. Deutschen Jugendhilfetag“ ( 9. - 11. November 1978, in Köln ) zitiert Professor Kappeler aus dem Band „Jugendpolitik in der Krise“, wo es dazu heißt:

»„Die HintergrĂŒnde dieser Skandale zeigen, dass es in allen FĂ€llen immer um zentrale Grundrechtseingriffe und Menschenrechtsverletzungen gegenĂŒber den betroffenen Jugendlichen geht. Die Verantwortlichen fĂŒr diese von Menschenverachtung und Ignoranz gezeichneten UnterdrĂŒckungspraktiken finden wir sowohl in den SpitzenverbĂ€nden der ‚freien’ und privaten Wohlfahrtspflege (vor allem Caritasverband / Diakonisches Werk) als auch den aufsichtsfĂŒhrenden Landesjugendbehörden. Die konfliktlose Zusammenarbeit zwischen den LandesjugendĂ€mtern und den großen HeimtrĂ€gern ist ein System fĂŒr das gemeinsame Interesse von Staat und Kirche an der Aufrechterhaltung eines Erziehungszustandes in FĂŒrsorge-Erziehungsheimen, der die Kinder und Jugendlichen zur Unterordnung unter Hausordnungen, Anweisungen, Befehle, Verbote und Strafe zwingen will“. (Damm / Fiege 1978, Seite 153).«

 Prof. Dr. Manfred Kappeler schließt diese seine Studie ( auf den Seiten 120 und 121 ) mit folgenden Worten:

 Â»Von heute aus gesehen war der Jugendhilfetag 1978 fĂŒr die Entwicklung in der Heimerziehung ein ganz entscheidendes Datum. In viel grĂ¶ĂŸerem Maße, als es in den ersten Wochen und Monaten nach dieser Veranstaltung von allen Beteiligten erkannt werden konnte, hat die Kritik der Heimerziehung auf dem Jugendhilfetag und die Bereitschaft der AGJ, dieser Kritik einen jugendpolitisch so wirksamen öffentlichen Raum zu geben, zu einer breiten Aufbruchstimmung vor allem bei jĂŒngeren SozialpĂ€dagogInnen gefĂŒhrt, die in den 80er-Jahren engagiert und nachhaltig an weitreichenden VerĂ€nderungen der Praxis und der Theorie der Heimerziehung arbeiteten. Insofern ist die Feststellung berechtigt, dass die AGJ mit dem im Nachhinein viel bescholtenen Wagnis dieses großen offenen Jugendhilfetages Impulse freigesetzt hat, ohne die das dann folgende Jahrzehnt der Reformen kaum so weitreichende und tiefgreifende VerĂ€nderungen der Kinder- und Jugendhilfe und mit ihr der Heimerziehung gebracht hĂ€tte, wie sie im Vergleich mit dem Ausgangspunkt der Arbeit der AGJ im Jahre 1949 mit der gegen Ende des 20. Jahrhunderts erreichten Verfassung der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland deutlich werden.

 Die Recherche wird beendet mit einer Stellungnahme der AGJ im „Forum“ 4/1981, die ĂŒber den zeitlichen Rahmen dieser Studie hinausweist. Die AGJ forderte die Abschaffung des „Erziehungsregisters“ mit der BegrĂŒndung:

„Die Verwertung der Erziehungsregistereintragungen im Jugendstrafverfahren und die dadurch bedingte NĂ€he zum Jugendstrafrecht haben in den Augen der Jugendhilfe eine negative Verwertungsfunktion mit sich gebracht sowie BegrĂŒndungszusammenhĂ€nge geschaffen, die die an sich pĂ€dagogisch intendierten angeordneten Erziehungshilfen in ihrem Wirkungsgrad abgenutzt haben. Besonders auffallend hierfĂŒr ist, dass eintragungsfĂ€hige Erziehungshilfen wie z.B. die FĂŒrsorgeerziehung zugunsten anderer, neuerer und nicht eintragungsfĂ€higer Hilfen stark zurĂŒckgegangen sind. Hierbei dĂŒrfte nicht allein die hĂ€ufig festzustellende Erfolglosigkeit der angeordneten FĂŒrsorgeerziehung eine Rolle gespielt haben, sondern auch die Tatsache, dass die Anordnung selbst einen Jugendlichen bis in das Erwachsenenalter hinein aufgrund der Registrierung begleitet. Die bis zum 24. Lebensjahr dauernde Speicherung und Verwertbarkeit der Eintragungen schaffen dagegen eine neue Stigmatisierung, die sich wegen ihrer Dauer ĂŒber alle sehr viel kĂŒrzeren EntwicklungsablĂ€ufe bei Kindern und Jugendlichen hinwegsetzt. Eine langjĂ€hrige Verwertbarkeit vielfĂ€ltiger Daten ĂŒber die Erziehungssituation eine junges Menschen ist aber alles andere als eine Hilfe zur Erziehung. Die Jugendhilfepraxis benötigt eine solche Registratur nicht“.

 Zuletzt sei mir noch eine persönliche Bemerkung gestattet. Ich bin 1959 mit einem „Vorpraktikum“ fĂŒr die Ausbildung zum „Wohlfahrtspfleger“ in die Soziale Arbeit gegangen und habe in den 50 Jahren bis heute in der Praxis und Theorie der Jugendhilfe gearbeitet. Diese Studie zu den so widersprĂŒchlichen Positionierungen der AGJ zur Heimerziehung wĂ€hrend der hier untersuchten 30 Jahre ihrer Geschichte hat mir in konzentrierter Form noch einmal die VerhĂ€ltnisse in der Jugendhilfe verdeutlicht, in denen ich um 1960 als junger SozialpĂ€dagoge in der Heimerziehung meine Berufsbiographie begonnen habe und wie sehr die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland am Ende dieses Weges ihr Gesicht verĂ€ndert hat. Auch wenn mir klar ist, dass das Erreichte weiter verbesserungswĂŒrdig ist, und vor allem, dass es nicht auf Dauer gesichert ist und gegen innere und Ă€ußere Bedrohungen verteidigt werden muss, ist mein LebensgefĂŒhl heute von der Gewissheit bestimmt, dass die in dieser Studie nachgezeichneten Auseinandersetzungen, die in ihrem aktuellen Verlauf fĂŒr die Beteiligten oft mit harter gegenseitiger Kritik, mit KrĂ€nkungen und Schmerzen verbunden waren, sich im Ergebnis gelohnt haben.

 Dass ich diese Studie auch als Zeitzeuge geschrieben habe, wird den Leserinnen und Lesern dieses Textes nicht verborgen geblieben sein.

 Ich wĂŒnsche mir, dass es eine interessante LektĂŒre zur Geschichte eines wichtigen Bereichs der Kinder- und Jugendhilfe war und wĂŒrde mich freuen, wenn die AGJ sich entschließen könnte, diesen Text in der einen oder anderen Form zu veröffentlichen.«

 ... und so wurde es auch tatsĂ€chlich veröffentlicht von der »Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Kinder- und Jugendhilfe - AGJ«.

Studie: hier klicken 

Dierk Schaefer: Therapiekosten

Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 30. April 2011

Die Diskussion um die Therapiekosten macht deutlich, wie schlampig am Runden Tisch gearbeitet wurde. Nichts Genaues weiß keiner so recht.

Wie denn auch? Die Zahl der Anspruchsberechtigten ist unbekannt wie auch die einzelnen Bedarfe. Sollten tatsĂ€chlich 100 Mio speziell fĂŒr Therapiekosten, und fĂŒr nichts anderes geplant sein? Abgesehen von der grundsĂ€tzlichen Frage, ob die Summe ĂŒberhaupt zusammenkommen wird, sind ein paar Fragen angebracht.

  1. Soweit ich weiß, sollen vorrangig die Krankenkassen in Anspruch genommen werden. Aber wieso soll die Versichertengemeinschaft ĂŒber die Krankenkassen fĂŒr Therapiebedarf zahlen, der durch Fremdverschulden entstand? Wenn ich mir selber das Bein breche, zahlt meine Kasse, bricht mir ein anderer das Bein, zahlt der.
  2. Wie hoch ist die Zahl der ehemaligen Heimkinder, die zwar an ihrem Leben geschĂ€digt wurden, aber dennoch nicht therapiebedĂŒrftig sind? Ich habe den Eindruck, daß einerseits manche nie therapiebedĂŒrftig waren, was keine Verharmlosung der HeimverhĂ€ltnisse sein soll. Aber nicht jede Mißhandlung traumatisiert, oder gar bis ins hohe Alter. Andererseits dĂŒrften manche ehemaligen Heimkinder durch die aktive Teilnahme an der Heimkinder-Diskussion so etwas wie eine Selbst-Therapie betrieben haben. Jedenfalls hĂ€tte diese Gruppe tatsĂ€chlich weniger Interesse an Therapie als an EntschĂ€digung – zu Recht!

Therapiekosten gehören separat abgehandelt, wie ich es bereits in meinen VerfahrensvorschlĂ€gen gefordert habe. Sie sind keine EntschĂ€digung, sondern eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Zahlen sollen die Verursacher! Erst wenn die Zahlungspflicht erfolgreich bestritten wird, mĂŒssen die Krankenkassen zahlen.

Die ehemaligen Heimkinder sollten sich die Sparten der Kosten nicht von außen diktieren lassen. Es gibt wie gesagt Therapiekosten und es muß Rentenausfallsgelder geben, fĂŒr die auch die Verursacher zu zahlen haben. Eine völlig andere Sparte sind die EntschĂ€digungen fĂŒr erlittenes Leid und vorenthaltene Bildungs- und Berufschancen, also fĂŒr all das, das durch die „pĂ€dagogischen FachkrĂ€fte“ in den Heimen verbrochen und versaubeutelt wurde.

Doch ich fĂŒrchte, durch das abgestufte Verfahren vom Runden Tisch ĂŒber das Parlament einschließlich Bundesrat zu den BundeslĂ€ndern bis  schließlich zu den Meldestellen mit monströsen Antragsverfahren wird nicht nur viel Zeit verfließen, sondern das Rinnsal der veranschlagten Gesamtsumme auch noch zerfließen.

Die ehemaligen Heimkinder sollten sich ĂŒberlegen, ob sie mit gewisser RegelmĂ€ĂŸigkeit vor den Landesparlamenten, denn dort wird die Musik gemacht werden, Schweigedemonstrationen mit Transparenten und Informationsmaterial veranstalten analog den Montagsdemonstrationen. Sonst sind sie weg aus der öffentlichen Aufmerksamkeit. 

Dierk Schaefer: Mehr als scheinheilig

Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 1. Mai 2011

Der Runde Tisch als Berufsungsausrede hat zwei Jahre lang funktioniert, um Forderungen abzuwehren, weil niemand den Ergebnissen vorgreifen wollte. Das war schon scheinheilig genug. Nun funktioniert er weiterhin fĂŒr die Ausrede, man mĂŒsse erst auf die Umsetzung der Ergebnisse durch die Politik warten. Geradezu teuflisch genial!

Wenn nun aber die Jesuiten meinen, sich erst als Gerechtigkeitsapostel in der Öffentlichkeit gerieren zu mĂŒssen und den Leuten damit den Mund wĂ€sserig machen, dann aber mit GrĂŒĂŸen fĂŒr ein frohes Osterfest nicht nur auf dieses, sondern auch auf die in Aussicht gestellte Leistung vertrösten, dann kann ich das nur eine Spitzenleistung in Scheinheiligkeit nennen.

 â€žAus GerechtigkeitsgrĂŒnden“ wolle man abwarten, bis die Politik die Heimkinder entschĂ€dige. „Der Runde Tisch Heimkinder hat in seiner abschließenden Sitzung im Dezember ein Modell vorgeschlagen, wie Gewaltopfern in Kinderheimen durch Zahlungen geholfen werden soll. 
 Dieses Modell ist leider von der Politik noch nicht umgesetzt worden“, heißt es in dem Brief weiter. Aber sobald dies der Fall ist, wĂŒrden die Ordensgemeinschaften „ein Ă€hnliches Modell vorlegen“.

http://www.tagesspiegel.de/politik/neue-kritik-an-den-jesuiten/4118264.html [Sonntag, 1. Mai 2011] 

Dierk Schaefers Blog

»bitten im Namen des Landes um Verzeihung und gewĂ€hren als „Geste des Bedauerns“ 20.000 Euro«

Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 11. Mai 2011

»FĂŒr Opfer ist Geste des Landes „eine Beleidigung“«.

Wer sich mit dem Lebenslauf des hier betroffenen ehemaligen Heimkindes beschĂ€ftigt hat, weiß, daß diese EinschĂ€tzung richtig ist.

http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/art68,619357 [Mittwoch, 11. Mai 2011]

Wenn ich im Vergleich dazu jedoch sehe, wie bei uns das noch weniger akzeptable Ergebnis des Runden Tisches zur Abwehr fĂ€lliger AnsprĂŒche genommen wird, dann weiß ich die Nachhaltigkeit der Machenschaften dieses Runden Tisches und seiner Interessenvertreter von Staat und Kirchen richtig einzuschĂ€tzen. Ein Blick ĂŒber die Landesgrenzen in die USA, nach Irland oder immerhin nach Österreich hĂ€tte unsere Justizministerin davon ĂŒberzeugen können, daß etwas faul ist im Staate Deutschland. Offenbar ohne die massive und gut begrĂŒndete Kritik an den Ergebnissen des Runden Tisches wahrgenommen zu haben, lĂ€ĂŸt sie in ihrem Namen unverhohlen schreiben:

Der Abschlussbericht macht deutlich, dass die Heimerziehung ein System mit viel Unrecht, aber kein Unrechtssystem war und leitet daraus Empfehlungen und VorschlĂ€ge ab, die dem Anliegen des Runden Tisches gerecht werden und die den Weg fĂŒr einen angemessenen Umgang mit dem Leid der ehemaligen Heimkinder aufweisen.

http://www.readers-edition.de/2011/05/11/leuthaeuser-schnarrenberger-heimzoeglinge-kei n-unrechtssystem/ [Stand: Mittwoch, 11. Mai 2011]

HĂ€tte sie doch, wie der ehemalige Minister  zu Guttenberg, wenigstens in viele Quellen geschaut, dann wĂ€ren ihr die exzellenten Analysen von Prof. Kappeler nicht verborgen geblieben. Sie hĂ€tte ihn getrost plagiieren sollen. So aber begnĂŒgt sie sich damit, die Definitionsmacht einer interessengelenkten lockeren GesprĂ€chsrunde namens Runder Tisch unbesehen zu akzeptieren. Das ist ja noch erbĂ€rmlicher als eine zusammengeklaute Doktorarbeit. 

Dierk Schaefers Blog

Jetzt wissen wir, wer schuld ist: allein der böse Staat

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 10. Mai 2011

»SpĂ€testens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Erziehungsarbeit in christlichen Einrichtungen unter dem Einfluss des Staates. Die Teilverstaatlichung hatte „einen schleichenden Wandel des Erziehungskonzepts und der Erziehungspraxis zur Folge“« schreiben die Buch-Autoren. Auch in Freistatt wird das Grunddilemma der evangelischen Erziehungsarbeit zwischen „freiem christlichen Liebeswerk und staatlicher Zwangserziehung“ deutlich.«

Der böse Staat pervertierte ein »freies christlichen Liebeswerk«. Ohne den ĂŒbernommenen Dienst der staatlichen Zwangserziehung wĂ€ren Bethel und Freistatt  eine friedliche StĂ€tte christlicher NĂ€chstenliebe und frei von Gewalt geblieben. Auf staatlichen Einfluß hin kam es zu »einem System
, das hĂ€ufig von Gewalt, EinschĂŒchterung und Angst geprĂ€gt war.«

Nachdem aber nun feststeht, wer der Beelzebub ist, wird Bethel ganz sicher den Staat verklagen. Einmal, weil er unschuldige Erzieherseelen zum Bösen verfĂŒhrt hat, zum andern wird Bethel hohe EntschĂ€digungssummen einklagen, die an die ehemaligen Moorsoldaten und andere Bethelopfer mit dem demĂŒtigen Ausdruck  tiefster Zerknischung (contritio) weitergereicht werden.

Der Bethel-Service schreibt: „Zum ehrlichen Umgang mit unserer Geschichte gehört auch der selbstkritische Blick auf schwierige Zeiten und Schuldverstrickung“.

Dieses Ausmaß an Selbstkritik stĂŒtzt sich auf eine Untersuchung, die »von Prof. Dr. Matthias Benad von der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel sowie den Betheler Historikern Dr. Hans-Walter Schmuhl und Kerstin Stockhecke herausgegeben [wurde]. Es erscheint in Kooperation des Bethel-Verlags und des Verlags fĂŒr Regionalgeschichte.«

Wo soviel Bethel draufsteht, steckt auch sehr viel Bethel drin.

Martin Mitchell/Australien hat auf die verschiedenen Rezensionen dieser Auftragsforschung hingewiesen. Die aus Bethel ist geradezu vorbildlich fĂŒr die Reinwaschung einer Erziehungshölle.

http://www.bethel.de/service/bethel-verlag/wie-lebendig-begraben.html [Stand: Dienstag, 10. Mai 2011]

Mitchell nennt auch noch weitere Rezensionen, so.http://www.socialnet.de/rezensionen/8766.php

Die anderen Rezensionen muß man gar nicht erst lesen. Sie stammen vom Blog von Helmut Jacob. Und der ist im Gegensatz zum Bethel-Service ja so was von befangen.

Wer sich aber nicht scheut, sein Bild vom christlichen Liebeswerk Bethel erschĂŒttern zu lassen, der mag halt nachschauen unter:

http://helmutjacob.over-blog.de/pages/Buchempfehlung_Endstation_Freistatt-1328320.html

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Freistatt_Kappeler.pdf

_______________________________________________________

@ pr.information@bethel.de

Sehr geehrte Damen und Herren,                     Dienstag, 10. Mai 2011

Ihrer Aufmerksamkeit sei mein neuester Artikel im Blog empfohlen:

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/10/jetzt-wissen-wir-wer-schuld-ist-allein-der-bose-staat/

Mit freundlichem Gruß

Dierk SchÀfer

7 Kommentare 

Dierk Schaefers Blog
»Was kostet ein verpfuschtes Leben?«
Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 17. Mai 2011

»Ich nehme die Entschuldigung nicht an«, schreibt Helmut Jacob an Kuratorium, Aufsichtsrat und Vorstand der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Er zĂ€hlt – vermutlich auf Durchzug gestellten Ohren – noch einmal die Verbrechen und Vergehen auf, die Volmarstein damals zu einem „Herzen der Finsternis“ gemacht haben, wie es die Autoren des vorzĂŒglich fundierten Berichts ĂŒber die HeimverhĂ€ltnisse genannt haben.

Im Unterschied zu Bethel hatte Volmarstein einen wirklich unabhÀngigen Bericht ermöglicht. Das ist dieser Stiftung hoch anzurechnen.

Doch wer so die Lippen spitzt, muß auch pfeifen, also bei den EntschĂ€digungsbemĂŒhungen vorne dran sein. Das heißt nicht, daß die Stiftung hĂ€tte Konkurs anmelden sollen. Aber sie hĂ€tte neben erheblichen Eigenmitteln und Organisationstalent auch den Mut und die Durchsetzungskraft aufwenden mĂŒssen, um das Diakonische Werk (das eigene, wie das der EKD) zu EntschĂ€digungen zu drĂ€ngen, die Leid und Schuld erkennbar ernstnehmen. Die Freie Arbeitsgruppe der Betroffenen hatte nachvollziehbare VorschlĂ€ge unterbreitet, wie angesichts der speziellen Lage und Zukunft der behinderten ehemaligen Heimbewohner geholfen werden könne.

Aber Volmarstein wollte oder konnte nicht pfeifen – und nun hat Helmut Jacob der Stiftung eins gepfiffen.

Hier sein Brief:
Stellungnahme Jacob zur Opferrentenabsage
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/17/%C2%BBwas-kostet-ein-verpfuschtes-leb en%C2%AB/
 

Dierk Schaefers Blog

An eine hochgestellte Persönlichkeit im kirchlichen Amt

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, Theologie von dierkschaefer am 19. Mai 2011

Sehr geehrter Herr 



 Sie erwĂ€hnen die MißbrauchsfĂ€lle und gehen mit einigen SĂ€tzen auf die ReformpĂ€dagogik ein, wĂ€hrend Sie ĂŒber die VorfĂ€lle „bei uns 
 in einigen Pfarreien“ „schuldbewußt schweigen“.

Ihre unterschiedliche Behandlung der „Schuldigen“ hat mich befremdet, ebenso wie mich der Umgang von Kirche und Diakonie mit den ehemaligen Heimkindern bestĂŒrzt. Ich will dabei gar nicht auf das Thema des beschĂ€menden Hickhacks um die EntschĂ€digungen eingehen.

Was mich eher sprachlos macht, ist das grundsĂ€tzliche Schweigen von Theologie und Kirche. Wer sich als Christ versteht und ein Kind mißbraucht, kann dies nur mit schlechtem oder mit gespaltenem Gewissen tun, jedenfalls nicht im Namen Christi. Dieses Verbrechen hat keine theologische Bedeutung, sondern gehört in die Kategorie der SĂŒnde.

Doch was vielen ehemaligen Heimkindern in kirchlich gefĂŒhrten Heimen im Namen  des Herrn  widerfuhr, geschah (zumeist) guten Gewissens.

Ich habe vor einiger Zeit im Deutschen Pfarrerblatt darĂŒber berichtet. Die Resonanz: ein Anruf, ein Mail, aber keine theologische Diskussion, weder im Pfarrerblatt, noch – soweit ich weiß – anderswo. DafĂŒr diskutiert man engagiert und reflektiert theologisch, ob z.B. Homosexuelle Pfarrer sein dĂŒrfen – und andere packende Themen mehr.

Die PĂ€dagogik hat lĂ€ngst ihre Hausaufgaben gemacht, aber die PĂ€dagogik in kirchlichen Heimen hatte ein surplus, dessen Bearbeitung noch aussteht. Ich wĂŒrde mich freuen, wenn Sie dazu nicht schweigen.

Mit freundlichem Gruß

Dierk SchÀfer

[PS: Ich wollte keine öffentliche Auseinandersetzung mit Ihnen persönlich. Damit die Debatte ĂŒber Theologie-Kirche-Heimerziehung jedoch öffentlich gefĂŒhrt werden kann, werde ich diesen Brief anonymisiert in meinem Blog veröffentlichen.] 

»FrĂŒhere Heimkinder haben schon viel zu lange auf eine konkrete Lösung gewartet«,

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 25. Mai 2011


 sagte der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes StĂŒcker-BrĂŒning.

Schnell!!!, bevor es teurer wird!!!!

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1305884908368.shtml

Ich rate dringend davon ab, ErklĂ€rungen ĂŒber den Verzicht auf weitere Forderungen zu unterschreiben. Seid nĂŒchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brĂŒllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. 1. Petrusbrief, 5;8.

„
 ein anders Mal von einem SchĂŒler.“

Veröffentlicht in Uncategorized von dierkschaefer am 25. Mai 2011

„Zu diesem Zeitpunkt wurde ich bereits zweimal sexuell missbraucht, das erste Mal von dem halbwĂŒchsigen Sohn eines Heim-Mitarbeiters, ein anders Mal von einem SchĂŒler.“

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2772946

Mir liegt die Aussage ĂŒber einen Bericht aus einem heutigem Heim vor (nicht der Bericht selbst!), in dem die Meinung vertreten werde, sexuelle Übergriffe unter Heiminsassen seien normal und man könne/mĂŒsse nicht eingreifen.

»Keiner konnte sich vorstellen, dass eine Klosterfrau so sein kann«.

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 25. Mai 2011

»Ich, Schwester Johanna, möchte mich bei den Kindern entschuldigen, die ich psychisch und physisch gequÀlt habe. Es tut mir, alten Frau, lei«d

»Die BrĂŒder wollen keine finanzielle EntschĂ€digung von der Kirche. „Das kann das Leid nicht ungeschehen machen.“ Viele Kinder im Heim hĂ€tten so wie sie im Leben keine Chance gehabt. An die Öffentlichkeit gehen sie nun, weil es fĂŒr sie „eine Art Therapie ist. Auch fĂŒr andere – wir wissen, dass viele unser Schicksal teilen, sich aber nicht getrauen, offen darĂŒber zu sprechen.“«

Das Interview mit der „Schwester“ klingt anders.

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/villachland/treffen/2750557/missbrauch-skandal-um-orde nsschwester.story

Wem geht es um was?

Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 26. Mai 2011

»In den telefonischen GesprĂ€chen mit Betroffenen ist auch gesagt worden, dass das Erlebte finanziell nicht wieder gut zu machen ist.  Es geht den Betroffenen vor allem darum, dass das Unrecht, das ihnen angetan wurde, endlich wahrgenommen wird«.

http://www.ms.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=5048&article_id=14021&_psmand=17 [Stand: Donnerstag, 26. Mai 2011]

1. Es ist unbestreitbar, „dass das Unrecht endlich wahrgenommen“ werden muß.

Doch: Dieses Ziel ist erreicht. Das Unrecht ist weitrĂ€umig wahrgenommen und weithin sogar zugegeben worden, wenn man sich auch erfolgreich dagegen gewehrt hat, Begriffe wie „Zwangsarbeit“ oder „systematisches Unrecht“ zu verwenden. Ich merke jedoch bei vielen GesprĂ€chspartnern, daß sie allenfalls Schlagzeilen zur Kenntnis genommen haben, oft nicht einmal diese. Wer allerdings bis heute taub ist fĂŒr das Unrecht, wird es wohl auch in Zukunft nicht mehr wahrnehmen (wollen).

2. Es ist unbestreitbar, „dass das Erlebte finanziell nicht wieder gut zu machen ist.“

Doch: Wer daraus den Schluß zieht, eine finanzielle EntschĂ€digung sei weit nachrangig, muß auch sagen, ob er auf eigene AnsprĂŒche verzichtet bzw. wer auf eigene AnsprĂŒche verzichten will. Hier wird offensichtlich die Mehrheit der ehemaligen Heimkinder fĂŒr die Nachrangigkeit finanzieller EntschĂ€digungen in Anspruch genommen, ohne dies zahlenmĂ€ĂŸig zu belegen. Wahrscheinlich hat man weder sauber recherchiert, noch wenigsten dilettantisch bei den TelefongesprĂ€chen nachgefragt und eine Strichliste angelegt.

Die Legende von den Vertretern der Heimkinder am Runden Tisch

Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 26. Mai 2011

Auch die Dokumentation der Landeshauptstadt Hannover geht unkritisch davon aus, daß dem Runden Tisch „VertreterInnen von Betroffenen“ angehört haben; er nennt sie an erster Stelle.

Doch es waren keine Vertreter, sondern Einzelpersonen mit Heimschicksal, also bestenfalls „Prototypen“ fĂŒr erlittenes Unrecht in den Heimen. Der Befund des Zwischenberichts wird dargestellt, nicht aber die fachlich fundierte Kritik an diesem Bericht von Prof. Kappeler erwĂ€hnt. Er wird in anderem Zusammenhang einmal zitiert.

Auch in dieser Dokumentation zeigt sich die unheilvolle Rolle des Runden Tisches: Er hat die Deutungshoheit ĂŒber die teils verbrecherischen Vorkommnisse in den Heimen und ĂŒber seine vorgeschlagene Minimallösung wird niemand hinausgehen (eher drunter bleiben), weil die Deutungshoheit  nicht problematisiert wird.

Die Legende von den Vertretern der Heimkinder am Runden Tisch, die dem Abschlußbericht stellvertretend fĂŒr die (meisten) anderen Heimkinder zugestimmt haben,  ist eine Bequemlichkeit der Unwissenden und eine LĂŒge der Wissenden.

http://dyn2.hannover.de/data/download/lhh/ges_soz/doku_heimerziehung.pdf

Dierk Schaefer: Die Diakonie hat reagiert
Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 28. Mai 2011

Der Sprecher der Diakoniestiftung Salem, Diakon Ulrich Strothmann, hat auf den Brief eines ehemaligen Heimkindes geantwortet. In Anlehnung der in Irland und  Österreich in Ă€hnlich gelagerten FĂ€lle waren 27.000 Euro als EntschĂ€digung gefordert worden, nicht ohne ausdrĂŒcklich die Gelegenheit zu geben, sich zu den Anschuldigungen zu Ă€ußern. Allerdings hĂ€tte sich der Schreiber besser an der Höhe des Schmerzensgeldes fĂŒr die kleine Prinzessin von Monaco orientieren sollen, wenn auch das Kind wohl kaum durch ein veröffentlichtes Photo langwirkend geschĂ€digt wurde.
Die Forderung war also nicht zu hoch gegriffen.

Und die Antwort?
»  teilen wir Ihnen mit, dass wir fĂŒr diese Anfragen nicht zustĂ€ndig sind. Wir haben als TrĂ€ger das Budget des Runden Tisches mitfinanziert, von daher sind die von Ihnen erhobenen AnsprĂŒche nur an diese [!] Stelle geltend zu machen. Bitte wenden Sie sich an 
 «

 und dann folgt die Adresse.

GrĂŒĂŸen tut er aber auch noch freundlich, der Herr Strothmann.

Da kann man nur zynisch sagen, daß dieser Brief auf einen Menschen trifft, der schon abgehĂ€rtet sein muß. Denn solch schnöde Behandlung kennen die ehemaligen Heimkinder genau aus der Einrichtung, dessen Budget die Diakoniestiftung Salem angeblich mitfinanziert hat und meint, sich damit freigekauft zu haben.

Sicher, er hÀtte auch noch etwas Freundliches labern können, Betroffenheitsgestammel hat Helmut Jacob so etwas genannt.

Wie lautet das Motto dieser Einrichtung? Diakoniestiftung Salem verbindet Menschen. In diesem Fall wurde ein Mensch durch Adressenweitergabe mit dem Runden Tisch verbunden. Hat jemand Zweifel daran, daß dort Menschen sitzen – oder gesessen haben?

Diakon bedeutet: Diener, Helfer. Na ja,Minister hat ursprĂŒnglich ja auch nichts anderes bedeutet: Diener. Erhalten hat sich diese Bedeutung nur noch beim Ministranten. Und wozu manche dienen mußten, wissen wir ja inzwischen auch.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/28/die-diakonie-hat-reagiert/ 

Dierk Schaefer: »Als es um die Hilfe und die Anerkennungsleistung ging, war die Reaktion kĂŒhl«.
Veröffentlicht in Kirche von dierkschaefer am 27. Mai 2011

» Wie blicken Sie heute auf den Orden?
Die Jesuiten galten ja immer als eine Elite unter den Kirchenleuten. Das sehe ich nun komplett anders. Die Jesuiten agieren nicht anders als eine andere Organisation, die in einer Krise versucht, fĂŒr sich selbst das Beste draus zu machen − und möglichst sogar noch mit einem Imagegewinn aus der Krise hervorzugehen «.

http://www.fr-online.de/politik/spezials/missbrauch/-arrogant-und-kaltschnaeuzig-/-/1477336/713056 6/-/index.html Freitag, 27. Mai 2011

Dierk Schaefers Blog
Die Bordellisierung mißbrauchter Kinder
Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 27. Mai 2011

Helmut Jacob hat den Link mit Dank an Peter Henselder weitergegeben: http://www.youtube.com/user/akradio1#p/a/u/0/crUKrQ9a2LU

Da war der zweite Runde Tisch angetreten,  um die MißbrauchsfĂ€lle aufzuarbeiten. Nun liegt sein Bericht vor – und dazu der kurze Mitschnitt von der PrĂ€sentation der EntschĂ€digungssummen. Gefragt wurde nach den vor Gericht zu erzielenden Schmerzensgeldern.

Diese liegen teilweise nun zwar deutlich ĂŒber den jesuitischen VorschlĂ€gen, – wenn man oft genug penetriert worden ist. Mich hat es gegraust, als ich den Mitschnitt sah:

Eine sichtlich fahrige und eher unbeteiligte (ehemalige) Ministerin (Bergmann) muß sich die Ergebnisse zurufen lassen, wĂ€hrend sie suchend in den Papieren kramt. „Haben Sie die Schmerzensgeldtabelle dabei? Da gibt’s ein breites Spektrum. Das beginnt, was weiß ich 
, haben Sie’s im Kopf?, bei dreitausend Euro und bis fĂŒnfzigtausend“ – weiter, nach Information aus dem Off – „bei fĂŒnfzehnhundert bei den einfachen FĂ€llen 
  und geht bis, ich geh jetzt mal an die höchsten, fĂŒnfzigtausend Euro, sechsmalige Vergewaltigung an einem neunjĂ€hrigen Jungen“.

Da gibt es offensichtlich eine regelrechte Preisliste, geordnet nach Art und HĂ€ufigkeit der erzwungenen sexuellen Dienstleistungen. So stelle ich mir ein ordentliches Bordell vor. Da wird nicht lange gekobert, sondern alles hat seinen regulĂ€ren Fixpreis. Was dort o.k. sein mag, gerĂ€t hier zur Farce: zum Mißbrauch mit dem Mißbrauch. Das Leid der Opfer wird bemessen nach Strichliste. Das ist so einfach wie unsensibel und macht die Opfer nachtrĂ€glich zu Strichjungen.

Wenn der Runde Tisch das Ziel gehabt haben sollte, neben der AufklĂ€rungsfunktion die WĂŒrde der Opfer zu achten, dann sind die BemĂŒhungen um dieses Ziel im wahrsten Sinn des Wortes verpufft.

Eine Pauschalierung in der Höhe zwischen beschĂ€mender GeringfĂŒgigkeit und verschĂ€mter finanzieller ÜberwĂ€ltigung wĂ€re angemessen gewesen.

Das zumindest haben die Jesuiten im Prinzip besser verstanden. HĂ€tten sie neben dem Schmerzensgeld fallweise zusĂ€tzlich den Faktor EntschĂ€digung  eingebaut und als Hinweis fĂŒr den angerichteten Schaden den Therapiebedarf und die soziale BedĂŒrftigkeit genommen, dann hĂ€tte man von einer tragfĂ€higen Lösung in einer unertrĂ€glichen Sache sprechen können.

Eine solche Lösung wĂ€re auch fĂŒr die ehemaligen Heimkinder denkbar gewesen, die nun aber, soweit auch mißbraucht, immerhin zweimal bedacht werden – zumindest theoretisch.

 

Dierk SchĂ€fer - Perverser geht’s nicht
Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 28. Mai 2011

Hier versteckt sich ein Heim hinter seinen Opfern:
»  fachlich sei es problematisch, ehemalige Heimkinder unaufgefordert mit ihrer Vergangenheit und damit mit möglichen Traumatisierungen zu konfrontieren. Sehr viele verschwiegen ihren Ehepartnern und Kindern ihre Zeit im Heim. Sie sollten selbst entscheiden, ob sie Kontakt zu anderen Heimkindern oder direkt zur Bergischen Diakonie aufnehmen wollten.«

Dem Heim sind also leider die HĂ€nde gebunden. Diese RĂŒcksichtnahme rĂŒhrt so richtig zu TrĂ€nen.
Doch bei den bekannten Opfern sind es TrÀnen der Wut.

FĂŒr diese gilt zudem:
»Zur EntschĂ€digungsfrage sagte Sabine Kall, dass die Diakonie keinen Alleingang machen wolle: „Wir zahlen in den bundesdeutschen Fonds ein. Wie die anderen auch.“«
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1296684509351.shtml Samstag, 28. Mai 2011

Doch die Diakonie Aprath verhĂ€lt sich  ja nicht zum ersten Mal so, wie man es sich als Christenmensch nicht vorstellen mag. 

Dierk Schöfer

»Ich bitte Sie um VerstĂ€ndnis fĂŒr unsere Situation«

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 8. Juni 2011

»Ich bitte Sie um VerstĂ€ndnis fĂŒr unsere Situation«

schreibt nach dieser Zeitungsmeldung das erzbischöfliche Ordinariat Freiburg.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-06/kirche-missbrauchsopfer-datenschutz/komp lettansicht Mittwoch, 8. Juni 2011

Verstehen kann ich die prekĂ€re Situation durchaus, doch das VerstĂ€ndnis dafĂŒr geht mir ab. Es wĂ€re eher höchste Zeit, daß endlich VerstĂ€ndnis fĂŒr die Opfer aufkommt, ein VerstĂ€ndnis, das auch EntschĂ€digungen und Schmerzensgelder einschließt.

Im vorliegenden Fall hatte das erzbischöfliche Ordinariat offensichtlich nur fĂŒr sich selbst VerstĂ€ndnis, indem es die Kostenrechnung mit Adresse an den TĂ€ter weiterreichte. Denn diese Organisation ist grundsĂ€tzlich unschuldig, und sollte jemand, der ihr zugerechnet wird (von ihr geweiht, beschĂ€ftigt und bezahlt wurde) schuldig geworden sein, dann ist er es. Die Organisation wĂ€scht ihre HĂ€nde in Unschuld und beweist ihre Unschuld dadurch, daß sie die Zahlung sozusagen nur stellvertretend ĂŒbernimmt. Dieser Beweis erfolgte nicht freiwillig, sondern im Hintergrund, bis der TĂ€ter die Angelegenheit aufdeckte, sei es durch UnsensibilitĂ€t, sei er von schlechtem Gewissen getrieben oder nur durch ZahlungsunfĂ€higkeit.

Das Ehrenvollste wĂ€re noch das schlechte Gewissen, das seiner Organisation wohl abgeht, obwohl in ihrer Lehre das JĂŒngste Gericht eine bedeutende Rolle spielt. – Nur: sie glaubt selber nicht daran. Ihre unbußfertige Haltung gegenĂŒber mißhandelten Kindern (Heimkinder) belegt das ebenso wie Vertuschung von Mißbrauch und ihr Umgang mit den Opfern. So hat sie sich selber das Urteil gesprochen.

Die Datenschutzverletzung kann eigentlich nur begrĂŒĂŸt werden, denn sie ist eine „Offenbarung“. 

Dierk Schaefers Blog

Statisten gesucht? fragt Helmut Jacob in seinem Blog.

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 21. August 2011

http://helmutjacob.over-blog.de/ [Sonntag, 21. August 2011]

 Es geht um die Einladung der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) durch den Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und den DiakonieprĂ€sidenten Johannes Stockmeier. Sie haben das »Anliegen, gegenĂŒber den ehemaligen Heimkindern um Verzeihung zu bitten«. Das soll am 11. September um 15 Uhr in der Friedrichstadtkirche, Gendarmenmarkt, in Berlin geschehen.

Nachdem den ehemaligen Heimkindern bereits am Runden Tisch weitgehend die Rolle von Statisten zugewiesen wurde, wÀre es schade, wenn sie diese Rolle weiterspielen.

Es gibt zwei Alternativen:

1. Nicht hingehen und

2. qualifiziert teilnehmen. Die PrĂŒgelnonne mitzunehmen, wĂ€re aus zweierlei GrĂŒnden falsch. Die ist zum einen katholisch und zum andern symbolisiert sie, was alle ohnehin wissen. Hier geht es nicht um das vergangene, sondern um das aktuelle Unrecht der EntschĂ€digungskarikatur.

Wer die Entschuldigung qualifiziert ablehnen will, kann ganz zivilisiert mit FlugblĂ€ttern und Transparenten deutlich machen, wie die ehemaligen Heimkinder durch den Runden Tisch und die Rolle der staatlichen und kirchlichen Vertreter zum zweiten Mal in ihren Lebensmöglichkeiten schĂ€ndlich beeintrĂ€chtigt wurden. Wer das tut, muß damit rechnen, wegen Störung einer kirchlichen Veranstaltung nach draußen verwiesen zu werden. Besser ist es, man bleibt gleich vor der Kirche stehen.

Das macht nichts, denn es mĂŒssen sich ja nicht alle vorzeitig outen. Einige mĂŒssen sich gedulden und an der Veranstaltung teilnehmen. Da die einladenden Herren wissen, daß sie sich nicht selber ent-schuldigen können, brauchen sie ein JA! Mein Votum: Geht hin und sagt unĂŒberhörbar NEIN!

 

Dierk Schaefers Blog

Mich erreichte ein Mail


Veröffentlicht in heimkinder, Politik von dierkschaefer am 24. August 2011


 in dem Dr. Obst vom BMFSFJ angeboten wird, eine erste bundesweite Arbeitstagung der ehemaligen Heimkinder am 9. – 11.9.2011 in Berlin fĂŒr ca. 15 – 20 Personen zu organisieren, an der möglichst alle an der aktiven Mitarbeit interessierte ehemalige Heimkinder – soweit vom Organisator vorgeschlagen eingeladen werden (neben den Vertretern vom ehemaligen RTH, den anderen Vertretern vom Göttinger Kreis z.B. auch Vertreter der ehemaligen Heimkinder mit Behinderungen sowie aus Heimen der ehemaligen DDR). Zentrales Thema dieser Arbeitstagung soll die Beteiligung ehemaliger Heimkinder am Umsetzungsprozess der Fonds sowie insbesondere die Mandatierung der Interessenvertreter der ehemaligen Heimkinder sein.
Erwartet wird ein verbindlicher Vorschlag und eine Entscheidung als Grundlage fĂŒr die Mandatierung von wahrscheinlich 3 – 5 ehemaligen Heimkindern.

Das Vorstehende ist weitgehend Zitat.

Was zu tun ist, wenn man vorgeschlagen wird, mĂŒssen die Vorgeschlagenen selber entscheiden.

Bedenken sollten sie, daß sie sich wieder in eine schiefe Machtkonstellation hineinbegeben werden.

Das heißt, sie sollten vorab Bedingungen stellen. So zum Beispiel, daß ihnen ein Beratungsbudget vorab zur VerfĂŒgung gestellt wird und sie die Möglichkeit eingerĂ€umt bekommen, sich einen Tag vor der Sitzung miteinander abstimmen und einen Rechtsbeistand eigener Wahl fĂŒr ihre Beratung hinzuziehen können, daß sie die Sitzung fĂŒr eigene Absprachen unterbrechen können und daß keine Entscheidungen und kein Papier direkt auf der Sitzung verabschiedet werden.

Zu bedenken ist auch, daß die (geringen) Leistungen an die ehemaligen Heimkinder aus dem Etat des BMFSFJ finanziert werden mĂŒssen. Dort hat man sicherlich schon lĂ€ngst andere Projekte in der Pipeline. Man wird also nicht sonderlich erfreut sein ĂŒber zusĂ€tzliche Belastungen, fĂŒr die man sich keinen politischen Gewinn verspricht.

WĂ€re ich ein eingeladenes ehemaliges Heimkind wĂŒrde ich teilnehmen, gerade weil ich der bisherigen Besetzung des Runden Tisches grĂŒndlich mißtraue. Wer nicht hingeht, muß auch hinterher den Mund halten.

 

Dierk Schaefers Blog

Die Ruhr-UniversitĂ€t legte einen »ersten GesamtĂŒberblick« einer »Pionierarbeit« vor:

 Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, PĂ€dagogik, Politik, Theologie von dierkschaefer am 22. Oktober 2011

»Konfessionelle Heimerziehung erforscht«

Jetzt wissen wir zwar nicht alles, denn »weitere Aufarbeitung tut Not«. Doch es lohnt sich, einen kritischen Blick auf die Zusammenfassung der Studie zu werfen.

Der Begriff Pionierarbeit ist dem Marketing-Konzept der UniversitĂ€t geschuldet. Pionierarbeiten sind die bereits vorliegenden Berichte ĂŒber einzelne Heime, denen diese Forschungsarbeit – soweit bisher erkennbar – nichts Neues hinzufĂŒgt. Selbst der Runde Tisch hat Vergleichbares erarbeitet.

Was ist interessant am Bericht?

Er widmet den weltanschaulichen, religiösen und konfessionellen Aspekten besondere Aufmerksamkeit und erklĂ€rt ansatzweise, wie die pĂ€dagogischen Vorstellungen der Organisationen und einzelner Erzieher durch diesen Hintergrund geprĂ€gt waren. Aber eine ernsthafte auch theologisch reflektierte Auseinandersetzung ist der Langfassung der Zusammenfassung der Studie nicht zu entnehmen. Es war halt so, daß »katholischerseits die klösterliche PrĂ€gung des Ordenspersonals eine wichtige Rolle« spielte und es »bei seinen ErziehungsbemĂŒhungen sowohl das eigene als auch das Seelenheil der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen im Blick haben sollte« und nicht wenige »Erzieher 
 das vermeintlich „Böse“ der MinderjĂ€hrigen hervorhoben und zu „bekĂ€mpfen“ versuchten«. Und daß »in der evangelischen Heimerziehung in den 1950er Jahren das „Spannungsfeld von Strenge und Vergebung“ als kennzeichnend galt«. »Nicht selten wurde eine Drohkulisse durch einen alles sehenden und strafenden Gott aufgebaut, erhielten Aspekte wie SĂŒnde, Schuld und SĂŒhne wichtige Bedeutung – so galten uneheliche Kinder in den Augen mancher Erzieher als „Kinder der SĂŒnde“«.

Doch die Studie belegt auch die»Verbindung zwischen den zustĂ€ndigen staatlichen Stellen und den konfessionellen TrĂ€gern und ihren FachverbĂ€nden 
. Beide Seiten profitierten von diesem Arrangement, indem einerseits Einrichtungen mit der notwendigen Platzzahl und vergleichsweise kostengĂŒnstigen HeimplĂ€tzen vorhanden waren, andererseits die kirchlichen Einrichtungen relativ unabhĂ€ngig agieren konnten«. Das auch anderswo konstatierte Streben der kirchlichen Einrichtungen nach UnabhĂ€ngigkeit hĂ€tte sicher eine genauere Betrachtung und Bewertung verdient. Denn, wer unabhĂ€ngig agieren will, ist fĂŒr sein Tun auch ganz unabhĂ€ngig und allein verantwortlich!

Soweit wollten die Verfasser offensichtlich nicht gehen. Jedenfalls: Trotz der Nennung der MißstĂ€nde relativieren sie in sattsam bekannter Weise: Der Personalmangel, die mangelhafte Qualifizierung des Personals, der Finanzmangel und die KonkurrenzverhĂ€ltnisse unter den Heimen, die beengten VerhĂ€ltnisse, »die ĂŒberlieferten Gehorsamsvorstellungen und zu vermittelnden Tugenden wie Ordnung, Sauberkeit, Reinheit und sexuelle Enthaltsamkeit«.

Immerhin: »Insgesamt zeigt sich, dass Ă€ußere Bedingungen, die herrschenden Erziehungsstile sowie immer wieder auch das persönliche Verhalten von einzelnen Mitarbeitenden zu traumatisierenden ErfahrungenvielerHeimkinder beigetragen haben, an denen sie bis heute leiden. Auf der anderen Seite blickeneinzelneHeimkinder dankbar auf die UnterstĂŒtzung in verschiedenen Einrichtungen und speziell aufeinzelnehoch engagierte Mitarbeitende zurĂŒck, durch deren Hilfen ihnen eine selbstbestimmte LebensfĂŒhrung ĂŒberhaupt erst eröffnet worden ist«. [Alle Hervorhebungen: Dierk SchĂ€fer]. Doch diese versteckte Quantifizierung wird sofort wieder umgekehrt, wenn es heißt: »Es hat in kirchlichen Heimen ein ĂŒberdurchschnittliches Maß an Engagement der Mitarbeitenden wieauch FĂ€lleeklatanten Versagens und großer individueller Schuld gegeben«.

Fast mutig scheint der Satz: »UnabhĂ€ngig davon besteht eine kirchliche Gesamtverantwortung fĂŒr ihre diakonischen und caritativen Einrichtungen: Die Leitungen der jeweiligen Heime wie auch die kirchlichen Aufsichtsorgane haben die oft problematischen ZustĂ€nde gekannt oder hĂ€tten sie zumindest genau kennen können. Sie drĂ€ngten zu wenig auf allgemeine Verbesserungen der Heimerziehung, agierten zugleich gegenĂŒber den staatlichen Aufsichtsgremien vielfach abweisend oder zumindest sehr zurĂŒckhaltend. Diese Praxis lĂ€sst sich zwar nicht unbedingt als aktives Fehlverhalten kennzeichnen, dĂŒrfte aber doch durch passives Zulassen problematischer UmstĂ€nde oftmals traumatisierende Erlebnisse vieler Heimkinder zumindest mit bedingt haben«.

Doch weiter heißt es:»Allerdings wĂ€re es ein Fehlschluss, die Gesamtverantwortung fĂŒr viele MissstĂ€nde in der Heimerziehung ausschließlich bei den kirchlichen Leitungsebenen zu sehen. Die KomplexitĂ€t der damaligen VerhĂ€ltnisse beruhte eben auch auf dem Umstand, dass niemals nur kirchliche TrĂ€ger oder nur staatliche Instanzen allein fĂŒr das Wohl der Kinder und Jugendlichen verantwortlich waren, sondern immer beide – was sich aber paradoxer Weise oft nicht zu deren Vorteil auswirkte*. Auch kirchliche TrĂ€ger haben durchweg nur das damals geltende Jugendrecht, richterliche Entscheidungen und Entscheidungen der Jugendbehörden umgesetzt und in ihrem Bereich versucht, auf dieser Rechtsgrundlage eine Erziehung und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen«.

Der Eiertanz wird fortgesetzt: »Dabei haben sie jedoch vielfach Ă€ußerst problematische Bedingungen akzeptiert und auch in ihren Einrichtungen in der Regel zu wenig fĂŒr eine angemessene Förderung der anvertrauten Schutzbefohlenen unternommen«.

Richtig! Aber: »Die politische Letztverantwortung fĂŒr die MissstĂ€nde der Heimerziehung lag allerdings immer bei den politischen EntscheidungstrĂ€gern jener Zeit in den jeweiligen BundeslĂ€ndern. DafĂŒr spricht auch, dass auf Grund der Ergebnisse der Forschungsarbeiten – mit Ausnahme der religiösen Erziehung – keine signifikanten Unterschiede zwischen kirchlichen Heimen, Heimen in der TrĂ€gerschaft anderer WohlfahrtsverbĂ€nde oder öffentlichen Heimen aufgewiesen werden konnten. Insofern spiegeln die kirchlichen Heime weithin das Maß der seinerzeit geltenden NormalitĂ€t wider  «, (nĂ€chster Schritt im Eiertanz):» 
 was allerdings den kirchlichen Selbstanspruch deutlich unterschreitet«.

Die Verfasser hatten entweder zwei Seelen in ihrer Brust – oder aber einen geheimen Mitautor.

Zentral ist fĂŒr mich ein Befund der Autoren: »Wie in den Interviews zum Ausdruck kam, spielte fĂŒr das eigene Erleben des Heimalltags außerdem die FĂ€higkeit der MĂ€dchen und Jungen eine große Rolle, sich den gegebenen VerhĂ€ltnissen anpassen zu können«. Genau das haben die kirchlichen HeimtrĂ€ger gekonnt. Sie haben sich den gegebenen VerhĂ€ltnissen angepaßt und fĂŒr sich das Beste daraus gemacht, das Beste zu ihrem Seelenheil und auch nicht zuletzt dem finanziellen. Sie setzten damit fort, was die Kirchen weitestgehend auch im Dritten Reich praktizierten: Kein Widerstand, sondern sich anpassen. Ihr seid das Salz der Erde! Pustekuchen:Wir wĂ€ren gut, anstatt so roh, doch die VerhĂ€ltnisse, die sind nicht so. Widerstand im Einsatz fĂŒr BedrĂ€ngte und Schutzbefohlene kam fast nur von Einzelnen, die dann als MĂ€rtyrer ihres Glaubens so hoch gehoben werden, daß man bequem drunter durchschlĂŒpfen kann.

Die Pionierarbeit? Nichts wirklich Neues – und immer noch nichts, was die Kirchen wirklich zur tieferen Erkenntnis ihres Versagens nötigen könnte.

* »Die KomplexitĂ€t der damaligen VerhĂ€ltnisse beruhte eben auch auf dem Umstand, dass niemals nur kirchliche TrĂ€ger oder nur staatliche Instanzen allein fĂŒr das Wohl der Kinder und Jugendlichen verantwortlich waren, sondern immer beide –was sich aber paradoxer Weise oft nicht zu deren Vorteil auswirkte«.

Dieser Satz verdient einen zusĂ€tzlichen Kommentar: Das ist alles andere als paradox. Wir wissen doch: Viele Köche verderben den Brei. (Außerdem naschen sie alle, bis fast nichts mehr fĂŒr die GĂ€ste ĂŒbrig bleibt.) In Kinder- und Jugendlichen-Angelegenheiten ist es leider noch heute so. Ich kenne keinen anderen Politikbereich, in dem die ZustĂ€ndigkeiten und administrativen Regelungen dermaßen verteilt und unterschiedlich sind, daß die Verantwortlichkeit von Ämtern und Einzelpersonen gerichtsfest wĂ€re, – von spektakulĂ€ren EinzelfĂ€llen einmal abgesehen.

 

Dierk Schaefers Blog

Der Stellvertreter und sein Einzug in Freiburg – Jesu Einzug in Jerusalem war nichts dagegen

Veröffentlicht in Kirche von dierkschaefer am 28. September 2011

 http://www.youtube.com/watch?v=5W9jo0rz8Ko&feature=related Mittwoch, 28. September 2011

Lukas – Kapitel 19, 36-38

Jesu Einzug in Jerusalem

Da er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. Und da er nahe hinzukam und zog den Ölberg herab, fing an der ganze Haufe seiner JĂŒnger, fröhlich Gott zu loben mit lauter Stimme ĂŒber alle Taten, die sie gesehen hatten,  und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem Namen des HERRN! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Dierk Schaefers Blog

Nachlese zum Papstbesuch

Veröffentlicht in Kirche, Politik von dierkschaefer am 27. September 2011

Alle Zitate aus der heutigen Ausgabe der FAZ (Dienstag, 27. September 2011)

Zuerst mal wieder das Lustige:

1. » Dass der Papst sich in seiner Ansprache im Freiburger Konzerthaus fĂŒr die Abschaffung der Kirchensteuer ausgesprochen habe, glaubt Zollitsch nicht.«

2. » Der Hamburger Erzbischofs Thissen ließ sich mit den Worten vernehmen, der Papstbesuch gebe dem Dialog der beiden Kirchen neuen Schwung. «

Lustig ist es zwar nicht, aber belustigt habe ich trotzdem wahrgenommen, wie distanziert und kritisch drei Journalisten der FAZ ihre Nachlese gestalten. Zwei von ihnen habe ich bisher als eher unkritische Berichterstatter in katholischen Dingen erlebt, was ihre EnttĂ€uschung ĂŒber diesen Papst verdeutlicht.

Jörg Bremer schreibt: »Unbemerkt blieb dabei, dass der Papst in Erfurt auch mit seiner deutschen Kirche ins Gericht ging. Er verbat sich Kritik am Zölibat: „Die Ernsthaftigkeit des Glaubens zeigt sich vor allem dadurch, dass er Menschen inspiriert, sich ganz fĂŒr Gott und von Gott her fĂŒr die anderen zur VerfĂŒgung zu stellen.“ In einigen Monaten könnte sich zeigen, dass die Ökumene durch den Papstbesuch weniger angeschlagen ist als die katholische Kirche,   
 Bald wird man sehen, ob die Ökumene gelitten hat oder tiefer wird, ob der Papst die deutschen Katholiken neu gewonnen oder – wie offenbar in Teilen Österreichs – verloren hat.«

Daniel Deckers schreibt: »Vielmehr war seinen Worten zu entnehmen, dass der Papst das Maß der gemeinsamen Überzeugungen zwischen evangelischer und katholischer Seite eher im Schwinden als im Wachsen begriffen sieht.

Dass viele Kirchen der Orthodoxie, allen voran die russische, ungleich stĂ€rker staatlich reglementiert, wenn nicht korrumpiert sind, trĂŒbt Benedikts Sicht auf die Kirchen in Ost- und SĂŒdosteuropa nicht. Nicht bekannt ist auch, dass sich der Papst jemals an der Praxis der Orthodoxie gestört hat, eine zweite Eheschließung unter bestimmten UmstĂ€nden kirchlich anzuerkennen. Deutschen Bischöfen, die vor Jahren ebensolches erwogen, hielt Benedikt in seiner Zeit als Kardinal Ratzinger und damaliger PrĂ€fekt der vatikanischen Kongregation fĂŒr die Glaubenslehre hingegen vor, sie stĂŒnden mit Überlegungen wie diesen außerhalb der Lehre der Kirche.«

Mit Recht bekommen die Vertreter der Evangelischen Kirche ihr Fett ab. »Aber die EKD-FĂŒhrung nutzte in Erfurt nicht die Chance, theologische Pflöcke einzuschlagen. Die EKD schien dem theologischen Denken Ratzingers nicht gewachsen. Die Reden an den „lieben Bruder in Christus“ waren einfach. Die EKD genoss den historischen Moment, den Papst in jenen Mauern zu wissen, wo einst der Reformator wirkte, der bis heute aus der Kirche ausgeschlossen ist. Sie sprach fĂŒr das Fernsehen, das diese Begegnung, den Brudergruß zwischen Papst und dem EKD-Vorsitzenden Nikolaus Schneider festhielt. Deswegen reagierten die EKD-Vertreter bei der anschließenden Pressekonferenz zunĂ€chst begeistert. Ihr wĂŒrden fĂŒr immer die Worte „zusammen“ und „gemeinsam“ in Erinnerung bleiben, sagt Frau PrĂ€ses Katrin Göring-Eckardt zunĂ€chst, wo der Papst doch gerade viel bisher Gemeinsames aufkĂŒndigen wollte«.

Ist der „liebe Bruder in Christus“ einfach nur herzig, so Ă€ußert sich Frau Katrin Göring-Eckardt so naiv-begeistert, daß ihr jeder Geist zu fehlen schien.

Interessant ist, daß der Papst es mit der Kirchensteuer vielleicht doch ernst zu nehmen scheint. Mit Erstaunen habe ich gelesen, daß die Kurie »seit 2008 von den deutschen Bischöfen verlangt, auf die Kirchensteuer zu verzichten, und sie bekommt keine Antwort«. »Hat der Papst sich also mit seiner „Freiburger Rede“ zum Sprachrohr ausgerechnet jener Politiker gemacht, die ihm nicht einmal im Bundestag zuhören wollten, und damit der katholischen Kirche in Deutschland einen Schlag versetzt, der die evangelische Kirche gleichermaßen betrĂ€fe?«

Was die Kirchensteuer betrifft wird ĂŒbrigens in der Diskussion regelmĂ€ĂŸig unterschlagen, daß der Staat fĂŒr den Einzug dieser Steuer recht gut bezahlt wird. Ich verstehe ohnehin die Diskussion nicht: Wer sie nicht zahlen will, braucht nur auszutreten.

Doch wieder zum Papst und den Privilegien: »Viele Passagen der Rede wie auch der Predigt am Sonntagvormittag hat er fast wörtlich seinem Buch „Das neue Volk Gottes“ entnommen, einer Sammlung von VortrĂ€gen und AufsĂ€tzen aus dem Jahr 1969. Damals schrieb der Professor: „Es wird der Kirche auf Dauer nicht erspart bleiben, StĂŒck fĂŒr StĂŒck von dem Schein ihrer Deckung mit der Welt abbauen zu mĂŒssen und wieder das zu werden, was sie ist: Gemeinschaft der Glaubenden. TatsĂ€chlich wird ihre missionarische Kraft durch solch Ă€ußere Verluste nur wachsen können.“ Der Papst variierte am Sonntag diese These mit den Worten: „Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage.“ Unter „Entweltlichung“ verstand Ratzinger schon damals die Trennung von politischer und kirchlicher SphĂ€re, etwa durch die Enteignung von KirchengĂŒtern. 
 In der fast wörtlichen Übereinstimmung von Texten aus dem Jahr 1969 und dem Jahr 2011 ist Papst Benedikt XVI. dem Professor Joseph Ratzinger daher treu geblieben. Doch lohnt es sich, seine AufsĂ€tze und VortrĂ€ge aus den sechziger Jahren als Ganzes zu lesen. So sagte er im Rundfunk auch voraus, die Kirche werde im Jahr 2000 „auch gewiss neue Formen des Amtes kennen und bewĂ€hrte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen“. Diese Passage hat der Papst nach der Relecture seiner frĂŒheren Werke ignoriert, desgleichen die Warnung des Professors vor einer „in verkehrter Weise forcierten“ ZurĂŒcknahme Ă€ußerer Positionen. Manche Vorteile seien durchaus „wertvoll“, urteilte Ratzinger im Jahr 1969. FĂŒr den Papst erweist sich etwa der Wert des Privilegs Kirchensteuer unter anderem darin, dass die Deutsche Bischofskonferenz dem Vatikan 8,5 Millionen Euro im Jahr schenkt. Ob die Entweltlichung der Kirche gemĂ€ĂŸ den Worten von Papst Benedikt wohl diesmal an ihrer Spitze in Rom beginnt?«

Was man schon vorher wissen, wenigstens ahnen/ konnte –  doch hinterher sind wenigstens manche klĂŒger:

»Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hingegen zeigten sich abermals enttĂ€uscht von dem Verlauf der ökumenischen Begegnung mit Papst Benedikt in Erfurt. Der frĂŒhere EKD-Ratsvorsitzende Kock sprach gegenĂŒber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ von einer „Demonstration des römischen Zentralismus“. Die von Benedikt reprĂ€sentierte Kirche „entzieht sich in einer bedrĂŒckenden dogmatischen Verengung sogar Diskussionen ĂŒber Fragen, die gar keine ewigen Glaubenswahrheiten sind“. Die Begegnung des Papstes mit Vertretern der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster bezeichnete Kock als entlarvend. Es habe sich gezeigt, wie wenig der Papst zu Fortschritten in der Ökumene bereit sei. Auch der Vorsitzende der Nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich, machte kein Hehl aus seiner EnttĂ€uschung. Der MinisterprĂ€sident von Baden-WĂŒrttemberg, Kretschmann (GrĂŒne), ließ sich in der Zeitung „Die Welt“ mit den Worten zitieren: „Ich glaube, dass die ganze Organisation des Vatikans einfach nicht ins 21. Jahrhundert passt.“«

Da zeigt sich, daß der Katholik Kretschmer wenig Ahnung von seiner Kirche hat. Doch nicht nur er wird wohl der Meinung sein: »Vor allem habe er sich stĂ€rkere Signale zur Ökumene gewĂŒnscht. „Irgendein Zeichen wĂ€re wichtig und notwendig gewesen.“«

Dierk Schaefers Blog

»Missbrauchsopfer erlebten Papst bei Treffen „sehr bestĂŒrzt“«

Veröffentlicht in Kirche von dierkschaefer am 28. September 2011

Ja, was soll er auch anders sein? Das ist die normale erste Reaktion eines Menschen auf die Leidensschilderung eines Opfers. Doch was tut der zum Ohrenzeugen gewordene dann?

  Das Treffen also wirklich stattgefunden.

»Nach der Schilderung seines Schicksals habe der Papst zu ihm gesagt: „Ich bin sehr bestĂŒrzt. Das ist wirklich schlimm, was man Ihnen angetan hat.“ Außerdem habe sich Benedikt XVI. fĂŒr die AufklĂ€rung der VorfĂ€lle eingesetzt«.

 Aber aufgeklĂ€rt ist schon viel, wenn auch nicht die Auswirkungen der katholischen Erziehungs- und Moralvorstellungen, auch nicht die Bedeutung des Keuschheitsgebotes fĂŒr Kleriker, einschließlich Nonnen.

Was ebenso fehlt, ist die Bereitschaft, auch finanziell mit angemessenen BetrĂ€gen fĂŒr EntschĂ€digung und Schadensminderung zu sorgen.

Die Kirchen sind beide, Gott sei’s geklagt, in erster Linie um die Schadensminderung an ihrem Image bemĂŒht.

http://www.ad-hoc-news.de/missbrauchsopfer-erlebten-papst-bei-treffen-sehr-bestuerzt–/de/News/224696 75 [Mittwoch, 28. September 2011]  

Dierk Schaefers Blog

OBSZÖN

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, Politik von dierkschaefer am 1. November 2011

Wie wir lesen, erhĂ€lt Frau  Dr. Antje Vollmer den „Hans-Ehrenberg-Preis 2011“.

Sie habe als Vorsitzende des Runden Tisches Heimkinder entscheidend zum Konsens beigetragen, heißt es in der BegrĂŒndung. Der Preis »soll Persönlichkeiten und Organisationen auszeichnen, die in besonderer Weise protestantisches Profil in die gesellschaftliche Auseinandersetzung einbringen«, heißt es an anderer Stelle.

»Der Preis erinnert an den Theologen und Philosophen Hans Ehrenberg (1883-1958), der als Pfarrer in Bochum wirkte und zu den herausragenden Persönlichkeiten des kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gehörte«.

Diese Preisverleihung ist aus Sicht wohl fast aller ehemaligen Heimkinder nur als obzön zu betrachten. Frau Vollmer hat am Runden Tisch ganz sicherlich und maßgeblich zu einem – kurzfristigen – Konsens beigetragen, doch dieser war herbeigenötigt. Zeugenaussagen ĂŒber die Nötigung liegen vor. Am Runden Tisch waren drei ehemalige Heimkinder vertreten, dazu drei Stellvertreter. Von diesen sechs Personen hat eine sofort dem Abschlußpapier widersprochen und wurde von Frau Vollmer ausgebootet, von den anderen haben sich die meisten vom „Konsens“ anschließend distanziert. Zwei Umfragen unter rund 100 ehemaligen Heimkindern belegen eindeutig, daß sie den Konsens nicht mittragen.

Frau Vollmer ist damit als Urheberin eines schmĂ€hlichen „Sieg-Friedens“ anzusehen, der angesichts laufender juristischer BemĂŒhungen auch noch nicht gewonnen ist.

Es ist nur eine Interpretation, allerdings gut mit Indizien belegbar, daß der Runde Tisch schon als Betrugsveranstaltung unter der Moderation von Frau Vollmer gestartet ist. Belege dafĂŒr wird man in den Akten wohl ebensowenig finden, wie die pĂ€dagogische Maxime, daß Heimkindern ihr Erbrochenes wieder reingestopft wurde, bis es drin blieb.

Belegbare Tatsache ist jedoch, daß Frau Vollmer einen Runden Tisch moderierte, der klar erkennbar eine asymmetrische Machtverteilung aufwies und sie die beteiligten ehemaligen Heimkinder nicht angemessen unterstĂŒtzt hat. Dieses und anderes »nicht angesprochen und kompensiert zu haben, ist professionelles Versagen der Moderatorin Vollmer. Zugleich ist es eine Frage der Berufsethik, die sie als Pfarrerin zu berĂŒcksichtigen hat, auch wenn sie nicht explizit als solche tĂ€tig wird«. (NĂ€heres unter http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-p olitikerin-dr-antje-vollmer/)

Diese Preisverleihung an eine „smarte“ Politikerin/Theologin, noch dazu unter Hinweis auf einen in der Nazi-Zeit nicht gefĂŒgigen Namensgeber, macht die Sache obszön und setzt tatsĂ€chlich der degoutanten TĂ€tigkeit von Frau Vollmer die Krone auf. 

Dierk Schaefers Blog

Die BundeslĂ€nder wollen Anlaufstellen einrichten und sich dafĂŒr aus dem Heimkinder-Fonds bedienen.

Veröffentlicht in Christuskirche/Bochum,Hans-Ehrenberg-Gesellschaft,heimkinder, Kirche, Politik, Theologie von dierkschaefer am 29. November 2011

Die Nachricht ist nicht neu. Herr Wiegand meint dazu, „das mĂŒhsam aufgebaute Vertrauen drohe wieder verloren zu gehen“.

Von welchem Vertrauen redet er? Wer von den ehemaligen Heimkindern hatte Vertrauen aufbauen können? Nicht einmal die ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch, mit Ausnahme von Herrn Wiegand vielleicht, scheinen Vertrauen gefaßt zu haben.

Der geplante Griff der LĂ€nder in die Fonds ist nach der Preisvergabe an Frau Vollmer eine weitere Krönung des Betrugs an den Heimkindern. Die dritte Krönung steht noch aus. Das werden die rigiden Vergabebedingungensein und die Feststellung, daß wohl die meisten eher Bargeld wollen, denn eine Therapiefinanzierung und sich deshalb den unsicheren Parcours vor den Anlaufstellen sparen. Drei Kronen bilden eine Tiara.

Wenn nun die Kirche beklagen, daß der Fonds geschmĂ€lert wird, ist es ihnen nicht verwehrt, die Kosten fĂŒr die Anlaufstellen zu ĂŒbernehmen. Oder ist das Wehklagen nur geheuchelt?

http://www.domradio.de/aktuell/78157/das-fehlende-gespuer-fuer-unrecht.html

Manfred Kappeler

Statt AufklĂ€rung, Rehabilitation und EntschĂ€digung – Verharmlosung und Schadensbegrenzung. – Ein kritischer RĂŒckblick auf den „Runden Tisch Heimerziehung“.

[Der JahresrĂŒckblick] “zeigt zweierlei: 1. was Menschen erreichen können,, denen es gelingt, eine breite Öffentlichkeit fĂŒr das zu interessieren, was ihnen in einem staatlich zu verantwortenden System an Unrecht und Leid zugefĂŒgt worden ist und 2. mit welchen Strategien und Methoden es den in der Kritik stehenden und mit EntschĂ€digungsforderungen der Opfer konfrontierten Institutionen (Bund, LĂ€nder, kommunale SpitzenverbĂ€nde, Kirchen und ihren WohlfahrtsverbĂ€nden und Ordensgemeinschaften) gelingt, ihre Vergangenheitsschuld zu bagatellisieren, die Kritik abzuwehren und die wesentlichen Forderungen der GeschĂ€digten abzulehnen.”

Wer erfahren will, wie Opfer von psychischer, physischer und sexueller Gewalt durch die Arbeit am Runden Tisch ein zweites Mal zu Opfern wurden, wird in diesem RĂŒckblick von Prof. Manfred Kappeler vollstĂ€ndig aufgeklĂ€rt. Schonungslos zeigt er die Rolle der Tischvorsitzenden Antje Vollmer, die Manipulationen der Bundesministerin von der Leyen, die Tricksereien am Runden Tisch und die Hilflosigkeit der Opfervertreter auf. Es musste so kommen, wie es kam, weil die Strategie schon zu Beginn des Runden Tisches feststand: verharmlosen, vertuschen, verleugnen, die Billiglösung anstreben, der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen.

Link: hier klicken

Dierk Schaefers Blog

»FremdschÀmen«

Veröffentlicht in heimkinder, Kinderrechte,Kirche, Politik, Theologie von dierkschaefer am 13. Januar 2012

DasFremdschĂ€men könnte zum (Un-)Wort des Jahres werden, wenn man am Ende des Jahres noch daran denkt; immerhin haben wir erst Januar. Doch ich hoffe, daß wir uns Ende 2012 nicht mehr wegen dieses unsĂ€glichen BundesprĂ€sidenten fremdschĂ€men mĂŒssen.

Nachhaltiger oder auch anhaltender ist das FremdschÀmen in der Sache der ehemaligen Heimkinder.
Ich schĂ€me mich fremd wegen meines Staates und seiner trickreichen Politiker, die durch Parlamentsbeschluß den Betrug an den ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch realisiert haben, und ich schĂ€me mich fremd wegen meiner Kirche, die im Verbund mit den staatlichen Vertretern und denen der Einrichtungen beider Kirchen diesen Betrug am Runden Tisch auf den Weg gebracht haben. Besonders schĂ€me ich mich fremd, wegen der Schambekundungen der kirchlichen Vertreter, die trotz ihres „Entschuldigungsgestammels“ nur almosenhafte Gutscheine zuließen, aber groß rumposaunen, daß sie sich am Fonds finanziell beteiligen, es aber totschweigen, daß anderswo namhafte Schmerzensgelder fĂŒr Mißhandlungen und Mißbrauch gezahlt werden.

 

netzwerkB – Positionspapier - Stand: 24. Januar 2012
Mythos der Vergebung

Immer wieder taucht im Zusammenhang mit der Aufarbeitung und Heilung von traumatischen Kindheitserlebnissen das Stichwort „dem TĂ€ter vergeben“ auf.
Es ist Zeit, mit verschiedenen Mythen aufzurÀumen, die sich darum ranken.

Mythos 1
Vergebung/Verzeihung/Versöhnung gegenĂŒber dem/der TĂ€ter_in bewirke eine Heilung bei erwachsenen Betroffenen von Gewalt in der Kindheit.
Viele Psychotherapierichtungen und leider auch einige Traumatherapierichtungen sehen es als krönenden Abschluss einer gelungenen Therapie an, wenn der/die Betroffene dem/der TĂ€ter_in vergibt. Oft wird auch von „Frieden schließen“ gesprochen. Doch was bedeutet diese Vergebung fĂŒr die Betroffenen?
Aus Sicht des misshandelten Kindes im Erwachsenen bedeutet es, dass das Kind, das gerade zu reden begonnen hat wieder schweigen soll. Das ist besonders bei innerfamiliÀrer Gewalt verheerend, da nach Vergebung oft wieder, bzw. weiterhin TÀterkontakt stattfindet, der erneut traumatisiert.
Aus Sicht der erwachsenen Betroffenen kann eine Vergebung zunĂ€chst eine gewisse Erleichterung verschaffen. Weil er/sie sich gegenĂŒber dem/der TĂ€ter_in und leider auch gegenĂŒber der Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr schuldig dafĂŒr fĂŒhlen muss, dass er/sie nicht verzeihen “kann“. Die „FĂ€higkeit“ des Verzeihens wird als Tugend dargestellt. Und vielleicht ist es genau das Gegenteil: mangelnder Mut bzw. FĂ€higkeit, dem Druck des/der TĂ€ter_in und des Umfelds zu widerstehen. Einer tiefgreifenden Heilung aber steht die Vergebung im Wege, denn sie bedeutet eine Wiederholung des Traumas, weil durch die Vergebung genau die MachtverhĂ€ltnisse wiederhergestellt werden, die wĂ€hrend der Tat gegeben waren: ein/e TĂ€ter_in, der/die nicht belangt wird und kein schlechtes Gewissen haben muss und ein ohnmĂ€chtiges, schweigendes Opfer.
Diese Retraumatisierung wird dann noch verstĂ€rkt, wenn der/die TĂ€ter_in uneinsichtig ist und keine Reue zeigt. Das Opfer, das einem/r solchen TĂ€ter_in vergibt, erleidet enormen Schaden. Es muss alle Schuld auf sich nehmen. Und da die meisten Kindesmisshandler_innen uneinsichtig sind und schon gar keine Reue zeigen, ist es unverantwortlich, das „Heilmittel“ der Vergebung Opfern von Gewalt in der Kindheit zu empfehlen.

Mythos 2
Vergebung/Verzeihung/Versöhnung mache unsere Welt besser.
Hintergrund des Vergebungsmythos sind religiöse Traditionen (nicht nur des Christentums), die Masochismus idealisieren. Haltungen wie „die Welt ist ein Jammertal“, „SchlĂ€gt dir jemand auf die eine Wange, so halte ihm auch die andere hin“ oder die Verehrung von masochistischen MĂ€rtyrern haben sich trotz der AufklĂ€rung in unsere Zeit hinĂŒbergerettet.
Der Mythos der Vergebung findet sich auch in allen spirituell/esoterischen Weltanschauungen, ist sogar ein wesentlicher Bestandteil derselben, weil durch Vergeben – vor allem den gewalttĂ€tigen Eltern - die alte Weltordnung und die bestehenden MachtverhĂ€ltnisse wiederhergestellt, bzw. aufrecht erhalten werden. So bleiben die GlĂ€ubigen und JĂŒnger bei der Stange.
Derartige religiöse/spirituelle/esoterische Weltanschauungen sind zu einer Zeit entstanden, als das Individuum noch nicht die Chance hatte, ein eigenstĂ€ndiges, selbstgestaltetes und  unabhĂ€ngiges Leben zu fĂŒhren.
Das hat sich zwar grundlegend geĂ€ndert, doch es gibt natĂŒrlich auch in der heutigen Zeit noch Menschen, die ein Interesse daran haben, dass andere Menschen durch Vergebung Opfer bleiben. Es ist nĂŒtzlich fĂŒr machtgierige Politiker_innen, wenn Menschen ihr Leben lang Opfer bleiben. Opfer lassen sich ausbeuten und begehren nicht auf. So nĂŒtzt die Religion der Politik und umgekehrt.
Mit anderen Worten:
Vergebung unterstĂŒtzt unterdrĂŒckende, ausbeuterische MachtverhĂ€ltnisse
Vergebung nĂŒtzt nur den Kindesmisshandler_innen und schadet den Opfern
Das ist keine Verbesserung fĂŒr die Welt. Im Gegenteil.

Mythos 3
Vergebung vermindere Wut, Hass und Rache.
Das kindliche Gewaltopfer, das zur Vergebung und damit zum Schweigen gezwungen wird, kann die zur Misshandlung gehörigen GefĂŒhle wie Wut, Hass und Rache nicht verarbeiten, es spaltet sie ab. Vergebung ist hier also gleichbedeutend mit VerdrĂ€ngung.
Das Opfer speichert sie so lange in sich, bis er/sie dann als Erwachsene/r die Möglichkeit hat, Kindern Gewalt zuzufĂŒgen und sich somit an ihnen fĂŒr die Gewalt seiner/ihrer TĂ€ter_innen zu rĂ€chen.
Folglich werden Wut, Hass und Rache durch Vergebung nicht vermindert, sondern nur auf die nÀchste Generation verschoben. So wird durch Vergebung die Gewalt und die Traumatisierungen in jeder Generation neu produziert.
Bestes Beispiel hierfĂŒr sind die pĂ€dokriminellen Priester, die schon aufgrund ihres Berufs allen vergeben mussten, die ihnen jemals Leid zugefĂŒgt haben. Sie haben ihren TĂ€ter_innen vergeben und rĂ€chen sich dafĂŒr an ihnen anvertrauten Kindern.
NatĂŒrlich findet die Weitergabe der Gewalt von Generation zu Generation vor allen Dingen in der Familie statt. Dort wird sie durch ein dichtes Netz von Vertuschung, hierarchischen Strukturen, Empathielosigkeit gegenĂŒber Kindern und natĂŒrlich mit Hilfe religiöser Mythen wie dem der Vergebung ermöglicht.

Vergebung vermehrt also Wut, Hass und Rache.
Auch das ist keine Verbesserung der Welt. Genauso wenig wie die Neuproduktion von Traumaopfern in jeder Generation.

http://
netzwerkb.org/2012/01/24/mythos-der-vergebung/

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FrĂŒhjahrs-Vollversammlung der katholischen deutschen Bischöfe ab Montag in Regensburg

»GesprĂ€chsstoff bietet auch ein Zwischenbericht zur „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“«.

Erstaunlich ist die AktualitĂ€t des GesprĂ€chsstoffs: Der Zwischenbericht – also weder der Abschlußbericht, noch gar die Kommentare von Prof. Kappeler.

»Viele Heimkinder in der Bundesrepublik und der DDR waren bis in die 70er- oder 80er-Jahre hinein PrĂŒgel, DemĂŒtigungen und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Die Heime wurden von unterschiedlichen Institutionen getragen, nicht nur von der Kirche. Experten gehen von schĂ€tzungsweise 800 000 Heimkindern in Westdeutschland (1945 bis 1975) und 120 000 Heimkindern in der DDR (1945 bis 1989) aus«.

Nein, die Heime wurden nicht nur von der Kirche getragen, allerdings in der Mehrzahl. Und die anderen von staatlichen Einrichtungen – und der Staat hatte, wie die Kirchen – lebhaftestes Interesse an einer billigen Lösung. Doch das steht wohl ebensowenig auf der Tagesordnung wie die Themen Zölibat und Sexuallehre. Es ist schon peinlich zu sehen, wie solche Themen ganz offensichtlich als Bedrohung der Fundamente der Kirche angesehen werden.

„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen“. (Math. 16; 18). Die Pforten der Hölle wohl nicht, aber das hiesige Personal schon. Aber Angst vor MĂŒhlsteinen um den Hals haben die lĂ€ngst nicht mehr.

http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/artikel/bischoefe_tagen_ab_montag_ in_r/759917/bischoefe_tagen_ab_montag_in_r.html Donnerstag, 23. Februar 2012

 

Diözese an Missbrauchsopfer: Wir bedauern, aber Sie lĂŒgen!

 â€žPerfides Nachtreten.“ So nennt die Therapeutin eines Opfers von sexueller Gewalt ein Schreiben der Diözese Regensburg. In wohlgesetzten Worten wird der heute 63jĂ€hrige Mann darin zum LĂŒgner abgestempelt. Wenn er die GrĂŒnde wissen wolle, könne er sich ja an den Anwalt des Bistums wenden, schreibt ihm Generalvikar Michael Fuchs. Wir veröffentlichen den Brief im Original.

 http://www.regensburg-digital.de/diozese-an-missbrauchsopfer-wir-bedauern-aber-sie-lugen/150 22012/ 

Dierk Schaefers Blog

KuK – Kirche und Kastration

Posted in heimkinderKircheTheologiePsychologieKinderrechteGeschichte Menschenrecht e by dierkschaefer on 13. April 2012

SpĂ€t berichtet heute die FAZ ĂŒber die Zwangskastrationen an hollĂ€ndischen Jungen in katholischen KrankenhĂ€usern, dafĂŒr aber recht umfassend.

Es geht um Zwangskastrationen von mĂ€nnlichen Jugendlichen, um (mindestens) ein Erziehungsheim, das als Bordell fĂŒr Jungen diente, um (mindestens) ein Opfer, das kastriert wurde, weil er „als perverser Homosexueller die Patres verfĂŒhrt“ habe. Es geht auch um mysteriöse TodesfĂ€lle und ungewöhnliche Schwerhörigkeit der Justiz samt ungewöhnlicher Nachlaßvernichtung durch die niederlĂ€ndische Polizei. Das alles in der heutigen Print-Ausgabe der FAZ auf Seite 31 unter der Überschrift „Dass sie mich wieder zu packen kriegen“.

Wer die Heimkinderdebatte in Deutschland verfolgt hat, ist abgebrĂŒht und wundert sich ĂŒber solche Berichte nicht mehr. In den abgeschotteten Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe hatte das Personal alle Freiheiten – und die Kinder keinerlei Rechte; und sie können bis heute keine Rechte einklagen, weil sie am Runden Tisch nach allen Regeln der Kunst betrogen wurden – und die Medien diesen Skandal nicht aufgreifen.

Was die FAZ, kirchennah wie sie ist, nicht aufgreift, ist ein grundlegendes Problem der Kirchen, heute noch speziell der katholischen Kirche: Die Sexuallehre.

Bis heute ist sie nicht in der Lage, ein menschengerechtes Konzept vorzulegen, das den Menschen als Lebewesen mit sexuellen Motiven akzeptiert und ihm Raum lĂ€ĂŸt fĂŒr verantwortliches Verhalten auch auf diesem Gebiet. Ehe und Enthaltsamkeit werden dabei nicht mehr als solitĂ€re Positionen haltbar sein, sondern es geht darum, den Raum zwischen diesen beiden Polen zu beschreiben. Dies nicht, weil der böse Zeitgeist, katholisch gesprochen „die Moderne“, dazu zwingt, sondern weil mittlerweile nicht mehr zu leugnen ist, welche PerversitĂ€ten die ĂŒbermĂ€ĂŸige ZĂ€hmung der SexualitĂ€t hervorgebracht hat. Einem Weihbischof wurde in einer unserer Seminarveranstaltungen von einem Studenten (in anderem Zusammenhang) vorgehalten, seine Äußerungen paßten aber nicht zur RealitĂ€t. Seine Antwort: Um so schlimmer fĂŒr die RealitĂ€t! Was zuweilen sogar stimmt.

Von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist oft die Rede, auch von der Fleischwerdung Gottes in der Person Jesu. Es war aber wohl ein Irrtum, den Vorgang seiner Zeugung auf Maria und den Heiligen Geist zu beschrÀnken.

Man sieht an diesem Beispiel, was fĂŒr fatale Auswirkungen schöne Geschichten haben können, wenn sie die RealitĂ€t schamhaft verleugnen. 

Bischof Stefan Ackermann beharrt auf VerjÀhrung - aber vertraulich

Unmoralisch, unanstĂ€ndig, unglaubwĂŒrdig - WĂŒrdentrĂ€ger der Katholischen Kirche

 Bischof Stefan Ackermann ist Missbrauchsbeauftragter der Katholischen Kirche. Als solcher hat er einen großen Themenkomplex zu beackern. Da wurden Kinder und Ministranten anal vergewaltigt. Ein ehemaliger Ministrant berichtet, dass er dem Pfarrer in der Sakristei noch vor der Messe sein Hinterteil zur Bedienung bereit halten musste. Unter seinem Messdienergewand durfte er keine Hosen tragen. Andere Kinder und Jugendliche wurden gezwungen, Priester oder sonstige kirchliche Mitarbeiter oral zu befriedigen. Wieder andere wurden von ihnen unter der Bettdecke befummelt und teils mastubiert. Die Liste der Abscheulichkeiten lĂ€sst keine Perversionen im Umgang katholischer Mitarbeiter mit solchen Kindern und Jugendlichen aus, die sie eigentlich beschĂŒtzen sollten. Die Zeitspanne reicht wenigstens vom Kriegsende bis in die heutigen Tage hinein. Die Zeit davor wurde nicht aufgearbeitet, weil es kaum Überlebende mehr gibt. Die meisten Verbrechen sind juristisch verjĂ€hrt.

Am 20. Februar des Jahres bekam Ackermann Post von Rechtsanwalt Christian Sailer. Er ist als mutiger KĂ€mpfer fĂŒr die Rechte der Vergewaltigten und sonst Geschundener durch Priester der Katholischen Kirche bekannt.

Sailer: "In der Öffentlichkeit besteht der Eindruck, der auch von kirchlicher Seite immer wieder bestĂ€rkt wird, dass VerjĂ€hrungsfristen unĂŒberwindliche Hindernisse darstellen, die nur der Gesetzgeber beseitigen könnte, und auch dies nur fĂŒr die Zukunft. In diesem Sinne forderten auch Sie vor kurzem eine VerlĂ€ngerung oder Aufhebung der VerjĂ€hrungsfristen im Zivilrecht.

In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um einen großen Irrtum und vielleicht auch eine bewusste IrrefĂŒhrung der Öffentlichkeit, denn VerjĂ€hrungsfristen greifen nur, wenn und solange sich die Kirche darauf beruft. WĂŒrde sie dies nicht tun, könnten einschrĂ€nkungslos alle MissbrauchsfĂ€lle, gleich wie lange sie zurĂŒckliegen, in Zivilprozessen aufgearbeitet werden und den Opfern durch angemessene EntschĂ€digung ihr schweres Schicksal wenigstens teilweise erleichtert werden."

Sailer weiter: "Als einer der Vertreter dieser Opfer fordere ich Sie als den Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz auf, auf Ihre AmtsbrĂŒder und alle Verantwortlichen in kirchlichen Einrichtungen einzuwirken, ab sofort auf die Flucht in die VerjĂ€hrungseinrede zu verzichten und endlich den Weg fĂŒr eine angemessene EntschĂ€digung der furchtbaren Qualen der Missbrauchsopfer freizugeben. Da es sich um eine Angelegenheit von ĂŒberragender öffentlicher Bedeutung handelt, schreibe ich diesen Brief als offenen Brief an Sie und erwarte auch eine öffentliche Antwort. Der jĂŒngste Hinweis Ihres Sprechers, dass Sie auf offene Briefe nicht antworten wĂŒrden, kann im vorliegenden Fall nicht gelten."

http://www.kanzlei-sailer.de/kirche_soll_auf_verjaehrung_verzichten-200212.pdf

Am 15. MĂ€rz erhielt Sailer Antwort von der Deutschen Bischofskonferenz, BĂŒro fĂŒr Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich mit dem Vermerk „persönlich/vertraulich“ und der Bitte, „von einer Veröffentlichung meines Schreibens abzusehen.“ Sailer hatte jedoch nicht privat gefragt, sondern öffentlich. Es gehe nicht an, so Sailer, dass die Antwort in der Schublade verschwindet, weil sie der Bischofskonferenz peinlich ist.

Einige Tricksereien sind doch bekannt geworden. Ackermann: „Wenn man die Opfer auf den Gerichtsweg verweise, seien sie doch voll beweispflichtig und es bestehe die große Gefahr, 'dass sie mit ihren AnsprĂŒchen vor Gericht scheitern'. Sailer: 'Welch scheinheilige FĂŒrsorge! Die meisten Opfer scheitern nicht, weil es keine Beweise gibt, sondern weil die Kirche den Opfern sagt, ‚ihr kommt zu spĂ€t, eure AnsprĂŒche sind lĂ€ngst verjĂ€hrt’. Und dies mĂŒsste sie nicht sagen, denn die Einrede der VerjĂ€hrung steht in ihrem freien Ermessen!'“

Wie ernst es die Katholische Kirche mit ihren AufklĂ€rungsbemĂŒhungen tatsĂ€chlich meint, zeigt der Spiegel in seinem Artikel vom 29.03.2012 "AufklĂ€rung auf katholisch".

29.03.2012 Missbrauch im Bistum Trier
AufklÀrung auf katholisch
Bischof Ackermann: FĂŒrsorgepflicht fĂŒr die Opfer vergessen?
Vertuschung statt Aufdeckung: Schont ausgerechnet der Missbrauchsbeauftragte und Trierer Bischof Stephan Ackermann KinderschÀnder? In seinem Bistum scheinen die AufklÀrer zum Schweigen verdammt zu sein.
Bitte googlen: AufklÀrung auf katholisch

Dierk Schaefers Blog

»PflegewĂŒste Deutschland: Pflegeheime auf dem PrĂŒfstand«

Posted in heimkinder, Politik, Menschenrechte by dierkschaefer on 24. April 2012

»Vor der Veröffentlichung neuer Erkenntnisse ĂŒber die ZustĂ€nde in den deutschen Pflegeheimen haben Patientenvertreter die Krankenkassen zur Offenlegung aller MissstĂ€nde aufgefordert. An diesem Dienstag (11.30 Uhr) stellt der Medizinische Dienst der Krankenkassen seien neuen Pflege-QualitĂ€tsbericht vor.«

»„42 Prozent der Menschen in Pflegeheimen leben unter freiheitsentziehenden Maßnahmen“«

»„Wir kritisieren seit Jahren, dass das FĂ€lschen und Frisieren von Pflege-Dokumentationen, die der Medizinische Dienst einsieht, nicht bestraft wird“, sagte Brysch weiter. Rund 30 Prozent der Dokumentationen in den Pflegeheimen stimmten nicht. Brysch forderte die Politik auf, auf mehr angestellte Ärzte in Heimen hinzuwirken. Auf diese Weise könnten 40 Prozent der Krankenhauseinweisungen aus Heimen heraus vermieden werden«.

Quellen:

http://www.n-tv.de/politik/Pflegeheime-unter-der-Lupe-article6097381.html

http://www.focus.de/gesundheit/arzt-klinik/reha-pflege/pflegewueste-deutschland-pflegeheime- auf-dem-pruefstand_aid_741964.html

http://www.chiemgau24.de/nachrichten/politik/pflegeheime-freiheitsentzug-2290015.html

alle: Dienstag, 24. April 2012

Kein Wunder, daß ehemalige Heimkinder einen Horror vor einer möglichen Alten- oder Pflegeheim-Einweisung haben. Sie sind vorgeschĂ€digt und sehen nun ihre BefĂŒrchtungen auch noch aktuell berechtigt.

Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an den Fall der Berliner Altenpflegerin Brigitte Heinisch.

Brigitte Heinisch ist die Berliner Altenpflegerin, die nicht vor ihrem Arbeitgeber kuschte, dem „Vivantes – Netzwerk fĂŒr Gesundheit“. In dessen Pflegeheim mußten die inkontinenten Alten zuweilen bis in den Mittag hinein in ihren verdreckten Windeln liegen – an Windeln sollte gespart werden und an Personal wurde gespart.

Mehr dazu in diesem Blog:

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/07/24/nur-ein-fall-von-meinungsfreiheit/

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/07/31/wurdiges-sterben/

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/12/31/2243/

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/08/27/das-strasburger-bugeleisen-und-die-feinen-ko nturen-des-deutschen-rechts/

 ĂŒbernommen von:

http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/04/24/pflegewuste-deutschland-pflegeheime-auf-de m-prufstand/ 

Dierk Schaefers Blog

Remember, remember â€Š

Posted in GeschichteheimkinderKirchePolitikTheologie by dierkschaefer on 21. Mai 2012


 the fifth of November“ beginnt ein populĂ€res Gedicht in Erinnerung an die Schießpulververschwörung vom 5. November 1605. Der protestantische König von England, Jakob I., seine Familie, die Regierung und alle Parlamentarier sollten getötet werden. Jedes Jahr erinnert man daran und stellt die Aufdeckung des Anschlags nach. Eine folkloristisch-populĂ€re Form von Erinnerung. Diese Form von Erinnerung macht Spaß.

Von der Geschichte der IRA in Irland wissen wir, daß Erinnerung auch provokativ sein und gewaltsame Auseinandersetzungen wiederbeleben kann.

Wer sich mit Erinnerung und Erinnerungskultur beschĂ€ftigt, findet heute ein interessantes Spektrum von Erkenntnissen vor und muß feststellen, daß noch viel zu tun ist. Ein Sammelband ĂŒber â€žErinnerung und Gesellschaft“, herausgegeben von W. R. Assmann und A. Graf von Kalnein ĂŒber die â€žFormen der Aufarbeitung von Diktaturen in Europa“ ĂŒberrascht mit der Erkenntnis, daß „von 27 Mitgliedsstaaten der EU 17 Erfahrungen mit Diktaturen haben, zwei Drittel der europĂ€ischen Gesellschaften also in ihrer Geschichte von Staatsterror geprĂ€gt sind.“ Dies aber sei kein Thema, fĂŒr das sich die europĂ€ischen Institutionen interessieren.

Um diesen europĂ€isch-internationalen Aspekt soll es hier aber nicht gehen, auch wenn ich der Meinung bin, daß dieser Aspekt unbedingt aufgegriffen werden muß.

Ich berufe mich auf die Rezension von Vera Lengsfeld: Last oder Chance? Die Aufarbeitung von Diktaturen in Europa und die Probleme gemeinsamen Erinnerns (FAZ Montag, 21. Mai 2012).

Dort werden vier Modelle der Erinnerung referiert, die Aleida Assmann im erwÀhnten Buch nennt. Inwiefern sind sie wohl auch auf die interne nationale Erinnerung an gesellschaftliche Problemlagen anwendbar?

Die innerstaatliche und innergesellschaftliche Anwendung der Modelle ist so abwegig nicht. Werden im Buch die terroristischen Greuel von Staaten als Erinnerungsaufgabe genannt, so haben wir im Heimkinderbereich den praktizierten Terror des Personals und die große Gelassenheit beim Wahrnehmen von Rechtsverletzungen an den Schutzbefohlenen, Rechtsverletzungen durch Mißachtung der Verfahren und durch die der Blindheit der Aufsichtsorgane fĂŒr die Verbrechen an den ehemaligen Heimkindern. Als schließlich die Erinnerungen ans Tageslicht drĂ€ngten, kamen zur Mißachtung der Verfahren Übertölpelung und Betrug hinzu.

ZunÀchst die vier Modelle von Aleida Assmann:

1. Das dialogische Vergessen meint die FĂ€lle, in denen Gegner und Vertragspartner ĂŒbereingekommen sind, einen Schlußstrich zu ziehen und nach vorn zu schauen. „Einvernehmlich: Schwamm drĂŒber“, möchte ich es nennen. Assmann erwĂ€hnt als Beispiel den Friedensschluß nach dem 30jĂ€hrigen Krieg.

2. Erinnern, um niemals zu vergessen. Hier wird die Erinnerung kultiviert und „fĂŒr Opfer und TĂ€ter zu einem unverzichtbaren Teil ihres Selbstbildes. Der Holocaust nimmt dabei den Charakter einer »normativen Vergangenheit« an.“

3. Erinnern um zu ĂŒberwinden â€žist das »öffentliche zur Kenntnis nehmen«“, ist „auf Versöhnung und Integration ausgerichtet.“ Beispiel dafĂŒr ist der Versuch, Diktaturen in demokratische Gesellschaften umzuwandeln. „Anerkennung und Erinnerung an das Leid der Opfer gelten als wichtiger Teil einer sozialen Umwandlung, der dem Systemwechsel folgen muß.” „Wahrheitskommissionen“ sind eine Methode dafĂŒr.

4. Beim dialogischen Erinnern geht es um die Erinnerungspolitik mehrerer Staaten, „die durch eine Gewaltgeschichte miteinander verbunden sind. 
 Dialogisches Erinnern nimmt das Leid des Nachbarn ins eigene GedĂ€chtnis mit auf.“

Versuchen wir einmal die vier Modelle auf den Umgang unserer Gesellschaft und ihrer kirchlichen und staatlichen Institutionen mit Kindern und Jugendlichen zu ĂŒbertragen, die nicht (durchgĂ€ngig) in einer Familie aufgewachsen sind, sondern in einem wie auch immer gearteten Heim waren. Als Zeitraum sei die Heimeinweisung heute noch lebender ehemaliger Heimkinder bis heute genommen. Die Problemlage kann ich hier als bekannt voraussetzen.

1. Von einem dialogischen Vergessen wird man nicht sprechen können. Auf beiden Seiten gab es die VerdrĂ€ngung der Erinnerung an den Heimalltag. Die ehemaligen Heimkinder brauchten eine „QuarantĂ€ne“ von ca. 40 Lebensjahren und brauchten AnlĂ€sse und Auslöser fĂŒr die schmerzhaften Erinnerungen. Die andere Seite wollte dann zunĂ€chst einfach nicht wahrhaben, was die Opfer berichteten und versuchte vielfach, sie mundtot zu machen. Als sich Mißhandlungen und Zwangsarbeit nicht mehr leugnen ließen, kam es nicht zum Vergessen, sondern es gab eine „Wahrheitskommission“, genannt Runder Tisch. Dazu unter 3.

2. Erinnern, um niemals zu vergessen. Dies hĂ€tte ein wichtiger Aspekt der Erinnerungskultur werden können. Doch nach dem Stand der Dinge ist diese Chance bisher verpaßt und wird wohl auch nicht mehr ergriffen werden. Helmut Jacob hat sehr rĂŒhrig in seinem Blog das „Entschuldigungsgestammel“ untersucht (http://helmutjacob.over-blog.de/) und belegt, wie die betroffenen Institutionen einseitig das Modell „Schwamm drĂŒber“ praktizieren. Wenn sie diesen Teil ihrer Geschichte ĂŒberhaupt innerhalb ihrer Selbstdarstellung erwĂ€hnen, dann allenfalls an verschĂ€mt versteckter Stelle. Bis heute hat keine dieser Institutionen gesagt, daß dieser Teil ihrer Geschichte als Irrweg und DauergefĂ€hrdung einen wichtigen, prophylaktischen Platz einnehmen muß und in die Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehört. Erinnern, um niemals zu vergessen ist nur das Schicksal der Opfer: Sie können nicht vergessen.

3. Erinnern um zu ĂŒberwinden – wenn ich entgegen meiner gewachsenen Meinung unterstelle, daß die Moderatorin des Runden Tisches eine ehrliche Person ist, dann wĂ€re die Idee einer Wahrheitskommission ein brauchbares Leitbild fĂŒr ihre Aufgabe gewesen. Sie hat jedenfalls den Begriff benutzt, die Aufgabe jedoch von Beginn an verfehlt (oder verraten?). Wenn „Anerkennung und Erinnerung an das Leid der Opfer wichtiger Teil einer sozialen Umwandlung sind, der dem Systemwechsel folgen muß“, dann hĂ€tte es hier einen Ansatzpunkt gegeben. Doch es hĂ€tte ein Verfahren „auf Augenhöhe“ sein mĂŒssen, nicht mit dieser Fehlkonstruktion von asymmetrischer Machtverteilung. Was nĂŒtzt lebenden Opfern die Wahrheit, wenn sie nur als preiswertes Barbiturat fĂŒr ihre Seelenlage dienen soll? Was tatsĂ€chlich am Runden Tisch ĂŒberwunden werden sollte, waren die AnsprĂŒche der ehemaligen Heimkinder. Die Wunden der Erinnerung wurden nur aufgerissen, um sie geöffnet liegen zu lassen. Zum ehrlichen Überwindungsversuch hĂ€tten EntschĂ€digungen gehört – fĂŒr die Machtseite bis heute ein Tabu. Doch auf den „Systemwechsel“ weist man stolz hin: Heute sind die Heime ja ganz anders. Wozu also die lĂ€stige Erinnerung!

4. Dialogisches Erinnern soll das Leid des anderen ins eigene GedĂ€chtnis mit aufnehmen. Dazu ist unter dialogischem Vergessen schon alles gesagt. Es gab keinen Dialog, sondern nur die VortĂ€uschung eines solchen.

Was bleibt, ist einerseits die Machtlosigkeit der ehemaligen Heimkinder, die als krönender Abschluß noch von der EKD-Leitung in einem Versöhnungsgottesdienst nach allen Regeln der Kunst vorgefĂŒhrt wurden. [http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/] Es bleibt die ungewisse Hoffnung, per Gericht die Erinnerungen materialisieren zu können.

Auf der anderen Seite bleibt der schĂ€ndliche Sieg ĂŒber ehemals SchutzbedĂŒrftige, die weiterhin wehrlos gehalten wurden, und es bleibt die Macht des Aussitzenkönnens eines medial verbrauchten Problems.

Angesichts der Austrittszahlen beider Kirchen könnte man auch von einem Pyrrhussieg sprechen. 

Helmut Jacob

Evangelische Einrichtungen im Umgang mit ihrer Nachkriegsvergangenheit

Eingelullt und abgehakt: Wie TĂ€tervertreter ihre Heimopfer abservieren wollen

 

Seichte Formulierungen oder eiskaltes KalkĂŒl?

Teil 1: Verbrechen in der diakonischen Waschmaschine: bagatellisiert und weichgespĂŒlt

http://www.readers-edition.de/2012/05/15/eingelullt-und-abgehakt-wie-tatervertreter-ihre-heimopfe r-abservieren-wollen/

oder

http://helmutjacob.over-blog.de/article-eingelullt-und-abgehakt-wie-tatervertreter-ihre-heimopfer-ab servieren-wollen-105235545.html

 

Teil 2: Entschuldigungsgestammel – Der Eiertanz um die Wahrheit

http://www.readers-edition.de/2012/05/18/eingelullt-und-abgehakt-wie-tatervertreter-ihre-heimopfe r-abservieren-wollen-2/

oder

http://helmutjacob.over-blog.de/article-eingelullt-und-abgehakt-wie-tatervertreter-ihre-heimopfer-ab servieren-wollen-105332420.html

 

OPFERHILFE ODER EISKALTES ABWIMMELN

Teil 3: Abgewimmelt: Der Verweis auf den Runden Tisch Heimerziehung

http://www.readers-edition.de/2012/05/23/eingelullt-und-abgehakt-wie-tatervertreter-ihre-heimopfe r-abservieren-wollen-3/

oder

http://helmutjacob.over-blog.de/article-eingelullt-und-abgehakt-wie-tatervertreter-ihre-heimopfer-ab servieren-wollen-105639592.html 

Dierk Schaefers Blog
Rituale der Vergangenheitsbeschwichtigung

Wiederholungen können einlullen.

Es begann mit dem Ritual des Runden Tisches, der eine Wahrheitskommission sein sollte.

Parallel lief das Ritual der Vertröstung, man könne den Ergebnissen des Runden Tisches nicht vorgreifen – also: Abwarten!

Dann folgte das Ritual des Verweises auf die Ergebnisse, die wolle man nun schnell umsetzen.

Die Medien griffen das Ritual auf und schrieben – eins wie’s andere – von EntschĂ€digungen, obwohl es erklĂ€rtermaßen keine EntschĂ€digungen gibt.

Die Landesregierungen (einige) fĂŒhrten den Reigen weiter und setzten „Meldestellen“ ein; in anderen BundeslĂ€ndern taten das einige Landkreise und StĂ€dte.

Dort nun sollen ritualhaft die ehemaligen Heimkinder aus ihrem Leben berichten, nicht, um AnsprĂŒche zu stellen.

Denn ritualhaft wird wiederholt, daß Leistungen aus dem Fonds freiwillig seien und kein Rechtsanspruch bestehe.

Wie ein Ritual wird immer auch wieder vorgebetet, daß die Leistungen nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet werden sollen, doch das sei schließlich ins Ermessen der lokalen Sozialbehörden gestellt, die ritualhaft gebeten werden, man möge doch 


Die Liste ist sicherlich nicht vollstÀndig.

Doch ein anderer Ritualstrang sei erwÀhnt. Es geht um die folgenlose Distanzierung von den Ergebnissen des Runden Tisches.

Da war gleich am Ende des Runden Tisches zu lesen, daß Herr Struck vom ParitĂ€tischen anderer Ansicht war. Er hatte jedoch nicht mit abgestimmt und wohl auch nicht darauf gedrungen, daß seine Stimme per „Briefwahl“ gewertet werden solle.

Kurz darauf hielt Prof. Dr. Schruth einen Vortrag vor Fachkollegen, der nur als Absage an die Ergebnisse zu interpretieren ist. Er hatte zwar zugestimmt, doch sich durch das Ritual des Fachvortrags wissenschaftlich salviert.

Und nun komme ich zu einem Ritual, das zu erwĂ€hnen mich schmerzt. Es trifft den aufrechten Prof. Kappeler. Von Beginn an hat er geradezu gebetsmĂŒhlenartig auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Heim-Forschung hingewiesen, hat den Zwischenbericht des Runden Tisches kritisch kommentiert, so auch den Schlußbericht. Er ist – wie auch ich – zu einem einsamen Rufer in der WĂŒste geworden. Nun soll/will er den EinfĂŒhrungsvortrag bei der MĂŒnchner Anhörung halten, auf der ritualhaft die ehemaligen Heimkinder wieder ihre Traumatisierung auffrischen dĂŒrfen, allerdings im Verborgenen, denn Öffentlichkeit soll nicht gewĂ€hrt werden, auch nicht fĂŒr die, die sie wollen. In diesem Rahmen wird der öffentliche Vortrag von Prof. Kappeler zum Feigenblatt-Beleg dafĂŒr, daß man sogar kritischen Stimmen einen prominenten Platz einrĂ€umt – jetzt, nachdem alles gelaufen ist.

Damit wird Prof. Kappeler Bestandteil des Rituals der Vergangenheitsbeschwichtigung, selbst wenn er sie geißelt.

PS: Meine „Ente“ wurde von rund 600 Lesern wahrgenommen. Drei Leser griffen die Idee auf, d.h., sie hießen es gut, daß Kappeler „abgesagt hat“. Ich weiß nicht, ob sie gemerkt hatten, daß es eine gezielte Falschmeldung war. Zwei Leser haben sich ĂŒber mich und die Meldung geĂ€rgert. Über die anderen weiß ich nichts.

Der Zweck gezielter Falschmeldungen ist Desinformation, im besten Fall ein gelungener Aprilscherz. Gezielte Falschmeldungen, die in der Meldung selber erkennbar zurĂŒckgenommen werden, sind Satire, die auf ihre Art Aufmerksamkeit erregen und zum Nachdenken anregen will.

Das mit der Aufmerksamkeit hat ausweislich meiner Blogstatistik geklappt – jedenfalls fĂŒr den begrenzten Interessentenkreis. Es wĂ€re gut, wenn möglichst viele der Leser meine Gedanken bedacht haben, egal, ob sie ihnen zustimmen.

FĂŒr die, die mögen, fĂŒge ich alle meine Entchen bei: Die ursprĂŒngliche in ihren Fehlfarben und drei Bearbeitungen, die mir zugeschickt wurden. Eine in den FDP-Farben, eine als CSU-Version und die dritte als Vatikan-Modell.

alle meine entchen

FĂŒr alle, denen das Mondkalb Kopfzerbrechen bereitet hat, schließlich noch das Original von Morgenstern.
Mondkalb

Wer die Dateien anklickt, tut damit kund, daß er es aus eigenem freiem Entschluß tut und beschwert sich nicht.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/06/03/rituale-der-vergangenheitsbeschwichtigung/

Dierk Schaefers Blog

Ein ganzer Theatertag

Posted in GeschichteheimkinderPolitikPsychologie by dierkschaefer on 16. Juni 2012

Von einem, der auszog, das Gruseln zu lernen, heißt ein MĂ€rchen der BrĂŒder Grimm. Die Anhörung im Bayrischen Landtag ist in doppelter Hinsicht geeignet, das Gruseln zu lernen. »Zu Beginn der Veranstaltung«, heißt es in der Mitteilung auf der „Heim“-Seite des Bayrischen Landtags, »wurde eine gemeinsame ErklĂ€rung aller Fraktionen im Bayerischen Landtag verteilt. Darin bedauern die Mitglieder des Ausschusses die Geschehnisse in den Kinderheimen und die damit verbundenen, teilweise lebenslangen Folgen fĂŒr die Betroffenen zutiefst. Die Anhörung solle ein weiterer Beitrag zur AufklĂ€rung, Aufarbeitung und der Beginn eines Dialogs zwischen Landtag und Betroffenen sein«.

Man kann den bayrischen Parlamentariern (und 
innen) also keine Unwissenheit vorwerfen. Es war wie im Theater mit der Dreigroschenoper. Man weiß was kommt und kommt trotzdem. Man glotzt auch nicht mehr so romantisch. Das hat man ja bei Brecht gelernt und sich drauf eingestellt. Soweit die Seite der Zuschauer.

Und die Personen auf der BĂŒhne?

»80 ehemalige Heimkinder [hatten] den Wunsch [geĂ€ußert], ĂŒber ihre schrecklichen Erlebnisse, ĂŒber erlittenes Leid und Unrecht einmal an verantwortlicher Stelle reden zu können«. Eine tolle Chance! Wann kann man schon einmal vor einem verantwortlichen Publikum auftreten. Aber: verantwortlich wofĂŒr? Doch nehmen wir’s ganz einfach: Es war wohl ein Publikum, dem man zutraute, Antworten zu geben.

»56 weitere Betroffene wollten einfach dabei sein, erfahren, dass sie mit ihrem Leid und den lebenslangen Folgen nicht alleine sind«. Die 56 haben bestimmt auch auf Antworten gehofft.

Eingeleitet wurde die Oper mit einem wissenschaftlichen Blick auf das StĂŒck, das zur AuffĂŒhrung kommen sollte. FĂŒr diesen Teil war auch die Presse zugelassen, die anschließend in die große Pause geschickt wurde. Professor Kappeler stimmte mit seinem bereits bekannten Wissen ĂŒber die VerhĂ€ltnisse in den Heimen das Publikum auf das ein, was in den PausengesprĂ€chen unter Ausschluß der Presse dem geladenen Publikum ans Herz gelegt werden sollte. Er versĂ€umte auch nicht, an die Verantwortung zu appellieren und »formulierte eine Reihe von Forderungen, bei denen die Anerkennung der Kinder- und Jugendarbeit in den Heimen als Zwangsarbeit an vorderster Stelle steht«.

Wann im Verlauf der Oper der Ochsenziemer prĂ€sentiert wurde – vielleicht kam er sogar zum Einsatz? – geht aus der Heim-Seite des Landtags nicht hervor. »Der 79-jĂ€hrige Richard Sucker hatte zu der Veranstaltung im Senatssaal des Maximilianeums einen „Ochsenziemer“ mitgebracht. Damit wurde er als Kind in einem Heim in Oberfranken misshandelt. SchlĂ€ge auf die nackte Haut gab es wegen Nichtigkeiten – bis die Kinder bluteten, berichtete Richard Sucker«.

http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/6864465944/in/set-72157629263453740/

Wie hat nun das Publikum geantwortet?

LandtagsprĂ€sidentin Barbara Stamm sprach wohl fĂŒr alle: Sie »wertete die Anhörung als Zeichen der WertschĂ€tzung an die Betroffenen: „Sie sind Menschen, die das oft nicht erfahren haben. Diese WertschĂ€tzung wollten wir Ihnen heute geben.“

Da werden sich wohl alle Darsteller herzlich bedankt und die WertschÀtzung heimgetragen haben.

FĂŒrwahr, ein GruselstĂŒck.

Aber es war gut, daß dies alles mal wieder aufgefĂŒhrt wurde. Von wegen Brecht – die Romantik hat manch schönes SchauerstĂŒck geliefert. Doch eins bleibt aus seiner Dreigroschenoper: »Wir wĂ€ren gut, anstatt so roh, doch die VerhĂ€ltnisse, die sind nicht so!«

http://www.bayern.landtag.de/cps/rde/xchg/landtag/x/-/www1/2261_9164.htm Samstag, 16. Juni 2012 

Dierk Schaefers Blog

Petition an den BundesprÀsidenten

http://www.avaaz.org/de/petition/Eine_gerechte_Entschadigung_fur_ehemalige_Heimkinder/

 

Dierk Schaefers Blog

Nachtrag zum vorstehenden Artikel

Sehr geehrter Herr BundesprÀsident,

heute frĂŒh unterschrieb ich die Petition der ehemaligen Heimkinder, möchte aber doch noch ein persönliches Wort hinzufĂŒgen.

Wie Sie bin auch ich evangelischer Pfarrer im Ruhestand.

In der Heimkindersache geht es um zweierlei Rechtverletzungen. Da sind zum einen die vielfĂ€ltig belegten Verbrechen wĂ€hrend der Heimzeit. Ein beschĂ€mendes StĂŒck Geschichte, sowohl fĂŒr den Rechtsstaat als auch fĂŒr Einrichtungen mit christlichem Anspruch. Hier gilt es, unter weitgehendem Verzicht auf VerjĂ€hrungseinsprachen Verantwortung fĂŒr die Opfer zu ĂŒbernehmen, die auch angemessene EntschĂ€digungsleistungen beinhaltet.
Damit bin ich bei der zweiten Rechtsverletzung: Das Prozedere am Runden Tisch, seine abschließenden Empfehlungen und deren Umsetzung. Dies kann nicht anders als großer Betrug an den Opfern gewertet werden und ich erbiete mich, die Belege dafĂŒr zu liefern. Der Runde Tisch, noch dazu unter FĂŒhrung einer Kollegin, ist die zweite große BeschĂ€mung, die ich als Pfarrer in dieser Sache erlebe.

Mir ist bewußt, daß Sie, sehr geehrter Herr BundesprĂ€sident, in der DDR staatliches Unrecht massiv erlebt haben. Ich stehe auch nicht an, die Bundesrepublik einen Unrechtsstaat zu nennen. Doch es gibt Gruppen, die diesen Staat nicht als Rechtsstaat erleben konnten. Sie wurden in einem rechtsfreien Raum weitestgehend von Bildung ausgeschlossen, wurden gedemĂŒtigt, mißhandelt, mißbraucht und mußten Zwangsarbeit leisten. Die ehemaligen Heimkinder erleben nun in ihrer Lebenszeit zum zweiten Mal das Versagen des Rechtsstaates. Vom Verhalten unserer Kirchen ganz zu schweigen.

Sie, sehr geehrter Herr BundesprÀsident, sind eine der letzten Instanzen, an die sich die ehemaligen Heimkinder gegen alle Erfahrungen voll Hoffnung wenden.

Meine Bitte als StaatsbĂŒrger und Pfarrer: EnttĂ€uschen Sie diese Hoffnung nicht.

Mit freundlichem Gruß

Dierk SchÀfer

1. http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/07/06/petition-an-den-bundesprasidenten/

2. http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/07/06/nachtrag-zum-vorstehenden-artikel/

Dierk Schaefers Blog

Klar, GedenkstÀtten sind keine EntschÀdigung.

 Â»Die GedenkstĂ€tten, die an die GrĂ€uel des Nationalsozialismus erinnern, stehen aktuell vor Ă€hnlichen Problemen. Die Zeitzeugen, die durch ihr eigenes Schicksal SchĂŒlern diese Zeit nĂ€herbringen können, verschwinden nach und nach. Manche Einrichtungen arbeiten deshalb jetzt mit gefilmten Interviews. „Wir wollen aber nicht, dass die Zeitzeugen auf kurze Videoclips reduziert werden“, betonte Shaun Hermel aus dem Vorbereitungsteam der GedenkstĂ€tte.«

http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/West/Experten-debattieren-ueber-Konzept-der-Gedenkstaette

 Klar, GedenkstĂ€tten sind keine EntschĂ€digung. Aber sie sind wichtig. Nicht nur, um irgendeine Erinnerung wachzuhalten, sondern aus diesem Erinnern Schlußfolgerungen fĂŒr aktuelles und zukĂŒnftiges Verhalten zu ziehen.

 Klar ist auch, daß die Musealisierung vergangener Greuel um so problemloser vonstatten gehen kann, wie die Verantwortlichen fĂŒr die Greuel – wie auch die Opfer – selber „museal“ geworden sind.

 Das ist mit den Greueln in den staatlichen und kirchlichen pĂ€dagogischen Einrichtungen jedweder Art jedoch anders.

·                      Noch leben die Opfer – und einige TĂ€ter.

·                      Noch existieren einige Firmen, die Nutznießer von Kinderzwangsarbeit waren.

·                      Noch gibt es Einrichtungen in direkter Nachfolge der damaligen MißhandlungsstĂ€tten.

Da fĂ€llt es schwer einzugestehen und lebendig zu halten, was damals geschah, noch schwerer, wenn die GrĂŒndervĂ€ter mancher Anstalten diskreditiert sind, aber dennoch in Ehren gehalten werden sollen.

 Gewiß ist einiges an Erinnerungsarbeit geleistet worden, sogar am unsĂ€glichen Runden Tisch. Ein Bischof hat sich lang vor den Altar gelegt und um Verzeihung gebeten, ein anderer hat einen Versöhnungsgottesdienst gehalten mit den ehemaligen Heimkindern, die sich dafĂŒr hergegeben haben.

 Die Crux ist nur, daß diese Erinnerungsarbeit stattfand, anstelle von 


Anstelle von angemessenen EntschĂ€digungen fĂŒr


·                      â€Š von Kindern- und Jugendlichen geleistete Zwangsarbeit , ohne angemessene Bezahlung und ohne Sozialversicherung.

·                      â€Š nicht gebotene Bildung und Ausbildung.

·                      â€Š systematisch herbeigefĂŒhrte SchĂ€digungen an Leibern und Seelen dieser Kinder durch DemĂŒtigungen und Mißhandlungen, auch sexueller Art.

·                      â€Š systematische Unterlassung der Aufsicht in den Heimen.

·                      â€Š Ignorierung und Bagatellisierung der Verbrechen.

·                      â€Š viele durch den Heimaufenthalt verpfuschte LebensverlĂ€ufe.

·                      â€Š den „Verlust“ Gottes, in dessen Namen man handelte

 Solange EntschĂ€digungsleistungen verweigert werden, ist Erinnerungsarbeit Heuchelei.

Zumal 


·                      â€Š diese Erinnerungen in einer Vielzahl der Homepages der Nachfolgeeinrichtungen ausgespart oder schamhaft in den Hintergrund geschoben werden.

·                      â€Š keine interne Erinnerungsarbeit geleistet wird. Wo bleibt die theologisch-pĂ€dagogische Bearbeitung von Kindeswohl-Verletzungen, die in Übereinstimmung mit den theologisch-pĂ€dagogischen Prinzipien der Einrichtungen standen? Hier geht es um die Doppelmoral von Sonntagspredigt und Alltagshandeln, um DemĂŒtigung, Schmalspurbeschulung, „Arbeitstherapie“ und Mißhandlungen, also um die Systematik kirchlicher pĂ€dagogischer Arbeit. Lediglich die Sexualverbrechen gehören hier nicht her, denn die waren auch in diesem System „SĂŒnde“, die allerdings gnĂ€dig zugedeckt wurde.

·                      â€Š meines Wissens die Heimverbrechen noch nicht Eingang gefunden haben in die sozialpĂ€dagogische Ausbildung.

 Wenn es also nach dem Willen von Rundem Tisch, Parlament, Staat und Kirchen schon keine EntschĂ€digungen geben soll: Wo bleibt die Aufarbeitung der Verbrechen, die der Wiederholung vorbeugt?

 Hier könnte die GedenkstĂ€ttenarbeit Vorbild sein. FĂŒr begleitende peinliche Aufwallungen sind nicht die Opfer verantwortlich. Die Peinlichkeit der einen ist die Pein der anderen. Nur mit schonungsloser Offenheit und Lernbereitschaft kann man in den erforderlichen Dialog eintreten. Vielleicht wĂŒrde man dann auch erkennen, daß man fĂŒr die Vergangenheit auch zahlen muß.

 http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/08/02/klar-gedenkstatten-sind-keine-entschadigung/

Dierk Schaefers Blog

Gottesdienst zum Gedenken an die Gewaltopfer

Vorbemerkung

Wenn man, selber Pfarrer, fĂŒr ein nicht theologisch vorgebildetes Publikum die Predigt eines Kollegen kommentiert[1], ist es nötig, ein paar Worte ĂŒber Predigten im allgemeinen vorwegzuschicken. Viele Zeitgenossen haben zudem kaum noch Erfahrung mit dieser Form des Vortrags, manchen ist sie nicht nur fremd, sondern auch suspekt.

Aufgabe einer Predigt ist es, einen Bibeltext mit der Situation der Predigthörer ins GesprĂ€ch zu bringen. Diese Situation kann ganz speziell sein, besonders bei einer anlaßbezogenen Predigt, kann aber auch allgemein grundlegende oder aktuelle Fragen aufgreifen. ...

Ich habe zusammen mit dem Prediger auf den Text gehört – und viele Fragen sind offen. Er hat nicht mit mir als „Hörer“ rechnen können, doch von den Opfern hatte er dank der Arbeit der Wissenschaftler Kenntnis[5]. Aber die Opfer wurden nicht ernst genommen.

Eigentlich schade, wenn eine handwerklich gut gemachte Predigt den eigentlichen, den  schwierigsten Punkt, den erforderlichen Skopus mißachtet.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/18/gottesdienst-zum-gedenken-an-die-gewaltopfer/

Dierk Schaefers Blog

Da ist wohl was dumm gelaufen 


Posted in heimkinderKirche by dierkschaefer on 22. Januar 2013


 fĂŒr die Volmarsteiner Anstalten. Dem Vernehmen nach haben sie fĂŒr die Diakonie in den Heimkinder-Fonds eingezahlt. Doch das war wohl falsch. Denn aus dem Fonds werden keine ehemaligen Heimkinder aus Behindertenheimen bedient.

http://helmutjacob.over-blog.de/article-auch-2013-menschen-zweiter-klasse-behi nderte-heimopfer-114630736.html

Wie kam’s? Entweder hat das Diakonische Werk (EKD) Volmarstein getĂ€uscht oder Volmarstein hat sich geirrt.

Jedenfalls: Die Ausrede, wir haben schon gezahlt, zieht nicht mehr. Volmarstein, wo bleibt dein Beitrag fĂŒr deine Opfer? Fremdzahlen gilt nicht.

Da gab es doch mal eine Bank in Deutschland, die in eine amerikanische Konkursbank noch nach Bekanntwerden des Konkurses eingezahlt hat. Das war dumm gelaufen.

 

Die Spuren der VerwĂŒstung in der Heim-"Erziehung” und ihre Nachwirkungen - "Nie wieder"
Leserbrief im Blog des ev. Theologen Dierk SchÀfer:

“Nie wieder!”
Was wird aus Kindern die verbogen, belogen, missbraucht, geprĂŒgelt werden, denen man Bildung vorenthĂ€lt und die durch Zwangsarbeit oder den Zwang zur Arbeit ausgebeutet werden? Was wird aus Kindern die ohne Urteile und PrĂŒfung eingesperrt und Drill ausgesetzt werden? Was wird aus Kindern die das ertragen mussten ohne die Möglichkeit, sich zu wehren oder Schutz zu finden? Ich kann das sicher nicht allgemein beurteilen, aber aus mir ist ein Mann von 58 Jahren geworden.
Seit mehr als 40 Jahren vermeide ich viele AlltĂ€glichkeiten, ohne dass es jemand sehen kann. Ich ĂŒbe mich in UnauffĂ€lligkeit. Ich vermeide geschlossene RĂ€ume von denen ich die TĂŒren nicht sehen kann. Ich könnte eingesperrt werden! Ich fahre nicht einmal mit der Bahn, weil es ist ein abgeschlossener Raum, den ich nicht freiwillig verlassen kann. Das geht nur wenn der Zug hĂ€lt. Ich könnte ein Konzert besuchen, kann ich aber nicht, mir jagen viele Menschen, die gemeinsam an Veranstaltungen teilnehmen, Angst und Panik ein. Ich kann nicht entkommen wenn ich möchte. Ich könnte mit Freunden gemeinsam essen gehen, das normalste von der Welt, kann ich aber nicht, es ist eine Tortur fĂŒr mich, warten zu mĂŒssen bis alle Ihr Essen haben, es könnte mir gestohlen werden. Ich werde zappelig und unsicher, also vermeide ich es. Ich bin misstrauisch und argwöhnisch und beleuchte alles und Jeden der sich mir nĂ€hert. Ja, ich zerstöre unbewusst vielleicht konstruktive Synergien. Das sind ein paar wenige der AuffĂ€lligkeiten, die mir selbst auffallen. Sicher gibt es aber noch so einige Dinge, die ich gar nicht weiß und selbst bemerke, wissenschaftlich betrachtet.
Es ist fĂŒr mich zur Gewohnheit geworden so zu sein, so zu handeln und so zu leben. Aber wie viel Leben ist das eigentlich? Wenig genug und sehr, sehr anstrengend. Das weiß ich von mir. Was hat die Gesellschaft versĂ€umt und was hĂ€tte ich ohne diese EinschrĂ€nkungen, die ich selbst indessen als Behinderung empfinde, erreichen können?
Eine Million behinderte Menschen, die Ă€hnliche oder gleiche EinschrĂ€nkungen haben und wir reden ĂŒber Inklusion? Wir reden ĂŒber MenschenwĂŒrde und Menschenrechte und ĂŒber die Bereicherung von Gesellschaften durch kritische BĂŒrger, die Ihre Rechte auf der Straße einfordern. Wir belehren andere, Demonstrationen als BĂŒrgerbeteiligung wahr zu nehmen und nicht als Bedrohung zu empfinden. NatĂŒrlich tun wir das, oder mindestens unsere Vertreter auf Zeit. Richtig und gut, aber sollten wir nicht zuerst dafĂŒr Sorge tragen, dass wir den heute Betroffenen von Heimerziehung – in welcher Form auch immer – die WĂŒrde zurĂŒck geben und Ihnen ein finanziell gesicherten Lebensabend trotz Behinderung oder gerade deshalb ermöglichen. Wir haben in diesem Land einiges wieder gut zu machen, in Form angemessener Renten und EntschĂ€digung fĂŒr erlittenes Unrecht und Ausbeutung.
Sollten wir nicht endlich damit aufhören, diese Opfer zu produzieren? Sollten wir nicht endlich solche Formen des Umganges mit Kindern beenden? Sollten wir nicht endlich alles in unserer Macht stehende unternehmen, die TĂ€ter solcher „Erziehungspraktiken“ zu verurteilen? Sollten wir nicht endlich unserer Kinder mit Rechten ausstatten, die diese auch einfordern können, weil Sie diese verstehen? Sollten wir uns nicht endlich fragen, wie viel Schaden wir durch nichts tun anrichten?
Ich denke, wir mĂŒssen!
Wir mĂŒssen das einfordern. Bildermann kenn ich nicht, aber ich bilde mir ein, dass wir uns das alle fragen lassen mĂŒssen, auch und aktuell zuerst in Brandenburg. Es ist so eine Sache mit „nie wieder“ in unserem Land, ist es nicht an der Zeit damit endlich anzufangen?
Ich dachte, hoffte und glaubte letztendlich auch, dass wir etwas gelernt haben. So als Land, als  Gesellschaft , als das sogenannte Volk.
Offenbar haben wir das nicht. Oder wollen wir vielleicht nicht? Es wirkt auf mich, als wollten wir nicht. Als litten wir alle unter Amnesie und offenbar haben wir sie gern, unsere Amnesie. Sonst mĂŒssten wir uns ja tĂ€glich mit Fragen auseinandersetzen auf die es Antworten gibt.
Antworten zum Beispiel auf die Frage: Woher kommt der NSU. Wer hat das gewusst und zugelassen? Wir oder die, die dafĂŒr bezahlt werden so etwas zu bemerken, öffentlich zu machen, ja, auch die BĂŒrger zu schĂŒtzen. Die haben es gewusst und offensichtlich auch bemerkt , nur weder öffentlich gemacht noch die Ihnen anvertraute Sicherheit der BĂŒrger im Auge behalten.
Ich habe keine Amnesie und bemerke das sich vieles wiederholt. Zum Besipiel die Art und Weise, wie ich in einem Spezialheim der DDR erzogen wurde. Diese Methoden wiederholen sich nun in einem privatisierten geschossenen Kinderheim in Deutschland. Und das, nachdem wir geschĂ€digten Heimkinder von damals bis heute nicht entschĂ€digt haben fĂŒr diese Misshandlungen. Nun geschehen diese Misshandlungen wieder. Was haben wir also tatsĂ€chlich gelernt als Gesellschaft? Nach zwei großen Kriegen haben wir uns die Beteuerung „Nie wieder“ auf die Fahnen geschrieben. Nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen an der Odenwaldschule  riefen wir wieder: „Nie wieder“
Und nun? Die Fortsetzung soz. Erziehungsmethoden in einer GmbH in Brandenburg. Nein, kein bedauerlicher Einzelfall, sondern die konsequente Fortsetzung und Folge der Nicht-BewĂ€ltigung, der Nicht-Aufarbeitung , Nicht-Verhinderung, und der nicht angemessenen EntschĂ€digung der Opfer solchen Tuns. Es reicht einfach nicht „Nie wieder“ zu sagen. Wir mĂŒssen diese Geschichten gemeinsam aufarbeiten und bewĂ€ltigen. Wir können nur verhindern, was wir verstanden und beendet haben. Wie groß soll der angerichtete Schaden an den Kinderseelen noch werden?

http://dierkschaefer.wordpress.com/2013/06/29/nie-wieder/

Mit Zustimmung des Autors “Lutz” hier ungekĂŒrzt wiedergegeben.

netzwerkB Pressemitteilung vom 24.09.2013

netzwerkB fordert AufklĂ€rung und UnterstĂŒtzung der Betroffenen

Die gesamte grĂŒne FĂŒhrungsspitze tritt laut ErklĂ€rung von JĂŒrgen
Trittin, Claudia Roth, Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt vom 23.
September 2013 zurĂŒck. Auch Volker Beck zieht sich aus der ersten Reihe
zurĂŒck.[1]

netzwerkB erklÀrt hierzu:

Diese Schritte hĂ€tten schon vor den Wahlen statt finden mĂŒssen. Die
MÀrchen von angeblich verfÀlschten Texten, angeblich fiktiven
ErzĂ€hlungen, abgeblichen ErinnerungslĂŒcken und angeblich nie gefaßten
BeschlĂŒssen hĂ€tte man sich und der Öffentlichkeit, insbesondere aber
auch den Betroffenen ersparen können.

Wer solche Texte schreibt oder unterschreibt, druckt und verbreiten lĂ€ĂŸt,
in denen sexuellen Handlungen mit Kindern und Jugendlichen, idealisiert und
ideologisiert werden, darf sich heute nicht aus der Verantwortung stehlen.

Es ist auch eine MĂ€r, zu behaupten, dass sei alles doch schon 1981
gewesen, oder 1976. Was in der Öffentlichkeit nicht mehr ging, setzte sich
zum Beispiel in der Humanistischen Union fort. Die Tolerierung und
UnterstĂŒtzung ging weiter.

Wir monieren die Zusammenarbeit mit der "Arbeitsgemeinschaft Humane
SexualitĂ€t" und der "PĂ€do Selbsthilfe- und Emanzipationsgruppe MĂŒnchen".
Ein FundstĂŒck aus dem Jahre 1997 ist folgendes Infoblatt fĂŒr Kinder:
"Weißt Du, daß es Erwachsene gibt, die auf Kinder "stehen"? Daß diese
Erwachsenen 'pĂ€dophil' oder kurz 'PĂ€dos' genannt werden? Daß es Kinder
gibt, die etwas mit einem Erwachsenen haben? Daß es manche von diesen
Kindern nicht selbst wollen, sondern tun mĂŒssen? Daß es aber auch einige
Kinder gibt, die es selbst wollen und gut finden?"

Im Jahre 2000 verfaßte der Bundesvorstand ein Papier, dass die Aufhebung
der gesetzlichen Verfolgung von PĂ€dophilen anstrebte. Danach distanzierte
man sich von dem Papier. In den Jahren 2003/2004 fanden eine Polizeirazzia
in den RĂ€umen der Humanistischen Union, weil man dort weiter mit
PĂ€dphilen kooperierte, und ein Gerichtsverfahren statt. Man distanzierte
sich erneut. Danach fanden die Treffen der pÀdophilen Selbsthilfegruppe
bei einem Vorstandsmitglied der Humanistischen Union und Mitinhaber eines
Hauses in der Maxvorstadt statt. Im Mai 2010 verurteilte ihn das
Landgericht MĂŒnchen zu einer Haft von zweieinhalb Jahren. Er hatte nach
Auffassung des Gerichts einen 11jÀhrigen Jungen, den er im Freibad
kennengelernt hatte, mindestens 70 Male sexuell missbraucht.[2]

Über solche BezĂŒge sollten die grĂŒnen Politikerinnen Renate KĂŒnast,
Claudia Roth oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, seit April 1999
im Beirat) doch wissen, die ebenso wie viele andere hochrangige Politiker
als Mitglied im Beirat der Humanistischen Union den dortigen Vorstand
beraten. Nach wie vor befinden sich im Beirat der HU auch fragwĂŒrdige
Experten wie Fritz Sack, Soziologieprofessor und Kurator der
„Arbeitsgemeinschaft Humane SexualitĂ€t”. Oder RĂŒdiger Lautmann,
Verfasser des Buches „Die Lust am Kind“.

FĂŒr uns ist die AufklĂ€rung wesentlich, wer in Deutschland versucht hat,
die PĂ€dophilie zu legalisieren, wer Kontakte zu Netzwerken hatte und
welche TĂ€ter in diesen Netzwerken bis heute bekannt geworden sind.

Wir monieren, dass die KontinuitÀten und Vernetzungen geleugnet werden.
Wir monieren, das so getan wird, als wĂŒrde es keine Opfer geben. Wir
monieren, dass so getan wird, als wĂŒrde es keiner Anlaufstelle bedĂŒrfen.

Eine Aufarbeitung bedarf auch einer Reflexion. Diese kann nicht
stattfinden, wenn VerantwortungstrĂ€ger von frĂŒher heute noch als
GeschĂ€ftsfĂŒhrer oder Vorsitzende oder Inhaber anderer hoher Ämter tĂ€tig
sind. Der RĂŒcktritt wĂ€re eine Frage des Anstands gewesen, nicht eine
Frage des Wahlergebnisses. Mit solch einem Verhalten schafft man kein
Vertrauen, sondern Interessenkollisionen.

Was wir jetzt schon sagen können: Es fehlt nach wie vor das GesprÀch mit
den Betroffenen. Es fehlt eine Entschuldigung gegenĂŒber den Opfern. Es
fehlt nach wie vor eine gemeinsame Besprechung, wie man das Los der Opfer
heute erleichtern kann.

Aus unserer Sicht gehören dazu unabdingbar die Aufhebung der
VerjĂ€hrungsfristen im Zivilrecht und im Strafrecht fĂŒr die Opfer von
interpersoneller Gewalt, denn die Opfer leiden unter den gesundheitlichen
SchĂ€den lebenslang. Dazu zĂ€hlen fĂŒr uns auch die EinfĂŒhrung einer
Anzeigepflicht fĂŒr Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, damit mehr
Intervention jetzt stattfinden kann oder zumindest eine Regressmöglichkeit
besteht, und ein grundlegend ĂŒberarbeitetes System des Schadensersatzes
(auch rĂŒckwirkend), das den tatsĂ€chlichen SchĂ€den Rechnung trĂ€gt. Auch
beim Kinderschutz in der Frage der Beschneidung haben diese Politiker
versagt.

Die GrĂŒnen sollten endlich aufhören, den TĂ€terschutz höher zu werten
als die Rechte der Opfer. Das gilt auch fĂŒr alle anderen Parteien und
Institutionen in Deutschland.

[1]
http://www.ln-online.de/Nachrichten/Brennpunkte/Analyse-Gescheiterte-Gruene-vor-neuen-Ka empfen;
http://www.zeit.de/politik/2013-09/gruener-volker-beck-hoert-auf

[2] 
http://www.zeit.de/1997/17/titel.txt.19970418.xml;
http://www.humanistische-union.de/fileadmin/hu_upload/media/mitt/Mitteilungen171.pdf;
http://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/hefte/nummer/nummer_detail/b ack/mitteilungen-172/article/bericht-vom-verbandstag-in-marburg/;
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/kindsmissbrauch-zweieinhalb-jahre-haft-fuer-paedoph ilen-lehrer-1.747058

Dierk Schaefers Blog: Franz-Peter Tebartz-van Elst – der Mann des Jahres

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kirche, Religion von dierkschaefer am 31. Oktober 2013

Franz-Peter Tebartz-van Elst[1] ist ein ausgesprochener Liebling der Medien und der Netzgemeinde. Wohl wie kein anderer Geistlicher seit Jahren hat er die Kirche wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gehoben. Als einfacher Ruhestandspfarrer auf dem Land kann ich da nur neidisch[2] werden, wenn es mir auch schwerfĂ€llt, diese Untugend einzugestehen.

Doch genug der lasterhaften HĂ€me[3]. Wie steht es mit dem „Wirken“ dieses Mannes, was hat er bewirkt?

Er hat nicht nur den Kirchenfeinden Munition geliefert und oberflĂ€chliche Religionskritiker bestĂ€tigt. Zudem hat er Menschen verunsichert, die bis jetzt, salopp gesagt, „brav katholisch“ waren. Der „Aufstand“ im Bistum belegt das. Und er hat wohl mehr Menschen zum Kirchenaustritt angeregt, als das jemals eine Person aus dem geistlichen Stand geschafft hat.[4] Was „Kirche“, welche auch immer, derzeit tut, wird nun durch die Limburger Skandalbrille gesehen. Besonders wenn die Kirche baut, ist sie nun großer Aufmerksamkeit sicher.

Woher hat sie wohl das Geld dafĂŒr, wieviel hat sie ĂŒberhaupt, darf sie das haben, sollte sie nicht glaubwĂŒrdiger in Sack und Asche gehen, alles den Armen geben? Und wenn sie schon baut, welcher Baustandard wird ihr zugestanden? Ist das nicht alles zu teuer, gar zu luxuriös, warum steckt sie ihre Mitarbeiter, die ja skandalöserweise ohnehin nicht streiken dĂŒrfen, nicht einfach in BĂŒrocontainer?

Die Diskussion hat lĂ€ngst unterstes Stammtischniveau erreicht, dank eines selbstverliebten Bischofs, dem es gelang, die wenigen Kontrollmechanismen seiner Macht auszuschalten und der wie ein Schulbub versuchte, sich mit LĂŒgen zu retten.

In unserer Gesellschaft ist die Kirche, wenn man von der weltanschaulichen Ausrichtung absieht, eine Großorganisation wie andere auch. Sie lebt, wie auch die Parteien und die Gewerkschaften, im Spagat von Anspruch und Wirklichkeit, zwischen GlaubwĂŒrdigkeit und Unglaubhaftigkeit. Zollitsch sprach sogar von der sĂŒndhaften Kirche. Es hilft nun nicht, auf die SĂŒnden anderer zu verweisen, auch wenn der Limburger Skandal zeitweise der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen die Show gestohlen hat. Wo die Kirche unglaubwĂŒrdig wird, muß das schon wegen ihres eigenen Anspruchs schonungslos diskutiert werden. Ich habe leider den Eindruck, daß es der Kirche an dafĂŒr kompetentem und glaubwĂŒrdigem FĂŒhrungspersonal mangelt, und das nicht erst seit dem Heimkinder- und dem Mißbrauchsskandal.

Bleiben wir bei kirchlichen Bauvorhaben und der Limburger Skandalbrille. Die MĂŒnchner Abendzeitung berichtet ĂŒber den Neubau des Bistums[5]. Wenn andere Firmen, auch die öffentliche Verwaltung, bauen, um ihre verstreuten Abteilungen und BĂŒros in einem GebĂ€ude zusammenzufassen, gilt das als erforderliche Sanierungsmaßnahme. Auch daß die Kosten letztendlich ĂŒber den Planzahlen liegen, lĂ€ĂŸt sich meist schadlos erklĂ€ren, wenn die Differenz im ĂŒblichen Rahmen bleibt. Dank Tebartz wird dieses Bauvorhaben nun nicht nur beachtet, sondern generell verurteilt. Wie kann die Kirche nur und ĂŒberhaupt 
 siehe oben. Das Churchbashing ist im Mainstream angekommen. Da wĂŒrde es auch nicht helfen, Franz-Peter zu teeren und zu federn, um ihn dann dem johlenden Mob zu ĂŒberlassen. Herr, schmeiß Hirn ’ra!, kann ich auf schwĂ€bisch dazu nur sagen.

Ob ĂŒbrigens der Neubau des Ordinariats Rottenburg-Stuttgart ĂŒberhaupt nötig war, kann ich nicht beurteilen. Ich habe ihn nur ausgiebig photographiert[6], weil ich den architektonischen RĂŒckgriff auf das Mittelalter höchst befremdlich finde fĂŒr eine Organisation, die sich nicht in eine Festung zurĂŒckziehen sollte.

An der aktuellen Diskussion ist immerhin sinnvoll, daß die Kirche sich nun auch um ihre internen Baustellen kĂŒmmern muß, wenn sie dem öffentlichen Druck dieser Gesellschaft standhalten will. Die Zeiten kirchlicher Unschuld, wenn es sie den je gab, sind vorbei. Church business as usual, wie ich auf einem Londoner Bauschild las, geht nicht mehr. DafĂŒr hat der Limburger Bischofs gesorgt und das mit einer medialen Resonanz, die auch die evangelische Kirche in Mitleidenschaft gezogen hat[7].

PS: Ich bin ĂŒbrigens der Meinung, daß es eine Schande ist, nur in Industriegebieten Platz fĂŒr Moscheen auszuweisen. Sie gehören inzwischen, wie die Kirchen immer noch, in die Mitte der Gesellschaft. Entgegen der Politik der Kirchenleitungen meine ich, daß man auch einige der inzwischen ĂŒberzĂ€hligen Kirchen entsprechend umwidmen sollte.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Peter_Tebartz-van_Elst

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Neid

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Spott

[4] Von „Übertritten“ oder gar der Reformation ganzer Kirchen abgesehen.

[5] http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.die-kirche-und-das-geld-muenchen-hier-baut-der-ka rdinal.1114e59e-de26-428c-8bc9-180925971d4f.html

[6] http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/9651941132/in/photolist-fGUHQ9-fGUMVb-fGCfpk-fG C8dc-fGCbzM-fGC2Zr-fGBY1v-fGBWbF-fGUtqq-fGUELC-fGUyZ5-fGUCGW-cKUitm-fHn5QE/lig htbox/

[7] http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/2486633042/in/set-72157604984616450

 

Beschlagwortet mit: Baumaßnahmen, Bischof Tebartz-van-Elst, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gewerkschaften, GlaubwĂŒrdigkeit, Kirche, Kirchenkritik, Limburg, Mann des Jahres, MĂŒnchen, Parteien

1 Kommentar

http://dierkschaefer.wordpress.com/2013/10/31/franz-peter-tebartz-van-elst-der-mann-des-jahres /#comments

Dierk Schaefers Blog: Das Christentum, in der Öffentlichkeit geschwĂ€cht

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kirche von dierkschaefer am 26. Dezember 2013
»Wenn heute das Christentum in Talkshows, Leitartikeln oder sonstwo schlecht geredet wird, dann hat das auch etwas sehr gravierendes zur Folge: Ein in der Öffentlichkeit geschwĂ€chtes Christentum kann nicht mehr mit Macht fĂŒr die Armen, UnterdrĂŒckten und Benachteiligten kĂ€mpfen«.[1]

Und genau dort liegen die Schwachstellen. In Kinderheimen wurden die Kinder, meist die der Armen, unterdrĂŒckt und fĂŒr ihr Leben benachteiligt. Die Heime waren vielfach Ausbeutungseinrichtungen und die Kinder einem Personal ausgeliefert.

Das Personal war 
 (zum Ankreuzen, auch mehrfach möglich):
O  bigott
O  pĂ€dagogisch unfĂ€hig
O  sadistisch
O  sexuell verklemmt
O  pĂ€dophil
O  sonstiges 
..

Die Rechtsnachfolger dieser Erziehungseinrichtungen von Kirche und Staat waren 
 (zum Ankreuzen, auch mehrfach möglich):
O  verstockt-uneinsichtig
O  raffiniert
O  unfair
O  betrĂŒgerisch
O  heuchlerisch
O  eitel
O  erfolgreich

und vor allem:
O  geizig

Es begab sich außerdem zu dieser Zeit, daß ein Bischof es vermochte, fĂŒr Waisenkinder bestimmtes Geld in auserlesene Weine umzuwandeln und ein anderer verbrauchte das Geld der Kirche fĂŒr ein auserlesenes persönliches Luxusambiente.

Gewiß hat das Eintreten der Kirchen fĂŒr die Armen, UnterdrĂŒckten und Benachteiligten die Spendenbereitschaft der Menschen erhöht und ich nehme nicht an, daß es bei Brot fĂŒr die Welt oder Adveniat oder wie sie alle heißen nennenswerten Mißbrauch gibt. Doch die Verfehlungen hierzulande haben die GlaubwĂŒrdigkeit unserer Kirchen nachhaltig untergraben und sie ins offene Messer ihrer erklĂ€rten Feinde laufen lassen.

Schade, denn wir brauchen tatsĂ€chlich ein Christentum, dessen Kirchen mit Macht fĂŒr die Armen, UnterdrĂŒckten und Benachteiligten kĂ€mpfen.

Wie sagt das Sprichwort? Der Fisch stinkt vom Kopf her.

[1] http://
www.huffingtonpost.de/2013/12/24/das-christentum-ist-ein-skandal_n_4497612.html

Blog Dierk SchÀfer: Antje Vollmer und das schmutzige GeschÀft der Politik.
Posted in Politik by dierkschaefer on 1. April 2014
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2014/04/01/antje-vollmer-und-das-schmutzige-geschaft-der-poli tik/

Einen Scherbenhaufen haben die westlichen LĂ€nder angerichtet, so Antje Vollmer.[1] Sie sollte sich um ihren eigenen Scherbenhaufen kĂŒmmern, um das Porzellan, das sie am Runden Tisch zerdeppert hat. Sie hat gekonnt die ehemaligen Heimkinder fĂŒr Staat und Kirchen ĂŒber den Tisch gezogen und ganz ungeniert einen Preis entgegengenommen, der den Namen eines ehrenwerten Mannes trĂ€gt. Absolut degoutant!

Vollmer braucht anscheinend wieder etwas publicity in ihrer wohlverdienten Versenkung. Die soll sie haben. http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politi kerin-dr-antje-vollmer/
[1] http://
www.publik-forum.de/Politik-Gesellschaft/gorbatschows-geplatzter-traum

Tagged with: Antje Vollmer, Runder Tisch

Hier die Dokumentation der Arbeit des Runden Tisches Heimerziehung mit Dank an Pfarrer i.R. und Diplompsychologe Dierk SchÀfer, Bad Boll:

Dierk Schaefers Blog: Der Runde Tisch Heimkinder und der Erfolg der Politikerin Dr. Antje Vollmer
Posted in heimkinder by dierkschaefer on 31. Januar 2011
Ein informationsgestĂŒtzter Interpretationsversuch

Der Runde Tisch stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Zwar hatte er eine nicht zu ĂŒberschĂ€tzende parlamentarische Startbedingung durch den Auftrag des Petitionsausschusses bekommen, doch dann geriet das Verfahren unter die RĂ€der der Alltagspolitik, die immer Interessenpolitik ist, bei der sich letztlich das Beharrungsvermögen (TrĂ€gheit inbegriffen) und die mĂ€chtigeren Interessen durchsetzen.

Da war zunĂ€chst die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen, die ich als die böse Fee der Heimkinder sehe. Sie sorgte mit ihrem Votum fĂŒr die „richtige“ Weichenstellung: „Die Einrichtung eines nationalen EntschĂ€digungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.“

Die psychologischen Auswirkungen dieses Satzes waren verheerend. Er hat einen ungeheuren Vertrauensschaden angerichtet.

Doch die Ministerin blieb am Ball: Im Zuge der Vergabe der Organisation des Runden Tisches kam es zu einer KĂŒrzung des Budgets von rund einer Million auf rund vierhunderttausend Euro. Diese Zahlen waren mir bei meiner Anhörung am Runden Tisch am 2. April 2008 noch nicht bekannt ( http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf ). Es war klar, daß mit dieser Summe nicht angemessen gearbeitet werden konnte. Sollte ja vielleicht auch nicht werden.

Zu welchem Zeitpunkt in diesem HintergrundgeplĂ€nkel Frau Vollmer mit der Moderation beauftragt wurde, weiß ich nicht. Aus jahrelanger Erfahrung als Moderator weiß ich aber, daß ein Moderator, wenn nicht nach außen, so doch zumindest in der Gruppe, die er moderiert, unglĂŒckliche Startbedingungen benennen und mit der Gruppe ĂŒberlegen muß, wie man damit umgehen will, um das Projekt erfolgreich anzugehen. Dies hat Frau Vollmer nicht getan.

Zudem hat ein Moderator darauf zu achten, daß kein Mitglied der Gruppe deutlich schwĂ€cher gestellt ist, als andere. Eine asymmetrische Machtverteilung gibt es zuweilen. Doch eine ungleichgewichtige Beteiligung darf ein Moderator nicht hinnehmen, sondern muß ihr gegensteuern. Das bedeutet, daß Frau Vollmer dafĂŒr Sorge hĂ€tte tragen mĂŒssen, daß den ehemaligen Heimkindern die begleitende Beratung durch eine renommierte Rechtsanwaltskanzlei finanziert wird. Doch die bekamen nicht einmal ein eigenes Budget.

Alle anderen Teilnehmer am Runden Tisch waren den ehemaligen Heimkindern durch Bildung und Ausbildung, und auch durch ihre berufliche Position haushoch ĂŒberlegen. Zudem hatten sie einen „Apparat“ im Hintergrund, den sie zumindest logistisch nutzen konnten. Zu erwĂ€hnen ist auch die SelbstverstĂ€ndlichkeit, daß ihre TĂ€tigkeit zumeist im Rahmen ihrer dienstlichen Obliegenheiten erfolgte.

All dieses nicht angesprochen und kompensiert zu haben, ist professionelles Versagen der Moderatorin Vollmer. Zugleich ist es eine Frage der Berufsethik, die sie als Pfarrerin zu berĂŒcksichtigen hat, auch wenn sie nicht explizit als solche tĂ€tig wird.

Doch dabei blieb es nicht. Frau Vollmer hĂ€tte erkennen mĂŒssen, daß die am Runden Tisch beteiligten ehemaligen Heimkinder einen schweren Stand auch gegenĂŒber ihrer Basis haben, gerade weil Frau von der Leyen sich so definitiv geĂ€ußert und schon die deutliche Verzögerung des Beginns des Runden Tisches verursacht hatte. Auch diesen Punkt habe ich in meiner Anhörung deutlich herausgestellt. Sie hat jedoch die Alarmsignale ignoriert und eine Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die als Verheimlichungsarbeit wahrgenommen werden mußte. Es ist zu konzedieren, daß die Politik des VeH ihr dabei in die HĂ€nde gespielt hat; eine Politik, die ich bei meiner Anhörung als problematisch bezeichnet habe. Doch Frau Vollmer  hĂ€tte gegensteuern können und mĂŒssen. Allerdings scheint sie in der Person von Dr. Siegfried Wiegand ein williges Werkzeug gefunden zu haben, den sie nach meinen Informationen in mindestens einer separaten Unterredung auf Gefolgschaft einstimmen konnte. Dadurch hat sie die Position der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch noch mehr geschwĂ€cht, indem diese nun nicht nur dem Druck der Heimkinderöffentlichkeit ausgesetzt waren, sondern auch dem KonformitĂ€tsdruck innerhalb ihrer Dreierkonstellation; schließlich hatte Herr Wiegand erkennbar eine Leitfunktion inne und beanspruchte sie auch.

So eingefĂ€delt konnten die Dinge ihren Lauf nehmen. Informationen vom Runden Tisch blieben eher formal, wenn auch ein paar Gutachten in Auftrag gegeben wurden, die zu anerkennenswerten Ergebnissen kamen. Die beim Runden Tisch eingerichtete Anlaufstelle fĂŒr ehemalige Heimkinder hat nichts verlautbaren lassen, was auf eine erfolgversprechende Arbeit schließen ließe; ehemalige Heimkinder, die Kontakt mit mir hatten, haben sich ausschließlich negativ ĂŒber die Stelle geĂ€ußert.

Dann kam der Zwischenbericht. Er wurde von Prof. Kappeler auf hohem fachlichem Niveau ausfĂŒhrlich analysiert. Herr Wendelin vom Runden Tisch versicherte mir zwar, alles werde vom Runden Tisch wahrgenommen; doch die Analyse von Prof. Kappeler fand weder eine offizielle Anerkennung, noch wurden die aufgezeigten gravierenden MĂ€ngel in der Folgezeit kompensiert.

Die Schlußphase –  Endlich hatten die drei Teilnehmer des Runden Tisches mit Heimhintergrund ein Papier mit konkreten Forderungen nicht nur vorgelegt, sondern auch offiziell eingebracht. Damit kamen Turbulenzen in die Beratungen des Schlußberichts, so daß die Schlußversion besser aussah als der Entwurf.

Die Analyse des Schlußberichts durch Prof. Kappeler ist aufschlußreich. Wie kam das Abstimmungsergebnis zustande? Die drei „ordentlichen“ Vertreter der Heimkinderseite hatten drei persönlich zugeordnete Stellvertreter bekommen. Diese waren zwar redeberechtigt, was ihnen aber anscheinend nicht gleich gesagt wurde. Stimmberechtigt waren sie jedoch nur bei Nichtanwesenheit dessen, den sie zu vertreten hatten. Folgerichtig gab es also immer nur drei Heimkinderstimmen. Zur Absegnung des Schlußberichts sollten auch die Stellvertreter plötzlich stimmberechtigt sein; die Heimkinder hĂ€tten also sechs Stimmen gehabt. Doch die Verdoppelung der Ohnmacht klappte nicht, denn ein Stellvertreter scherte aus. Eine Gegenstimme hĂ€tte nicht gut ausgesehen. Den Stellvertretern wurde das gerade eben zugesprochene Stimmrecht schnurstracks wieder entzogen. Die anderen wurden vor die Alternative gestellt: entweder es gibt das, was nun aufgetischt ist, oder es gibt gar nichts. Bei Tarifverhandlungen zwischen in etwa gleich starken Partnern ist das ein legitimes Mittel, einen Kompromiß herbeizufĂŒhren oder die Situation zu klĂ€ren. Doch diese Konstellation war von Anfang bis Ende nicht gegeben. Die Moderatorin setzte die schwĂ€cheren Partner unter Druck (und Zeitdruck) und bekam das, was sie spĂ€ter in der Presse eine immer gute Lösung nannte, den einstimmigen Beschluß. So darf ein neutraler Moderator nicht verfahren.

Dennoch bin ich der Meinung, daß Frau Vollmer ihren Job professionell gemacht hat. Ich hĂ€nge jedoch nicht den Verschwörungstheorien vieler ehemaliger Heimkinder an. Die RealitĂ€t dĂŒrfte banal sein. Frau Vollmer hat ausschließlich als Politikerin agiert und das gefördert, was angesichts der VerhĂ€ltnisse machbar war und als persönlicher Erfolg verkauft werden konnte. Sie mußte dabei nur entsprechend jonglieren und aufpassen, daß kein Ball zu Boden fĂ€llt.

Das ist ihr zweifellos gelungen. Frau Vollmer hat ihren Job beendet und hĂ€lt sich mit Recht fĂŒr erfolgreich. Auch der Hauptvertreter der Heimkinder am Runden Tisch kann sich im Erfolg sonnen, wie ich vermute, selbstgefĂ€llig: Er hat immerhin den ehemaligen Heimkindern einen Spatzen  verdient.

Auch gekonnt-professionelles Handeln kann Ă€ußerst degoutant sein.

http://
dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politi kerin-dr-antje-vollmer/

Heimkinder, Heimerziehung, Runder Tisch Heimerziehung, Antje Vollmer, Evangelische Kirche, Katholische Kirche, Caritas, Diakonie, Dierk Schaefer, Dierk SchÀfer,

Dierk Schaefers Blog: Das WÀchteramt der Kirche - Kommentar: Der Wolf als SchÀfer?

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider dozierte am 11. MĂ€rz 2014 auf einem Symposium von EKD und Evangelischer Polizeiseelsorge in Berlin ĂŒber das WĂ€chteramt der Kirche. [1]

FĂŒr Theologen ist das nicht weiter spannend, weil nicht neu.
Nicht-Theologen, auch nicht-Christen könnten fragen, ob ein WĂ€chteramt der Kirche einerseits eine Anmaßung, vielleicht gar Bedrohung ist, und ob andererseits die Kirche die angemaßte Rolle tatsĂ€chlich ausfĂŒllen kann und in der Vergangenheit ausgefĂŒllt hat.

Ehemaligen Heimkindern könnte beim Stichwort WĂ€chteramt auch noch die WĂ€chterfunktion der JugendĂ€mter einfallen. Doch das Thema Anmaßung will ich nicht vertiefen.

Interessanter erscheint mir ein anderer Zusammenhang. Wer etwas beansprucht, sollte Referenzen vorweisen können. Schneider erwĂ€hnt öffentliche Debatten, die auch in konkreter Wahrnehmung ihres kirchlichen WĂ€chteramtes inspiriert waren. Sie hĂ€tten sogar unsere Kirche vor manche Zerreißprobe gestellt. Schneider erinnert an die Formulierung V in der Barmer Theologischen ErklĂ€rung[2]: »Sie (die Kirche) erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten.«

Mit der VerkĂŒndigung des Evangeliums an »alle Welt« ist als Auftrag mit gesetzt, die Gebote in aller Welt zur Geltung zu bringen. 
Wir sehen es als Aufgabe, in Auslegung des Dekalogs [10 Gebote] und in Aufnahme der Weisungen Jesu den Ordnungsrahmen des Gemeinwesens zu beschreiben. Unser Reden schöpft einerseits aus dem Kern der biblischen Botschaft und ist andererseits sachlich argumentierend. In diesem Sinne gibt es tief in der biblischen Überlieferung verwurzelte Grundentscheidungen, die fĂŒr unsere ethische und politische Kultur prĂ€gend sind. Ich nenne nur die Stichworte: MenschenwĂŒrde, Freiheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Sozialstaatlichkeit und Schutz der Schwachen.1

Nun, da mag er ja Recht haben. Auch ich bin der Meinung, daß wir Christen den Auftrag haben, Gerechtigkeit und Menschlichkeit nicht nur zu praktizieren, sondern auch einzufordern und uns in den politischen Prozeß einzumischen, und dies auch dann, wenn es Nachteile bringt.

Doch wer mit diesem Anspruch fordert, sollte auch liefern. Dabei denke ich nicht an die Verbrechen in kirchlichen Erziehungseinrichtungen in der Vergangenheit. Die hat Schneider nicht zu verantworten. Ich denke an den Betrug an den ehemaligen Heimkindern in der Gegenwart. Entschuldigungsgestammel gab es – nach geraumer Anlaufzeit – zuhauf. Aber die Kirchen haben den ehemaligen Heimkindern jede EntschĂ€digung versagt. Wo waren da MenschenwĂŒrde, Gerechtigkeit und Schutz der Schwachen?

Da blieb dann wohl allein die Rechtsstaatlichkeit, dank derer die Kirche sich mit der VerjÀhrungseinrede aus der Bredouille ziehen konnte.

So wurde eine theologisch wie ideengeschichtlich interessante Vorlesung zum Wortgeklingel und damit zur TĂ€uschung der Öffentlichkeit. WĂ€chteramt in christlicher Verantwortung sieht anders aus.

[1] epd-Dokumentation 16/14 Polizeiseelsorge
[2] http://
de.wikipedia.org/wiki/Barmer_Theologische_Erkl%C3%A4rung
http://
dierkschaefer.wordpress.com/2014/04/14/das-wachteramt-der-kirche/

Kommentar: Der Wolf als SchÀfer?

Den AusfĂŒhrungen von Dierk SchĂ€fer ist nicht viel hinzuzufĂŒgen. Sieben Jahre wĂŒhlen im Sumpf haben mir eine Erleuchtung gebracht. Niemand hat mehr Wunden in die Psyche von Heimkindern gerissen, wie gerade die Kirchen. Als ihre WĂ€chterfunktion gefragt war, haben sie klĂ€glich versagt. ZunĂ€chst haben sie Aufgaben ĂŒbernommen, denen sie nicht gewachsen waren. Sie haben den Anspruch erhoben, Kinder und Jugendliche zu erziehen, Behinderte zu beschulen und zu pflegen, Waisen und verstoßene SĂ€uglinge zu umsorgen, psychisch kranken Kindern und Jugendlichen medizinischen und seelsorgerischen Beistand zu leisten. In allen Disziplinen haben die Kirchen versagt. Zum einen reichte das Personal stĂ€ndig nicht aus, um diesen eklatanten Mangel zu kompensieren, haben die kirchlichen Anstaltsleiter die ihnen Anvertrauten zu Sklaven gemacht. Sie haben die Hausarbeit erledigen und fĂŒr ihr Essen schuften mĂŒssen. Das Essen war in den meisten Einrichtungen ein unzumutbarer Schweinefraß, der sich vom Essen fĂŒr die wenigen Angestellten dieser Einrichtungen deutlich abhob. Die nachtrĂ€gliche BegrĂŒndung des Mangels in den Nachkriegsjahrzehnten ist eine mehrfach widerlegte LĂŒge jeder Einrichtung.

Weil das WĂ€chteramt der Anstaltsleitungen nicht wahrgenommen wurde, haben die Einrichtungen Wracks hinterlassen. Ehemalige AnstaltssĂ€uglinge erfahren durch ihre Therapeuten, dass sie in grauer Vergangenheit Ablehnung erfuhren. Ehemalige "Erziehungszöglinge" sind heute psychisch und/oder physisch krank und haben keine Rolle mehr im gesellschaftlichen Leben spielen dĂŒrfen. Viele schliddern als gescheiterte Existenzen am Existenzminimum vorbei. Die in die Psychiatrie Zwangseingewiesenen und dort auch berechtigterweise Untergebrachten erzĂ€hlen immer mehr, dass es ihnen unter kirchlicher TrĂ€gerschaft dieser Institutionen schlecht ging. Das Ausmaß der Misshandlungen ist lĂ€ngst noch nicht aufgezeigt und die Folgen werden erst in vielen Jahren dokumentiert sein. Bis in die 90er Jahre hinein haben Heime unter kirchlicher TrĂ€gerschaft immernoch ihre WĂ€chteraufgabe nicht ausgefĂŒhrt. VerstĂ€rkt kamen in den letzten fĂŒnf Jahren die sexuellen Misshandlungen an die Öffentlichkeit.

Nach erheblichem Druck durch die Öffentlichkeit, mit Hilfe des Internets, kamen immer mehr Verbrechen ans Tageslicht und die Politik wurde gezwungen, zu reagieren. Es wurde ein "Runder Tisch Heimerziehung" eingerichtet. Erneut haben die Kirchen ihr WĂ€chteramt missbraucht, indem sie ihre Juristen am Tisch platzierten, die nicht etwa die Opfer bewachten und vor politisch gesteuerten BetrĂŒgereien schĂŒtzten, sondern diese Opfer erneut quĂ€lten. Die Kirchenvertreter haben im Verein mit den anderen Juristen hilflose Opfervertreter ĂŒbertölpelt und letztendlich zu Unterschriften erpresst, die verhĂ€ngnisvoll die wahren Forderungen der Opfer vom Tisch fegten.

Selbst in den Gremien des Opferfonds, jetzt auch in denen des Fonds fĂŒr Opfer sexueller Gewalt, haben sie ihre schmutzigen Finger und verlangen die totale EntblĂ¶ĂŸung der Opfer. Damit demĂŒtigen sie diese erneut und verhindern zum grĂ¶ĂŸtenteil, dass die Opfer ĂŒberhaupt AntrĂ€ge stellen.

Was den Umgang der heutigen Rechtsvertreter der Anstalten mit den Opfern betrifft, ist zu beobachten, dass sie sich samt und sonders hinter den BeschlĂŒssen des "Runden Tisches Heimerziehung" verschanzen und die Empfehlungen des "Runden Tisches sexueller Missbrauch" schlichtweg ignorieren. Dr. Christine Bergmann sieht nĂ€mlich die Anstalten in der Haftung.

Eine kleine, positive EinschrÀnkung muss gemacht werden. Die Evangelische Stiftung Volmarstein leistet bisher unkonventionell Opferhilfe. Sie hilft mit betrÀchtlichen Geldern, die Auswirkungen der Heimzeit ihrer Opfer zu kompensieren. Aber das reicht nicht.

Das WĂ€chteramt ĂŒber ihre Opfer nehmen die Kirchen auch heute nicht wahr! Sie tun nichts, aber auch gar nichts, damit die damals GequĂ€lten und Geschundenen nicht erneut ins Heim mĂŒssen; nun aufgrund ihres Alters oder zunehmender Behinderung. Anstatt mit wehenden Talaren vor den ĂŒbergeordneten SozialĂ€mtern Gelder fĂŒr die Zukunftssicherung im hĂ€uslichen Bereich einzufordern, verkriechen sie sich auch weiterhin wie Wölfe, die ein paar Schrotkugeln ins Fell bekommen haben. Sie lecken ihre Wunden und hoffen, dass die Bevölkerung irgendwann vergisst und die Opfer aussterben. Wer nicht mehr lebt, hĂ€lt endlich die Schnauze.

Die Hoffnung geht nicht auf, wenigstens nicht so schnell. Wenn das Internet frei bleibt, werden diese Verbrechen noch lange nachlesbar sein und die Kirchen noch Jahrzehnte an ihren damaligen Taten gemessen werden.

Wenn Nikolaus Schneider fĂŒr die Evangelische Kirche immer noch das WĂ€chteramt reklamiert, misshandelt auch er erneut die Heimkinder. Diesen Anspruch haben die Kirchen verwirkt. Sie sollten sich selbst kontrollieren lassen, weil sie immer wieder auf ganzer Linie versagen.

Evangelische Kirche, Nikolaus Schneider, Moral, Heimkinder, Heimerziehung, psychische Gewalt, physische Gewalt, sexueller Mißbrauch, Zwangsarbeit, Ausbeutung, Diakonie

Prof. Dr. Manfred Kappeler: Anvertraut und ausgeliefert
Vortrag im Rahmen der Ethik-Vorlesung an der Hochschule Esslingen (FakultÀt Soziale Ar­beit) am 27.5.2014

Statt Hilfe und UnterstĂŒtzung erfuhren sie Unrecht und Leid – Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung der Vierziger-Siebzigerjahre.
 

Auszug:
Die EntschÀdigungsfrage
In den 40er bis 70er Jahren haben Hunderttausende Kinder und Jugendliche durch die ih­nen in den Heimen der Jugendhilfe der damaligen Bundesrepublik abgezwungene Arbeit in der Haus- und Landwirtschaft der Heime selbst, in Eigenbetrieben der HeimtrĂ€ger und als an Fremdfirmen Ausgeliehene mehrstellige MilliardenbetrĂ€ge erwirtschaftet. Mit die­sem Geld wurden Jahr fĂŒr Jahr die Budgets der Jugendhilfe entlastet und damit zuletzt der Steuerzahler. Der RTH hĂ€tte diesen Sachverhalt mit einer wirtschaftswisssenschaftli­chen Expertise aufklĂ€ren können und damit eine Grundlage fĂŒr eine politisch zu vertre­tene und der Öffentlichkeit zu vermittelnde angemessene finanzielle EntschĂ€digung ehe­maliger Heimkinder bekommen. Aber obwohl von den ehemaligen Heimkindern am RTH die Anerkennung der verbotenen Kinderarbeit und der Zwangsarbeit von Jugendlichen vom ersten bis zum letzten Tag der Arbeit des RTH eingefordert wurde, obwohl die wirt­schaftliche Bedeutung dieser Arbeit von ihnen immer wieder betont wurde und obwohl sie den direkten Zusammenhang zwischen der erzwungenen Arbeit und der ihnen vorent­haltenen Bildung immer wieder dargelegt haben, wurde diese Expertise von der Leitung des RTH nicht in Auftrag gegeben und dem Bundestag empfohlen, die diesbezĂŒglichen Forderungen der ehemaligen Heimkinder zurĂŒckzuweisen. Der Versuch von mir und ande­ren SachverstĂ€ndigen, in der die Plenumsentscheidung vorbereitenden Sitzung des Fami­lienausschusses diese folgenreiche Fehlentscheidung zu korrigieren, scheiterte an der Weigerung der Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages, die „Empfehlungen“ des RTH noch einmal daraufhin zu ĂŒberprĂŒfen, ob sie, wie es den ehemaligen Heimkindern am Beginn dieses Prozesses in Aussicht gestellt worden ist, wirklich einen angemessenen Beitrag zu ihrer Rehabilitation und EntschĂ€digung leisten und fĂŒr den sozialen Frieden in dieser Gesellschaft förderlich sind.

Vortrag als PDF     Vortrag als doc
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Heimkids sind immer noch ein Thema. Wer von Ihnen hin und wieder meinen Blog aufsucht, weiß das. Ansonsten: Schauen Sie doch einmal wieder rein. Es gibt neue Entwicklungen.

1. Die Heimkinder aus den psychiatrischen Einrichtungen und Heimen fĂŒr Menschen mit Behinderung, vom Runden Tisch nicht beachtet, sollen nun eine flĂ€chendeckende Studie bekommen, soweit sie katholisch sind. http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/07/08/neue-heimkinderstudie-im-auftrag-der-caritas/ Dort auch weiterfĂŒhrende Links.

2. Mit der Frage, wie die von den Nazis leergemordeten HeimplĂ€tze nach dem Krieg wieder belegt wurden und in wessen Interesse, dĂŒrfte ein neues Kapitel eröffnet werden. http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/07/04/nachkriegskinder-als-frischfleisch-fur-die-psychiatri en/ und http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/07/03/das-leid-von-kindern-in-psychiatrischen-einrichtung en-in-der-nachkriegszeit/

3. Auch heute noch gibt es Heime, in denen die ZustÀnde Àhnlich skandalös sind wie in den mittlerweile historischen. http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/07/09/neues-aus-der-haasenburg/

Wie eine Gesellschaft mit den „ÜberzĂ€hligen“ umgeht, mit den Menschen, die man nicht (mehr) braucht, die aber Kosten verursachen, zeugt von ihrer HumanitĂ€t.

Hier wĂ€ren noch mehr Gruppen aufzuzĂ€hlen, als die Heimbewohner jedweden Alters. Ich will hier nur die Alten- und Pflegeheime nennen, auf die ein großer Teil von uns „zualtert“, auch die ehemaligen Heimkinder. http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/07/31/wurdiges-sterben/ und http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/12/31/2243/. Der dort genannte Vorfall liegt zwar schon etwas zurĂŒck, doch ich bekomme auch Meldungen ĂŒber aktuelle FĂ€lle.

Ihrer Aufmerksamkeit herzlich empfohlen!

Mit freundlichem Gruß

Dierk SchÀfer

Freibadweg 35

73087 Bad Boll